Berlin.Table – Ausgabe 775

Europas Reaktion auf den Iran-Krieg + Trumps Risiko + Vökerrechtsdebatten

Teilen
Kopiert!

Talk of the Town

Der Krieg und Europa: Wie sich Berlin, Brüssel und die E3 aufstellen (sollten)

Der Nationale Sicherheitsrat lebt. Zumindest das hat die jüngste Eskalation im Nahen Osten deutlich gemacht. Mit einem Mal ist er zu einem ganz normalen Bestandteil der Regierung geworden. Und das, obwohl noch nicht alle Planstellen besetzt sind und noch kein dauerhafter Chef gefunden wurde. Zuletzt hatte es im Parlament Zweifel gegeben, ob das Gremium vor diesem Hintergrund überhaupt arbeitsfähig ist. Das aber rückt in den Hintergrund, seit der neue Krieg in Nahost den Kanzler, seine wichtigsten Minister und die Sicherheitsdienste eng zusammenrücken lässt.

Dabei ist das Gremium nicht das einzige, das aktiviert wurde. Auch der Krisenstab des Auswärtigen Amtes tagt in Dauerschleife. Am Montag kündigte Außenminister Johann Wadephul an, dass Flugzeuge nach Riad in Saudi-Arabien und Maskat im Oman geschickt werden, um vor allem Kinder, Verletzte oder Schwangere schnellstmöglich nach Deutschland zurückzubringen – zur Not auch mit Flugzeugen der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium allerdings betonte, dass das „wirklich das letzte Mittel“ der Wahl sei.

Eine Beteiligung der Bundeswehr darüber hinaus könnte vor allem über logistische Unterstützung erfolgen. Das Statement der E3 am Sonntagabend hatte in Aussicht gestellt, „möglicherweise durch die Ermöglichung notwendiger und verhältnismäßiger Verteidigungsmaßnahmen“, die eigenen Interessen und die der Verbündeten in der Region zu verteidigen. Der jüngste Beschuss von Militärbasen in Jordanien und im Irak, wo auch die Bundeswehr stationiert ist, hat die Dringlichkeit von Maßnahmen vor Ort erhöht.

Die Option von medizinischen Evakuierungen steht zusätzlich im Raum. Aber auch eine deutsche Unterstützung bei der Drohnenabwehr wird ins Spiel gebracht. Der Hauptauftrag sei, die Einsatzkontingente vor Ort zu schützen, so Bastian Ernst, CDU-Mitglied im Verteidigungsausschuss zu Table.Briefings. Die Unterstützung durch die Sanität der Bundeswehr beispielsweise durch medizinische Evakuierungen sei eine Möglichkeit. Wenn es zudem Unterstützungsbedarf beim Schutz vor Drohnenangriffen gebe, sollte man auch das diskutieren, so Ernst.

Auch einige Experten fordern deutsche Unterstützung bei der Drohnenabwehr. „Deutsche Staatsräson heißt auch Raketen und Drohnen, die auf Israel zielen, abzufangen durch Patriot und Eurofighter", so Maximilian Terhalle, Fellow an der Hoover Institution der Stanford University zu Table.Briefings. Aus seiner Sicht könnte der Einsatz auch genutzt werden, um die eigene Drohnenabwehrtechnik zu testen. Erwartungen an ein direktes Eingreifen in den Krieg sind indes gering. Von den europäischen Staaten sei außer der britischen Bereitstellung von Infrastruktur praktisch nichts zu erwarten, meint Nico Lange, Gründer und Direktor von IRIS (Institut für Risikoanalyse und Internationale Sicherheit).

Konkreter werden die Verbündeten im E3-Format: Paris und London. Beide hatten sich zunächst sehr zurückhaltend ausgedrückt. Das widerriefen sie inzwischen teilweise. Frankreich signalisierte Bereitschaft, seinen Partnern im arabischen Raum beizustehen. Sein Land sei bereit, sich an ihrer Verteidigung zu beteiligen, sagte Außenminister Jean-Noël Barrot. Exakt entlang den Vereinbarungen, die es mit seinen Partnern geschlossen habe – und gebunden an die Grundsätze der kollektiven Selbstverteidigung, die im Völkerrecht verankert seien. Am Wochenende war ein Hangar auf einem französischen Marinestützpunkt in den VAE von einer iranischen Drohne angegriffen worden.

Großbritanniens Premier vollzog ebenfalls eine Kurskorrektur. Keir Starmer verkündete, sein Land werde den US-Streitkräften die Nutzung der britischen Stützpunkte in der Region erlauben; und zwar für Angriffe auf iranische Raketenstellungen. „Großbritannien handelt im Rahmen der kollektiven Selbstverteidigung regionaler Verbündeter, die um Unterstützung gebeten haben”, so Starmer. Nur kurz danach ging eine iranische Drohne auf dem Royal-Air-Force-Stützpunkt Akrotiri auf Zypern nieder und richtete Sachschaden an. Am Montag wurden zwei unbemannte Flugzeuge, die sich Richtung Akrotiri bewegten, gerade noch mal abgefangen, wie ein Sprecher der zyprischen Regierung mitteilte.

Teilen
Kopiert!

POLITISCHE ANZEIGE

Null Apotheker. Null Lösung. Bayerische Landesapothekerkammer

- Sponsor: Bayerische Landesapothekerkammer
- Kontrolliert von: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
- Im Zusammenhang mit: Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) & Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

Gefahren für Deutschland: Sicherheitsbehörden in enger Abstimmung. Seit Kriegsausbruch im Nahen Osten sind die Innenminister von Bund und Ländern in engstmöglicher Abstimmung. Am Samstag und Sonntag schalteten sie sich zusammen, um sich gemeinsam mit Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz über alle potenziellen Gefahren im Inland auszutauschen. Dabei geht es um zusätzlichen Schutz für amerikanische, israelische und jüdische Einrichtungen, aber auch um die Gefahr, die durch gewaltbereite Regimefreunde Teherans drohen könnte.

Ein beteiligter Minister bestätigte Table.Briefings, überall seien die Maßnahmen noch einmal hochgefahren worden. Das gelte insbesondere für die genannten Einrichtungen. Zugleich gebe es aktuell keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne. Das aber könne sich aber schnell ändern. Deshalb bleibe man in einer Art Dauerkontakt, um sich jederzeit informieren zu können. Michael Bröcker, Stefan Braun

Teilen
Kopiert!

Risiko für Trump: US-Präsident droht Ärger im eigenen Lager. Das könnte Donald Trump vor allem bei den im November anstehenden Midterm-Wahlen gefährlich werden. Nur wenn Trump es schafft, die Operation „Epic Fury“ als schnellen Sieg darzustellen, könnte er noch einmal glimpflich davonkommen. Zieht sich der Krieg länger hin, bringt er mehr tote US-Soldaten und einen Flächenbrand in der Region, könnten vor allem seine MAGA-Anhänger bei den Wahlen den Trump-Kandidaten ihre Stimme verweigern. Warum diese Gefahr alles andere als klein ist, lesen Sie im Security.Table. Katharina Kort

Auch im Podcast Table.Today befassen wir uns mit den Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Bundesregierung und Europa. Den Podcast hören Sie ab 5 Uhr hier.

Table.Today. "Was kann Merz bei Trump erreichen? Mit Sara Sievert."
Teilen
Kopiert!

News

Der Krieg und die Wirtschaft: Bund plant derzeit keine Kompensationen. Obwohl die Ölpreise erst am Montagmorgen gestiegen sind, haben die Tankstellen bereits jetzt ihre Benzinpreise erhöht. Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Esra Limbacher, bezeichnet das als „Abzocke“. „Das Benzin und der Diesel, die aktuell verkauft werden, wurden überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft”, sagt Limbacher. Der SPD-Politiker vermutet, dass Geschäfte zulasten der Kunden gemacht werden. Es sei „inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt werden“. Die Sorge, dass der Krieg im Iran auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben könnte, trifft früher ein als gedacht. Der Preis für E10 stieg gegenüber Freitag um 1,6 Cent, der für Diesel um 1,3 Cent – und erreicht damit einen Höchststand seit Juli 2024.

Entsprechend nervös ist man vor allem auf Seiten der SPD. Die Belastungen für die Menschen könnten schnell steigen, was potenziell zu Unmut und Ärger führt. Eine Entwicklung, die gerade niemand im fragilen schwarz-roten Bündnis gebrauchen kann. Zugleich wissen auch die meisten Sozialdemokraten, dass die aktuelle Haushaltslage einen Tankrabatt nicht erlauben würde. Zumal dann, wenn der Krieg die langsame wirtschaftliche Gesundung gefährden sollte – und erhoffte Steuermehreinnahmen ausbleiben. Daher heißt es in den Koalitionsfraktionen, man wolle zunächst die weitere Entwicklung abwarten. Verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Lage im Fall eines kurzen Krieges bald wieder entspannen könnte.

Nicht anders agiert auch die Regierung. Aus dem Kanzleramt heißt es, man denke derzeit nicht über Ausgleichsmaßnahmen nach, das sei viel zu früh. Aber man beobachte aktuell alles, was Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Verbraucher haben könne: Warenströme, Schifffahrtswege, Lieferengpässe. Ob es irgendwann zu Überlegungen für Kompensationen komme, sei völlig offen. Entscheidungen darüber würden davon abhängen, wie lange der Konflikt anhalten werde. Neben den Öl- stiegen auch die Gas- und Strompreise am Montag stark an. Warum die Gaspreis-Rallye die Befüllung der Speicher für den nächsten Winter erheblich erschwert, lesen Sie hier. Laura Block, Stefan Braun

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Martin Suter: Die neuen Kult-Kolumnen aus der Business Class
Diogenes

Jetzt lesen!

Völkerrecht: SPD-Fraktion rechnet mit breiter Debatte. In der SPD-Fraktion gehen die Meinungen auseinander, ob der US-/israelische Angriff auf den Iran völkerrechtswidrig ist. Der außenpolitische Sprecher der SPD, Adis Ahmetovic, sagte in einem Interview mit der taz: „Dieser Angriff ist nach Meinung von vielen Experten völkerrechtswidrig. Er verstößt selbst gegen das nationale Recht in den USA, weil es keinen Beschluss des Kongresses gab.“ Das sehen Teile der SPD anders. Diese Diskussion lenke vom eigentlichen Kern des Problems ab und helfe nicht weiter, heißt es. Auch deshalb soll das Thema Völkerrecht in der Fraktionssitzung am Dienstag ausführlich besprochen werden, wie Table.Briefings erfuhr. Zuvor wird der Ökonom Marcel Fratzscher zu Besuch sein. Derzeit arbeitet die Fraktion an einem Papier zur sozialdemokratischen Wirtschaftspolitik, zu dem Fratzscher sprechen soll. Laura Block

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Hätten Sie’s gedacht? In gut 10 Jahren werden in Deutschland vier Millionen mehr Seniorinnen und Senioren leben als heute. Dieser demografische Wandel hat auch auf unser Gesundheitssystem und die Pflegeversicherung gewaltige Auswirkungen. Die Private Krankenversicherung hilft dabei, diese Entwicklung abzufedern. Denn sie sorgt nachhaltig und generationengerecht für die im Alter steigenden Ausgaben vor. (mehr auf pkv.de)

Krieg gegen Iran: Nur kurzfristige Vorteile für Russland. Steigende Ölpreise erhöhten zwar Moskaus Einnahmen aus Öl-Exporten, meint der Iran-Experte Nikita Smagin. Langfristig gerieten aber wichtige Projekte in Gefahr, die Russland mithilfe des Iran umsetzen wollte. Dazu zählen der internationale Nord-Süd-Transportkorridor für Waren, ein möglicher Gas-Umschlagplatz sowie Gastransportrouten durch den Iran für den Weltmarkt. Diese Vorhaben sollten Moskau eigentlich auch aus der ökonomischen Isolation helfen. Die wachsende Instabilität in der Region stelle sie jetzt infrage, selbst wenn das Regime in Teheran überdauern sollte.

Für Europa erwartet Smagin vor allem viele Geflüchtete, sollte sich die Lage im Iran weiter verschlechtern. Auf den Krieg in der Ukraine werde ein mögliches Ende des Regimes in Teheran dagegen kurzfristig keine Auswirkungen haben, so der Analyst. Russland sei inzwischen unabhängig von militärischer Hilfe durch den Iran. Was das Vorgehen der USA und Israels ferner für die EU beutetet, lesen Sie im Security.Table. Viktor Funk

Teilen
Kopiert!

POLITISCHE ANZEIGE

- Sponsor: Bayerische Landesapothekerkammer
- Kontrolliert von: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
- Im Zusammenhang mit: Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) & Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

Der Iran-Krieg und die AfD: Droht eine Zerreißprobe? In der AfD wächst das Drängen auf eine klare Positionierung zum Iran. „Wir fordern alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf“, hieß es von Alice Weidel und Tino Chrupalla am Samstag. Völkerrecht müsse eingehalten werden, eine erneute Destabilisierung läge nicht im deutschen Interesse. Als „wachsweich“ sehen einige das Statement, fordern mehr Deutlichkeit. Fraktions-Vize und AK-Außen-Chef Markus Frohnmaier stellte sich am Montag auf die Seite der Trump-Administration, die mit „chirurgischer Präzision“ gehandelt habe. Iran sei der „zentrale destabilisierende Faktor in der Region“ gewesen.

AfD-Verteidigungspolitiker und Transatlantiker halten ebenfalls zu Trump. Dazu gehören etwa die Kreise um Beatrix von Storch. Außerdem gebe es „viele Cheerleader, die sich darüber freuen, wenn im Iran Mädchenschulen zerbombt werden“, heißt es aus Fraktionskreisen. Insbesondere in ostdeutschen Verbänden sieht man es anders. Der sächsische MdB Matthias Moosdorf kritisierte in einem Video, dass von Iran keine Gefahr ausgegangen sei. Björn Höcke fragte am Wochenende bei einem Wahlkampfevent zynisch, warum man bei Russland von einem Angriffskrieg spreche, hier aber nicht. Wähler-Umfragen zeigen schon länger Unmut gegenüber Trumps Vorgehen. Manche in der AfD fürchten, eine anderweitige Positionierung könne dem BSW helfen, sich als die große Anti-Kriegs-Partei zu gerieren. Franziska Klemenz

Teilen
Kopiert!

Atomwaffen: Deutschland und Frankreich kündigen konkrete Kooperation an. Erstmals will Frankreich eine Beteiligung Deutschlands an Übungen seiner Nuklearstreitkräfte zulassen. Das kündigten Élysée und Kanzleramt am Montag gemeinsam an. Eine deutsch-französische nukleare Steuerungsgruppe solle demnach strategische Maßnahmen koordinieren, noch in diesem Jahr wollen Paris und Berlin konkrete Schritte gehen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor erstmals eine Verlegung französischer Atomwaffen ins europäische Ausland in Aussicht gestellt. Bei seiner Rede zur Erneuerung der Nukleardoktrin sagte er am Montag in Île Longue in der Bretagne: „Wir beginnen den Weg dessen, was ich die vorgelagerte Abschreckung nenne.“

Eine solche Form der nuklearen Teilhabe erfolge komplementär zur nuklearen Abschreckung der Nato, betonte Macron. Angesichts der Neuausrichtung der US-Verteidigungspolitik, müssten die Europäer aber selbstständiger werden. Zudem will Macron wegen der russischen und chinesischen Aufrüstung die Zahl der französischen Atomwaffensprengköpfe erhöhen. Allgemein wird das französische Arsenal auf 290 Sprengköpfe geschätzt. Was implizit bei Macrons Rede mitschwang und wie sich europäische Länder an der französischen Abschreckung beteiligen könnten, lesen Sie im Security.Table. Gabriel Bub

Teilen
Kopiert!

Nationaler Volkskongress: Was sich hinter Chinas Kulissen abspielt. Nach außen wirkt die chinesische Führung vor Beginn der Versammlung selbstbewusst. Doch im Militär setzt sich die Säuberungswelle fort. Es ginge darum „konkurrierende Machtzentren auszuschalten“, erklärt Klaus Mühlhahn, Professor für Kultur und Geschichte des modernen China an der FU Berlin im Interview. Mühlhahn warnt, dass der neue Fünfjahresplan kaum den Binnenkonsum stärken werde.

Gleichzeitig zeige sich in der Bevölkerung Frustration und politische Ohnmacht. Vor allem bei jüngeren Generationen, die sich ins Private zurückzögen. „Viele in der Bevölkerung schenken dem Volkskongress heute nicht mehr viel Beachtung“, sagt der Sinologe. Während Xi Jinping zwar Stärke demonstriere, bleibe die entscheidende Frage, wie viel Rückhalt der Staatspräsident wirklich in einem Land habe, dessen gesellschaftliche Dynamik längst nicht mehr allein von der Partei bestimmt werde. Wie die Themen Exportkontrollen und Ukraine-Krieg intern behandelt werden, lesen Sie im China.Table. Amelie Richter

Teilen
Kopiert!

Strom aus Nordafrika: Unterseekabel zwischen Italien und Tunesien geplant. Die erstmalige Verknüpfung der Stromnetze könnte Signalwirkung haben, meint Timo Bracht, Vorstand der Desertec-Stiftung. „Innerhalb kürzester Zeit sind zig Projekte aus dem Boden gesprossen, die ähnliche Trassen versuchen und die in einem Bruchteil der Zeit ähnlich erfolgreich waren“, sagte er Table.Briefings. Zudem bezeugten die Fortschritte die Überlegenheit von nordafrikanischem Strom gegenüber Wasserstoff aus der Region, so Bracht. „Nach einem mehrjährigen Wasserstoff-Hype sehen wir jetzt wieder eine Rückbesinnung zu marktwirtschaftlichen Prinzipien.“ Welche weiteren Stromtrassen Europa plant, lesen Sie im Africa.Table. Arne Schütte

Teilen
Kopiert!

Kernfusion: Koalitionskrach um bayerischen Vorstoß. Bayern plant den Bau eines Demonstrations-Fusionsreaktors und erzürnt damit die SPD im Bund. Nun fällt auch Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs in die Kritik seiner Fraktion mit ein. Die Ankündigung Bayerns, für das Gemeinschaftsvorhaben mit RWE, Max-Planck-Gesellschaft und Proxima Fusion erhebliche Mittel des Bundes zu erwarten, sei ein „ungedeckter Alleingang“, sagte er in einer Stellungnahme seines Ministeriums. Ein solches Vorgehen würde das Gelingen der gesamten Hightech-Agenda der Bundesregierung in Frage stellen, so Mohrs.

In Bayern gibt man sich überrascht ob der heftigen Reaktion aus der SPD. Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bezeichnete sie als „durchschaubar und ausschließlich parteipolitisch motiviert“. Man wolle mit dem neuen Vorhaben das Signal an die internationalen Investoren senden, dass es den notwendigen politischen und industriellen Rückenwind in Deutschland gebe. Was hinter dem Streit steckt und welche Förderentscheidungen bald fallen, lesen Sie im Research.Table. Tim Gabel

Teilen
Kopiert!

Glasfaser: Wie der Ausbau der „letzten Meile“ gelingen soll. Das BMDS hat am Montag den Referentenentwurf der Telekommunikationsgesetz-Novelle vorgelegt. Im Zentrum steht ein neues Recht auf „Vollausbau“, um die Glasfaser-Verkabelung nicht nur bis zum Gebäude, sondern auch innerhalb von Häusern massiv zu beschleunigen. Der Entwurf sieht vor, dass Erst-Ausbauer ihre Leitungen im Haus künftig für Wettbewerber öffnen müssen. Branchenverbände kritisieren dies scharf: Sie fürchten, dass der Telekom so die Anreize fehlen, den Netzausbau selbst voranzutreiben, da sie sich stattdessen einfach in bereits bestehende Netze einmieten könne. Leonard Schulz

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Security.Table Live Briefing – Bereit für den Spannungsfall? Wie es um Deutschlandsgesamtverteidigung steht und was wir tun müssen. Table Forum

Table.Documents

Heads

Nancy Faeser soll nach Informationen aus SPD-Kreisen ab Mitte März als Vorsitzende den Beirat des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) leiten. Dabei folgt die ehemalige Bundesinnenministerin auf die frühere Familienministerin Claudia Crawford (ehemals Nolte). Der Beirat berät den Verband und besteht aus Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Wahl Faesers gilt wohl nur noch als Formsache. Gründungsvorsitzender des Beirats war 2003 der damalige Bundesminister a.D. Klaus Kinkel. Michael Bröcker

Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, leitete am Montagabend die Gründungssitzung des neuen Wirtschaftsbeirats. Zu Gast waren die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, und DIHK-Chef Peter Adrian. Zu den Mitgliedern des prominent besetzten Beirats gehören unter anderem EON-CEO Leonhard Birnbaum, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, die Familienunternehmerin Anne-Marie Großmann (Georgsmarienhütte), Idealo-Gründer Albrecht von Sonntag und Dirk Jandura, Geschäftsführer der Oskar Böttcher GmbH und Präsident des Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA). Michael Bröcker

Philipp Raidt wird neuer Pressesprecher des Verteidigungs-Start-ups Helsing. Er kommt von der Beratung FGS Global. Zuvor war er in verschiedenen Positionen bei Axel Springer im Einsatz. Welche relevanten Vorerfahrungen er zu Helsing mitbringt, lesen Sie im Security.Table. Robert Wallenhauer

Linda Teuteberg, frühere FDP-Generalsekretärin und ehemalige Bundestagsabgeordnete, wird Senior Adviser der Kommunikations- und Strategieberatung FGS Global. „Linda bringt umfassendes Wissen über Gesetzgebungsprozesse mit und verbindet juristische Expertise mit Gespür und Verständnis für gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge", teilte der Managing Director von FGS Global, Sebastian Doedens mit. Michael Bröcker

Jens Teutrine ist seit März für das US-amerikanische Consumer Choice Center (CCC) als Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz tätig. Der frühere FDP-Sozialpolitiker ist seit dem Ausscheiden der Partei aus dem Bundestag als Berater unter anderem für mittelständische Unternehmen tätig. Das CCC setzt sich gegen Verbote und anderweitige Marktbeschränkungen ein, die aus seiner Sicht die Verbraucherfreiheit einschränken – etwa bei der Regulierung von Cannabis und Nikotin. Okan Bellikli

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Einladung: Volkes.Stimmen – Demokratie in Bewegung. Wie blicken Menschen in diesem Land auf Politik, Medien und die Zukunft des Journalismus. 04. März um 18:30 Uhr. Jetzt anmelden.

Best of Table

China.Table: Medienkunstprojet belegt schleichende Sinisierung. In chinesischen Städten vollzieht sich ein stiller Wandel, den kaum jemand bemerkt. Drei österreichische Medienkünstler verfolgen diese Veränderungen mit 360-Grad-Kameras und Algorithmen, die Millionen von Bildern auswerten. Was sie auf ihren Vorher-Nachher-Vergleichen entdecken, lesen Sie hier.

Africa.Table: Wie Benin gegen Malariamittel-Resistenzen vorgeht. Das Land hat erst Anfang Februar eine neue Behörde geschaffen, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Allerdings müssen nun auch die Resistenzen gegen Malariamedikamente bekämpft werden. Warum dabei eine Pflanze im Mittelpunkt steht, die so wertvoll wie umstritten ist, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Bundestag stimmt über die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ab. Die Regierung will sowohl den Schutz von Weidetieren als auch den Artenschutz gewährleisten. Dafür müsste neben dem Bundesjagdgesetz auch das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden. Was Agrarausschuss und Bundesrat zum Gesetzentwurf sagen, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Debatte um EU-Agrarmilliarden läuft an. Im EU-Parlament startet die Arbeit an der Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Chef-Verhandler Norbert Lins möchte am Status quo festhalten. Was er deswegen an den Vorschlägen der EU-Kommission ändern will, lesen Sie hier.

Research.Table: Warum Niedersachsen sein Hochschulgesetz reformieren will. Mit der Gesetzesnovelle sollen bessere Rahmenbedingungen für den Technologietransfer und zusätzliche Karrierewege in der Wissenschaft ermöglicht werden. Warum Hochschulen mit den neuen Regelungen auch konsequenter gegen Antisemitismus und Volksverhetzung vorgehen können, lesen Sie hier.

Climate.Table: Europäische Investitionsbank testet neue Wege zur Steigerung der Energieeffizienz. Kleine und mittelgroße Unternehmen sollen Energiespargeräte als Dienstleistung von dritten Partnern mieten können. Das soll dabei helfen das globale Ziel zur Verdopplung von Energieeffizienz bis 2030 zu erreichen. Was der Ansatz „Effizienz als Service” noch vorsieht lesen Sie hier.

Climate.Table: Strenger Mieterschutz bei Heizungen würde auch Klima helfen. Die Klimawirkung der angekündigten GEG-Novelle ist weiter unklar. Vergrößert würde sie durch die von der SPD geforderte strenge Regelung zum Mieterschutz, denn diese würde Gasheizungen für Vermieter unattraktiver machen. Warum die Durchsetzung nicht einfach werden dürfte, lesen Sie hier.

Teilen
Kopiert!

Time.Table

Außenpolitik: Friedrich Merz trifft Donald Trump zu einem Gespräch am Vormittag im Oval Office und einem gemeinsamen Mittagessen im Anschluss. Neben dem Zollstreit und der weiteren Unterstützung der Ukraine dürfte der Krieg im Iran das bestimmende Thema sein.

Migration: Vorstellung der Studie „Rechtlich gleichgestellt – praktisch benachteiligt? EU-Zugewanderte in Deutschland“ mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Natalie Pawlik. Vertretung der Europäischen Kommission, Berlin, 9:30 Uhr

Kommunalpolitik: Am zweiten Tag des Demokratie Forums der Körber-Stiftung lädt Frank-Walter Steinmeier rund 100 ehrenamtliche Bürgermeister zu einem Erfahrungsaustausch ins Schloss Bellevue ein. 10:30 Uhr. Livestream

Verteidigung: Der Wehrbeauftragte Henning Otte legt den Jahresbericht 2025 zur Lage der Bundeswehr vor. Übergabe des Berichts an Julia Klöckner, Reichstagsgebäude, 11 Uhr. Vorstellung in der Bundespressekonferenz, 13 Uhr

Bundestag I: Sitzungen der Fraktionen und Statements der Fraktionsspitzen: Bernd Baumann, AfD, 9 Uhr. Britta Haßelmann, Grüne, 12:30 Uhr. Sören Pellmann und Desiree Becker, Linke, sowie ein Vertreter der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“, 13:45. Matthias Miersch und Armand Zorn, SPD, 14:30 Uhr. Jens Spahn und Alexander Hoffmann, Union, 14:45 Uhr

Bundestag II: Parlamentarischer Abend der Grünen-Fraktion im Vorfeld des Internationalen Frauentags unter dem Motto „CouRAGE – was Frauen verbindet“. Mit Britta Haßelmann. Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, 18:30 Uhr

Konferenz: Auftakt des zweitägigen Digitalgipfels der Süddeutschen Zeitung in München zum Austausch über die digitale Zukunft. Mit Karsten Wildberger, Markus Söder, Alena Buyx und Julian Nida-Rümelin. Anmeldung

Podiumsdiskussion: „How Do We Make Europe Great Again?“ mit Martin Schulz und Peter Altmaier. Prachtwerk, Berlin, 19 Uhr

Teilen
Kopiert!

Must-Reads

Spiegel: AfD-Spitze schreckt vor Ausschluss von Jugendorganisations-Vorstand zurück. Der AfD-Bundesvorstand schiebt das Ausschlussverfahren gegen Kevin Dorow auf. Von AfD-Abgeordneten und dem rechtsextremen Vorfeld wie Martin Sellner kam massiver Druck, bis sich AfD-Vorstand Kay Gottschalk entschuldigte. Dorow, Vorstand der „Generation Deutschland“, hatte bei deren Gründungsparteitag die Abwandlung eines Hitlerjugend-Slogans benutzt. („AfD-Spitze stoppt Ausschlussverfahren gegen Jungpolitiker Kevin Dorow vorerst“)

SZ: EU und Schweiz ordnen Partnerschaft neu. Ein entsprechendes Abkommen wurde am Montag in Brüssel von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin unterzeichnet. Es geht um Vereinbarungen beim Strommarkt, Gesundheitswesen und zur Lebensmittelsicherheit. Ob die Vorhaben umgesetzt werden, ist jedoch nicht sicher: In den nächsten Wochen soll das Schweizer Parlament über das Schicksal der Beziehungen zur EU abstimmen, anschließend die Bevölkerung. („EU und Schweiz regeln ihre On-off-Beziehung“)

Tagesspiegel: Kultursenatorin gerät in Fördergeld-Affäre unter Druck. Sarah Wedl-Wilson (parteilos) hat sich bewusst über die Landeshaushaltsordnung hinweggesetzt, als sie Förderanträge für Projekte gegen Antisemitismus bewilligt hat. Ihre SMS an den CDU-Haushaltsexperten Christian Goiny zeigen, dass sie Antragstellern den obligatorischen Eigenanteil von zehn Prozent erlassen hat, und zwar vorsätzlich. Möglicherweise muss sie persönlich haften. („Kultursenatorin Wedl-Wilson verstieß bewusst gegen Haushaltsrecht“)

Zeit: Telekom setzt telefonischen KI-Assistenten ein. Mit den Worten „Hey Magenta“ soll man die KI-Hilfe während eines regulären Telefonates aktivieren können. Wie ChatGPT und Co. soll sie dann etwa die Öffnungszeiten des nächstgelegenen Supermarktes wiedergeben – nur eben nicht schriftlich, sondern per Stimme. „Wir hören nicht mit“, beteuerte ein Telekom-Mitarbeiter bei der Vorstellung auf einem Kongress in Barcelona, den auch Karsten Wildberger besuchte. („Die KI sitzt jetzt in Ihrer Telefonleitung“)

Teilen
Kopiert!

Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Hart aber Fair, 20:45 Uhr: Stephan Mayer, Daniela Sepehri, Michael Wolffsohn, Isabel Schayani, Ralf Stegner

unter den linden, 22:15 Uhr: Guido Steinberg, Jürgen Hardt

Blome & Pfeffer, 23:30 Uhr: Nina Warken, Christian Lindner

Teilen
Kopiert!

Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands: Iran: 30.000 Reisende sitzen fest

7:15 Uhr: Rolf Mützenich, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss (SPD): deutsche Position zum Iran-Krieg

8:10 Uhr: Navid Kermani, Schriftsteller: Situation im Iran

ZDF

7:10 Uhr: Cornelius Adebahr, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik: instabile Weltlage

8:10 Uhr: Metin Hakverdi, Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung: Merz-Besuch bei Trump

8:40 Uhr: Sebastian Ebel, TUI-Vorstandsvorsitzender: Flugreisen nach Nahost

rbb24–Inforadio

7:25 Uhr: Jürgen Hardt, Außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion: deutsche Position zum Iran-Krieg

9:05 Uhr: Andreas Reinicke, Direktor des Deutschen Orient-Instituts Berlin: Situation im Iran

Teilen
Kopiert!

Geburtstage von morgen

Marcus Pleyer, Staatssekretär im BMFTR, 57

Andreas Schwarz, MdB (SPD), 61

Wolfgang Kubicki, ehemaliger Bundestagsvizepräsident (FDP), 74

Teilen
Kopiert!

Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu einer der tückischsten Krankheiten dieser Zeit. Andreas Große Halbuer, Journalist beim Focus, war gerade 40 Jahre alt, als er die Diagnose Parkinson bekam. Der ausgezeichnete Journalist hatte da bereits eine Armada von Ärzten besucht, die mit seinem störrischer werdenden Körper und den dazugehörigen Symptomen wenig anzufangen wussten. Während das Gehen und Reden mühsamer wurde und die Nervenzellen schwächelten, recherchierte Große Halbuer und fand schließlich bei einem Arzt die Parkinson-Therapie „deep brain stimulation”, eine Art Hirnstimulation. Der Journalist und Vater von zwei Töchtern wurde zur “Mensch-Maschine”, wie er es nennt; doch konnte er nach der Operation immerhin wieder arbeiten. So wurde das Leben mit Parkinson selbst zum Alltag, ein ständiges Auf und Ab, ein Vor und Zurück. Dieses gefühlvoll geschriebene und gnadenlos persönliche Buch gibt ungeahnte Einblicke in eine Krankheit, die sich zu bekämpfen lohnt. Und gibt so nicht nur Parkinson-Erkrankten neuen Mut. Es wird zu einem Manifest für Menschen, die sich mit dem Schicksal nicht zufriedengeben. Michael Bröcker

Andreas Große Halbuer: Das Ding in meinem Kopf | Ullstein

Teilen
Kopiert!

Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Gabriel Bub, Daniel Friesen, Viktor Funk, Tim Gabel, Stephan Israel, Franziska Klemenz, Katharina Kort, Magdalena Latz, Amelie Richter, Leonard Schulz, Arne Schütte, Wilhelmine Stenglin und Robert Wallenhauer mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

Teilen
Kopiert!

Briefings wie Berlin.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden