Europe.Table Analyse Lobbying

Lobbykontakte: Zweite VDL-Kommission trifft sich öfter mit Unternehmen

Der Fokus der zweiten Von-der-Leyen-Kommission auf Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich an einem intensiveren Kontakt mit Unternehmensvertretern. Dominant sind dabei Treffen mit US-Unternehmen.

03. Februar 2026
Stéphane Séjourné in einem Flugzeug mit Vertretern von Airbus
Airbus war das Unternehmen mit den meisten Treffen mit Kabinettsmitgliedern der Kommission, hier im Gespräch mit Vizepräsident Stéphane Séjourné. (EU-Kommission)

Die zweite EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen tickt anders als die erste. Der Fokus auf die Probleme der Unternehmen statt auf die grüne Transformation spiegelt sich auch in den Kontakten wider, welche die oberste Führungsebene der Kommission mit Interessenvertretern unterhält. Das zeigt eine Auswertung der Daten des EU-Transparenzregisters. Besonders stark ist der Kontrast im Kabinett von Kommissar Valdis Dombrovskis, der für die Omnibus-Regeln zuständig ist. Zudem fällt auf, dass US-Firmen nach wie vor einen sehr guten Zugang zur Kommission haben, im Gegensatz zu Firmen aus anderen Drittstaaten, zum Beispiel China.

Seit 2014 müssen EU-Kommissare und deren Kabinettsmitglieder offenlegen, mit wem sie sich treffen. Diese Daten sind im Transparenzregister der EU-Kommission einsehbar. Table.Briefings hat die Daten der zweiten Von-der-Leyen-Kommission (VDL II) mit Stand vom 4. Januar runtergeladen und analysiert. Etwa zehn Prozent der Treffen konnten nicht automatisch einem Interessenvertreter zugewiesen werden, zum Beispiel, weil das Kabinettsmitglied sich mit mehreren Interessenvertretern gleichzeitig traf. Diese nicht zugeordneten Treffen sind von der Analyse ausgenommen. Die Dunkelziffer ist ähnlich hoch wie in früheren Jahren, weshalb die Daten dennoch vergleichbar sein dürften.

Am meisten trafen sich Kabinettsmitglieder von EU-Kommissaren 2025 mit Unternehmen. 40 Prozent aller Treffen fanden mit Unternehmensvertretern statt. 29 Prozent der Treffen fanden mit Vertretern von Unternehmensverbänden und 16 Prozent mit NGOs statt. Im Vergleich zur VDL-I-Kommission fallen der höhere Anteil an Treffen mit einzelnen Unternehmen sowie der niedrigere Anteil an NGO-Treffen auf.

NGOs scheinen in der neuen Kommission deutlich schlechteren Zugang zu haben. Ihr Anteil an den Treffen mit den Kabinettsmitgliedern ist von 22 Prozent in VDL I auf 16 Prozent in VDL II zurückgegangen. Denselben Wert erreichten die NGOs während der Juncker-Kommission. Der wechselnde Fokus weg von der Klimapolitik hin zur Wettbewerbsfähigkeitsagenda schlägt sich also auch in den Treffen mit den Interessenvertretern nieder.

Der Unterschied zu VDL I hat unter anderem mit dem neuen Personal zu tun. In der vergangenen Kommission hielt das Kabinett von Frans Timmermans (S&D) die mit Abstand meisten Treffen mit Interessenvertretern ab. Als Kommissar des European Green Deal konferierten seine Kabinettsmitglieder oft mit Experten aus NGOs, was bei Unternehmensvertretern und in der EVP schlecht ankam. In der neuen Kommission dominieren die Kommissare Séjourné (Renew, 806 Treffen), Virkkunen (EVP, 668 Treffen), Roswall (EVP, 520 Treffen), Albuquerque (EVP, 479 Treffen) und Dombrovskis (EVP, 421 Treffen) die Rangliste der kontaktfreudigsten Kabinette.

Dombrovskis spielt als Kommissar für die Simplifizierungsomnibusse eine spezielle Rolle. Die Vorschläge seines Kabinetts werden von NGO-Seite besonders kritisch bewertet, weil die zivilgesellschaftlichen Akteure eine Deregulierung fürchten. 84 Prozent der Treffen des Dombrovskis-Kabinetts fanden während VDL II mit Unternehmen oder Unternehmensverbänden statt. Nur sieben Prozent der Treffen waren mit NGOs.

Weiterhin sehr guten Zugang genießen US-Firmen. Trotz der Spannungen mit der aktuellen US-Regierung scheint es in der Kommission keine Zurückhaltung im Kontakt mit US-Firmen zu geben. Bei den Treffen mit einzelnen Unternehmen gibt es kein Hauptsitzland, das häufiger vertreten ist als die USA. Deutsche und französische Unternehmen sind auf Rang zwei und drei. Die US-Dominanz wird noch deutlicher, wenn man einberechnet, dass viele Unternehmen, die in Irland ihren Sitz haben, ebenfalls nur Tochterunternehmen von US-Firmen sind, zum Beispiel Meta.

Der Kontakt mit chinesischen Firmen bleibt dagegen beinahe vollständig aus. Die Datenauswertung von Table.Briefings zeigt einen einzigen Kontakt mit einer chinesischen Firma und einem Kabinettsmitglied der Kommission, wobei die Dunkelziffer von etwas über zehn Prozent in der Auswertung bedeutet, dass es etwas mehr als nur ein Treffen gegeben haben dürfte. Zudem könnten vereinzelt chinesische Unternehmen ein Tochterunternehmen in Europa mit ihrer Lobbyarbeit beauftragen. So ist TikTok zum Beispiel als irische Firma registriert.

Laut Kommission werden chinesische Firmen nicht mit Absicht ignoriert. „Die Kommission verfolgt keine allgemeine Politik gegen Treffen mit chinesischen Unternehmen auf Kabinettsebene“, sagte ein Kommissionssprecher Table.Briefings. Das Desinteresse dürfte aber auch von chinesischer Seite kommen. Im Transparenzregister sind nur 15 Firmen mit Sitz in China registriert. Ein Eintrag im Transparenzregister ist eine Bedingung für ein formelles Treffen mit Kabinettsmitgliedern der Kommission.

Unter den deutschen Firmen dominiert die Autoindustrie. BMW, Mercedes und Volkswagen konnten unter den deutschen Firmen am meisten Treffen mit Kabinettsmitgliedern ergattern. Ebenfalls guten Zugang genossen Bayer, die Deutsche Bank, die DHL Group, Siemens und BASF.

Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2026