Krieg gegen den Iran: „Für Russland sind jetzt mehrere Projekte gefährdet“

Der US-amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran bereitet auch dem Machthaber in Moskau Sorgen. Was ein möglicher Regimewechsel in Teheran für Russlands Regierung bedeutet, erläutert Iran-Experte Nikita Smagin im Gespräch mit Table.Briefings.

02. März 2026
Nikita Smagin: Russland wollte mithilfe von Iran aus der Isolation ausbrechen. (privat)
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Herr Smagin, Iran hat Russland geholfen, in der Drohnen-Technologie aufzuholen, spielt es eigentlich jetzt noch eine Rolle im Krieg gegen die Ukraine?

Nein, inzwischen hat der Iran keine Bedeutung mehr dafür. Die Entwicklungen im Iran selbst dürften den Krieg gegen die Ukraine nicht direkt berühren, man sollte das nicht als einen wichtigen Faktor ansehen.

Und welche Konsequenzen hat der Krieg gegen den Iran für Moskau?

Kurzfristig könnte Moskau sogar profitieren, weil der Ölpreis steigt. Außerdem konkurrieren der Iran und Russland um dieselben Ölmärkte, sodass die jetzige Situation Moskau nützt.

Und langfristig?

Für Russland sind jetzt mehrere Projekte gefährdet, die Moskau mithilfe von Teheran umsetzen wollte. Sie waren ein potenzieller Weg für Russland, aus der Isolation herauszukommen. Da ist einmal der internationale Nord-Süd- Transportkorridor, dann ein möglicher Gas-Umschlagsplatz sowie einfach Gastransport durch den Iran für den globalen Markt. Selbst wenn das iranische Regime bestehen bleibt, stehen diese Projekte jetzt infrage, weil die Region instabiler wird.

Sie kennen den Iran und kennen sich in der Nachbarregion des Iran aus, womit muss sich Europa nun auseinandersetzen und worauf muss es sich einstellen?

Noch ist der Iran nicht in einer humanitären Katastrophe, aber für Europa bedeutet der Krieg vor allem Flüchtlinge. Das ist sicherlich ein Thema. Zuerst ist es jedoch eine Veränderung globaler Regeln. Der Krieg gegen die Ukraine, dann die Situation im Nahen Osten und besonders jetzt das Vorgehen des US-Präsidenten Trump gegen den Iran – das kann man unterschiedlich betrachten, aber das sind Verhaltensänderungen von Staaten auf internationaler Bühne, die auf das Recht des Stärkeren setzen. Das sollte die EU berühren, weil Europa doch für ein System nach Regeln eintritt. Man kann zum Iran unterschiedliche Ansichten haben, aber das, was jetzt passiert, führt nicht dazu, dass die internationale Politik sich nach Regeln abspielt. Viktor Funk

Nikita Smagin ist ein unabhängiger Experte für den Iran und dessen Nachbarstaaten. Er war Korrespondent für die russische Nachrichtenagentur Tass im Iran und verfolgt als Analytiker die Beziehungen zwischen Moskau und Teheran bis heute. Im Jahr 2022 verließ er die Agentur und lebt heute in Baku, Aserbaidschan.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026