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Reform der Altersvorsorge jetzt

von Claudia Andersch

Neben den vielen geopolitisch drängenden Entscheidungen ist es wichtig, dass es auch eine Reform unseres Sozialversicherungssystems auf der To-Do-Liste der neuen Bundesregierung ganz nach oben schafft. Hier stehen nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit des Sozialstaats zur Debatte. Besonders die Altersvorsorge – und hier meine ich alle drei Säulen – muss aus unserer Sicht absolute Priorität haben. Die alte Regierung hat leider keine ihrer geplanten Reformen der Alterssicherung umgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass die neue Bundesregierung dies nun zügig angeht. Wir dürfen dieses wichtige Thema nicht auf die lange Bank schieben, denn dazu sind die demografischen Entwicklungen viel zu alarmierend.

Als Versicherer können wir uns in verschiedenen Bereichen einbringen.

Betriebliche Altersvorsorge

Hier ist mit den richtigen Rahmenbedingungen noch großes Potential zu heben, die Bedeutung wird vielfach unterschätzt. Die neue Bundesregierung sollte den Fokus auf noch bestehende Verbreitungslücken richten, das gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie für Geringverdiener. Attraktiver wäre die bAV, wenn wir Sozialpartnermodelle auf Unternehmen ohne Tarifbindung ausweiten könnten. Opt-Out-Modelle tragen deutlich zur Verbreitung bei, flexiblere Garantien verbessern die Anlagechancen und somit die Rendite für jeden Einzelnen. Eine verbesserte steuerliche Förderung sowie eine erleichterte Übertragbarkeit könnten weitere Personen überzeugen.

Private Altersvorsorge

Auch die private Altersvorsorge (pAV) kann und sollte attraktiver aufgestellt werden, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Sie muss kostengünstig, renditestark, leicht zugänglich sowie verständlich sein und bis zum Lebensende reichen. Eine gezielte steuerliche Förderung für einkommensschwache Gruppen ist auch hier sinnvoll und eine Anrechnung auf die Grundsicherung auszuschließen. Mit flexiblen Garantien gibt es für die Altersvorsorge-Sparer auch deutlich höhere Renditechancen.

Die pAV sollte ein verlässlicher Baustein der Altersvorsorge sein. Deshalb ist für uns eine wirkliche Altersvorsorge auch nur mit lebenslangen Leistungen (Renten) möglich. Schließlich muss das Geld bis zum Lebensende reichen, da auf alle Rentner lebenslange Ausgaben warten. Erst recht in einer Lebensphase, in der hohe Gesundheits- und Pflegekosten drohen. Nur die Versicherer können solche lebenslangen Leistungen bieten.

Grundsätzlich haben wir Versicherer hier einen großen Vorteil: Wir bieten Absicherung im Kollektiv. Diese Sicherheit in einer großen Gemeinschaft ist der wesentliche Kern unseres Geschäftsmodells. Wir können Marktschwankungen ausgleichen und negative Folgen für die Sparer abfedern. Das haben wir in diversen Finanzkrisen bewiesen. Auf zugesagte Leistungen ist Verlass – immer.

Fondssparpläne oder Aktiendepot-Lösungen sind deshalb auch keine echten Alternativen. Denn es besteht zum einen keine 100-prozentige Sicherheit, dass das Vermögen nicht irgendwann aufgebraucht ist. Zum anderen bestehen Marktrisiken. Was ist, wenn die Rentenphase ausgerechnet in eine Schwäche an den Aktienmärkten fällt? Falls man Aktieninvestments für die Altersvorsorge verwendet, dann über Fondspolicen. Diese bieten Steuervorteile in der Anspar- und in der Auszahlungsphase sowie einen günstigen Zugang zu Fonds.

Pflege

In der Pflege sehen wir ebenfalls Handlungsbedarf. Eine solche Absicherung schont zugleich das für das Alter angesparte Vermögen. Durch eine verstärkte kapitalgedeckte Pflegevorsorge könnten die Pflegeversicherungsbeiträge begrenzt werden. Insbesondere eine steuerliche Förderung der betrieblichen Pflegeversicherung ist für eine schnelle Verbreitung hilfreich. Synergieeffekte ergeben sich durch bestehende Strukturen der betrieblichen Altersvorsorge. Die private Pflegezusatzversicherung sollte ebenfalls steuerlich gefördert werden. Beitrage der privaten Pflegevorsorge sollten steuerlich – analog zur gesetzlichen Pflegeversicherung – als Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden.

Absicherung als gesellschaftliche Aufgabe

Wir als Versicherer können Altersvorsorge und Absicherung von Risiken, das zeigen wir seit vielen Jahrzehnten. Für uns, insbesondere die R+V als genossenschaftliches Unternehmen, ist dies zugleich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Das bedeutet: Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, indem wir das Handeln von Unternehmen und Privatpersonen absichern und in Projekte investieren, die das Leben der Menschen verbessern. Damit tragen wir dazu bei, die europäischen Volkswirtschaften nachhaltig zu stabilisieren und die Transformation unserer Wirtschaft zu fördern. Wir setzen dabei auf ein langfristiges und nachhaltiges Engagement in Deutschland und Europa.

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Autor: Claudia Andersch ist Vorstandsmitglied der R+V Allgemeine Versicherung AG.

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