AIS: Wie es mit dem Mega-Projekt von FWU und Ländern weitergeht

Die Entwicklung von AIS – dem größten und teuersten LÜV – nimmt langsam Form an. Parallel laufen Absprachen zu übrigen und neuen Digitalpakt-Geldern – und zu der Frage, welche Rolle die Bildungswirtschaft in diesem Mega-Projekt der Länder spielen soll.

10. März 2026
Bald soll die KI-gestützte Lernumgebung von AIS an Pilotschulen getestet werden. (picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)
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Die KI-Lernplattform der Länder wird in Kürze ihren ersten Meilenstein erreichen: Bis Ende März soll ein Proof of Concept (PoC) für das Adaptive Intelligente System (AIS) vorliegen. Parallel werden aktuell Pilotschulen von den Ministerien benannt, die testen sollen, wie gut die adaptiven Übungsaufgaben für Schüler funktionieren und wie groß die Hilfe für Lehrkräfte für die Unterrichtsvorbereitung ist.

Der erste Prototyp umfasst exemplarische Lernpfade aus der Mathematik und Deutsch. Ziel bis Projektende ist eine Anwendung, die Schülern der 5. und 6. Klasse adaptive Aufgaben in Mathematik und Deutsch stellen und erklären kann. Die Makroadaptivität entsteht durch die KI-gestützte Auswahl von Lernmaterialien und -inhalten passend zum Lehrplan und Lernstand des Schülers. Die Mikroadaptivtität soll ebenfalls mithilfe von Künstlicher Intelligenz gewährleistet werden. Wenn ein Schüler die Aufgabe schnell löst, steigt der Schwierigkeitsgrad; wenn ein Schüler Fehler macht, gibt es leichtere Aufgaben und mehr Erklärhilfen. Steffen Schneider, Gründer und Geschäftsführer von „KI macht Schule“, das Teil des AIS-Konsortiums ist, sagt: In die Entwicklung fließen „verschiedene pädagogische und fachdidaktische Prinzipien“ ein.

Der PoC soll bereits alle relevanten Interaktionen von Schülern und Lehrern mit AIS abdecken. Scheider sagt, bis zum Ende der ersten Projektlaufzeit, also bis Ende 2026, soll die adaptive Funktionalität für Deutsch in der 5. Klasse sowie für die 6. Jahrgangsstufe in Mathematik für je zwei Bildungsgänge entwickelt sein. Die Mathematikinhalte für den PoC basieren auf der Plattform Mathebattle aus Baden-Württemberg.

Die Ausschreibung von AIS sieht keine Entwicklung von Inhalten vor. Almut Steinlein, die AIS aufseiten des Medieninstituts der Länder FWU koordiniert, sagt: „Ziel ist es, dass AIS vielfältige Materialien von unterschiedlichen Anbietern bereithält.“ Im besten Fall sei „die ganze Breite und Vielfalt“ von Bildungsmedienanbietern vertreten. „Da sind wir marktneutral und offen“, sagt Steinlein.

Auf Seiten der Bildungsmedienanbieter ist die Skepsis jedoch weiterhin groß. Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Klett Verlags, sagt: „Selbst, wenn wir uns an AIS beteiligen möchten – ich wüsste nicht einmal, ob es möglich wäre, da mit uns bislang weder zu inhaltlichen noch technischen Fragen gesprochen wurde.“ Angesprochen auf diese Kritik sagt Steinlein, dass dafür bisher noch nicht der richtige Zeitpunkt gewesen sei.

Die Didacta soll in dieser Woche nun Möglichkeit für Austausch bieten. Am gestrigen Dienstag veranstaltete das FWU etwa eine Infoveranstaltung für Medienanbieter. Neben diesen formellen Terminen finden immer wieder auch kleinere Austauschrunden statt. Diese Gespräche seien wertvoller als eine kurze Werbeveranstaltung für AIS, ist von Vertretern von Bildungsmedienanbietern zu hören. Gleichzeitig blieben selbst diese Formate oberflächlich, lautet die Kritik. Christoph Pienkoß, Geschäftsführer des Verbands Bildungsmedien, sagt: „Die Bildungsmedienanbieter werden von den Ländern und dem FWU nicht als Partner auf Augenhöhe gesehen.“ Dabei würden die Projekte laut Pienkoß profitieren, wenn die Expertise von Anfang an in die Konzeption einfließen würde.

Das FWU ist zwar einerseits an konstruktivem Austausch interessiert, scheint aber andererseits stärkeren Input aus der Bildungswirtschaft aktuell nicht zu vermissen. „Wir schätzen uns glücklich, mit einem starken Konsortium und einem exzellenten Dienstleister zusammenzuarbeiten“, sagt FWU-Projektleiterin Steinlein. Das Konsortium vereine viel wissenschaftliche Expertise: Experten aus der KI-Forschung – unter anderem vom ELLIS Institute Tübingen und dem Tübingen AI Cente – arbeiten zusammen mit Bildungsforschern und Fachdidaktikern wie dem Deutschdidaktiker und SWK-Mitglied Michael Krelle. Umgesetzt wird das AIS-Projekt von Assecor und der KI macht Schule gGmbH gemeinsam mit 19 Unterauftragnehmern, wobei Assecor für die Gesamtkoordination und KI macht Schule für die KI- und Praxis-Erfahrung zuständig ist. Steffen Schneider sagt: „Deutschland kann hier mit AIS und dem Einsatz generativer KI eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Während die Länder eine Bildungsmedieninfrastruktur (BMI) aufbauen wollen, fürchten Bildungsmedienanbieter jedoch staatlich subventionierte Konkurrenz. „Wir befürworten, wenn der Staat einen Rahmen vorgibt, in dem wir uns als Anbieter bewegen können und sollen“, sagt Pienkoß. Das FWU, als Dienstleister der Länder, bewege sich jedoch nicht nur auf regulativer, sondern auch auf operativer Ebene. Das zeige sich derzeit am KI-Chatbot Telli, dessen Entwicklung und Betrieb momentan aus Digitalpakt-Mitteln finanziert wird. Privatwirtschaftliche Angebote wie die ebenfalls für Schule angepassten Chatbots von Fobizz oder FellowFish verlieren damit an Attraktivität, so die Sorge.

Hinter den FWU-Projekten stecken Hunderte Millionen Euro aus dem Digitalpakt. Allein AIS startete mit einem Projektvolumen von rund 60 Millionen Euro. Wird die Projektlaufzeit für LÜVs verlängert, was noch nicht entschieden ist, aber als sehr wahrscheinlich gilt, dürften Restgelder aus dem Digitalpakt I noch länger als bis Ende 2026 für AIS verwendet werden. Wie hoch diese Summe ist, steht noch nicht final fest – die Länder sollen den Bund jedoch in den kommenden Wochen über die nicht verausgabten Mittel informieren. Nach Informationen von Table.Briefings dürfte sich diese Summe auf mehr als 200 Millionen Euro belaufen.

Das aktive Einbeziehen der Bildungsmedienanbieter ist dem FWU zufolge erst für die zweite Leistungsstufe ab 2027 vorgesehen. Ab dann soll die „Marktplatzfunktionalität“ aufgebaut werden und es sollen „attraktive Lizenzmodelle“ für Medienanbieter entstehen.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026