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Freiheit braucht das ganze Bild. Medienvielfalt stärkt Demokratie.

von Manfred Kluge

Und diese muss geschützt werden durch ein 18. Nachhaltigkeitsziel: Freie, sichere und nachhaltige Medien.

Schauen wir zunächst auf die Meta-Ebene: 2015 wurden die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Rahmen des Global Compact ins Leben gerufen, um Unternehmen und Regierungen weltweit zu ermutigen, wirtschaftlich nachhaltige und sozial verantwortliche Strategien zu verfolgen. Dazu haben sich über die Jahre Tausende von Unternehmen und viele Regierungen verpflichtet. Unter anderem geht es um das Recht auf sauberes Wasser und saubere Luft. Dies muss jetzt auch für „saubere“ Informationen gelten.

Warum? Wir erleben seit 2015 eine zunehmende Flut schädlicher Inhalte im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken: Desinformation, extremistische Inhalte, Hassrede – unterstützt durch Bots und Trolle. Generative künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung rasant beschleunigen. Desinformation ist laut Weltwirtschaftsforum eines der größten globalen Risiken, befeuert sie doch die Spaltung unserer Gesellschaft und untergräbt demokratische Strukturen.

Daher braucht es Medienvielfalt und vertrauenswürdige Inhalte, z.B. von Leitmedien oder im Lokaljournalismus, als Bollwerk und als Basis für den öffentlichen, demokratischen Diskurs.

Die Medienlandschaft steht jedoch in Deutschland und in vielen anderen Ländern an einem Kipppunkt. Die Ursachen sind vielfältig, aber ein zentraler Treiber ist die Machtverschiebung hin zu globalen Plattformanbietern wie Alphabet (hierzu gehören z.B. Google und YouTube), Meta (Facebook und Instagram), TikTok und anderen. Diese dominieren die Internetnutzung. Das hat gravierende Folgen: Inhalte werden von den Plattformbetreibern algorithmisch gefiltert und ausgespielt, journalistische Standards unterlaufen, viel zu oft Desinformation verbreitet. Wir stellen eine Entdemokratisierung des Internets fest. Davor darf niemand von uns die Augen verschließen, weder in der Politik noch in der Wirtschaft oder in unserer Gesellschaft.

Parallel dazu ziehen diese Player einen Großteil der (digitalen) Werbeeinnahmen ab, auf Kosten der Medienhäuser, die journalistische Inhalte produzieren und damit demokratische Diskurse erst ermöglichen. Dies führt dort zu erheblichem wirtschaftlichen Druck, der mittlerweile stetig zum Verlust von vielen Arbeitsplätzen in Redaktionen führt oder im schlimmsten Fall zur Einstellung von Medien. Laut Verband „Die Mediaagenturen“ werden sich im Jahr 2026 die Werbeeinnahmen von Amazon, Google und Meta in Deutschland bereits auf einen Anteil von ca. 52% am gesamten Werbemarkt belaufen. Bezogen auf die digitalen Werbeausgaben ergibt sich sogar ein Anteil von 72%. TikTok und weitere Plattformen erhöhen diese Anteile weiter.

Das ist auch der Grund, warum Anfang Oktober 2025 elf angesehene Wirtschaftsprofessorinnen– und professoren, darunter Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz, sich in Bezug auf die Relevanz von vertrauenswürdigem Journalismus sehr klar positioniert haben. „Selten war die Notwendigkeit von Medien im öffentlichen Interesse größer. In Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Umwälzungen sind die wirtschaftlichen und übergeordneten gesellschaftlichen Vorteile, die vertrauenswürdige und unabhängige Nachrichtenorganisationen bieten, wichtiger denn je. […] Medien im öffentlichen Interesse spielen eine wesentliche Rolle dabei, diese Informationsversorgung zu gewährleisten und ihre Qualität sicherzustellen. Sie sind wie die Zentralbanken der Informationswirtschaft: Sie schaffen das Vertrauen in das System, das notwendig ist, damit es funktioniert." (The Economic Imperative of Investing in Public Interest Media)

Daher fordert die Initiative 18, „Freie, sichere & nachhaltige Medien“ zum 18. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen zu machen. Dazu wurden weitere Unterziele wie die Steigerung von Medien – und Informationskompetenz, Förderung einer legalen Gerechtigkeit in den Medien – und Werbeumfeld oder die verantwortungsvolle Allokation von Werbebudgets definiert.

Neben sinnvoller Regulierung, konsequenter Anwendung bestehender Gesetze und Vorschriften (z.B. Digital Markets Act oder Digital Services Act) liegt es auch an den Leitmedien und nationalen Publishern, ihre Attraktivität für Werbungtreibende durch höhere Reichweiten und Nutzungsintensitäten zu steigern sowie Vermarkter übergreifende Ausspielungsoptionen von Werbebotschaften auf Basis von Identifier zu ermöglichen. Hier braucht es mehr Kooperation und Innovationskraft.

Autor: Manfred Kluge ist Vorsitzender und Co-Founder der Initiative18 – free, safe & sustainable media.

Neben der Entwicklung von Massenmedien und Demokratie darf die Lage der Leitmedien nicht aus dem Blick geraten. Denn sie prägen die Weichenstellungen der Gesellschaft. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens von Table.Briefings blicken wir gemeinsam mit führenden Persönlichkeiten aus der Kommunikation in die Zukunft.

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