Atomwaffen: Trumps Drohung soll Druck auf China ausüben

Donald Trump reist Ende März nach China. Der US-Präsident will auch über Atomwaffen sprechen. Washington fürchtet zügellose chinesische Aufrüstung. Gute Karten hat Trump allerdings nicht.

AL
10. März 2026
Militärparade in Peking anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges, September 2025. (picture alliance/dpa | Johannes Neudecker)
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Die China-Reise von US-Präsident Donald Trump Ende März bekommt eine nukleare Dimension. Wenn Trump mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking zusammentrifft, werden jüngst veröffentlichte Details über einen angeblichen chinesischen Atomversuch vor knapp sechs Jahren zu besprechen sein.

Die USA werfen China vor, heimliche Atomtests durchgeführt zu haben. Der Verdacht ist nicht neu, wohl aber die Gefahr einer Eskalation. Trump hatte kürzlich das Pentagon angewiesen, Atomwaffenversuche „auf gleicher Basis aufzunehmen“. Sein Ziel: Druck auf Peking auszuüben, sich künftig an Abrüstungsgesprächen zu beteiligen.

Der Zeitpunkt der US-Strategie ist nicht zufällig gewählt. Im Februar war das letzte bestehende Abrüstungsabkommen New Start (Strategic Arms Reduction Treaty) zwischen den USA und Russland ausgelaufen. Mit diesem Vakuum und der rasanten nuklearen Aufrüstung Chinas droht ein neues Zeitalter atomarer Rivalität.

Entsprechend besorgt sind die USA. „Während wir heute hier sitzen, unterliegt Chinas gesamtes Atomwaffenarsenal keinerlei Begrenzungen und Kontrollen“, sagte Thomas DiNanno, Abteilungsleiter für Rüstungskontrolle im US-Außenministerium. Die Rüstungskontrolle werde in Zukunft die Beteiligung „von mehr als nur Russland erfordern“.

Tatsächlich baut China schneller als jede andere Atommacht sein Arsenal aus. Das Pentagon geht davon aus, dass es bis 2030 rund 1.000 Sprengköpfe sein werden. Gegenwärtig sind es rund 600. Chinesische Diplomaten lassen keinen Zweifel daran, dass das Land zu den USA aufschließen müsse, um eine glaubwürdige Abschreckung zu haben.

Die USA und Russland haben deutlich mehr Atomwaffen. Mit Lagerbeständen sind es jeweils mehr als 5.000. US-Beamte machen deutlich, dass die USA neue Atomwaffen zur Einsatzbereitschaft bringen werden – jetzt, wo New Start keine Schranken mehr setzt.

Wegen dieses Ungleichgewichts will China keine Abrüstungsgespräche. Dabei geht es bei Rüstungskontrolle nicht nur um Abrüstung, sondern auch um Transparenz und vertrauensbildende Maßnahmen. Auch sollen für verlässliches Krisenmanagement Kanäle zur Kommunikation geschaffen werden.

China kappte 2024 einen solchen Kanal. Aus Ärger über US-Waffenlieferungen an Taiwan wurden Gespräche mit den USA über strategische Stabilität ausgesetzt. Für eine Wiederaufnahme forderte ein Sprecher, dass die USA die „Kerninteressen“ Chinas respektieren müssten – also Pekings Anspruch auf das demokratische Taiwan. Bei dem kommenden Treffen mit Trump will Xi den US-Präsidenten zu einem „Deal“ bewegen, zumindest teilweise von der Unterstützung der USA für die Inselrepublik abzurücken.

Die aktuellen Vorwürfe der USA lauten konkret: China habe unter anderem am 22. Juni 2020 auf seinem Testgelände in Lop Nur in Xinjiang heimlich unterirdisch atomare Sprengversuche vorgenommen. Eine seismische Beobachtungsstation in Kasachstan habe zwei kleinere Erdbeben innerhalb von zwölf Sekunden verzeichnet. Chinas Militär „verschleiere“ nukleare Explosionen, weil sie gegen das Abkommen für das umfassende Verbot von Nukleartests (CTBT) verstießen, sagte DiNanno. Auch bereite die Volksrepublik „Tests mit einer Sprengkraft von mehreren Hundert Tonnen“ vor.

China wies die Vorwürfe als „völlig unbegründet“ zurück. Peking unterstütze den Atomteststoppvertrag und halte sich an das Moratorium der fünf großen Atommächte, betonte eine Sprecherin. Die USA wollten mit der Diffamierung Chinas „eine Scheinrechtfertigung für die Wiederaufnahme von Nuklearversuchen konstruieren“.

Als Verteidigungswall dienen China die geringen Werte der seismischen Messungen an jenem Tag. Die USA sind jedoch sicher, dass Chinas Ingenieure sich einer „Decoupling“-Technik bedient haben. Dabei werden große unterirdische Hohlräume wie Kavernen oder Stollen genutzt, damit die Sprengkraft nicht direkt auf das Gestein übertragen wird. Dennoch wurden die USA damals misstrauisch.

Unabhängige Beweise liegen nicht vor. Das internationale Überwachungssystem (IMS) für den Teststoppvertrag, ein Netzwerk mit weltweit 300 Stationen, hatte damals zwei Erdbeben registriert. Aber unter einer Sprengkraft von ungefähr 500 Tonnen sind Explosionen nicht von Erdbeben zu unterscheiden. Das Atomtestabkommen von 1996 verbietet solche Tests ohnehin. Doch weder die USA noch China haben die Vereinbarung ratifiziert. Russland hob die Ratifizierung 2023 wieder auf.

China würde von einer Wiederaufnahme von Atomtests vergleichsweise stark profitieren. Im Vergleich zu den anderen großen Atommächten hat das Land weniger Daten. 45 offizielle chinesischen Atomtests stehen 1.030 der USA, 715 Russlands, 210 Frankreichs und 45 Großbritanniens gegenüber.

Trotz des Moratoriums hat China das Testgelände in Lop Nur seit 2020 modernisiert. Satellitenbilder zeigen Bohrgeräte, um Tunnel auszugraben, oder den Neubau von Straßen. Die Beobachtungen deuten auf Vorbereitungen hin – vielleicht für den Moment, wenn die USA wieder testen. Gerade bei der Verkleinerung von Sprengköpfen hat China Nachholbedarf. Dabei geht es darum, mehrere nukleare Gefechtsköpfe auf eine Rakete zu montieren oder kleinere, taktische Atomwaffen zu entwickeln.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026