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Vier Bausteine für Deutschlands Zukunftsfähigkeit

von Marc Reinhardt

Die digitale Transformation ist eine der zentralen Herausforderungen für Deutschlands Zukunftsfähigkeit. Als Initiative D21 – Deutschlands führendes gemeinnütziges Netzwerk für die digitale Gesellschaft, bestehend aus Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – setzen wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft im digitalen Zeitalter ein. Eine erfolgreiche digitale Transformation erfordert sowohl eine innovative Wirtschaft als auch eine effiziente Verwaltung, die gemeinsam die notwendigen Rahmenbedingungen für eine digital souveräne und teilhabefähige Gesellschaft schaffen. Für jeden dieser Bereiche haben wir zentrale Bausteine identifiziert, die bisher noch nicht ausreichend adressiert wurden, die wir aber dringend empfehlen im Koalitionsvertrag zu verankern.

Für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft: Kompetenzen sichern

1. Nationale Digitale Kompetenzoffensive als Schlüssel zur Beschäftigungsfähigkeit und Resilienz

Die alarmierenden Zahlen des D21-Digital-Index 2024/25 zeigen, dass nur 49% der deutschen Bevölkerung über digitale Basiskompetenzen verfügen – während das europäische Ziel bei 80% bis 2030 liegt. Diese Kompetenzlücke gefährdet sowohl unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit als auch die soziale Gerechtigkeit.

Eine nationale Kompetenzoffensive ist essenziell für die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt, für digitale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen und für die Stärkung der individuellen Resilienz angesichts der anstehenden technologischen Entwicklungen. Nur wer digital kompetent ist, kann die Chancen der Digitalisierung nutzen und ihre Risiken bewältigen.

Wir empfehlen: Eine ressortübergreifende 'Nationale Digitale Kompetenzoffensive' mit verbindlichen Zielvorgaben und transparenten Erfolgsmessungen, um bis 2030 sicherzustellen, dass mindestens 80% der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen und der Anteil der IKT-Fachkräfte um mindestens 30% steigt.

2. Keine Digitalisierung ohne Cybersicherheit – Koordination und Kompetenzen

Die zunehmenden Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen und die mangelnde Cybersicherheitskompetenz in der Bevölkerung gefährden unsere digitale Souveränität. Es fehlt an einer zentralen Koordinierung der vielfältigen Cybersicherheitsmaßnahmen.

Wir empfehlen: Eine zentrale Koordinierungsstelle für Cybersicherheitskompetenzen, die als strategische Ergänzung zum BSI die digitale Sicherheitskompetenz in der Bevölkerung stärkt und bestehende Initiativen im öffentlichen und privaten Sektor koordiniert.

Voll digitale Verwaltung für Vertrauen in einen leistungsfähigen Staat und zur Unterstützung der Kompetenzoffensive der Bevölkerung

3. Digital Only als Leitbild für einen leistungsfähigen Staat

Aufwändige analoge und digitale Doppelstrukturen binden wertvolle Ressourcen. Ein verbindliches "Digital Only"-Leitbild schafft die nötige Klarheit, um den Staat handlungsfähiger und bürgerfreundlicher zu gestalten. Dieses Leitbild muss durch ein flächendeckendes Netz an Unterstützungsangeboten flankiert werden, um niemanden zurückzulassen.

Das "Digital Only"-Leitbild gibt der Verwaltung klare Richtlinien, ihre Angebote nutzerfreundlich und inklusiv zu gestalten. Es motiviert Bürgerinnen und Bürger zur digitalen Teilhabe, während gezielt Unterstützung für jene bereitgestellt wird, die sie wirklich benötigen. Diese Ergänzung zur Digitalen Kompetenzoffensive schafft einen positiven Kreislauf: Menschen entwickeln digitale Fähigkeiten durch praktische Anwendung, während der Staat durch effiziente Prozesse seine Handlungsfähigkeit zurückgewinnt. Eine konsequente, menschenzentrierte Digitalisierung ist notwendig, um das Vertrauen in einen leistungsfähigen Staat wiederherzustellen.

Wir empfehlen: Ein rechtsverbindliches 'Digital Only'-Leitbild für Staat und Verwaltung, das digitale Prozesse zum Standard macht und gleichzeitig durch gezielte Unterstützungsangebote die digitale Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger sicherstellt.

4. Physical AI als strategische Chance für den Wirtschaftsstandort und gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe

Im Gegensatz zu manchen Bereichen der Digitalisierung, ist das globale Rennen in der KI noch nicht entschieden. Speziell bei der Physical AI – der Verbindung von KI mit Robotik für autonomes Handeln in der physischen Welt – sind wir gerade mal aus den Startblöcken. Mit unserer traditionellen Stärke in Ingenieurskunst, Robotik und dem Reichtum an industriellen Daten verfügt Deutschland über hervorragende Ausgangsvoraussetzungen in diesem Zukunftsfeld.

Diese Technologie wird enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft und insbesondere den Arbeitsmarkt haben. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Deutschland diese Entwicklung nach eigenen Werten aktiv gestaltet und nicht passiv von außen gestalten lässt. Nur durch frühzeitige Erprobung, gesellschaftlichen Dialog und Mitgestaltung können wir den Wandel nach unseren sozialen und ethischen Wertvorstellungen formen. Eine führende Rolle bei dieser Entwicklung erhöht auch die Chancen, in anderen Feldern der KI gestaltend einzuwirken und digitale Souveränität für alle Teile der Gesellschaft zu gewährleisten.

Wir empfehlen: Deutschland wird zum globalen Leitmarkt und Innovationszentrum für Physical AI und autonome Systeme, indem die Bundesregierung Experimentierräume im öffentlichen Raum schafft, Risikoinvestitionen fördert und die gesellschaftliche Akzeptanz durch sichtbare Leuchtturmprojekte stärkt.

Fazit

Diese vier Bausteine sind zentral für Deutschlands digitale Zukunftsfähigkeit. Die kommende Legislaturperiode bietet die Chance, durch diese gezielten Maßnahmen wichtige Weichen zu stellen. Als überparteiliche Plattform stehen die Initiative D21 bereit, diesen Transformationsprozess mit unserer Expertise zu unterstützen und den Dialog zwischen allen relevanten Akteuren zu fördern.

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Autor: Marc Reinhardt ist Präsident derInitiative D21.

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