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Weichen für die Zukunft: Warum die Stärkung der Pharmaindustrie in den Koalitionsvertrag gehört

von Han Steutel

Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und globaler Herausforderungen von lange nicht mehr gesehenem Ausmaß steht die kommende Bundesregierung vor der Aufgabe, klare wirtschaftspolitische Akzente zu setzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Innovationskraft der Pharmaindustrie. Durchaus ein Thema für den Koalitionsvertrag.

Die Pharmastrategie als solider Ausgangspunkt

Deutschland hat sich eine Pharmastrategie gegeben. Sie sieht nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts vor. Darauf kann man aufbauen, wenn man langfristig etwas erreichen will: Die Strategie muss im Dialog weiterentwickelt werden und das Versprechen stabiler Rahmenbedingungen muss eingehalten werden. Der Blick fällt dabei auf das, was unsere Branche zu bieten hat.

Investitionen als Stütze des Industriestandorts

Kaum eine Branche ist produktiver und forschungsintensiver als die Pharmaindustrie. Die Wertschöpfung pro Beschäftigtem liegt weit über dem Durchschnitt anderer Industriezweige. Fast jeder fünfte Euro aus dem Umsatz wird direkt in Forschung und Entwicklung reinvestiert. Zudem schafft die Branche umfangreiche wirtschaftliche Effekte, indem sie Wertschöpfung auch außerhalb ihres Kerngeschäfts generiert.

Internationale Investitionen in den deutschen Pharmasektor haben weitreichende positive Auswirkungen: Sie schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze, fördern den Export und stärken Deutschland als Wirtschaftsstandort. Gerade vor dem Hintergrund der steigenden globalen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ist es essenziell, eine starke pharmazeutische Forschungslandschaft mit erstklassiger Grundlagenforschung zu vereinen.

Auch auf europäischer Ebene hat die Stärkung zukunftsweisender Industrien an Bedeutung gewonnen. Die EU-Kommission setzt verstärkt auf Industriepolitik als zentrales Handlungsfeld. Der jüngst erschienene Draghi-Report hebt hervor, warum gezielte Investitionen in strategische Zukunftsfelder unerlässlich sind. Nutzt die Politik diese Erkenntnisse, kann die Pharmaindustrie ihren Fokus verstärkt auf den europäischen Markt richten.

Fünf Ideen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands

Stärkung des Innovationsmarkts: Innovationen entfalten ihr volles Potenzial erst, wenn sie schnell einen großen Markt erreichen. Europa sollte sich als weltweit führenden Absatzmarkt für innovative Produkte etablieren.

Technologischer Verbund als Standortvorteil: Deutschland zeichnet sich nicht nur durch starke Produktentwicklung aus, sondern auch durch seine Hightech-Produktionskompetenz. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen.

Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil: In vielen Fällen entscheidet nicht die beste, sondern die schnellste Lösung über den Markterfolg. Der schnelle Ausbau von Produktionskapazitäten ist entscheidend, um Deutschland als Produktionsstandort attraktiv zu halten.

Fachkräfte gezielt fördern: Der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist eine zentrale Herausforderung. Es braucht durchdachte Strategien zur Qualifizierung, zum Quereinstieg und zur besseren Nutzung vorhandener Potenziale.

Brücke zwischen Forschung und Gründungen schlagen: Zwischen exzellenter Spitzenforschung und unternehmerischer Umsetzung besteht eine Lücke. Verbesserte Rahmenbedingungen für Start-ups, gezielte Finanzierungsmodelle und die Nutzung digitaler Möglichkeiten können helfen, diesen Graben zu überwinden.

Investitionen in die Zukunft: Jetzt!

Die Stärkung der Pharmaindustrie ist weit mehr als eine wirtschaftliche Notwendigkeit – sie ist eine strategische Investition in die Zukunft. Sie trägt nicht nur zur Krisensicherheit und Innovationsfähigkeit Deutschlands bei, sondern bildet auch eine solide Basis für nachhaltiges Wachstum. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Weichen entsprechend zu stellen und zwar im Koalitionsvertrag einer Bundesregierung, die dem Land den Glauben an sich selbst wieder zurückzugeben will.

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Autor: Han Steutel ist Präsident des vfa (Verband forschender Arzneimittelhersteller e.V.).

Was gehört unbedingt in den Koalitionsvertrag? In Berlin wird unter hohem Zeitdruck über große Mittel und zentrale Weichenstellungen entschieden. Wir stellen im Table.Forum Regierungsagenda die Impulse wichtiger Stimmen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Interessengruppen öffentlich und kompakt zur Diskussion.

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