Wasserstoff: So schätzt eine Expertin Chinas Chancen auf Exporte nach Europa ein

Mit dem neuen Fünfjahresplan will China den Wasserstoff-Hochlauf vorantreiben und bringt sich in Stellung, um die wachsende Nachfrage nach Wasserstoff-Derivaten in Europa zu decken. Auch die Industrie-Dekarbonisierung ist im Fokus.

13. März 2026
China setzt im neuen Fünfjahresplan einen Fokus auf Wasserstoff und seine Derivate wie grüne Flugkraftstoffe. Im Bild: Ein Windenergie-Projekt zur netzunabhängigen Wasserstofferzeugung in der Provinz Liaoning
Das erste Nachhaltigkeits-Briefing. Jetzt ESG.Table 30 Tage kostenlos testen!

Mit seinem neuen Fünfjahresplan zielt China auch auf neue Wachstumsmärkte und könnte ein wichtiger Lieferant für Wasserstoff-Derivate für Europa werden. Durch ein rasantes Wachstum bei erneuerbaren Energien ist China in einer guten Position, um grünen Wasserstoff herzustellen.

An dem Fünfjahresplan falle „die ausdrückliche Ausweitung der Strategie für grünen Wasserstoff auf nachgelagerte Produkte wie Ammoniak, Methanol und nachhaltige Flugkraftstoffe“ auf, sagt Ziqun Jia von der Forschungs- und Beratungsgruppe Perspectives Climate Group. China könnte dadurch in naher Zukunft ein wichtiger Lieferant für Europa werden. Regulierungen wie die „RefuelEU Aviation“-Vorschrift schüfen „eine strukturierte Nachfrage, die mit der derzeitigen globalen Produktionskapazität bei weitem nicht gedeckt werden kann“, so Ziqun Jia. China „scheint dasselbe industrielle Skalierungsmodell, das seine Dominanz bei Solarmodulen und Batterien vorangetrieben hat, auch auf diese nächste Kategorie von Produkten für saubere Energie anzuwenden – grüne Kraftstoffe.“ Um das voranzutreiben, will China beispielsweise einen „Fonds für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft“ aufsetzen. Details zu diesem Fonds hat die Führung des Landes noch nicht veröffentlicht.

Der Nationale Volkskongress verabschiedete den 15. Fünfjahresplan am Donnerstag. Der Plan setzt auch einen neuen Fokus auf die Dekarbonisierung der Industrie. Beispielsweise will Peking 100 Netto-Null-Industrieparks aufbauen und Regionen für die Umsiedlung besonders klimaschädlicher Industrien in Landesteile mit mehr erneuerbaren Energien entschädigen. Weil unklar ist, wie sehr die Industrie-Dekarbonisierung Arbeitsplätze und Wachstum in Teilen des Landes gefährdet, setzt sich Peking keine harten Klimaziele, sondern behält sich Spielraum für Anpassungen vor. Wie die Pläne zur industriellen Dekarbonisierung im Einzelnen aussehen und was Experten dazu sagen, lesen Sie in dieser Analyse. Nico Beckert

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026