Berlin.Table – Ausgabe 782

Balance-Akt der Grünen + Debatte um Exzellenzunis + Strategische Ölreserve

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Talk of the Town

Balance-Akt: Welche Lehren die Grünen aus dem Wahlerfolg in Baden-Württemberg ziehen

Die Lehre aus Erfolgen ist für gewöhnlich einfach: Wer gewinnen will, macht es wie die Gewinner. Nur ist das im Fall der Grünen nicht so einfach. Im Bund stellt der knappe Wahlsieg von Cem Özdemir sie vor eine schwierige Aufgabe. Die anderen Landesverbände ticken anders als die Grünen im Südwesten. Nun sucht die Parteispitze nach einem Weg, ihre Flügel zusammenzuhalten.

Es bleibt also die Frage: Was lässt sich aus Baden-Württemberg auf Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und schließlich auf den Bund übertragen? Ist ein Wahlsieg die „Blaupause“ für künftige Erfolge, wie der Realo Omid Nouripour unmittelbar nach der Wahl erklärt hat? Parteichefin Franziska Brantner sagt zwar, dass seit Sonntag die „Anti-Grünen“-Zeit vorbei sei. Nur, wie groß ist die Gefahr, dass linke Landesverbände das schmerzhafte Image der Bevormundungspartei wieder erneuern?

Die Lösung soll ein „neues Bild“ der Grünen sein. Felix Banaszak, einer der beiden Parteivorsitzenden, beschreibt es im Podcast Table.Today wie folgt: „Es ist möglich, inhaltliche Klarheit, ein eindeutiges grünes Profil, ökologische Ambition, soziale Gerechtigkeit so zu erzählen, so zu vermitteln, dass es nicht als Angriff auf das Leben, das man führt, verstanden wird, sondern als eine Chance zu mehr Freiheit und Fortschritt.“ Banaszak betont ebenso wie Brantner, die Partei müsse ihren einzelnen Landesverbänden in Programmatik und Tonalität Freiheit gewähren. Dann besteht allerdings nicht nur die Gefahr einer inhaltlichen Beliebigkeit. Die Grünen könnten als sechzehn unterschiedliche Parteien erscheinen.

In Baden-Württemberg hat Özdemir die Partei programmatisch für konservative Wählergruppen anschlussfähig gemacht. Brantner musste man davon nicht überzeugen. Ricarda Lang, Banaszaks Vorgängerin an der Parteispitze, unterstützt diese Öffnung, hat dabei aber immer noch linke Wähler im Blick. Sie sagt Table.Briefings: „Eine Erkenntnis aus dem Erfolg in Baden-Württemberg ist, dass man personell und inhaltlich soweit über das eigene Milieu hinaus wirkt, dass man eine reale Machtoption erreichen kann. Dann kann man auch Stimmen von SPD und Linken ziehen.“

Banaszak und Brantner wollen die Partei „aus der Mitte heraus“ führen, nicht aus der alten Flügellogik. Dazu, so heißt es, sei es nötig, Positionen zu finden, die manchmal mit der Parteilinie brechen. Den alten Dogmen nicht folgen. Banaszak sagt, man müsse anerkennen, dass Wandel „nicht ein leichter Spaziergang ist, sondern ein Marathon, dass dieser Marathon mit Zumutung verknüpft ist, wenn man ein Industrieland wandeln möchte“. Die Industrie sei nicht nur Grundlage dafür, das Haus abzubezahlen, „sondern auch Identität, Stolz, Tradition und Zukunft“.

Nach den Wahlen in Rheinland-Pfalz soll in der Partei die Erneuerung fortgesetzt werden. In den Programmfragen geben sich Brantner und Banaszak als Moderatoren in einem offenen Prozess. Wie aber, so wird gefragt, müssten Positionen aussehen, die die Partei zur Mitte anschlussfähig machen, die über das grüne Milieu hinaus wirksam sind? Wie dogmatisch bleibt die Partei beim Klimaschutz oder bei der Migration?

Die Grünen wollen offenbar eine neue Bandbreite ausloten, doch das birgt für die Partei wiederum ein Problem. Anders als die CDU, die seit eh und je die unterschiedlichen Lager personell abdeckt, sind die Grünen eine Programmpartei. Die Basis wird schnell misstrauisch, der linke Flügel unruhig, wenn Spitzengrüne wie einst Joschka Fischer oder Winfried Kretschmann, wie mit Abstrichen Robert Habeck und ganz sicher Özdemir vom Programm abwichen – und zwar auch dann, wenn sie damit Erfolg haben. Nach dem Frühlings-Erfolg in Baden-Württemberg steht den Grünen ein anstrengender Sommer bevor.

Das Podcast-Gespräch mit Felix Banaszak hören Sie hier.

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News

Exzellenzuniversitäten: Warum die große Debatte noch bevorsteht. Im Wettbewerb um den Status der Exzellenzuniversität haben alle zehn bisherigen Titelträger (siehe Grafik) die Evaluation bestanden. Sie bleiben damit ab 2027 für weitere sieben Jahre Teil des Förderprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats. Das gaben der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick, DFG-Präsidentin Katja Becker und Forschungsministerin Dorothee Bär am Mittwochabend bekannt.

Nach internationalen Begutachtungen und der Bewertung durch die Exzellenzkommission fiel das Urteil einhellig aus: Alle Universitäten konnten Fortschritte bei Publikationen, Drittmitteln, Governance und Transfer nachweisen. Auch der Verbund der Berliner Universitäten erhielt eine positive Bewertung – trotz jüngster Sparsignale aus dem Senat. Warum der deutschen Wissenschaft trotz der positiven Ergebnisse eine Grundsatzdebatte über die Exzellenzstrategie bevorsteht, lesen Sie im Research.Table. Markus Weisskopf

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Source. Medienpolitischer Kongress 2026. 18. März 2026, 13:30-20:00 Uhr. Wie kann eine europäische Medienplattform gelingen? Baden-Württemberg Vertretung des Landes beim Bund

Strategische Ölreserve: Kabinett beschließt Nutzung, Grüne üben Kritik. Nach einigem Hin und Her haben sich die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur für eine Teilnutzung ihrer strategischen Ölreserven entschieden. Zusammen werden die Staaten rund 400 Millionen Barrel Rohöl freigeben, um den Anstieg der Öl- und Spritpreise abzubremsen. Es ist der größte entsprechende Schritt, den es in der Geschichte der IEA bislang gegeben hat. Das Bundeskabinett stimmte dem Schritt am Mittwochmorgen zu; Katherina Reiche erklärte, Deutschland werde 19,5 Millionen Barrel freigeben. Das entspricht etwa 10 Prozent der deutschen Gesamt-Reserve an Rohöl und Mineralölprodukten. Die Wirtschaftsministerin sagte außerdem, dass sich die Regierung entschieden habe, Tankstellen nur noch eine Preiserhöhung pro Tag zu gestatten. Dafür ist aber eine Gesetzesänderung erforderlich; bis wann diese umgesetzt werden kann, blieb am Mittwoch offen.

Kritik am Einsatz der Ölreserven kam von der Opposition. Der Energieexperte der Grünen, Michael Kellner, hält die Entscheidung für falsch. Er sagte Table.Briefings: „Diese strategischen Reserven sind stets für Notfälle gedacht, nicht zur Bekämpfung von Preisspitzen.“ Der Grünen-Abgeordnete betonte, er könne nachvollziehen, dass man angesichts internationaler Absprachen als Bundesregierung nicht ausscheren wollte. Aber er befürchte, dass solche Verkäufe „sehr schnell verpuffen“, solange der Krieg in Nahost ohne Plan weiterlaufe. Unterstützung kam von ihm für die Idee, sogenannte Übergewinne der Mineralölkonzerne abzuschöpfen, um sie über eine Senkung der Stromsteuer an die Verbraucher zurückzugeben. Kellner war unter dem damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck Staatssekretär und für Energiefragen zuständig. Stefan Braun

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Das hilft allen: PKV-Mehrumsatz auf Rekordhoch. Über 15,5 Milliarden Euro pro Jahr können Arztpraxen, Therapeuten und Kliniken zusätzlich in Personal und moderne Medizintechnik investieren – dank ihrer höheren Umsätze mit Privatpatienten. Dieser PKV-Mehrumsatz sichert Beschäftigung und Innovation zugunsten aller – auch der gesetzlich Versicherten. (mehr auf pkv.de)

Strompreise: Worüber Brüssel nachdenkt. Die EU-Kommission erwägt, den Preis für Gas zur Stromerzeugung staatlich zu deckeln oder Subventionen zu erlauben. Das nannte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch als eine von mehreren Optionen, die sie den Staats- und Regierungschefs vorschlagen werde, um die Strompreise zu senken. Warum der Plan für die Verbraucher nur unter bestimmten Bedingungen vorteilhaft wäre, lesen Sie im Europe.Table. Manuel Berkel

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Kommunalwahlen in Bayern: Schlappe für die CSU, Erfolg für die AfD. Während die CSU der Koalition im Bund inhaltlich immer wieder ihren Stempel aufdrücken kann, musste sie im Freistaat nun eine deutliche Niederlage verkraften. Bei der Kommunalwahl erreichte die CSU mit 32,5 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis (2020: 34,5 Prozent, 2014: 39,7 Prozent). Die AfD konnte dagegen um 4,7 Prozent auf rund 12 Prozent (plus 486.000 Stimmen) zulegen. Auch die Freien Wählern legten leicht zu auf rund 12 Prozent, so dass rechts der CSU nun zwei Parteien fast ein Viertel der Wähler auf sich vereinen. Die CSU verliert rund 120 kommunale Mandate. Besonders schmerzhaft für die Christsozialen: Die stellvertretende CSU-Vorsitzende Melanie Huml ist bei der Oberbürgermeisterwahl in Bamberg gescheitert, sie kam im ersten Wahlgang nur auf den dritten Platz. Auch in München schaffte es der CSU-Mann und frühere Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner nicht in die Stichwahl gegen OB Dieter Reiter (SPD). Michael Bröcker

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Drohnentechnologie: Rheinmetall erwartet ein Milliardengeschäft. Deutschlands größter Rüstungskonzern verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 9,9 Milliarden Euro – und prognostiziert ein Milliardengeschäft mit unbemannten Systemen. Denn neben Kampfdrohnen der Start-ups Helsing und Stark wolle die Bundeswehr auch Kampfdrohnen von Rheinmetall beschaffen, sagte CEO Armin Papperger bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2025 am Mittwoch in Düsseldorf. Bei welchen anderen Geschäftsfeldern der Rheinmetall-Chef Potenzial sieht, lesen Sie im Security.Table. Robert Wallenhauer

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Pensionen: Warum den Ländern Probleme drohen. Sie spielt bei den Debatten über die Bund-Länder-Finanzen bisher keine große Rolle, gilt manchen aber als „tickende Zeitbombe“: die Beamtenversorgung. Es geht um viel Geld: Brandenburg etwa gab 2020 dafür 358,1 Millionen Euro aus, für 2040 rechnet das Land mit knapp 1,26 Milliarden Euro – also fast das Vierfache. Die Pensionsansprüche zu bedienen, werde den Konsolidierungsdruck in den öffentlichen Haushalten erhöhen, sagt Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut Table.Briefings: Man müsse entweder Steuern erhöhen oder an anderer Stelle sparen. Nur die wenigsten Länder würden ausreichend Rücklagen bilden, obwohl dies vorgeschrieben sei, so der Ökonom. Aus seiner Sicht rächt sich, dass sie in der Vergangenheit „recht großzügig“ verbeamtet haben – künftig könnte man dies auf hoheitliche Aufgaben wie Polizei und Justiz beschränken.

Das forderte die Mittelstandsunion beim CDU-Parteitag erfolglos. Anfang März debattierte der Bundestag über einen AfD-Antrag dazu. In Baden-Württemberg sorgte vor der Wahl Winfried Kretschmann mit der Aussage für Aufsehen, dass Lehrer nicht Beamte sein müssten. Noch größtenteils offen ist, welche finanziellen Folgen das Karlsruher Urteil vom Herbst 2025 auf die Länder hat, wonach Berlin seine Bediensteten mehr als ein Jahrzehnt zu gering bezahlt hat. Wie hoch schon angekündigte Nachzahlungen ausfallen und was der Bund zum Thema plant, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Okan Bellikli

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Klimaextremismus: Welche Terror-Hinweise die Behörden haben. Militante Klimaproteste rücken vermehrt in den Fokus der Behörden. Im Januar warnte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor „Linksterrorismus gepaart mit Klimaextremismus“. Zuvor hatte mutmaßlich die sogenannte Vulkan-Gruppe einen Anschlag in Berlin verübt, der zu einem tagelangen Blackout im Südwesten der Hauptstadt führte. Die Datenlage ist allerdings nicht eindeutig. Die Kriminalstatistik zeigt zuletzt eher eine abnehmende Zahl von Straftaten mit Klima-Hintergrund. Sie machten etwa nur 1,6 Prozent aller politisch motivierten Kriminalität 2024 aus. Umweltorganisationen beklagen dagegen eine zunehmende Kriminalisierung von Klimaaktionismus. Wie die Behörden und Experten die Situation einordnen, lesen Sie im Climate.Table. Nico Beckert

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Epstein Files I: Grüne fordern Aufarbeitung. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen schreibt die Bundesregierung, sie verfolge die Entwicklungen rund um die sogenannten Epstein-Akten „aufmerksam“. Es würden jedoch „keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellungen“ vorliegen. Die Grünen hatten gefragt, ob die Regierung wisse oder prüfe, ob aktuelle oder frühere Regierungs- und Parlamentsmitglieder sowie Beamte und Diplomaten in den Unterlagen auftauchten. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch reicht die Antwort der Regierung nicht. Die Bezüge aus den Epstein Files nach Europa und Deutschland würden zahlreicher, sagte er Table.Briefings. Die Bundesregierung sollte sich daher „systematisch mit den offen im Raum stehenden Fragen befassen“. Okan Bellikli

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Epstein Files II: Gespräch mit Epsteins wichtigstem China-Kontakt. Im Interview sagt der Geschäftsmann Desmont Shum Table.Briefings, dass er nichts von Jeffrey Epsteins kriminellen Machenschaften gewusst habe: „Wir sprachen über geschäftliche Dinge, er wollte China besser verstehen oder fragte nach bestimmten Personen. Es war nie eine enge Beziehung.“ Shum beschreibt, wie ihn Epsteins Netzwerk aus Hollywood, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft beeindruckt habe: „Ich fand faszinierend, dass jemand sich so mühelos zwischen all diesen Kreisen bewegen konnte – rund um den Globus, quer durch Branchen und Milieus.“ Wie Shum und Epstein sich kennenlernten, lesen Sie im China.Table. Fabian Peltsch

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Verabschiedet sich der Osten von der Demokratie? Mit Jana Hensel."

Warum ist die AfD in den ostdeutschen Bundesländern besonders stark? Diese Frage ist von ungebrochener Aktualität, und im September könnte die AfD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt die stärkste Kraft werden. In ihrem neuen Buch „Es war einmal ein Land – Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“ versucht die Journalistin und Bestsellerautorin Jana Hensel, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Warum sie sagt, dass der Abschied von der Demokratie bereits 2005 mit der Einführung von Hartz IV begonnen habe, hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Heads

Jan-Werner Müller wird doch nicht Präsident der Hertie School in Berlin. Der Princeton-Professor hat den bereits zugesagten Posten aus persönlichen Gründen abgesagt. Damit steht die Hochschule wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit von Cornelia Woll ohne klare Führung da. Die Suche beginnt von vorn – unter erheblichem Zeitdruck. Parallel zur Absage Müllers steht zudem eine Neubesetzung der Studierendenvertretung an. Binnen einer Woche hat sich die Kontroverse um eine Pro-BDS-Resolution der Hertie Student Representation (HSR) derart verschärft, dass über eine Abwahl der Vertreter abgestimmt wird. Wie es an der privaten Hochschule weitergeht, lesen Sie im Research.Table. Anne Brüning, Tim Gabel

Sascha Binder, Generalsekretär der SPD in Baden-Württemberg, ist nach der Wahlniederlage am Sonntag erst von seinem Amt zurückgetreten, um dann zwei Tagen später befördert zu werden: Am Dienstag wurde er einstimmig zum Fraktionschef im Stuttgarter Landtag gewählt. Die Personalie sorgt für Irritationen in der Partei. Es sei ausgerechnet derjenige zum Fraktionschef gewählt worden, der „dieses Negativrekordergebnis zu verantworten hat”, sagt Ali Kaan Sevinc, SPD-Kommunalpolitiker aus Essen, Table.Briefings. „Wenn man anständig wäre, würde man bei solch einer Verantwortung nicht nur nicht gewählt werden, sondern auch das Mandat zurückgeben.“ Binder tritt die Nachfolge von Andreas Stoch an, der nach der Wahlniederlage von seinen Ämtern zurückgetreten war. Laura Block

Chris Bowen, australischer Klimaminister, wird die Verhandlungen auf dem UN-Klimagipfel COP31 im November leiten. Sie wird von Australien gemeinsam mit der Türkei ausgerichtet und findet in der Türkei statt. Darauf einigten sich beide Länder nach einem monatelangen Streit über den Ausrichtungsort. Australien stellt nun den Verhandlungsführer, die Türkei den COP-Präsidenten. Der 53-jährige Bowen ist seit 2022 Minister für Klima- und Energie. Seit der COP27 verhandelt er bereits auf den Klimakonferenzen für Australien. Bei der COP31 wird Bowen seine diplomatische Erfahrung benötigen. Schon die Organisation ist herausfordernd, weil erstmals zwei Länder eine COP ausrichten. Warum die inhaltliche Ausrichtung noch herausfordernder werden dürfte, lesen Sie im Climate.Table. Lisa Kuner

Grace Wang ist die siebtreichste Selfmade-Milliardärin der Welt. Die Vorsitzende des Apple-Zulieferers Luxshare Precision Industry begann ihr Arbeitsleben am Fließband bei Foxconn. Nachdem sie 2004 ihr eigenes Unternehmen gegründet hatte, bewies sie einen exzellenten Spürsinn für die richtige Strategie und steuerte geschickt durch die Finanzkrise. Auch den Börsengang von Luxshare 2010 meisterte sie mit Erfolg. Wie Wang im letzten Jahr plötzlich mitten in die Gemengelage der Chip-Streitigkeiten zwischen Peking und Europa schlitterte, lesen Sie im China.Table. Ning Wang

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Best of Table

Europe.Table: Streit über Mutterschutz-Rechte für EU-Abgeordnete. Das Europaparlament will es Abgeordneten erlauben, während des Mutterschutzes die eigene Stimme auf Kollegen oder Kolleginnen zu übertragen. Die entsprechende Änderung des EU-Direktwahlaktes sorgt nun für Streit innerhalb der schwarz-roten Koalition in Berlin. Warum eines der ersten „German Votes“ in der Amtszeit von Friedrich Merz droht, lesen Sie hier.

Research.Table: Wie die Nachfolge bei Biontech gefunden werden soll. Die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci ziehen sich bis Jahresende aus der Unternehmensführung zurück. Sie wollen sich wieder mehr der Forschung widmen. Wie es mit Biontech weitergehen soll, lesen Sie hier.

China.Table: Spielräume im Volkskongress. Chinas höchstes Staatsorgan ist für Abnicken bekannt, doch Delegierte setzen sich auch für die Belange der breiten Bevölkerung ein. Jedes Jahr reichen sie Tausende Anträge beim zuständigen Staatsrat ein. Wie groß der Spielraum ist und welches Thema in diesem Jahr besonders diskutiert wird, lesen Sie hier.

Climate.Table: Wie China den Wasserstoff-Markt Europas erobern will. Mit dem neuen Fünfjahresplan will China auch den Wasserstoff-Hochlauf vorantreiben und bringt sich in Stellung, um die wachsende Nachfrage nach Wasserstoff-Derivaten in Europa zu decken. Welchen Fokus der Fünfjahresplan auf die Industrie-Dekarbonisierung hat, lesen Sie hier.

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Time.Table

Außenpolitik I: Der Kanzler reist am Donnerstag nach Norwegen, wo er mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre vor allem über die bilateralen Beziehungen sowie die Zusammenarbeit von Deutschland und Norwegen in der Nato sprechen will. Neben der Politik geht es auch um Raumfahrt: Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Forschungsministerin Dorothee Bär nehmen an einem runden Tisch zur deutsch-norwegischen Weltraumkooperation teil.

Außenpolitik II: Karin Prien nimmt an der Sitzung der Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen in New York teil und reist dann weiter nach Washington D.C.

Soziales: Alabali Radovan startet eine Allianz für faire internationale Fachkräftegewinnung. BMZ, Berlin, 10:30 Uhr

Jubiläum: Festakt anlässlich 75 Jahre Bundeskriminalamt mit Reden von Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und BKA-Präsident Holger Münch. Wiesbaden, 15 Uhr

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Must-Reads

SZ: Kulturstaatsminister Weimer zunehmend in der Kritik. Nach mehreren umstrittenen Entscheidungen gerät Wolfram Weimer zunehmend unter Druck – so sehr, dass die Frage im Raum steht, wie lange der Minister noch zu halten ist. Zuletzt hatte Weimer drei linke Buchhandlungen entgegen eines Jury-Votums nicht mit einem Buchpreis ausgezeichnet. Weil der Minister anschließend in einer E-Mail behauptete, nicht er, sondern die Jury habe so entschieden, droht die Situation nun zu kippen. („Der falsche Mann“)

FAZ: Knappes Rennen in Rheinland-Pfalz – CDU greift SPD nur an einer Stelle an. Kurz vor der Landtagswahl am 22. März steuern beide Parteien auf ein enges Duell um die Staatskanzlei zu. Trotzdem blieben die Kandidaten bei ihrem TV-Duell weitgehend freundlich. Nur an einer Stelle wirft der CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder der SPD und ihrem Ministerpräsidenten „Selbstbedienung“ vor. Der Grund: Alexander Schweitzer hatte eine Beamtin beurlaubt, damit diese den Wahlkampf organisieren kann. („Das eine heikle Thema“)

Zeit: Steinmeier für Social-Media-Verbot. Frank-Walter Steinmeier zieht in einem Interview von Giovanni di Lorenzo die Bilanz seiner Amtszeit. Er spricht über die heutige Rolle eines Bundespräsidenten, die Bedrohung der Demokratie und die Möglichkeit eines AfD-Verbotsverfahrens. Sehr konkret wird er beim Thema Social Media. Er spricht sich für ein Verbot für unter 14-Jährige aus. „Ehrlich gesagt überzeugt mich die Empfehlung ,mehr Medienkompetenz‘ heute nicht mehr. Dafür sind die Gefahren für die Kinder und Jugendlichen zu groß – und wir dürfen die Eltern und Lehrer nicht alleinlassen mit dieser riesigen Verantwortung.“ („Das mit dem Ruck, das werde ich im Leben nicht verstehen“)

NYT: Trumps Kampf gegen die Erneuerbaren. Paradoxerweise könnte der Krieg gegen den Iran den Kampf gegen erneuerbare Energien in den USA politisch weniger attraktiv machen, schreibt die Yale-Professorin Natasha Sarin, die in der Biden-Zeit im US-Finanzministerium arbeitete. Denn es sei nun unbestreitbar, dass die Abhängigkeit von Öl eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA sei. Energie aus Quellen, „die unsere Gegner blockieren können oder deren Lieferung Marine-Eskorten erfordert“, sei nicht zuverlässig. Ganz im Gegensatz zu Solar- und Windenergie aus dem eigenen Land. („Here’s One Boast Trump Won’t Be Making Any More“)

Tagesschau: BND wird umgebaut. Noch bevor der Bund das neue BND-Gesetz fertigstellt, baue Martin Jäger seine Behörde um, schreiben Florian Flade und Jörg Diehl. Demnach wird einer der sechs Fachbereiche aufgelöst. Die Leitung wolle die Spionage gegen bestimmte Länder neu aufstellen und dafür auch die BND-Einheiten in den deutschen Botschaften stärker einbinden. Die großen Lagebesprechungen sollen sich nicht länger an der wöchentlichen „Nachrichtendienstlichen Lage“ im Kanzleramt orientieren, sondern täglich stattfinden. Zudem wolle man mehr „menschliche Quellen“. („Beschaffen, beschaffen, beschaffen!“)

Nicht überlesen!

NDR: AfD Niedersachsen vorerst wieder nur Verdachtsfall. Das Landesamt für Verfassungsschutz hat einem Stillschweigeabkommen zugestimmt. Seine Hochstufung der AfD Niedersachsen auf „gesichert rechtsextrem“ lässt das Amt ruhen, solange das Eilverfahren läuft. Die Partei hat gegen ihre Hochstufung geklagt. Öffentlich ist nun wieder von einem Verdachtsfall die Rede. („Verfassungsschutz behandelt AfD vorerst wieder als ‚Verdachtsfall‘“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

phoenix runde, 22:15 Uhr: Annett Meiritz, Daniel Gerlach, Klemens Fischer

Maischberger, 22:50 Uhr: Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Alice Schwarzer, Florian Schroeder, Anna Schneider, Klaus Brinkbäumer

Markus Lanz, 0 Uhr: Tino Chrupalla, Frederik Schindler

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Enzo Weber, IAB-Institut: Arbeitsmarktreformen

7:15 Uhr: Volker Treier, Außenwirtschaftschef DIHK: Ölpreiskrise

8:10 Uhr: Jochen Ott, Fraktionsvorsitzender der NRW-SPD: Krise der SPD

ARD

7:15 Uhr: Reza Asghari, MdB (CDU): Auswirkungen des Irankriegs

8:05 Uhr: Daniel Gerlach, Nahost-Fachmagazin zenith: Auswirkungen des Irankriegs

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen: Freigabe der Ölreserve

phoenix

9:05 Uhr. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts: Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft

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Geburtstage von morgen

Heike Henn, Abteilungsleiterin internationaler Klimaschutz im BMUKN, 61

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu Krieg und Frieden. Um aktuelle Konflikte besser zu verstehen, müsse man auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge dahinter schauen, schreibt dieTaz-Journalistin Ulrike Herrmann in ihrem neuen Buch. Sie verdeutlicht das am Beispiel von Russlands Krieg gegen die Ukraine und Chinas Ambitionen rund um Taiwan: Was würde etwa mit all den russischen Soldaten passieren, wenn plötzlich Frieden wäre? Sie müssten in zivilen Betrieben Arbeit finden, obwohl es solche Stellen kaum noch gebe, so Herrmann. Auch das beeinflusse die Politik von Wladimir Putin. Okan Bellikli

Ulrike Herrmann: Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet | Kiepenheuer & Witsch

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Michael Bröcker, Caspar Dohmen, Damir Fras, Franziska Klemenz, Lukas Knigge, Elián Libera, Vincent Mikoteit, Malte Neumann, Leonard Schulz und Sara Sievert mitgewirkt.

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