Nasa-Chef ändert Mondpläne: Zusätzlicher Flug der SLS-Rakete im Jahr 2027

Jared Isaacman will die Frequenz erhöhen und schiebt eine Mission im kommenden Jahr ein. Statt zum Mond geht es in die erdnahe Umlaufbahn, um Kopplungen zu testen. Die Zukunft des Lunar Gateway erscheint einmal mehr ungewiss.

Ralf Nestler, Redakteur Space.Table
03. März 2026
Mit dieser Grafik illustriert die Nasa die kommenden Artemis-Missionen.
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Während die aktuell geplante Mondmission Artemis 2 wiederholt vertagt wurde, gab Nasa-Administrator Jared Isaacman am Freitag grundlegende Änderungen des Artemis-Programms bekannt: Die Zahl der Flüge wird erhöht, eine Weiterentwicklung der Oberstufe wird gestrichen. Dies könnte auch die Beteiligung der Esa am Mondprogramm der Nasa betreffen.

Am Ziel, 2028 Menschen auf den Mond zu bringen, wird festgehalten. Doch dies soll nicht mehr mit der Mission Artemis 3 erfolgen, sondern erst mit Artemis 4. Nummer 3 erhält ein Flug, der zusätzlich ins Programm geschoben wurde: Er soll Mitte 2027 stattfinden und lediglich in den erdnahen Raum führen. Dort sind Annäherung und Kopplung an einen oder zwei Mondlander vorgesehen, die von SpaceX und Blue Origin gebaut werden. Neben den Tests diverser Lebenserhaltungs- und Antriebssysteme sollen auch die neuen Anzüge für Außenbordeinsätze im All erprobt werden.

Der zusätzliche Flug soll mehr Routine bringen. Die seltenen Flüge mit der Rakete SLS und ihre „Kinderkrankheiten“ gelten als maßgebliche Probleme für die astronautische Rückkehr zum Mond. Dazu kommen weitere, etwa der Umstand, dass es noch kein funktionierendes Landemodul für den Mond gibt. Derweil macht China mit seinem Mondprogramm, das eine Landung von Menschen um 2030 vorsieht, erkennbar Fortschritte. „Die Nasa muss ihren Ansatz standardisieren, die Flugfrequenz auf sichere Weise erhöhen und die nationale Weltraumpolitik des Präsidenten umsetzen“, sagte Isaacman. „Angesichts der täglich zunehmenden Konkurrenz durch unseren größten geopolitischen Gegner müssen wir schneller vorankommen, Verzögerungen beseitigen und unsere Ziele erreichen.“ Für 2028 sieht Isaacman zwei Mondlandungen vor: Mit Artemis 4 soll die Rückkehr zum Mond gelingen, mit Artemis 5 soll der Bau einer Mondstation beginnen, wie er auf X mitteilt.

Eine stärkere Oberstufe wurde gestrichen. Die Orion-Kapsel wird, nachdem die Hauptstufe abgeworfen wurde, von einer separaten Oberstufe in Richtung Mond geschickt. Für Missionen bis Artemis 3 ist dafür die „Interim Cryogenic Propulsion Stage“ (ICPS) vorgesehen, eine modifizierte Oberstufe der „Delta 4“. Ab Artemis 4 sollte die Exploration Upper Stage (EUS) eingesetzt werden, die noch entwickelt wird und wesentlich stärker sein soll. Doch diese EUS samt einem Upgrade für die SLS-Rakete wurde nun gestrichen. Unklar ist, welche Oberstufe ab Artemis 4 montiert wird. Zumal mittels der stärkeren EUS auch Module für die Orbitalstation „Lunar Gateway“ zum Mond gebracht werden sollten. Mehr als die Hälfte der Bauteile stammen aus europäischer Fertigung.

Über die Zukunft des Lunar Gateway sagte Isaacman nichts. Ars Technica zitiert einen hochrangigen Nasa-Beamten, der sagt, „die Diskussion über Gateway und die Mondbasis ist für heute nicht vorgesehen“. Darüber werde in den kommenden Wochen gesprochen. Die Standardisierung von SLS und der Erhöhung der Startrate beträfen die Fähigkeit, zum Mond zurückzukehren. Man solle nicht zu viel über die weiteren Auswirkungen spekulieren.

Die hiesigen Akteure halten sich zurück. Auf Anfrage von Table.Briefings erklärte die Raumfahrtagentur im DLR, man äußere sich nicht zu Dingen, die die Nasa betreffen. Auch die Esa möchte die aktuellen Entwicklungen nicht kommentieren.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026