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Biodiversität als Business- und Investment- Case

von Dirk Voeste

Ist Biodiversität nur ein „grünes Feigenblatt“, das sich Unternehmen umhängen, um ihr Image zu verbessern? Angesichts des rasanten Artensterbens und der ökologischen Kipppunkte weltweit kann es da nur eine Antwort geben: Biodiversität ist nicht verhandelbar. Für uns als Volkswagen Konzern ist sie darum eine strategisch verankerte Grundhaltung, die ökonomisch und ökologisch Mehrwert schafft. Sie erhöht unsere Resilienz in einer immer volatileren Welt und ist darum Werttreiber, Risikopuffer und Innovationsfeld zugleich.

Biodiversität bedeutet, Ökosysteme zu schützen und zu stärken. Und sie ist für uns eine elementare Voraussetzung für eine nachhaltige Wertschöpfung. Diesen Weg von einer naturverbrauchenden hin zu einer naturfördernden Wirtschaft beschreiten. Wir wollen den Beweis antreten, dass sich das am Ende für Unternehmen, Mensch und Umwelt auszahlen wird.

Biodiversität fördern bedeutet widerstandsfähig werden

Mit unserer konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie regenerate+ haben wir uns messbare Ziele gesetzt - in den vier Dimensionen Natur, Unsere Belegschaft, Gesellschaft und Business. Neben diesen bewusst breit gewählten Ambitionen geht es dabei nicht nur darum, Umweltschäden zu reduzieren, sondern aktiv Mehrwerte für Natur und Gesellschaft zu schaffen. Deshalb setzen wir uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette für den Schutz und die Förderung der Biodiversität ein – von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling.

Diese Haltung zeigt sich in zahlreichen konkreten Maßnahmen – sowohl an unseren eigenen, weltweit mehr als 110 Produktionsstandorten als auch in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Uns ist dabei mehr als bewusst: Wir müssen handeln, als nur darüber zu reden, damit langfristig unsere Gesellschaft und auch unsere Unternehmen Bestand haben.

Viele sprechen gerade von wirtschaftlicher Resilienz – in meine Augen beginnt diese wirtschaftliche Resilienz mit dem Erhalt und Schutz von Ökosystemen und ihren Leistungen für unsere Gesellschaft. Und zwar weltweit. Verschlechtert sich der Zustand der Natur und der Biodiversität, wird es Folgen für uns nach sich ziehen.

Verantwortung über die gesamte Wertschöpfungskette

Biodiversität endet für uns dabei nicht an unseren Werkstoren. Unsere Verantwortung beginnt bei der Rohstoffgewinnung und reicht bis zum Recycling unserer Produkte. Entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette identifizieren wir Biodiversitäts-Hotspots, starten Pilotprojekte mit Lieferanten und entwickeln gemeinsam Lösungen, die lokale Ökosysteme schützen und stärken. Dabei setzen wir auf transparente Kriterien und messbare Indikatoren – etwa durch unsere Biodiversitäts-Checklisten und den Biodiversity Land-use Indicator (BLI). So wird Biodiversität messbar und zu einem integralen Bestandteil unserer globalen Geschäftsbeziehungen und unseres Handelns.

Mut zu Leuchttürmen

Globales Denken ist wichtig. Doch Biodiversität ist auch immer ein lokales Thema. Daher sind konkrete, lokal angepasste Maßnahmen essenziell, um Biodiversität zu fördern.

Ein Beispiel liefert unser Werk im portugiesischen Pamela, in dem wir aktuell den VW T-Roc und schon bald auch unseren elektrischen Kleinwagen ID.Every1 produzieren. Dort haben wir 2022 das Programm RENASCER gestartet, bei dem wir in drei Phasen zuerst die Umweltprobleme systematisch erfasst und unsere Belegschaft sensibilisiert, dann verschmutzte Gebiete auf unserem Areal aber auch in der Gemeinde umfassend gereinigt und nicht-heimische, das Ökosystem bedrohende (invasive) Pflanzenarten entfernt haben. Mehr als 900 Mitarbeitende haben dabei in über zehn Einzelprojekten mitgearbeitet und in der dritten Phase des Projekts zum Schutz der Biodiversität in der Umgebung der Fabrik einen grünen Korridor mit über 2.500 Pflanzen aus heimischen Arten angelegt.

Unser Anspruch: Wertewandel

Das geht einher mit einem grundlegenden Transformationsprozess und einem Wertewandel. Wir müssen begreifen, dass Natur keine billige Ressource ist, sondern unsere Lebensgrundlage. Das heißt: nicht nur Emissionen reduzieren, sondern aktiv zur Regeneration unserer Umwelt beitragen. Darum engagieren wir uns global auch außerhalb unserer eigenen Wertschöpfungskette, unterstützen weltweite Biodiversitäts- und Wiederherstellungsprojekte und haben dafür in diesem Jahr einen Biodiversitätsfonds mit bis zu 25 Mio. € pro Jahr aufgelegt.

Und eines ist klar: Die Herausforderungen der Biodiversität lassen sich nicht im Alleingang lösen. Deshalb arbeiten wir eng mit wissenschaftlichen Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und lokalen Verbänden zusammen, um unsere Maßnahmen wirksam und kontextsensibel zu gestalten. Dabei begleitet uns auch unser Nachhaltigkeitsbeirat kritisch und konstruktiv – er bringt externe Perspektiven ein, fordert Ambition und unterstützt uns bei der strategischen Weiterentwicklung unserer Biodiversitätsziele und -projekte.

Rechnet sich das?

Abschließend möchte ich noch einmal resümieren: Biodiversität ist und darf kein „grünes Feigenblatt“ sein. Biodiversität darf auch keinesfalls als reiner Kostenfaktor gesehen werden. Biodiversität macht vielmehr Unternehmen widerstandsfähiger und schafft ökonomischen Mehrwert.

Ohne Biodiversität gibt es keine funktionierenden Ökosysteme. Ohne funktionierende Ökosysteme gibt es keine funktionierende Wirtschaft mit negativen Folgen für unsere Gesellschaft. Darum ist Biodiversität wichtig – für uns als Volkswagen Konzern, für unsere Zukunftsfähigkeit und für mich ganz persönlich als Vater von zwei Kindern.

Autor: Dr. Dirk Voeste ist Chief Sustainability Officer der Volkswagen Group.

Biodiversität ist entscheidend für die Zukunft von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, da ihr Verlust nicht nur Ökosysteme, sondern auch Wertschöpfung, Investitionen und Innovationskraft gefährdet. Gleichzeitig erkennen immer mehr Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, dass der Schutz und die Förderung der Natur Chancen für nachhaltige Entwicklung, neue Geschäftsmodelle und größere Resilienz bieten. Das Table.Forum widmet sich einer natur-positiven Zukunft und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Unternehmen, Forschung und Zivilgesellschaft diesen Wandel aktiv gestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei praxisnahe Fragen: Wie kann Biodiversität in der Kommunikation, im Geschäftsmodell und als Investitionschance erfolgreich genutzt werden?

Unsere Partner: Biodiversity Bridge ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss erfahrener Biodiversitäts-Expertinnen und -Experten, die European Biodiversity Coalition ist eine sektorübergreifende Plattform, die Verantwortungsträger großer europäischer Unternehmen zusammenbringt, um geschäftsgetriebene Maßnahmen für Biodiversität zu beschleunigen und das Museum für Naturkunde Berlin ist eines der weltweit bedeutendsten Forschungsmuseen für biologische und geowissenschaftliche Evolution und Biodiversität.

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