CEO.Table – Ausgabe 68

So sollen Roboter die Industrie retten + Schufa-CEO im Interview + Deutschlands Rechenzentren

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Executive.Summary

Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär

Hoffnung auf Hightech: Wie Roboter die Industrie retten sollen

Roboter könnten die Deindustrialisierung Deutschlands aufhalten. Sie springen ein, wo Fachkräfte fehlen. Offshoring ist nicht mehr nötig, lokale Wertschöpfung wieder möglich. Auf der German Robotics Conference in Köln machte sich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär letzte Woche ein Bild vom Status Quo der Robotik. In ihrer Keynote forderte sie, selbstbewusst den „German Way of Robotics“ zu verfolgen. Bereits im Januar hat Bärs Ministerium den „KI-Robotikbooster“ als Flagship-Maßnahme der Hightech-Agenda Deutschland gestartet und Geld für Robotik-Forschung, Labore, Transferzentren und Mehrzweckroboter zugesagt.

Der Wille scheint da, die Technologie auch. Was fehlt? „Die Wichtigkeit der KI-basierten Robotik für Deutschland wird nach wie vor unterschätzt“, findet Angela Schoellig, Professorin für Robotik und KI an der TU München. „Es braucht ein Investment in die besten Köpfe der Robotik in Deutschland, die das Thema aktiv vorantreiben.“ Wagniskapitalgeber würden das erkennen, berichtet Matthias Althoff, Professor für Cyber Physical Systems, der am Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (TUM MIRMI) forscht und lehrt. Er hat bereits zwei Roboter-Start-ups auf den Weg gebracht, sagt aber auch: „Ein Grund, warum wir auch Start-ups machen, ist, dass unsere Forschungsergebnisse in der Industrie teilweise nicht so angenommen werden, wie wir uns das erhofft hatten.“

Mehr „urgent buyer“ müssen her. „Es gibt zu wenige Industrieunternehmen, die die Dringlichkeit ihrer Lage wirklich erkannt haben“, sagt Sam Baker, Investor beim Wagniskapitalgeber Planet A. Dabei gäbe es seiner Meinung nach etliche „urgent buyers“, also Unternehmen, die neue Technologien einsetzen müssen, um ihre Geschäftsmodelle zu erhalten. „Die haben das nur noch nicht realisiert.“ Womöglich vertun sie so nicht nur Chancen auf ihre eigene, sondern die Rettung der deutschen Industrie.

„DIE eine Lösung ist Robotik nicht für das Problem der Deindustrialisierung– aber gewisse Effekte kann man erkennen“, sagt Professor Klaus Prettner, Makroökonom an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er beschäftigt sich mit der Frage, was technologischer Wandel mit langfristigem Wirtschaftswachstum macht. Erst mal wirken Roboter positiv, weil sie Arbeitskosten senken. „Entscheidend ist aber: Wie stark ist dieser Effekt?“ Robotisierung lohne sich, so Prettner, primär bei Firmen, „wo Wissen eine große Rolle spielt“. Die Hightech-Industrie etwa könnte profitieren.

Roboter können die Produktivität dieses Landes steigern. Und das ist gut, denn: „Wir dürfen nicht weg vom Hochlohnland. Wir müssen viel mehr wieder hin zu einem Hochproduktivitätsland“, sagt Wirtschaftsprofessor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Wir befinden uns mitten in einer Transformation, in einem Umbruch“, so Weber. Jeden Monat verschwinden in Deutschland laut IAB 15.000 Industriejobs. Das Problem: „Das Neue kommt nicht schnell genug nach.“ Die Erneuerung könnte im Bereich der Robotik liegen. Automatisierung, Sensorik, Maschinenbau, kombiniert mit KI – Weber sieht realistische Chancen, da führend zu sein. Eine Bedingung für Re-Industrialisierung durch Robotik aber ist: „Wir müssen Roboter nicht nur einsetzen, sondern sie auch herstellen.“

Deutschland ist keineswegs von China abgehängt, sagen Fachleute. Als Kanzler Friedrich Merz vor vier Wochen in China war, führte das Unternehmen Unitree vor, dass seine humanoiden Roboter tanzen und Saltos schlagen können. „Gut ausgeführt, aber kein Hexenwerk“, so das Fazit der TUM-Professorin Schoellig. Die Roboter-Tanz-Truppe hätte nicht mit der Umgebung interagiert, benötigte keine Wahrnehmung oder Fingerfertigkeiten. Das seien die harten Nüsse für Roboter. Hier könne Deutschland noch wirklicher Vorreiter sein. „Das war eine tolle Show“, urteilt ihr Kollege Althoff. Ihm sei allerdings unklar, was die gezeigten Fähigkeiten in der Praxis bringen.

Humanoide Roboter seien generell etwas überschätzt, Althoff spricht gar von einer „Investorenblase“. Der wirtschaftlich sinnvolle Einsatz der Roboter auf zwei Beinen sei eingeschränkt. Er sehe sie primär im Haushalt und in der Pflege. Der große Hebel aber liegt in der Industrie.

278.900 Industrieroboter waren laut World Robotics Report bereits 2024 in deutschen Fabriken im Einsatz. Mit 415 Robotern pro 10.000 Beschäftigten gehörte Deutschland damals schon weltweit zur Spitzengruppe. Inzwischen dürften es noch mehr sein. Und sie werden immer besser. Stichwort: Physical AI. Künstliche Intelligenz im Körper eines Roboters. „Dass jeder Roboter mithilfe der LLMs auf das gesamte Wissen des Internets zugreifen kann, ist ein Meilenstein“, sagt TUM-Professorin Schoellig.

Der nächste große Durchbruch kommt beim Preis: Firmen wie das Münchner Start-up Robco fokussieren sich auf kleine Roboter, die ohne Aufwand integriert werden können – und vor allem wenig kosten. „Der Wendepunkt ist erreicht, wenn selbst kleine Lager im deutschen Mittelstand autonome Gabelstapler einsetzen können“, so Baker. Nur: Womöglich sind andere schneller.

Endet hier die Idee vom Stoppen der Deindustrialisierung mithilfe der Roboter? Es gibt Branchenkenner, die vermuten: Noch stehen in europäischen Fabriken überwiegend Roboter aus Europa. Aber Roboter für die nächste Dekade würden in China gekauft – weil sie billiger sein werden.

Die Hoffnung hier könnte – wie so oft – in Spezialisierung und Partnerschaften liegen. „Ein Ansatz: Europa entwickelt Technologien, China skaliert sie industriell“, so der Investor Baker. China könne gut günstige Standard-Roboter bauen. Die sei allerdings in deutschen Betrieben nicht unbedingt geeignet: „Chinas Industrie wurde oft von Grund auf für Automatisierung gebaut, Europas Fabriken sind heterogener und voller Legacy-Systeme“, sagt Baker. Das könnten deutsche Anbieter für sich nutzen.

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CEO.Talk

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Wie der neue Schufa-Score berechnet wird

Die Schufa geht in die Offensive und öffnet erstmals ihre Bewertungslogik. Der neue Score basiert auf zwölf definierten Faktoren und wird auf einer Punkteskala von 100 bis 999 berechnet, die Nutzerinnen und Nutzer selbst nachvollziehen können. Im Podcast Table.Today sagte CEO Tanja Birkholz, man habe „aus 250 Kriterien diejenigen ausgewählt, die hohe Prognosekraft haben und gleichzeitig nachvollziehbar sind“.

Birkholz betont, man habe den Banken klare Orientierungspunkte gegeben, „was ein guter und was ein hervorragender Score ist“. Ein guter Score liege demnach bei 709 Punkten. „Das ist ein durchschnittliches Risiko, und damit haben Sie kein Problem, einen Kredit zu bekommen“, erläutert sie. Laut Birkholz bleibt „das Wichtigste, Kredite zuverlässig zu bedienen, Käufe auf Rechnung einzuhalten und Rechnungen pünktlich zu bezahlen“. Schon die erste Mahnung wirke sich sichtbar aus. Je höher die Gesamtpunktzahl, umso besser die Bonität des Verbrauchers und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden.

Die zwölf Kriterien sind:

  • Zahlungsstörungen

  • Alter des ältesten Bankvertrags

  • Alter der ältesten Kreditkarte

  • Alter der aktuellen Adresse

  • Alter des jüngsten Rahmenkredits

  • Anzahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten

  • Anzahl der Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten

  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten

  • Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite

  • Kreditstatus

  • Immobilienkredit

  • Vorliegen einer Identitätsprüfung

Die Offenlegung steht auch im Kontext jüngerer Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs, die strengere Transparenz bei der Verwendung von Scores als potenziell automatisierte Entscheidungen verlangen. Für Birkholz ist die Reform aber vor allem eine Antwort auf die digitalen Forderungen nach mehr Transparenz. Sie bezeichnet den neuen Ansatz als „den weltweit ersten vollständig transparenten Score für Kreditwürdigkeitsprüfung“.

Gegen Kritik verteidigt Birkholz den Schritt. Die Schufa sei „keine Blackbox mehr“: Ab sofort könne jeder seine gespeicherten Daten einsehen und den eigenen Score selbst nachrechnen. Forderungen der Linkspartei, die Schufa abzuschaffen und durch eine staatliche Kreditbehörde zu ersetzen, weist sie zurück. Dafür bräuchte es ein Gesetz und eine parlamentarische Mehrheit, „beides sehe ich aktuell nicht“. Über 50 Prozent der Anteile lägen bei Sparkassen und Volksbanken – „breiter und demokratischer kann eine Anteilseignerstruktur kaum sein“, so Birkholz.

Für Verbraucher verschiebt sich das System zugunsten schnellerer Verbesserungen nach negativen Einträgen. Für die große Mehrheit bleibt die bisherige Scoreklasse stabil, kleinere Gruppen verbessern oder verschlechtern sich leicht. Positive Verhaltenssignale werden künftig früher sichtbar, während historische Negativmerkmale relativ an Einfluss verlieren. Besonders Menschen mit verlässlichem Zahlungsverhalten und kurzer Kredithistorie können laut Birkholz künftig „leichter aufsteigen“.

Für die Finanzbranche wird entscheidend sein, wie schnell das neue Modell übernommen wird. Rund ein Viertel der Score‑Nutzer, darunter acht der 100 größten Bankpartner, arbeitet bereits mit der neuen Struktur. Bis Jahresende rechnet die Schufa mit rund 50 Prozent. Die Offenlegung erleichtert Banken die Abstimmung zwischen eigenen Risikomodellen und der offengelegten Score‑Logik.

Das gesamte Gespräch hören Sie im Podcast Table.Today.

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1,1 Mio. Tonnen zusätzliches CO2. Weil die Generalsanierung dazu führt, dass über 1 Million Transporte von der Schiene zurück auf die Straße gedrängt werden. Rettet den kombinierten Verkehr. Hupac

- Sponsor: Initiative "Rettet den Kombinierten Verkehr", getragen von 1) Kombiverkehr KG, 2) Hupac SA, 3) TX Logistik AG
- Kontrolliert von: 1) Kombiverkehr KG, 2) Hupac SA, 3) TX Logistik AG
- Im Zusammenhang mit: Rahmenbedingungen für den Kombinierten Verkehr; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

CEO.News

Commerzbank: So reagieren die CEO, Politik und Wirtschaft auf das Unicredit-Angebot

Eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit stößt an vielen Stellen auf Ablehnung – es wird aber auch vor pauschalen Selbsterhaltungsreflexen gewarnt. Mit einem freiwilligen Übernahmeangebot will Unicredit-Chef Andrea Orcel die Commerzbank-CEO Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch bringen. Konkret bietet die UniCredit 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Aktie an. Das entspricht rund 30,80 Euro, was vier Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs vom 13. März entspricht und deutlich unter dem Xetra-Schlusskurs am Dienstagabend von 32,40 Euro liegt. Die Commerzbank wird damit mit knapp 35 Milliarden Euro bewertet.

Orlopp reagierte kühl. Das Angebot enthalte „faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre“. Die Commerzbank sehe keine Grundlage für Gespräche. Zuvor hatte Orlopp im Gespräch mit Table.Briefings gesagt: „Auf der Ertragsseite wären die Synergieeffekte aufgrund von Überlappungen im Kundenstamm sicherlich negativ.“ Wenn eine Transaktion in der aktuellen Situation keinen Wert schaffe, sei es keine gute Transaktion. Generell lehnt Orlopp Gespräche nicht ab – dafür brauche es aber keine Übernahme.

Das taktische Kalkül hinter dem Unicredit-Vorstoß: Die Großbank hält direkt 26 Prozent an der Commerzbank, mit Finanzinstrumenten 29,9 Prozent. Ab 30 Prozent greift im deutschen Übernahmerecht eine Pflichtangebotsschwelle. Durch das freiwillige Angebot umgeht Orcel ein teureres Pflichtangebot und verschafft sich die Flexibilität, weitere Aktien zuzukaufen. Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden, mit einer Frist von vier Wochen. Am 20. Mai tagt die Commerzbank-Hauptversammlung.

Die politische Front bleibt geschlossen gegen die Übernahme. „Eine feindliche Übernahme wäre nicht akzeptabel“, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte, die Bundesregierung setze auf eine eigenständige Commerzbank.

Die Deutsche Bank könnte vom Übernahmekampf um die Commerzbank profitieren. Sein Haus stehe bereit, neue Kunden an Bord zu nehmen, sagte CEO Christian Sewing laut dpa bei einer Finanzkonferenz der US-Bank Morgan Stanley.

Der europäische Finanzmarkt sei nach wie vor zu wenig integriert, und gerade deutsche Banken seien im internationalen Vergleich nicht besonders wettbewerbsfähig, glaubt die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Die ökonomische Logik spreche daher für eine ernsthafte Prüfung grenzüberschreitender Konsolidierung statt reflexhafter politischer Abwehr. Die Lage sei heute dank strengerer Kapitalregeln und europäischer Bankenaufsicht eine andere als vor der Finanzkrise. Politökonomisch könne eine europäische Bankenfusion sogar die enge Verbindung zwischen nationaler Politik und „ihren“ Banken lockern – und damit den impliziten staatlichen Rettungsreflex schwächen.

Allerdings stellt sich in diesem Zusammenhang die zentrale Frage, wie mit dem möglichen Scheitern großer, grenzüberschreitend fusionierter Banken umzugehen ist. Der britische Ökonom und frühere LSE-Professor Charles Goodhart habe dieses Spannungsfeld prägnant auf den Punkt gebracht, sagt ESMT-Präsident Jörg Rocholl zu Table.Briefings – „banks are international in life but national in death“. Um zu verhindern, dass im Krisenfall erneut die Steuerzahler belastet werden wie während der Finanzkrise 2008/2009, brauche es klare und glaubwürdige europäische Abwicklungsmechanismen. Deshalb sollte zunächst die Bankenunion konsequent vertieft und ein wirklich einheitlicher europäischer Bankenmarkt geschaffen werden, bevor größere grenzüberschreitende Bankenfusionen vorangetrieben werden.

Commerzbank-CEO Bettina Orlopp setzt weiter auf Wachstum als beste Verteidigung. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und den Abbau von rund 3.900 Stellen. Die Bank lieferte für das Geschäftsjahr 2025 erneut verbesserte Ergebnisse – mehr dazu lesen Sie hier. Alex Hofmann

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"If you're serious about brand building, read it." Mark Ritson. Markenkraft

Wirtschaftsinstitute: Sondervermögen zum Großteil zweckentfremdet

Neue Berechnungen zweier Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen erhebliche Zweckentfremdungen beim Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Nach aktuellen Berechnungen des ifo-Instituits hat die Bundesregiuerung 2025 die Kreditaufnahme um 24,3 Milliarden Euro erhöht, während die Bundesinvestitionen nur um 1,3 Milliarden Euro über dem Vorjahr lagen. Rund 23 Milliarden Euro der zusätzlich aufgenommenen Schulden flossen damit nicht in zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt separat zu dem Befund, dass 86 Prozent der SVIK‑Mittel nicht für zusätzliche Investitionen verwendet wurden. Möglich wurde dies durch Verschiebungen vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte Sondervermögen, wodurch trotz höherer Schulden kaum investive Mehrausgaben entstanden.

Die von der Bundesregierung erhoffte Hebelwirkung staatlicher Investitionen auf private Investitionen bleibt bisher aus. „Bislang sehen wir davon nichts. Wir sehen, dass staatliche Aufträge in der Rüstungsindustrie ankommen. Bei der Infrastruktur wird es schon eng, weil ein erheblicher Teil der Schulden, die für Infrastruktur gedacht waren, verwendet werden, um Haushaltslöcher zu stopfen“, sagte ifo‑Präsident Clemens Fuest Table.Briefings.

Das Finanzministerium hält dagegen. „Der in den Studien erhobene Vorwurf ist falsch“, sagte eine Sprecherin des BMF. Zur Bergründung erklärt das Ministerium, dass die Investionsausgaben im Jahr 2025 um 12,3 Milliarden Euro höher waren als 2024. Sowohl ifo als auch IW hatten die Mehrinvestionen dagegen nur mit weniger als zwei Milliarden Euro angegeben. Wie sich die Unterschiede in den Zahlen erklären, lesen Sie im Berlin.Table. Alexander Wiedmann

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Start-up-Bericht der IHK München: Anteil der Dual Use-Start-ups am Rüstungsökosystem höher als erwartet

Der „Bayern Startup & Scaleup Monitor 2026“ zeigt erstmals eine umfassende Datengrundlage zum Rüstungsstandort München, der im europäischen Vergleich vor Städten wie London, Valkenburg, Helsinki und Berlin liegt. Der Bericht, erstellt von der IHK München und Oberbayern gemeinsam mit dem Startup-Verband, macht deutlich, dass das Münchner Rüstungsökosystem vor allem von Start-ups mit Dual-Use-Technologien geprägt ist. Während 37,3 Prozent der Start-ups in München in diesem Bereich tätig sind (bundesweit 24,1 Prozent), entwickeln nur etwa vier Prozent primär militärische Produkte. Innovationen entstehen damit überwiegend aus zivilen Anwendungen, etwa Erdbeobachtungssatelliten, Drohnen oder autonomer Logistik, die später auch militärisch genutzt werden können.

Der Boom zeigt sich besonders bei den Investitionen in Defense-Start-ups, die sich stark auf Bayern konzentrieren: 2025 flossen über eine Milliarde Euro in entsprechende Unternehmen, darunter die in München ansässigen Scale-ups Helsing, Quantum Systems und Arx Robotics. Ein wichtiger Wachstumstreiber sind die Münchner Universitäten, insbesondere TUM und LMU, von denen viele Start-ups unterstützt werden. Accelerator-Programme führten dazu, dass sich die Zahl der Defense-Start-ups in München von etwa 30 im Jahr 2024 auf rund 60 im Jahr 2025 verdoppelte. Trotz dieser starken Position in Europa bleibt der Abstand zu den USA groß: Dort wurden 2025 rund 7,3 Milliarden Euro in Defense-Tech investiert, in Europa dagegen nur etwa 1,5 Milliarden Euro. Die ganze Analyse lesen Sie im Security.Table. Katharina Horban

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Rechenzentrumsstrategie im Kabinett

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Am heutigen Mittwoch soll im Kabinett erstmalig eine Rechenzentrumsstrategie beschlossen werden. „Klar ist, dass wir bei dem Thema Aufholbedarf haben“, sagte Karsten Wildberger. Bis 2030 will er die Kapazität an Rechenleistung mindestens verdoppeln. Das Ziel sei es, „in Europa weiterhin zu führen, aber auch international sehr attraktiv zu sein“. Der Anteil der Rechenkapazitäten, die für Künstliche Intelligenz genutzt werden, will der Digitalminister mindestens vervierfachen. Insgesamt drei Handlungsfelder – Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Fläche, Technologie und Souveränität – mit 28 Maßnahmen umfasst die in enger Abstimmung mit dem BMWE, dem BMUKN und dem BMFTR entstandene Strategie.

Einige entscheidende Schritte für die Beschleunigung des Baus von Rechenzentren konnte das Digitalministerium durchsetzen. Um „die notwendige Akzeptanz zur Ansiedlung von Rechenzentren vor Ort zu steigern“ soll ein neuer Schlüssel bei der Gewerbesteuer geprüft werden, von dem die Kommunen stärker profitieren. Erst vor wenigen Wochen war im hessischen Groß-Gerau ein 2,5-Milliarden-Investitionsprojekt am Stadtrat gescheitert.

Ein weiterer Durchbruch: Das Ende des Windhundverfahrens der Netzbetreiber. Für den Bau eines Rechenzentrums sind neben Glasfaserinfrastruktur und der Nähe zu Internetknoten wie dem Frankfurter DE-CIX vor allem stabile Hochspannungsanschlüsse entscheidend. Über deren Vergabe entscheiden die Netzbetreiber. Die Antragsverfahren waren durch eine hohe spekulative Blase der Batteriespeicherbetreiber blockiert, die teilweise ohne konkrete Bauvorhaben massenhaft Anträge eingereicht haben. Die Netzbetreiber mussten sie bislang im sogenannten „Windhundverfahren“ per Datumsprinzip abarbeiten. In Zukunft will die Regierung ein neues Verfahren nach Reifegradprinzip vorlegen.

Der Elefant im Raum bleibt der Streit um die Energieeffizienz der Rechenzentren. Zwar will sich Wildberger sehr zur Freude der Wirtschaft bei der EU dafür einsetzen, dass die Betreiber die Abwärme steuerfrei abgeben können. Aber ob die Abwärme-Abgabe in Zukunft Bedingung für einen Bau ist, bleibt offen. Dasselbe gilt für die sogenannten PUE-Werte, der „Power Usage Effectiveness“, die den Verbrauch der Anlagen misst. Noch im Anfang des Jahres bekannt gewordenen Entwurf der Strategie war ein Passus enthalten gewesen, der die Zentren an ihrer theoretisch optimalen, und nicht der tatsächlich im Betrieb erreichten Effizienz hätte messen sollen. Er ist nun entfallen. Dahinter steckt ein Streit mit dem Umweltministerium, der erst mit der Energie-Effizienz-Novelle geklärt werden wird. Leonard Schulz

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CEO.Factcheck

Deutschlands Rechenzentren: Leistung, Lage, internationaler Vergleich

2026 wird die Leistung aller deutschen Rechenzentren (RZ) erstmals 3.000 Megawatt überschreiten. Das prognostiziert der Branchenverband Bitkom in seiner aktuellen Studie zum Rechenzentrumsmarkt. Die Kapazitäten sind 2025 um 250 Megawatt (MW) auf 2.980 MW gewachsen, ein Anstieg um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2030 soll die Leistung 6.000 MW erreichen. Das haben BMWDS und BMWK als Ziel vorgegeben.

Ausschlaggebend für das Wachstum ist der Bau immer größerer Anlagen mit Anschlussleistungen im dreistelligen Megawattbereich: So ist im rheinland-pfälzischen Nierstein ein Projekt mit rund 480 MW IT-Leistung geplant. In Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern soll ein Rechenzentrum mit 1.200 MW entstehen. Parallel wächst auch das Segment kleiner bis mittelgroßer Rechenzentren (100 Kilowatt bis fünf MW) stark; ihre Kapazitäten haben sich seit 2010 mehr als verdreifacht.

Investitionen in die deutsche RZ-Infrastruktur nehmen weiter zu. Im Jahr 2025 haben Betreiber laut Bitkom zwölf Milliarden Euro in IT-Hardware und 3,5 Milliarden Euro in Gebäude und technische Gebäudeausrüstung investiert. Davon flossen circa 2,5 Milliarden Euro in die Geräte und Anlagen der Klimatechnik, der Stromversorgung und anderer Gebäudetechnik.

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Die Metropolregion Frankfurt am Main ist mit einer installierten Kapazität von über 1.100 MW der größte RZ-Standort Deutschlands – nicht nur wegen seiner geografisch zentralen Lage, sondern auch wegen des dort laufenden Internetknotens DE-CIX. Aus diesem Cluster stammt mehr als ein Drittel der aktuellen Gesamtkapazität. Angekündigt sind dort aber bereits RZ-Kapazitäten von bis zu 1.800 MW. Berlin/Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ziehen mit Plänen für jeweils 1.000 MW nach. Aktuell sind die Städte Hamburg und München sowie der Raum Köln-Düsseldorf die wichtigsten Standorte. Keine neuen Projekte sind in Bremen, Thüringen und dem Saarland geplant.

London liegt mit seiner RZ-Kapazität im europäischen Vergleich knapp hinter Frankfurt. Die größten europäischen RZ-Standorte werden oft als FLAP-D-Region bezeichnet, ein Akronym für: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin. Frankreich fördert den Ausbau seiner RZ-Infrastruktur gezielt im Rahmen seiner Digital- und KI-Strategie. Skandinavische Länder könnten mit Standortvorteilen aufholen: Nicht nur haben sie Platz, sondern auch günstigere Energiepreise und natürliche Kühlungsvorteile.

Im Jahr 2025 hatten die Rechenzentren in Deutschland einen Energiebedarf von 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Das ist ein Anstieg um mehr als 100 Prozent seit 2010 und übersteigt die Jahresproduktion aller deutschen Wasserkraftwerke.

Aktuell werden 15 Prozent der RZ-Leistung in Deutschland für High-Performance-Computing (HPC) und KI genutzt. 2030 könnten es laut Bitkom 40 Prozent sein. Im Gegensatz zu den USA oder China gibt es hierzulande allerdings noch keine AI-Factories, die ausschließlich für KI-Anwendungen da sind.

GLOSSAR

Rechenzentrum (Data Center)
Gebäude oder Anlage mit Server, Speicher- und Netzwerktechnik, die Daten verarbeitet und digitale Dienste bereitstellt.

Hyperscaler
Große Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) mit weltweit verteilten Rechenzentren und großer IT-Infrastruktur.

Edge-Rechenzentrum
Kleineres Rechenzentrum (bis fünf MW) nahe bei Nutzern oder Geräten, um Daten schneller zu verarbeiten und Latenzen zu reduzieren.

Colocation (Colo)
Rechenzentrumsmodell, bei dem Unternehmen ihre eigenen Server in Anlagen eines Betreibers unterbringen, der Strom, Kühlung und Netzwerkanbindung bereitstellt.

KI-Fabrik (AI Factory)
Großskalige Infrastruktur aus Rechenzentren, Daten und Software, die darauf ausgelegt ist, KI-Modelle im großen Maßstab zu entwickeln, zu trainieren und zu betreiben.

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Mehr von Table.Briefings

Europe.Table: WTO-Reform als Testfall für die globale Handelsordnung. Am 26. März entscheidet die WTO über die Zukunft der Handelsregeln. Geopolitische Rivalitäten und Subventionsprogramme setzen die weltweite Wirtschaftsordnung unter Druck. Welche Reformen von Holger Bingmann und Oliver Wieck, Präsident und Generalsekretär bei ICC Germany, gefordert werden, lesen Sie hier.

Research.Table: Wissenschaftsfreiheit weltweit deutlich gesunken. Forschende der Universität Erlangen-Nürnberg und des V-Dem-Instituts in Göteborg veröffentlichen heute ihre Studie für das Jahr 2025. Welche Länder besonders betroffen sind, lesen Sie hier.

Berlin.Table: Normenkontrollrat plädiert für Bündelung bei Work-and-Stay-Agentur. Der Normenkontrollrat unterstützt die Forderung von BA und BDA, Zuständigkeiten für Fachkräfteeinwanderung bei der BA und dem Auswärtigen Amt zu bündeln. Wie genau das funktionieren soll, lesen Sie hier.

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CEO.Presseschau

FinanzNachrichten.de

Regierung will Luftverkehrssteuer in Milliardenumfang senken

Die Bundesregierung plant laut einem Entwurf des Finanzministeriums, die Luftverkehrssteuer zum 1. Juli 2026 zu senken. Je nach Flugdistanz soll die Steuer pro Passagier um 2,50 bis 11,40 Euro fallen. Die jährlichen Mindereinnahmen von bis zu 355 Mio. Euro sollen durch Einsparungen im Verkehrsministerium kompensiert werden, um den Standort Deutschland zu stärken.
The Wall Street Journal

SEC bereitet Vorschlag zur Abschaffung der Quartalsberichtspflicht vor

Die US-Börsenaufsicht SEC bereitet einen Vorschlag vor, die verpflichtende Quartalsberichterstattung abzuschaffen. Unternehmen hätten stattdessen die Option, halbjährlich zu berichten. Ziel ist, den Aufwand für Firmen zu reduzieren und mehr Börsengänge zu fördern. Der Vorschlag könnte nächsten Monat veröffentlicht werden, stößt aber bei Investoren wegen geringerer Transparenz auf Widerstand.
Handelsblatt

Familienunternehmen: Goldbeck steigt beim Anlagenbauer Zauner ein

Das Bauunternehmen Goldbeck plant den Einstieg beim österreichischen Anlagenbauer Zauner Group mit einer 50-prozentigen Beteiligung. Durch die strategische Partnerschaft wollen die beiden Familienunternehmen gemeinsam Rechenzentren bauen und vom Wachstum des Marktes profitieren. Die kartellrechtliche Prüfung steht noch aus, über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.
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CEO.Picks

Führung ist Architektur, nicht Heldentum

Seit Jahrzehnten prägt das Narrativ der „großen Führungspersönlichkeit“, wie Unternehmen über Macht an der Spitze denken. Leistung hängt jedoch selten von einer außergewöhnlichen Einzelperson ab, sondern davon, wie unterschiedliche Führungstypen einander ergänzen.

Jede Organisation benötigt gleichzeitig strategische Weitsicht, disziplinierte Umsetzung, Innovation, Personalentwicklung, externe Positionierung und mitunter schnelle Transformation. Diese Ausrichtungen spiegeln unterschiedliche psychologische Dispositionen wider. Sie sind selten in einer einzigen Person vereint.

Probleme entstehen, wenn Führungsteams homogen sind. Ein Team, das etwa von visionären Denkern dominiert wird, kann operative Disziplin vernachlässigen. Eine Gruppe effizienter, stark prozessorientierter Akteure kann hingegen Innovation unterdrücken. Da Wirksamkeit kontextabhängig ist, kann das, was in Stabilität funktioniert, in Zeiten des Umbruchs versagen. Das erfordert eine bewusste Gestaltung von Führung:

  • Erfassen Sie die dominanten Führungsmuster in Ihrem Top-Team. Wo gibt es Überkonzentration? Wo gibt es strukturelle Abwesenheit?

  • Prüfen Sie, ob Ihre aktuelle Führungszusammensetzung zu Ihrer strategischen Realität passt. Ein wachsendes Unternehmen benötigt andere Profile als eine Organisation in der Restrukturierung.

  • Analysieren Sie Ihre eigenen Tendenzen. Institutionalisieren Sie anschließend Gegenpole. Verlassen Sie sich nicht auf persönliche Vielseitigkeit. Verankern Sie Komplementarität im System. Die stärksten Organisationen werden nicht von Helden geführt, sondern von gut komponierten Systemen.

Manfred F. R. Kets de Vries ist Professor für Leadership Development, Direktor des Global Leadership Center an der INSEAD und Distinguished Affiliate Professor an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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CEO.Leadership

Hat Ihr Unternehmen ein Narrativ – oder hat es viele?

In Transformationsphasen entwickeln Stakeholder unterschiedliche Narrative über ein Unternehmen. Ein einheitliches, glaubwürdiges Narrativ ist entscheidend, um Deutungshoheit zu behalten und Vertrauen zu sichern.

Sie können Ihr Unternehmen hervorragend führen – und trotzdem verlieren. Nicht an den Markt, sondern an die Deutung dessen, was Sie tun. Denn während Sie entscheiden, erzählen andere bereits die Geschichte Ihres Unternehmens.

Sie befinden sich in der Zeit zwischen Hund und Wolf. So nannte man im Mittelalter die Dämmerstunde, in der die Sonne so tief stand, dass man nicht sicher sagen konnte, ob sich ein Hund oder ein Wolf nähert. Gewissheit hatte man erst, wenn es womöglich zu spät war. Genau das passiert, wenn Sie ein Unternehmen in eine Phase grundlegender Transformation führen. Ihre Stakeholder verbinden die Punkte Ihrer Entscheidungen. Führungskräfte, Mitarbeitende, Betriebsrat, Investoren, Kunden, Medien, Aufsichtsrat – alle stellen dieselbe Frage: Wohin geht das hier eigentlich? Und jeder sieht ein anderes Bild. Das ist der Moment, in dem Narrative entstehen.

Ein Narrativ ist keine Story. Eine Story hat einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende, wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“. Ein Narrativ ist offener: ein Deutungssystem, das viele Geschichten unter ein gemeinsames Dach stellt und auf ein gewünschtes Ende zuläuft, ohne es festzuschreiben. „The American Dream“ ist kein einzelnes Ereignis – er ist ein Narrativ, das durch unzählige Geschichten getragen wird.

Narrative stiften Sinn – und Sinn ist nichts anderes als Zusammenhang. Zusammenhang schafft Sicherheit. Er erlaubt Orientierung, auch dort, wo nicht alles erklärbar ist. Deshalb wirken Narrative nicht nur emotional, sondern auch rational: Sie müssen wahrhaftig sein und dem langsamen Denken standhalten. Ein Narrativ, das bei genauerem Hinsehen zerbröselt, verliert nicht nur seine Kraft, sondern auch das Vertrauen derer, die ihm gefolgt sind.

Jedes Unternehmen hat ein Narrativ. Die Frage ist nur: Wer erzählt es? Wenn Sie keines formulieren, entstehen viele. Mitarbeitende, Medien, Investoren und Wettbewerber bauen sich jeweils ihr eigenes. Und Narrative lassen sich nicht wegargumentieren. Ein negatives Narrativ – etwa „Dieses Unternehmen ist ein Dinosaurier“ – verschwindet nicht durch Fakten oder Statistiken. Es braucht ein stärkeres, glaubwürdigeres Gegennarrativ, das auf bekannte Urmuster einzahlt: den Kämpfer, der aufsteht. Den Wandel, der gelingt.

Narrative sind kein Marketinginstrument. Sie sind ein Führungsinstrument. Sie nehmen reale Elemente und ordnen sie in einen Zusammenhang ein, der handlungsfähig macht. Deshalb können sie nicht beliebig sein. Sie müssen überprüfbar, anschlussfähig und im Alltag erfahrbar sein.

Wer glaubt, ohne Narrativ führen zu können, irrt, und lässt zu, dass dutzende ungünstige Narrative entstehen. Wer glaubt, mit einem unwahren Narrativ führen zu können, gefährdet Vertrauen. Die eigentliche Führungsfrage lautet deshalb nicht, ob Sie ein Narrativ haben – sondern ob es Ihres ist. Und ob es standhält.

Benedikt Göttert berät CEOs und Unternehmen bei der Entwicklung strategischer Narrative in Zeiten der Transformation. Als Mitgründer von Serviceplan Berlin baute er den Standort zum integrierten Haus der Kommunikation aus. In seiner Kolumne schreibt über Führung in Zeiten widersprüchlicher Erwartungen.

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