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Sicherheit neu denken: Warum Luft- und Raumfahrt zum Fundament unserer Zukunft wird

von Andreas Gundel

Die internationale Sicherheitslage hat sich grundlegend verändert. Kriege an Europas Grenzen, geopolitische Machtverschiebungen und eine zunehmende Instrumentalisierung von Technologie zeigen: Sicherheit ist nicht militärische Stärke, sondern die Summe aus politischer und wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit einerseits sowie technologischer Kompetenz andererseits.

Dabei rückt eine Branche zunehmend ins Zentrum, die lange vor allem als Innovations- und Technologietreiber wahrgenommen wurde: die Luft- und Raumfahrt.

Eine Welt im Umbruch

Großmächte konkurrieren nicht mehr nur um Territorien, sondern vielmehr um Technologieführerschaft, stabile Lieferketten, Datenhoheit und strategische (Un)Abhängigkeiten. Konflikte verlaufen zunehmend hybrid – auch im Sinne von unausgewogen und unvorhersehbar, unterhalb der klassischen Kriegsschwelle, aber mit realen Auswirkungen.

Luftfahrt und Raumfahrt sind dabei längst eigenständige Konfliktfelder. Oder militärisch: wer in den Dimensionen Space und Air keine eigenen Fähigkeiten verfügt, macht sich angreifbar – politisch wie wirtschaftlich.

Sicherheit ist auch eine Industriefrage

So wie sich staatliche Souveränität nicht ohne Industrie denken lässt, lässt sich Sicherheitspolitik nicht ohne Industriepolitik denken. Eine leistungsfähige industrielle Basis wird damit zu einer strategischen Notwendigkeit. Sie entscheidet darüber, ob ein Staat in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt – oder von externen Akteuren abhängig wird.

Gerade die Luft- und Raumfahrt spielt hier eine Schlüsselrolle. Satelliten ermöglichen Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung und Frühwarnung. Luftgestützte Systeme sichern Mobilität, Aufklärung und Reaktionsfähigkeit. Gleichzeitig sind diese Technologien fast immer zivil wie militärisch nutzbar – und damit volkswirtschaftlich wie sicherheitspolitisch relevant.

Innovation als Sicherheitsfaktor

Technologischer Fortschritt ist heute ein zentraler Bestandteil von Abschreckung und Resilienz. Dabei zählt nicht nur, was entwickelt wird, sondern wie schnell und wie skalierbar Innovationen umgesetzt werden können. Start-ups, Mittelstand, Forschungseinrichtungen und Großunternehmen müssen enger zusammenarbeiten – unterstützt von klaren politischen Rahmenbedingungen.

Wer technologische Entwicklung verlangsamt, verliert doppelt: einerseits wirtschaftlich an Wettbewerbsfähigkeit, andererseits sicherheitspolitisch an Glaubwürdigkeit.

Abschreckung heute

Glaubhafte Abschreckung beruht heute vor allem auf der Fähigkeit, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, Systeme widerstandsfähig zu gestalten und im Ernstfall schnell zu handeln – möglichst im Verbund mit verlässlichen Partnern.

Luft- und Raumfahrtgestützte Systeme schaffen Transparenz und Entscheidungsfähigkeit. Sie sind Voraussetzung dafür, Risiken einschätzen zu können, Eskalationen zu vermeiden und Handlungsoptionen zu besitzen. Ohne sie bleibt Abschreckung unvollständig.

Neue Akteure

Neben Staaten prägen zunehmend private Unternehmen und Innovationsökosysteme das sicherheitspolitische Umfeld. Kommerzielle Raumfahrtakteure, Technologieunternehmen und hochspezialisierte Mittelständler übernehmen mehr und mehr Aufgaben, die früher ausschließlich staatlich organisiert waren.

Damit verschwimmen die Grenzen zwischen wissenschaftlicher, ziviler, kommerzieller und militärischer Nutzung. Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Ansatz, der Innovation fördert und gleichzeitig strategische Interessen wahrt.

Verantwortung und Chance für Deutschland und Europa

Für Deutschland und Europa liegt in dieser Entwicklung eine doppelte Herausforderung – und eine große Chance. Erfolgreiche Sicherheitspolitik braucht technologische Souveränität, industrielle Stärke und internationale Bündnisfähigkeit. Die Luft- und Raumfahrt kann alle drei Handlungsfelder verbinden.

Standorte wie Bayern mit einer starken industriellen Basis, exzellenter Forschung und innovativen Unternehmen sind prädestiniert, diese Rolle aktiv zu gestalten. Voraussetzung ist jedoch der politische Wille, Sicherheit, Innovation und Industrie strategisch zusammenzudenken.

Denn eines ist klar: Luftfahrt und Raumfahrt sind keine Randthemen der Sicherheitspolitik – sie sind ihr Fundament.

Autor: Andreas Gundel ist Geschäftsführer des bavAIRia e.V.

Russland - Venezuela - Taiwan - Grönland: Diese Stichworte reichen, um deutlich zu machen, dass sich die Entscheidungsgrundlagen für alle Sicherheitsstrategen fundamental ändern. Was sind die Leitlinien für eine künftige Sicherheitsstrategie? Worauf müssen wir uns geopolitisch einstellen? Und welche Rolle spielen Innovation, Industrie, Resilienz und Bündnisse dabei?

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