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Für Technologieoffenheit in der Mobilität

von Friedrich Haag

Als Sprecher für individuelle Mobilität der FDP/DVP-Landtagsfraktion im Mutterland des Automobils, der Nutzfahrzeuge und der damit zusammenhängenden Zulieferindustrie blicke ich mit großer Sorge auf die Entwicklung der letzten Jahre. Wir Freie Demokraten wissen: Der Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit. Er muss jeden Tag im immer härter werdenden internationalen Wettbewerb verdient werden.

Als eine wesentliche Ursache für die großen Schwierigkeiten sehe ich die völlig verfehlte CO₂-Regulierung der EU. Völlig faktenwidrig wird die E-Mobilität als allein seligmachend angesehen und mit Null Gramm CO₂ „bepreist“. Das erinnert an laue Witze nach dem Motto: Der Strom kommt aus der Steckdose. Ich denke differenzierter. Und ich fordere von der kommenden Bundesregierung, dass sie der CDU-Kommissionspräsidentin deutlich mehr Druck macht. Wir brauchen nicht nur ein Vorziehen des so genannten Reviews. Wir brauchen endlich sachgerechte faktenbasierte Rahmenbedingungen. Deutschland hat – noch – einen klaren Vorsprung bei Verbrennungsmotoren. Diese pauschal ab 2035 verbieten zu wollen, ist ein industriepolitischer Fehler. Denn: Der Verbrenner ist nicht das Problem – es ist der fossile Kraftstoff. Mit synthetischen Kraftstoffen wie E-Fuels und fortschrittlichen Biokraftstoffen (z. B. HVO 100) können Verbrenner klimafreundlich betrieben werden. Das gilt nicht nur für Landmaschinen oder Sonderfahrzeuge, sondern ausdrücklich auch für den Individualverkehr.

Gerade in ländlichen Regionen, bei weiten Strecken oder in Bereichen, wo die Ladeinfrastruktur fehlt, ist der Verbrenner oft die einzig praktikable Lösung. Warum sollte man Millionen funktionsfähiger Fahrzeuge verschrotten, wenn sie mit klimaneutralem Kraftstoff weiter genutzt werden könnten? Nachhaltigkeit bedeutet für mich: Dinge so lange zu nutzen, wie es wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist – nicht künstlich zu verteuern oder gar zu verbieten.

Ohne Wenn und Aber bekennen wir uns zu den Herausforderungen des Klimaschutzes und arbeiten konstruktiv an Lösungen mit. Dabei darf man jedoch keinesfalls nur einen Weg beschreiten. Nur mit synthetischen Kraftstoffen wie E-Fuels und synthetisierten wie HVO 100 kann der Fahrzeugbestand in Richtung Klimaschutz transformiert werden. Hierzu braucht es den richtigen Rahmen, damit die Ausgangsstoffe für E-Fuels aus den Gunstregionen so genannter erneuerbarer Energien hierher importiert, weiterverarbeitet und auch genutzt werden können. Deshalb brauchen wir eine Defossilisierungsstrategie statt der undifferenzierten Diskussion um Dekarbonisierung. Diesen Weg - neben dem Vorantreiben der E-Mobilität dort wo sie einen Sinn ergibt – einzuschlagen bietet auch für den Maschinenbau große Chancen. Nicht nur bei Elektrolyseuren und Anlagen zur CO₂-Abscheidung aus der Luft für die Gewinnung des Kohlenstoffs für E-Fuels.

Die Herausforderungen der Zukunft werden durch Innovation und Technik gelöst – und nicht durch Verbots- und Verzichtsdiskussionen. Ich fordere neben der Neuausrichtung der CO₂-Regulierung mit der Aufhebung des faktischen Verbrennerverbots ab dem Jahr 2035 eine E-Fuels-Strategie mit Energiepartnerschaften mit den Ländern, in denen es Sonne und Wind im Überfluss gibt. Es braucht Perspektiven für den Klimaschutz im Bestand und darüber hinaus.  Ein technologieoffener Ansatz stärkt unsere Industrie, schützt Arbeitsplätze und bietet echte Perspektiven für nachhaltige Mobilität.

Autor: Friedrich Haag ist FDP/DVP-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg.

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