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Die Verzahnung der Verkehrsträger ist der Schlüssel zur Zukunft der Logistik

von Dirk Engelhardt

Bahnchefin Evelyn Palla postulierte vor Kurzem zum 75. Jubiläum des Deutschen Journalisten-Verbandes „…einen Journalismus, der nichts beschönigt, aber Perspektiven aufzeigt und nach vorne blickt.“ Ganz in diesem Sinne beantworte ich aus meinem persönlichen Erleben heraus die Frage, wie der Schienengüterverkehr in Zukunft erfolgreich sein kann, wie folgt: Die Bahn muss sich kundennäher vermarkten! Bei meinem früheren Arbeitgeber war ich unter anderem für einen Fuhrpark von 700 Lkw mit Schwerpunkt Massengutlogistik verantwortlich. In fast 20 Jahren bekamen wir nur ein einziges Mal Besuch von einer Bahnverkäuferin. Wer solche Potenziale ungenutzt liegen lässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keine Marktanteile hinzugewinnt. Um die Marktorientierung zu beschleunigen, halte ich es für notwendig, dass direkt in die entsprechenden Bahngremien auch Vertreter des Straßengüterverkehrs eingebunden werden, die dort die Erfordernisse des Marktes unmittelbar einfließen lassen können. Denn: Entscheidend für den Erfolg des Güterverkehrs auf der Schiene ist die engere Verzahnung mit dem Straßengüterverkehr. Unser gemeinsam mit der Allianz pro Schiene durchgeführtes Projekt „Truck2train“ hat gezeigt, wie unterschiedlich die Systeme Straße und Schiene funktionieren und dass die Hemmnisse zur Nutzung der Eisenbahn – gerade für kleine und mittelständische Straßentransportunternehmen – noch viel zu oft prohibitiv hoch sind. Dieses Dilemma kann nur durch eine intensivere Zusammenarbeit der beiden Verkehrsträger behoben werden.

Gerade weil der Eisenbahnverkehr viel komplexer im Betriebsablauf ist als der Straßenverkehr und durch seine Schienengebundenheit gezwungenermaßen unflexibler, und weil wir nichts beschönigen wollen lautet an dieser Stelle das Petitum: Hört endlich auf, die Eisenbahn mit vorgeblich „ambitionierten“ Verlagerungszielen zu malträtieren, die sie bei vernünftiger Betrachtungsweise nicht erreichen kann, denn sonst produzieren wir nur eines: Enttäuschungen. Und es ist ja keineswegs so, dass im Schienengüterverkehr nichts passiert ist. Die Fakten sprechen für sich: Seit 1993 – dem letzten Jahr vor der Bahnreform – hat sich die Gütertransportleistung auf der Schiene von 65,6 Mrd. Tonnenkilometern auf über 130 Mrd. Tonnenkilometer mehr als verdoppelt. Damit konnte die Bahn im Güterverkehr ihren Marktanteil weitgehend behaupten.

Was den Schienengüterverkehr zusätzlich erheblich nach vorne bringen könnte, ist die europaweit flächendeckende Einführung der digitalen automatischen Waggonkupplung: Auf der Messe transport logistic in München 2019 hieß es von SBB und DB unisono, dass in den nächsten zehn Jahren die Hälfte der Rangierer in Rente ginge und dieser Beruf „nicht nachrekrutierbar“ sei. Die digitale automatische Waggonkupplung kann im Idealfall nicht nur das fehlende Personal ersetzen, sondern auch die Zugbildungsabläufe beschleunigen. In Österreich startete im Januar bereits ein entsprechender Demo-Zug. Die Umrüstung einer halben Million europäischer Güterwaggons soll bis Mitte des nächsten Jahrzehnts abgeschlossen werden. Wir dürfen gespannt sein…

Autor: Dirk Engelhardt ist Vorstandssprecher des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und
Entsorgung (BGL) e.V.. Der BGL beschäftigt sich als Spitzenverband des Straßengüterverkehrs seit über einem halben Jahrhundert mit der Verlagerung von Straßentransporten auf die Schiene: 1969 gründete er im Frankfurter Haus des Straßenverkehrs gemeinsam mit der damaligen Deutschen Bundesbahn die Kombiverkehr GmbH & Co. KG ist bis heute an ihr beteiligt; sie ist Marktführer im Kombinierten Verkehr Straße/Schiene in Deutschland.

Wie kann der Schienengüterverkehr so gestärkt werden, dass er seinen Anteil am gesamten Güterverkehr erhöht – und damit zugleich Klimaziele, Versorgungssicherheit und eine moderne Infrastruktur unterstützt? Das Table.Forum Güter und Schiene widmet sich der Frage welche Rolle die Schiene für eine nachhaltige Güterlogistik spielen kann – und welche verkehrlichen, regulatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen ihre Weiterentwicklung bestimmen.

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