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… UND WER IST IHR BESTES TEAMMITGLIED? Ein Tipp: Sie kann vermutlich summen

von Anna Alex

Die stillen Leistungsträger der Wirtschaft

Denken Sie einen Moment nach: Wer ist Ihr stärkstes Teammitglied, Ihr bester Mitarbeiter oder Ihre zuverlässigste Ressource im Job? Selten fällt die Antwort auf jene, die im Stillen die größten Leistungen erbringen. Denn sie sind weder laut, noch nehmen sie Urlaub. Sie fordern noch nicht einmal Gehalt: Bestäuber, Würmer, Böden, Gewässer, kurzum die Natur, die mit ihren Leistungen unsere Wirtschaft überhaupt erst möglich macht.

Bestäuber allein sichern jährlich landwirtschaftliche Erträge im Wert von rund 430 Milliarden Euro (IPBES). Das entspricht ungefähr der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs, dem Jahresumsatz der deutschen Automobilindustrie, oder dem Wert aller in Deutschland produzierten Lebensmittel. Es ist zudem mehr als das Zehnfache des jährlichen EU-Budgets für Naturschutz – ein Verhältnis, das weniger über die Insekten aussagt als über unsere wirtschaftlichen Prioritäten. Würden Bienen den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, müsste ein Glas Honig ca. 200 Tausend Euro kosten (Zoologisches Zentrum Frankfurt & ZDF).

Laut Weltwirtschaftsforum hängt 50% des globalen BIP direkt von intakten Ökosystemen ab: Aus Eibennadeln wird ein Wirkstoff gegen Krebs gewonnen, Algen speichern CO₂ und liefern Proteine, Regenwürmer halten den Nährstoffkreislauf im Boden aufrecht, Mangroven bremsen Sturmfluten – und selbst KI braucht die Natur: Ohne Wasser, das unsere Server kühlt, würde keine einzige ChatGPT-Anfrage durchgehen. Die Natur ist Produzentin, Energie-Expertin, Supply-Chain-Managerin und vieles mehr – ein echtes Multitalent!

Diese Erkenntnis verändert, wie wir über Wertschöpfung denken: Natur ist nicht Kulisse wirtschaftlicher Aktivität, sondern ihr Fundament. Wenn sie sich verändert, verändern sich auch unsere Bilanzen.

Vom Risiko zur Ressource

Naturverlust gilt zunehmend als finanzielles Risiko – nicht nur für Landwirte, sondern für alle Branchen. Extreme Wetterereignisse, Wasserknappheit oder Bodendegradation wirken längst in Lieferketten, Kreditrisiken und Versicherungsprämien hinein. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass Natur eine betriebliche Ressource ist: Wer Biodiversität stärkt, baut Resilienz auf, stabilisiert Cashflows und verbessert Zugang zu Finance.

Genau diese Risiken machen wir täglich für große Unternehmen mit unserer Plattform Nala Earth sichtbar und messbar. Nala’s Nature Risk Plattform hilft Unternehmen wie Uniper, BASF und INTERSPORT, zu erkennen, welcher finanzielle Wert an jedem Standort auf dem Spiel steht? Ob in der eigenen Produktion oder entlang der Lieferkette. Sie erfasst sowohl physische Risiken (z.B. Wasserknappheit, Verlust ökologischer Funktionen) als auch Transitionsrisiken (z.B. Entwaldungspflichten, strengere Landnutzungsvorgaben), verknüpft diese mit Finanzdaten des Unternehmens (z.B. Umsatz pro Standort) - und orientiert sich dabei an führenden Nachhaltigkeitsstandards und -regularien wie CSRD, TNFD und SBTN.

Was hat die Mücke je für uns getan?

Stellen Sie sich vor, Sie sind Einkaufsleiter:in bei einer großen Supermarkt-Kette. Sie haben eine Vorliebe für Schokolade – wer könnte es Ihnen verdenken – und verantworten die Beschaffung von Kakao. Ihre Lieferkette reicht bis in die tropischen Regionen Westafrikas, in die Ashanti-Region in Ghana, wo winzige Mücken aus der Gattung Forcipomyia die Kakaoblüten bestäuben. Ohne sie gäbe es keine Kakaofrüchte – und ohne Kakao keine Schokolade.

Nun stellen Sie sich vor, diese kleinen, stillen Mitarbeiterinnen verlieren ihren Lebensraum: In der Ashanti-Region steigt das Risiko, dass Wasserknappheit und Dürreperioden die Bewässerung einschränken und Erträge ausfallen. Gleichzeitig führen Bodenerosion und der Verlust natürlicher Habitate zu einer abnehmenden Bestäubungsleistung – mit direkten Auswirkungen auf Produktivität und Beschaffungskosten. Nala’s Risk-Modul zeigt, wo diese Hotspots liegen und wie stark sie sich finanziell auf ihr Geschäft auswirken. Auf dieser Grundlage können Sie als Einkaufsleiter:in nun gezielt handeln – etwa durch Investitionen in Wassermanagement, Förderung bestäuberfreundlicher Anbaupraktiken oder Diversifizierung ihrer Bezugsregionen.

So entsteht aus einem scheinbar abstrakten Umweltfaktor ein konkreter Business Case – indem wir die Natur in Euros übersetzen, auf deren Grundlage sich Szenarien und Investitionsentscheidungen berechnen lassen.

Weitsicht statt Wunschdenken

Unternehmen, die Naturfaktoren in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen, handeln nicht aus Idealismus, sondern aus strategischer Weitsicht. Biodiversität gehört in dieselbe Steuerungslogik wie Energieeffizienz, Produktqualität oder Arbeitssicherheit – mit messbaren Daten, Zielgrößen (KPIs) und klaren Verantwortlichkeiten.

Vermutlich ist auch Ihr wichtigstes Teammitglied klein, unscheinbar – oder wurzelt im Boden. Sicher ist: Die Besten wollen wir halten!

Autorin: Anna Alex ist Unternehmerin und Business Angel. Sie fokussiert sich auf die großen Herausforderungen im Bereich Klima & Natur. Anfang 2023 gründete Anna ihr drittes Unternehmen, Nala Earth, das den Einfluss von Biodiversität & Natur für Unternehmen messbar macht. Zuvor gründete sie Planetly, eine CO2 Management Lösung für Unternehmen und Outfittery, einen Personal Shopping Service. Anna's Stiftung Wild & Free Animal Fund unterstützt Organisationen im Kampf gegen die Nutztierhaltung.

Anna Alex hat in Freiburg und Paris Wirtschaftswissenschaften, Soziologie und Psychologie studiert. Im Laufe ihrer Karriere wurde sie zu den "Inspirierenden Fünfzig Europas", den "inspirierendsten Frauen in der Tech-Branche" und den "jungen Eliten - Top 40 unter 40" gezählt.

Biodiversität ist entscheidend für die Zukunft von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, da ihr Verlust nicht nur Ökosysteme, sondern auch Wertschöpfung, Investitionen und Innovationskraft gefährdet. Gleichzeitig erkennen immer mehr Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, dass der Schutz und die Förderung der Natur Chancen für nachhaltige Entwicklung, neue Geschäftsmodelle und größere Resilienz bieten. Das Table.Forum widmet sich einer natur-positiven Zukunft und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Unternehmen, Forschung und Zivilgesellschaft diesen Wandel aktiv gestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei praxisnahe Fragen: Wie kann Biodiversität in der Kommunikation, im Geschäftsmodell und als Investitionschance erfolgreich genutzt werden?

Unsere Partner: Biodiversity Bridge ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss erfahrener Biodiversitäts-Expertinnen und -Experten, die European Biodiversity Coalition ist eine sektorübergreifende Plattform, die Verantwortungsträger großer europäischer Unternehmen zusammenbringt, um geschäftsgetriebene Maßnahmen für Biodiversität zu beschleunigen und das Museum für Naturkunde Berlin ist eines der weltweit bedeutendsten Forschungsmuseen für biologische und geowissenschaftliche Evolution und Biodiversität.

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