Baden-Württemberg: Welche bildungspolitischen Versprechen die Parteien zur Wahl machen

Erstmals dürfen in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige wählen – rund 180.000 Minderjährige sind damit wahlberechtigt. Zur Landtagswahl, die am 8. März stattfindet, präsentieren die Parteien unterschiedliche bildungspolitische Konzepte. Von frühkindlicher Förderung über Schulstrukturen bis zur digitalen Bildung: Die Positionen der Parteien im Überblick.

26. Februar 2026
Der Landtag Baden-Württemberg wird in der kommenden Woche neu gewählt. Bildungspolitik von jung bis alt steht auf der Agenda aller Parteien. (picture alliance / Westend61 | Werner Dieterich)
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Frühkindliche Bildung & Sprachförderung

Alle Parteien sehen in der deutschen Sprache einen entscheidenden Schlüssel für Bildungserfolg. CDU, Grüne und SPD wollen die Sprachförderung vor der Einschulung unter anderem mit einem verpflichtenden letzten Kindergartenjahr stärken. Die aktuellen Koalitionspartner, CDU und Grüne, heben in diesem Zuge das neu eingeführte Programm „SprachFit“ hervor. Die Grünen wollen dieses Programm um mathematische Vorläuferfähigkeiten erweitern. Die SPD setzt dagegen auf das Modell der Sprach-Kitas. Die AfD lehnt eine verpflichtende staatliche Betreuung generell ab und betont die Wahlfreiheit zwischen Familie und Institution. Die FDP schlägt ein Gutscheinmodell vor, um die Wahlfreiheit der Eltern zu stärken.

CDU und Grüne wollen das letzte Kita-Jahr für Eltern beitragsfrei machen – SPD und Linke wollen Kita-Gebühren komplett abschaffen. Grüne und SPD planen, die Gelder für Kitas nach Sozialindex zu verteilen. Geht es nach CDU und Grünen, sollen Kitas in herausfordernden Lagen zu Kinder- und Familienzentren umgebaut werden. Die CDU möchte zudem „einen runden Tisch Erziehungspartnerschaft“ einführen, um mit Eltern auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Fast alle Parteien sprechen sich dafür aus, die Kita-Fachkräfte stärker zu unterstützen – etwa mit dem Einsatz von Hauswirtschafts‑ und Verwaltungskräften.

Schulische Bildung & Lehrkräfte

CDU, FDP und AfD bekennen sich klar zum mehrgliedrigen Schulsystem und wollen die Grundschulempfehlung verbindlich machen. Die SPD will eine „leistungsstarke, integrative zweite Säule auf Basis einer weiterentwickelten Gemeinschaftsschule“, und die Linke strebt eine „Schule für alle“ bis Klasse 10 an. Die Grünen befürworten die 2012 eingeführten Gemeinschaftsschulen und wollen diese mit einem „möglichst flächendeckende[n] Angebot von gymnasialen Oberstufen“ ausstatten.

Das Leistungsverständnis der Parteien unterscheidet sich teils stark: Während AfD, CDU und FDP Leistung, Noten und Disziplin betonen, fordert die Linke neue Prüfungsformate ohne Leistungsdruck und die Abschaffung von Hausaufgaben. Um den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler zu steigern, möchte die CDU Instrumente wie Vergleichsarbeiten und die Schüler-ID nutzen. Diese sollen die Schul- und Unterrichtsentwicklung verbessern. Die Grünen wollen die Rolle der Schulaufsicht „im Sinne einer dialogorientierten Entwicklungsberatung“ stärken.

Der Lehrerberuf soll attraktiver werden – dafür stellen fast alle Parteien Grundschullehrkräften eine Bezahlung nach A13/E13 in Aussicht. Die CDU will die Lehrerausbildung praxisorientierter gestalten; die FDP will das Referendariat wieder auf 24 Monate Dauer verlängern. Eine ausführliche Analyse zu den Plänen der Parteien für die Lehrerbildung veröffentlicht der Stifterverband an diesem Freitag.

Digitale Bildung & Social Media

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Vermittlung von Medienkompetenz sind parteiübergreifende Ziele. Für den Umgang mit Smartphones an Schulen fordert die CDU eine landesweit einheitliche Regelung auf Basis der Leopoldina-Empfehlungen; die SPD will ein Verbot der privaten Nutzung bis zur 6. Klasse. Die FDP möchte, dass jede Schule selbst über die Handynutzung entscheidet. Die Linke lehnt pauschale Verbote ab. Die Grünen wollen auf wirksame Social-Media-Altersgrenzen hinwirken, um Kinder zu schützen. Die AfD hat keine Position zu dem Umgang mit Smartphones und Social Media aufgeführt.

Berufliche Bildung & Fachkräftegewinnung

Alle Parteien wollen die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung stärken. Unter CDU, SPD, Grünen und Linken gibt es Konsens, die Meisterausbildung kostenlos zu machen. Die FDP will die Meisterprämie erhöhen. Für die Finanzierung fordert die Linke eine gesetzliche Ausbildungsumlage nach Bremer Vorbild für Betriebe, die nicht selbst ausbilden. Die anderen Parteien setzen eher auf Anreize und die Stärkung von Kompetenzzentren. Grüne, SPD, FDP und CDU setzen auf die Anwerbung ausländischer Fachkräfte und die Beschleunigung der Anerkennung von Abschlüssen. Die AfD hingegen fordert eine Landesagentur zur Rückgewinnung deutscher Fachkräfte aus dem Ausland.

Besonderheiten

CDU und FDP sprechen sich dafür aus, Jugendoffiziere der Bundeswehr an Schulen einzubinden, um Schülern sicherheitspolitische Bildung zu vermitteln. Die FDP möchte zusätzlich finanzielle und wirtschaftliche Bildung verpflichtend in den Lehrplänen verankern, was auch die CDU und die Grünen unterstützen. SPD und Linke fordern ein gesundes, kostenfreies Schulessen. Als einzige Partei gibt die Linke Kinderschutz als „oberste Priorität“ an und fordert unter anderem eine personell gut ausgestattete Jugendhilfe. Die AfD positioniert sich gegen „Frühsexualisierung“ und „Gender-Ideologie“.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026