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Elektrifizierung mit Netzausbau gründlich vorantreiben

von Wolfgang Weber

Effizienz ist das Schlüsselwort unserer heutigen Zeit. Ob administrativ oder technologisch – alle Pläne, Maßnahmen und Reformen müssen daraufhin wirken, dass unser Land effizienter wird. Der Inbegriff von technologischer Effizienz ist Elektrifizierung. Damit bringen wir unsere Wirtschaft wieder in Schwung und damit schaffen wir eine zukunftsfähige, klimaneutrale Industriegesellschaft.

Die Effizienzwende muss jetzt starten, insbesondere beim zügigen und effizienten Aus- und Aufbau der richtigen Strominfrastruktur. Eine leistungsfähige, digitalisierte, flexibilisierte und richtig dimensionierte Stromnetzinfrastruktur ist die Grundvoraussetzung für Elektromobilität, Speichertechnologien, Wärmepumpen und die Elektrifizierung der Industrie. Nur so können wir den zunehmend erneuerbar erzeugten Strom effizient, (versorgungs-)sicher und zu annehmbaren Kosten nutzen. Der erfreuliche Abbau an regulatorischen Hürden beim Ausbau der vergangenen Jahre trägt langsam Früchte.

Allerdings: Derzeit ist die Diskussion um eine Drosselung des Netzausbaus in vollem Gange. Das Argument: Die Elektrifizierung schreitet doch nicht so schnell voran wie angenommen. Ich möchte hier aber in aller Deutlichkeit sagen: Durch das Hü und Hott sind Unsicherheiten unter anderem bei der Elektromobilität oder den Wärmepumpen entstanden – und deren Zuwachs ist vergangenes Jahr tatsächlich unter dem des Vorjahres geblieben. Aber deshalb dürfen wir gerade nicht die Situation durch ein zusätzliches Hin und Her beim Ausbau der Erneuerbaren und der Strominfrastruktur verschlimmbessern. Wir dürfen jetzt nicht jahrelang diskutierte, vereinbarte Technologiepfade wegen eines schwächeren Nachfragejahres verlassen.

Die Bundesregierung hat die Klimaziele bekräftigt. Die nächsten verbleibenden 20 Jahre müssen gut geplant und entsprechend konsequent genutzt werden. Wir werden dabei jede hierzulande produzierbare erneuerbare Kilowattstunde Strom benötigen.

Und: Uns bietet sich derzeit eine Riesenchance, unsere Stromnetze auf lange Sicht zukunftssicher auszubauen. Allein 50 Prozent des benötigten Technologiebedarfs für die geplanten Infrastrukturinvestitionen ergeben sich ohnehin aus dem Erneuerungsbedarf, wie eine Analyse der Universität Wuppertal im Auftrag von BDEW und ZVEI errechnet hat.

Innerhalb der Technologiepfade müssen natürlich Potenziale zur Kosteneffizienz gehoben werden. Wirkungsvolle Mittel dafür liegen in der Digitalisierung der Netze, der Flexibilisierung der Nachfrage, dem besser geplanten Zubau von Erneuerbaren mit weniger Verschattung und netz- und preisdienlicher Standorte für Stromspeicher. Hierzu gibt es erfreuliche Entwicklungen. Der Rollout intelligenter Messsysteme hat richtig Fahrt aufgenommen, wie die neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen. Die angestrebte Quote von 20 Prozent im Mittel bis Ende dieses Jahres kann erreicht werden.

Wir stecken mitten in der Transformation unseres Energiesystems. Dieses Momentum muss eine neue Bundesregierung nutzen und Anreize für mehr Elektrifizierung schaffen. Dazu gehört, Strom endlich zum auch preislich attraktiveren Energieträger zu machen. Hier gab es gerade aus den Koalitionsverhandlungen einen weiteren positiven Fingerzeig: Die Strompreise sollen um fünf Cent pro Kilowattstunde sinken. Dazu soll die Stromsteuer auf EU-Mindestmaß gesenkt und die Netzentgelte halbiert werden – für alle. Im Auftrag von VKU und ZVEI hat Consentec kürzlich dazu ein Gutachten erstellt, dass dazu nicht nur die Stromsteuer und die Übertragungsnetzentgelte gesenkt werden müssen, sondern auch die netzseitigen Umlagen.

Wenn es durch diesen Schritt endlich attraktiv wird, elektrisch zu fahren, elektrisch zu heizen – zu Hause und in der Industrie – wird auch der Strombedarf zunehmen. Es wäre geradezu fahrlässig, wenn wir dann in wenigen Jahren feststellen, dass der Ausbau der Erneuerbaren und der Stromnetze zu langsam gewesen ist.

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Autor: Wolfgang Weber ist Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.

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