Danone-DACH-Chef: „Deutschlands Ernährungspolitik braucht klare Ziele“

Der multinationale Konzern Danone hat einen Katalog von Vorschlägen zur Ernährungspolitik eingebracht. Im Interview erklärt Regionalmanager Richard Trechman, warum Reduktion aus seiner Sicht am besten mit Grenzwerten funktioniert, welche Anreize die Politik setzen sollte und was der Einzelhandel besser machen kann.

03. November 2025
Richard Trechman ist Danone-Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. (Danone)
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Herr Trechman, Danone wünscht sich in Deutschland eine proaktive Ernährungspolitik und hat dazu Vorschläge vorgelegt. Braucht Ihr Unternehmen politische Unterstützung bei der Veränderung seines Portfolios?

Unser Portfolio entwickeln wir in jedem Fall weiter. Was wir uns wünschen, ist eine Debatte mit der Politik und mit Unternehmen aus unserer Branche. Wir wissen, dass gute Ernährung die Grundlage für gute Gesundheit ist. Einige Regierungen in Europa verfolgen bei diesem Thema proaktivere Ansätze als die deutsche – insbesondere, weil sie vor nicht tragbaren Belastungen ihrer Gesundheitssysteme stehen.

Die deutsche Regierung sieht die Bürger als mündige Verbraucher, die selbst am besten wissen, was gut für sie ist.

Das ist eine interessante Perspektive. Bei sehr vielen Fragen setzt die Gesellschaft einen Rahmen für individuelle Entscheidungen. Aus unserer Sicht sollte es auch bei der Ernährung klare Ziele geben und einen Fokus auf gesundheitliche Prävention.

Wie könnte Danone als Unternehmen davon profitieren?

Danone hat eines der gesündesten Produktportfolios der Branche. Natürlich hilft es uns, wenn gesunde Ernährung stärker im Fokus steht. Aber betrachten wir die Gesellschaft als ganze: Kardiovaskuläre Erkrankungen und Übergewicht sind eine riesige Herausforderung, und sie stehen in Zusammenhang mit unserer Ernährung. Dass sich Danone bei diesem Thema einbringt, liegt in unserer DNA.

Es gab eine aufgeregte Debatte über Werbeverbote in Deutschland. Sie fordern stattdessen bessere Möglichkeiten, mögliche Gesundheitsvorteile zu bewerben. Was hindert Sie heute daran?

Nach den EU-Bestimmungen dürfen Hersteller etwaige Reduktionen von Fett oder Zucker erst ab einer Schwelle von 30 Prozent kommunizieren. Viele Unternehmen erreichen diesen Wert nicht. Sie verzichten auf Reduktion, weil sie die Vorteile nicht kommunizieren können. Eine liberalere Regulierung würde Anreize für diese Unternehmen schaffen. Und das wäre zum Vorteil der Gesundheit ihrer Kunden.

Dann könnten Chipshersteller auf ihre Tüten schreiben: „5 Prozent weniger Fett“, obwohl sie vielleicht mehr Fett enthalten als andere. Wäre das nicht problematisch?

Darüber kann man diskutieren. Aber wir müssen sehen: Diese Produkte werden heute gekauft. Können sie gesündere Versionen ihrer selbst sein? Ganz sicher.

Sie schlagen auch einen Grenzwert für den Zuckergehalt in Milchprodukten für Kinder vor. Danone hat bereits reduziert. Ist es für Ihr Unternehmen nicht ein Vorteil, gesündere Produkte zu haben als die Konkurrenz?

Wir haben einen großen Teil der Reduktion in der Tat bereits geleistet. Was wir möchten, ist ein Anreiz für uns und andere Unternehmen, diese Arbeit fortzusetzen.

Bisher verfolgt Deutschland den Ansatz der Nationalen Reduktionsinitiative (NRI). Sollte sie verlängert werden?

Ja. Alles, was einen Beitrag zur Reduktion von bestimmten Nähstoffen wie zum Beispiel Zucker oder Salz leistet, sollte umgesetzt werden. Wir halten hier aber klare Ziele für richtig, beispielsweise eine Grenze von zehn Gramm Zucker pro 100 Gramm in Fruchtjoghurt für Kinder. Um sie zu erreichen, sollte es auch Anreize geben. Das könnten finanzielle Vorteile sein oder bessere Möglichkeiten der Bewerbung. Die NRI enthält keine solchen Ansätze, das dürfte ihre Wirkung begrenzen.

Viele Ihrer Produkte bedienen den Megatrend Longevity. Es gibt einen weiteren Megatrend – das Misstrauen gegenüber ultra-prozessierten Lebensmitteln (UPF), zu denen ein Teil Ihres Portfolios gehört. Untergräbt dieses Misstrauen Ihr Geschäft?

Es gibt keine allgemein anerkannte Definition, was UPF sind. Unterkomplexe Perspektiven sind hier nicht hilfreich. Einige unserer hoch verarbeiteten Produkte sind etwa angereichert mit Nährstoffen, die Flexitarier oder Veganer für eine ausgewogene Ernährung benötigen. Besser wäre, wenn wir uns verständigen über gesundheitliche Ziele. Dann können wir beurteilen, ob ein Produkt dazu beiträgt, sie zu erreichen.

Das EU-Parlament will Begriffe wie „Veggie-Schnitzel“ verbieten. Haben Sie Hoffnung, dass der Rat das noch stoppt?

Wir wollen unsere pflanzenbasierten Produkte gar nicht als Milch bezeichnen. Aber die Einschränkungen gehen ja viel weiter. Damit könnte man kein Produkt als „griechische Art“ bezeichnen, wenn keine Milchprodukte enthalten sind. Die Konsumenten wollen verständliche Informationen über den Geschmack und über das Ernährungsprofil eines Produkts. Dem laufen solche Regelungen zuwider.

Danone will auch eine Anpassung der Mehrwertsteuer für Alternativprodukte. Würde eine Absenkung denn zu niedrigeren Konsumentenpreisen führen?

Im Moment sehen wir jedenfalls einen Nachteil für Kunden, die pflanzenbasierte Alternativen vorziehen. Der Steuersatz sollte einheitlich bei sieben Prozent liegen. Und wir wünschen uns, dass sich das auch im Regalpreis niederschlägt. Aber Sie wissen, dass wir als Hersteller nicht über die Preise im Regal entscheiden.

Wie blicken Sie auf den deutschen Lebensmittelhandel? Sind die großen Ketten für Danone geschätzte Partner oder Konkurrenten um knappe Margen?

Die Einzelhändler sind unsere Kunden und Partner. Einige haben sehr klare Versprechen zur Förderung pflanzlicher Alternativen abgegeben, das halten wir für sehr hilfreich. Zugleich sehen wir, dass immer noch ein großer Teil der Ladenflächen Produkten vorbehalten ist, die ziemlich ungesund sind. Auf anderen Märkten gibt es tolle Inspirationen, wie sich Kunden zu gesünderen Gewohnheiten motivieren lassen, wenn man das ändert. Aber wir sind in einem guten Dialog. Und wir sehen, dass die jüngere Konsumentengeneration den Wandel vorantreibt.

Richard Trechman arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Positionen bei Danone. Seit 2023 ist er Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seine Karriere begann der Brite 2002 bei Procter & Gamble, danach folgte eine Station bei L’Oréal.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026