Eier-Knappheit: Das Problem ist hausgemacht.

Eier sind in Deutschland derzeit knapp. Das liegt nicht nur an Ostern und der Vogelgrippe, sondern auch an strukturellen Gründen. Wie Experten die Lage einschätzen.

CM
06. März 2025
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In Deutschland sind Eier derzeit knapp. An der Vogelgrippe liege dies jedoch kaum, sagt Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Bundesverbands Ei. Derzeit gebe es eine hohe Nachfrage durch Verbraucher und Eierfärbereien, während viele Landwirte ihre Produktion vorübergehend verringert hätten: „Der Knoten wird sich wahrscheinlich nach Ostern lösen.“ Auswirkungen auf den Endverbraucher hätten die hohen Preise am Spotmarkt wenig. Denn 40 Prozent aller Schaleneier werden von den Discountern verkauft. Sie sind preislich und mengenmäßig durch Verträge gebunden, was sich auch auf die übrigen Lebensmitteleinzelhändler auswirkt.

Der Mangel an Eiern hat aber auch strukturelle Ursachen. Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland liegt nur bei etwa 70 Prozent, es müssen also Eier aus dem Ausland zugekauft werden. Bisher waren dies hauptsächlich die Niederlande. Doch der niederländische Staat kauft derzeit Ei-Produzenten auf, um Umweltbelastungen durch die intensive Produktion zu senken. Zudem importieren die USA aufgrund ihrer schlechten Seuchenbekämpfung bei der Vogelgrippe schon seit einigen Jahren verstärkt Eiprodukte wie Eipulver oder Flüssigei und verknappen so das Angebot in der EU.

Gleichzeitig steigt in Deutschland die Nachfrage nach Eiern. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt derzeit bei rund 240 Eiern im Jahr, 2011 waren es noch zehn Prozent weniger. „Es ist sehr aufwändig und teuer, in Deutschland einen Legehennenstall in die Produktion zu bringen“, kritisiert Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. In seinem Bundesland werden rund ein Drittel der Legehennen in Deutschland gehalten. Hortmann-Scholten sieht in Deutschland Wettbewerbsnachteile wie hohe Lohn- und Baukosten, komplizierte Genehmigungsverfahren und Alleingänge bei Vorgaben wie dem Verbot des Kükentötens. Das macht die Produktion von Eiern teuer. „Die Preise für Legehennen haben sich in den letzten fünf Jahren von fünf auf zehn Euro verdoppelt“, rechnet auch Verbandschef Goldnick vor. Die Hennen würden deswegen länger gehalten, obwohl sich ihre Legeleistung mit der Zeit abschwächt.

Hortmann-Scholten erwartet mittelfristig steigende Preise nicht nur bei Schaleneiern, sondern auch bei Produkten, die Eier enthalten, wie Nudeln, Mayonnaise oder Backwaren. „Das wahre Eierpreisniveau ist noch nicht beim Endverbraucher angekommen“, sagt er. Goldnick sieht das skeptisch: „Über die Hälfte der Eier gehen in die Verarbeitung, sprich Industrie, Großküchen und Bäckereien. Es steht zu befürchten, dass bei hohen Preisen die Rezepturen geändert werden.“ com

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026