Exzellenzuniversitäten: Alle bleiben exzellent – doch die große Debatte steht erst noch bevor

In der ersten Runde des Exzellenzuniversitäten-Wettbewerbs bestehen alle zehn Bewerber die Evaluation. Warum man darüber nicht uneingeschränkt glücklich ist.

11. März 2026
Jubel an der TU Dresden
Freude bei der bislang einzigen ostdeutschen Exzellenzuniversität in Dresden. (TUD/Sven Ellger)
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Alle Bewerber haben es geschafft, das ist die Hauptnachricht des Abends. Die aktuellen Exzellenzuniversitäten, die sich bewerben konnten, – neun Einzeluniversitäten und der Berliner Verbund – bleiben ab 2027 für sieben weitere Jahre exzellent. Das verkündeten Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Forschungsministerin Dorothee Bär und Falko Mohrs, stellvertretender Vorsitzender der GWK, am heutigen Mittwochabend im Rahmen einer Pressekonferenz.

Wie die Begutachtung ablief. Die Bewerber hatten zunächst Besuch von internationalen Gutachterteams bekommen. Hier präsentierten sie ihre Ergebnisse der zurückliegenden Förderperiode und die strategischen Planungen für die nächsten Jahre. Im Anschluss erfolgte eine Bewertung der Exzellenzkommission. Diese besteht aus den 39 Mitgliedern des Expertenkomitees sowie den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Ministern des Bundes und der Länder. Nicht mehr antreten konnte in dieser Runde die Universität Konstanz. Sie hatte im vergangenen Jahr die Förderung für ein Exzellenzcluster verloren und verfügt somit nicht über die für eine Bewerbung geforderten zwei Exzellenzcluster.

Berlin University Alliance mit guter Bewertung. Wenn es leise Zweifel gab, dann sprachen manche über Berlin – aufgrund des öffentlich sehr sichtbaren Sparkurses des Senats und auch des eher mittelmäßigen Abschneidens von TU und HU beim Exzellenzclusterentscheid. Wie Table.Briefings erfuhr, spricht der Evaluationsbericht zur Berlin University Alliance (BUA) jedoch eine andere Sprache. Hier werden der neue Geist der Zusammenarbeit in der BUA und auch die überzeugende Führung durch die Mitglieder des Board of Directors ausdrücklich gelobt. Ebenso hervorgehoben werden die Publikationsergebnisse und die gestiegene Drittmitteleinwerbung – genauso wie der Zusammenschluss der Gründerzentren.

Wenig Diskussion. Anscheinend waren sich Gutachter und Minister insgesamt rasch einig, denn die Ergebnisse seien allesamt positiv gewesen, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Höchstens graduell hätten sich die Bewertungen unterschieden, alle Bewerber konnten gute Fortschritte nachweisen und mit ihren Zukunftskonzepten überzeugen. Es habe keine „Wackelkandidaten“ gegeben, sagte auch Wick in der Pressekonferenz. Grundsätzlich betonte der Wissenschaftsratsvorsitzende, dass die Energie und die Ressourcen wirksam eingesetzt wurden, dass Ziele erreicht und gar übertroffen wurden. Indikatoren dafür sind gesteigerte Publikationszahlen und höhere Drittmittel und eine gesteigerte Zahl von Kooperationen. Daneben seien auch Verbesserungen bei der Governance und beim Transfer zu sehen.

Transfer war neben der exzellenten Forschung ein wichtiges Thema in dieser Runde. Alle Bewerber waren aufgefordert, gerade zu diesem Thema auch nach außen zu kommunizieren und die Erfolge entsprechend darzustellen. David Kaldewey von der Universität Bonn begrüßt grundsätzlich die stärkere Förderung des Transfers. „Aber ich bin skeptisch, ob die Exzellenzstrategie dafür ein guter Rahmen ist“, sagte der Professor für Wissenschaftsforschung und Politik auf Anfrage von Table.Briefings.

Mit der Entscheidung bleiben der Süden und der Westen stark in diesem Wettbewerb. Ob sich das im Oktober ändert, bleibt abzuwarten. Da nach der Erhöhung der möglichen Förderfälle nun insgesamt bis zu 15 Exzellenzuniversitäten gefördert werden können, sind fünf zusätzliche Exzellenzuni-Plätze zu vergeben. Dann könnte zumindest der Norden aufholen, wenn Kiel, Bremen/Oldenburg oder eine die beiden Hannoveraner Universitäten erfolgreich sein sollten. Im Osten könnte immerhin Jena dazu kommen. Gleichzeitig bewerben sich jedoch auch sechs Universitäten und Verbünde aus dem Süden und dem Westen der Republik (hier geht es zu einer grafischen Übersicht).

Baldige Diskussion über die Zukunft der Exzellenzstrategie erwartet. Unübersehbar versuchte man seitens der Förderorganisationen und der Politik breitere Debatten über die Fortführung der Exzellenzstrategie vor den Entscheidungen dieser Runde zu vermeiden. Da eine Evaluierung des Programms allerdings recht überraschend im Koalitionsvertrag von 2035 auf 2030 vorgezogen wurde, dürfte jetzt auch die politische Diskussion nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Die wichtigste Frage: Wo will man eigentlich hin? Sind die großen US-amerikanischen Universitäten wirklich die Vorbilder? Dann bräuchten eher einige wenige Spitzenuniversitäten deutlich mehr Geld als das bisher der Fall ist. Denn: „Das Geld reicht nicht, um Weltklasse-Universitäten hervorzubringen“, sagt Tilman Reitz von der Universität Jena. „Wir produzieren Hochglanz-Fassaden, bleiben aber im Mittelfeld.“

Einige sehen sich weiter vorn. Schon jetzt beginnen angesichts der sehr breiten Spitze von bald vermutlich 15 Eliteuniversitäten – bei weniger als 100 Volluniversitäten in Deutschland – erste Absetzbewegungen. Vor allem die auch international führenden Universitäten in München, Heidelberg oder Bonn sehen sich, wie man hört, in einer anderen Liga. So formulierte auch Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, heute seinen Anspruch: Man wolle sich dauerhaft in der Spitzengruppe der besten Universitäten der Welt etablieren, sagte er.

Thomas Heinze von der Universität Wuppertal bezweifelt die Wirkung der aktuellen Förderung. „Mit der Exzellenzstrategie wird ein Verfahren durchgeführt, das die Illusion erzeugt und verbreitet, Deutschland hätte die internationale Leistungsfähigkeit seiner Universitäten bereits erheblich verbessert, sagte er Table.Briefings. Diese Illusion betrifft den Umfang der Investitionen, die notwendig wären, um deutsche Universitäten und ihre Fächer an die Spitze des internationalen Wettbewerbs in der Wissenschaft zu bringen. Die vom Wissenschaftsrat durchgeführte Selbsttäuschung behindere dabei eine evidenzbasierte Diskussion über wirksame Maßnahmen in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik, meint der Organisationssoziologe.

Es sind also einige Grundsatzfragen, die die deutsche (Wissenschafts-)Politik beantworten muss. Auch die nach der Priorität von Forschung und Entwicklung im Bundeshalt, gemessen an dem 3,5-Prozent-Ziel der Bundesregierung. Dazu kommt wissenschaftsintern die Frage, wie durchlässig die Eliteliga in Zukunft noch sein kann. Bereits jetzt klagten die Bewerber über einen sehr hohen Aufwand für die aktuelle Evaluation. Doch nicht nur innerhalb der Hochschulen, auch bei den Förderorganisationen ist der Ressourceneinsatz immens. Allein 25 Personen sind laut Organigramm der DFG dort für die Exzellenzstrategie zuständig. Dort werden die Exzellenzcluster betreut. 21 sind es beim Wissenschaftsrat, wo man für die Exzellenzuniversitäten zuständig ist. Immerhin deutete Forschungsministerin Bär wohl in der Unterrichtung der Universitätsleitungen an, dass es Verfahrenserleichterungen geben könnte, auch wenn der Wettbewerb ernst bleiben solle.

Wie reformwillig das System ist, bleibt fraglich. Allzu grundsätzliche Diskussionen sind seitens der Wissenschaft nicht zu erwarten. Denn immerhin fließen mit der aktuellen Exzellenzstrategie bis 2033 jährlich rund 500 Millionen Euro ins System. Die möchte man angesichts der aktuellen Lage des Bundeshaushalts nicht riskieren. Und natürlich sind diese wettbewerblich zu vergebenden Mittel auch für Politik und Förderorganisationen attraktiv. Je mehr Institutionen damit beglückt werden können, desto weniger die mögliche Kritik an den handelnden Entscheidungsträgern.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026