Brauchen wir ein Comeback der Kernenergie? Mit Gabriel Felbermayr
Der neue ‚Wirtschaftsweise‘ Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), hält den deutschen Atomausstieg für einen Fehler und schlägt eine „atmende Energiesteuer" vor: Steigen die Energiepreise, sinkt automatisch die Steuer.
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2025 haben die katholische und die evangelische Kirche zusammen rund 1,2 Millionen Mitglieder verloren. 307.000 Menschen wandten sich von der katholischen Kirche ab. Die Zahl der Protestanten sank um 580.000.
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Die Schufa hat ihren Kredit-Score grundlegend reformiert: Statt 250 fließen ab sofort nur noch zwölf nachvollziehbare Faktoren in die Bewertung ein. Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz verspricht: „Der erste weltweit vollständig transparente Score für Kreditwürdigkeitsprüfung – vollständige Transparenz, mehr geht nicht."
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Transkript
Sprecher: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski. Die christlichen Kirchen in Deutschland werden immer kleiner und verlieren auch deshalb an Relevanz. Im letzten Jahr haben die katholische und die evangelische Kirche rund 1,2 Millionen Mitglieder verloren. Mehr Details zu dieser problematischen Entwicklung gleich bei uns. Themen mitten aus dem Leben heute bei uns. Zum Beispiel, wenn Sie einen neuen Kredit haben wollen für ein Auto oder einen Fernseher oder die Wohnung, dann geht es nicht ohne die Schufa-Auskunft. Aber wie entsteht eigentlich diese Bewertung und dieser komische Score, der dann da auf diesem Zettel steht? Die Kritik jedenfalls an dem Verfahren ist immer schon groß gewesen. Seit heute gibt es ein neues System, das für mehr Transparenz sorgen soll. Wir fragen Tanja Birkholz, die Vorstandsvorsitzende der Schufa, was sie da genau plant. Sie merken, Michael Bröker ist sehr viel dynamischer heute als ich und ich denke, ich muss mir auch Mühe geben. So, du verstehst meine Hinweise, finde ich gut, Helene. Ja, ich habe meine Stimme selber als etwas zu tragend gerade empfunden, nachdem ich dich so habfröhlich sprechen hören über diese schwierigen Themen. Und es geht weiter mit schwierigen Themen, leider, denn nämlich die Dauerrezession, auch die nehmen wir uns heute vor. Oder ist es vielleicht doch eine Comeback-Story? Die Energiepreise machen der Politik größte Sorgen. Und wir sprechen mit dem Österreicher Ökonom Gabriel Felbermayr, der neues Mitglied der Wirtschaftsweisen ist. Und er macht einen unbequemen Vorschlag.Hier Hilfen bei einem Benzinpreis von 2,50 Euro und die Option, die Kernenergie zu behalten. Die Flughäfen werden bestreikt und die Bahn muss miserable Pünktlichkeitswerte verteidigen. Darüber müssen wir leider am Schluss auch nochmal reden, an diesem Dienstag, den 17. März. Michael, die Menschen in Deutschland sind auf Sinnsuche, unglücklich mit dem eigenen Leben, befasst mit der Frage, worum es denn eigentlich geht. Und trotzdem, und das ist das, was ich wirklich nicht verstehen kann, wenden sie sich von der Kirche ab. Die Kirchen sind nicht mehr die Institutionen, die beiden Kirchen. An die sich die Menschen orientieren, wenn sie Nöte haben oder wenn sie sich die großen Fragen des Lebens stellen. Ja, woran liegt das eigentlich? Bei mir würde ich sagen, in meiner katholischen Kirche, bei der ich zuletzt vor leider doch dann doch wieder ein paar Monaten war, müsste man den alten Luther zitieren. Ihr könnt predigen über was ihr wollt, aber predigt niemals über 40 Minuten. Also das war ein bisschen langatmig bei uns und vielleicht müssen die auch mal neue Wege der Kommunikation gehen. Gibt es eigentlich irgendwelche katholischen Instagram-Influencer? Ich weiß es nicht. Einer, der das ausprobiert hat, wird auch demnächst bei uns im Podcast sein. Michael, es ist Justus Geilhufe. Er ist Pfarrer in Sachsen, genauer gesagt in Großschirner. Er probiert in der Tat neue Wege, wobei ich nicht genau weiß, ob Instagram wirklich die Kirche retten soll, ob nicht das. Was die Kirche hat, was eben...gerade Instagram nicht hat, nämlich Tradition und etwas Übersinnliches, etwas, das über die Zeit dauert, das Orientierung gibt, das natürlich auch gezwungen ist, sich zu wandeln, das ist völlig klar, aber dennoch etwas, woran man sich festhalten kann in dieser wahnsinnig schnelllebigen Welt. Ich glaube, eigentlich das ist es, worauf sich Kirche besinnen sollte, das, was über die Zeit bleibt. Dein Plädoyer ist klar, aber die nackten Zahlen, Helene, die widersprechen zumindest dieser Idee. 36,6 Millionen Menschen in Deutschland gehören entweder der katholischen oder der evangelischen Kirche an. An sich ja eine beeindruckende Zahl, aber der Teufel steckt hier im Detail. Alleine 2025 sind 1,2 Millionen Menschen aus den Kirchen ausgetreten. Wir Katholiken nennen euch ja Evangelien, also darf ich das sagen? Die Evangelien, denen gehören noch 17,4 Millionen Menschen. Man könnte auch sagen Ungläubige, aber okay. Das sind schon 600.000 weniger als 2024. Die katholische Kirche ist noch knapp drüber, Helene, mit 19,2 Millionen Menschen. Aber auch wir haben 600.000 Mitglieder verloren. Naja, und für manche Landeskirchen wird es nun wirklich eng. Auch in Berlin werden nun Kirchengemeinden zusammengelegt. Hier eine kleine Kirche bei uns um die Ecke, wo bis vor einigen Jahren immer noch am Sonntagabend ein Gottesdienst stattfand. Diese Kirche ist mittlerweile umgewandelt, gehört nun zu einer Schule. Dazu wird gar nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt. Ja, und auf dem Land ist es nochmal deutlich schlimmer.Dort müssen Pfarrer teilweise wahnsinnige Wege zurücklegen. Manche Kirchen, da findet nur noch alle paar Wochen überhaupt ein Gottesdienst statt. Das heißt natürlich auch, der Pfarrer ist weit weg. Er ist eben nicht ansprechbar für die Nöte und Sorgen der Menschen. Naja, das macht die Sache natürlich nicht besser. Der Religionssoziologe Detlef Pollack hat es eigentlich gut zusammengefasst. Mittlerweile muss man begründen, warum man noch in der Kirche ist. Ich weiß nicht, ob dir das in Gesprächen auch ähnlich geht. Ich bleibe meiner Kirche treu, werde demnächst auch mal wieder etwas öfter hingehen und mich vielleicht sogar ein bisschen mehr engagieren, denn Gemeinschaft ist es doch, was wir am Ende alle suchen. Also ich gehe gelegentlich zu dem Thesé-Gottesdienst bei uns in der Kirche am Freitag um 18 Uhr. Thesägesang, eine kurze Andacht und ansonsten Kerzen und erlebe es jedes Mal als so erhebendes Ereignis, das die Arbeitswoche abbindet und denke mir, es gibt eigentlich in diesem Moment fast nichts Schöneres, das man machen kann am Freitag um 18 Uhr und dann gucke ich mich um und denke, warum ist diese Kirche so leer? Also ein Aufruf an alle, probieren Sie es doch einfach mal wieder aus, in den Gottesdienst zu gehen. Vielleicht bewegt sich ja was bei Ihnen.Die Grundidee war eigentlich simpel. Die Schufa wollte ein Bewertungssystem einführen, mit dem Firmen abschätzen können, ob dieser Neukunde da eigentlich ein Risikokunde oder ob er vielleicht Kredite und Rechnungen immer pünktlich bezahlen kann. Wer also immer pünktlich zahlt, der sollte nichts zu befürchten haben. Aber über die Jahre ist das System komplexer geworden. Irgendwann konnten Außenstehende gar nicht mehr nachvollziehen, wie jetzt eigentlich dieser Schufa-Score zustande gekommen ist, den man dem potenziellen Vermieter geben musste. Es gab viel Kritik an der Schufa, auch von Verbraucherschützern. Deswegen hat der Vorstand jetzt eine neue Berechnungsmethode umgesetzt, die ab heute gilt für den Schufa-Score. Nur noch 12 statt 250 unterschiedlichen Kriterien werden jetzt berücksichtigt. Was heißt das ganz genau? Welche Kriterien sind das? Alex Wiedmann, unser Kollege vom CO-Table, hat die Vorstandsvorsitzende der Schufa, Tanja Birkholz, gefragt. Herzlich willkommen im Podcast Table Today, Tanja Birkholz. Ich freue mich, heute hier sein zu dürfen. Frau Birkholz, die Schufa stand jahrzehntelang in der Kritik, intransparent, nicht nachvollziehbar. Jetzt haben sie eine Transparenzoffensive angekündigt und der Schufa-Score ist ab heute öffentlich einsehbar. War der Druck von außen am Ende zu groß? Wir haben als einen der wesentlichen Trends in der digitalen Wirtschaft schon das Thema Transparenz und Datenkontrolle sehr früh erkannt auf der Reihe. Sie haben 2020 angefangen und in der Tat, wie Sie sagen, heute.Der erste, weltweit erste, vollständig transparente Score für Kreditwürdigkeitsprüfung. Vollständige Transparenz, mehr geht nicht. Sie sehen im Grunde genommen zwölf Kriterien, Sie sehen Punktwerte zu diesen Kriterien und wenn Sie es aufaddieren, ist es Ihr persönlicher Score. Das heißt, ab heute kann jeder im Schufa-Account seine bei der Schufa gespeicherten Daten kostenlos, digital, ganz einfach einsehen und vor allen Dingen, er kann seinen persönlichen Schufa-Score Nachrechnen, sogar selber ausrechnen und das Ganze ohne statistische Fachkenntnisse. Inwiefern kann man von zwölf Kriterien die Bonität und die finanzielle Zuverlässigkeit einer Person gut nachvollziehen? Gut, das war der Anspruch. Der Anspruch war aus 250 Kriterien diejenigen auszusuchen, die einerseits eine ganz hohe Prognosekrüte haben, das heißt eine hohe Aussagekraft, aber gleichzeitig für die Menschen nachvollziehbar und verständlich ist. Und gleichzeitig muss man immer berücksichtigen, dass die Unternehmen oder die Banken, die Entscheidungen treffen, natürlich noch mehr Daten nutzen als nur den Schufa-Score. Welche Banken übernehmen dann jetzt das neue Scoring und wer vielleicht nicht? Wer hat gesagt, er macht da nicht mit? Also etwa 25 Prozent der Score-Nutzer nutzen schon den neuen Score. Acht unserer Top-100-Kunden und per Jahresende rechnen wir mit etwa 50 Prozent der Nutzer und 25 unserer Top-100-Kunden. Viele Menschen sagen, wenn man einmal einen negativen Schufa-Eintrag hat, ist man auf Jahre gebrannt. Markt, ändert sich das jetzt eigentlich durch das neue System? Kann man leichter aufsteigen? In der Tat kann man leichter aufsteigen. Also wenn Sie grundsätzlich mit Ihren finanziellen Verpflichtungen verantwortungsvoll umgehen, das hat Insolvenz.sondern eine Bedeutung für die jüngeren Menschen, über die am Anfang ja noch nichts bekannt ist, keine Informationen vorliegen. Deswegen können sie sich da schneller positiv entwickeln. Das Wichtigste bleibt natürlich das Thema Kredite zu bedienen, Kauf auf Rechnung, Rechnung zu bezahlen, spätestens mit der ersten Mahnung. Die Linkspartei ist trotzdem nicht überzeugt. Sie fordert, die Schufa abzuschaffen, hält eine Reform für nicht möglich und durch eine staatliche Kreditbehörde zu ersetzen. Was sagen Sie dazu? Gut, ich bin überzeugte Demokratin. Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie. Soweit ich weiß, brauchen wir für die Verstaatlichung ein Gesetz. Ein Gesetz braucht eine parlamentarische Mehrheit. Beides sehe ich aktuell nicht. Und wenn man auf die Schufa ganz konkret drauf schaut, über 50 Prozent der Schufa ist in Händen der Sparkassen und der Volksbanken. Also ich würde mal sagen, breiter und demokratischer kann eine anteilseigene Struktur kaum sein. Zum Abschluss will ich noch gerne wissen, haben Sie dann eigentlich Ihren eigenen Schufa-Score angeguckt und hat sich der denn verbessert? Das habe ich selbstverständlich mir angeschaut. Ich vergleiche aber nicht die alte und die neue Welt. Das sollte man nicht tun miteinander, sondern wir haben wirklich Scoring neu erfunden, kann man fast sagen. Und insofern ist jetzt relevant mein Schufa-Score. Und wenn Sie ihn gerne wissen möchten, dann verrate ich Ihnen den auch gern. Und der ist wie hoch? Der ist 961. Und 999 ist das Beste? Ist das Beste. Und das ist quasi nicht erreichbar. Doch, das ist durchaus erreichbar. Und das ist ja das Schöne. Über die Transparenz können Sie jetzt selber schauen, die Punktwerte, was Sie tun müssen auf 900.99 zu kommen, spielt aber jetzt ehrlich gesagt keine Rolle. Das ist eine Spielerei in Anführungszeichen. 0,03 Prozent der Menschen haben 999, ist aber nicht wirklich relevant. Wir haben für die Banken sozusagen eine Orientierung gegeben den Menschen, im Grunde genommen, was ist eigentlich ein hervorragender, was ist ein guter Score. Der gute Score geht bis 709 Punkte, dann haben sie immer noch einen guten Score. Das heißt, es ist ein durchschnittliches Risiko und damit haben sie auch keine Probleme, einen Kredit zu bekommen. Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Danke Ihnen ganz herzlich, dass ich hier sein durfte.Was erwartet die Welt, was erwartet Donald Trump von einer Handvoll oder zwei Handvoll europäischen Fregatten dort in der Straße von Hormuz zu leisten, was die machtvolle amerikanische Navy dort alleine nicht hinbekommen kann. Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen, wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei. And I've always felt that was a weakness of NATO. We were going to protect them. But I always said, when in need, they won't protect us. Now, this is in need. We don't need anybody. We're the strongest nation in the world. It's interesting. I'm almost doing it in some cases, not because we need them, but because I want to find out how they react. Wird der Iran-Krieg doch noch zu unserem Krieg? Geht es nach dem US-Präsidenten dann eindeutig ja. Donald Trump droht schon wieder den NATO-Verbündeten mit einer schweren Zukunft, wenn sie nicht helfen, die Straße von Hormuz wieder freizumachen. Und in der Großen Koalition wird intern hart gerungen. Nach außen versichert man aber, nein, das ist nicht unser Krieg. Da ist auch die CDU-Seite hart. Und gleichzeitig macht sich die Wirtschaft natürlich Sorgen, dass aus dem Dauerkonflikt auch eine Dauerrezession wird. Und vor allem die Energiepreise, die bleiben hoch und machen es der Wirtschaft schwer. Was also tun? Das fragen wir das neue Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung und den Direktor des österreichischen Instituts für Wirtschaft.Wirtschaftsforschung, Sie wissen, wer es ist, nämlich der Ökonom Gabriel Felbermayr. Er macht gerade in der Frage der Energieversorgung einen unbequemen Vorschlag. Michael Bröker hat mit ihm gesprochen. Einen schönen guten Tag, Herr Felbermayr. Guten Tag. Wie ernst ist die Lage der Weltwirtschaft derzeit? Sehr ernst, muss man sagen. Wenn 20 Prozent von Erdgas und Erdöl fehlen auf dem Weltmarkt, das ist ungefähr die Menge, die durch die Straße von Hormuz geht, dann hat das heftige Konsequenzen und die Warnungen in den letzten Tagen waren ja auch deutlich. Zuletzt wieder die Chefvolkswirtin des Weltwährungsfonds, 0,4, 0,5 Prozent Wachstum weniger für die Weltwirtschaft, das ist schon eine Ansage. Was ist eigentlich Ihre Konsequenz daraus? Die einen sagen natürlich auch aus der grünen Ecke jetzt erst recht volle Kraft voraus für die Erneuerbaren. Die anderen sagen, ja, Erneuerbare, aber gepaart mit Kernenergie müsste die Antwort sein. Ich glaube, man wird alle Register ziehen müssen, um sich unabhängig zu machen von diesen sehr volatilen fossilen Energieformen. Da gehört die Kernenergie in Europa sicherlich dazu. Auch wenn Deutschland das vielleicht jetzt nicht wiederbelebt, anderswo in Europa setzt man auf die Kernkraft. Das hilft natürlich auch für die Stromversorgung und den Strompreis in Deutschland selber. Und man wird sich sehr genaue Gedanken machen müssen, wie man mit den Wintermonaten umgehen will. Dort brauchen wir dringend immer noch Fossile. Das wird die Herausforderung sein, da eine Antwort zu finden. Zum Beispiel, indem man grünes Gas...stärker ausbaut und dann in den Wintermonaten zum Einsatz bringt. Auch das wäre ein Weg, sich von den fossilen Gasmengen aus dem Mittleren Osten freizumachen. Würden Sie den Deutschland raten, zumindest die Option Kernenergie und die neuen Technologien, die Small Reactors, wie sie heißen, wieder zu aktivieren? Darüber sollte man jedenfalls nachdenken. Also ich glaube, jetzt ist es sehr deutlich, dass der Ausstieg aus der Kernenergie ein Fehler war. Da hat man funktionsfähige und auch relativ sichere Reaktoren abgeschaltet. Anderswo in Europa werden weniger gute Kernkraftwerke länger gefahren. Das hat auch Sicherheitsrisiken für Deutschland selber. Also das war ein Fehler, das einzugestehen, ist sozusagen der erste Akt. Der zweite Akt wäre dann, dass man die Expertise, die man in Deutschland hat im Bereich Kerntechnologie, dass man die wieder in den Dienst der Sache stellt. Und ob jetzt in Deutschland Kernkraftwerke gebaut werden oder anderswo in Europa, das ist gar nicht mal so zentral. Wichtig ist, dass man versucht, auch mit Kernkraft, mit moderner Kernkraft, die Energieknappheit, die wir in Europa strukturell einfach haben, dass man versucht, die zu bekämpfen. Die klassische Ökonomie lehrt ja bei exogenen Schocks, darf man durchaus auch staatlich agieren, weil eben es hier kein normales Spiel der Kräfte ist. Würden Sie der Politik raten, jetzt bei den Energiepreisen doch irgendwo auch in den Markt hinein mit Maßnahmen abzufedern? Es gibt sicherlich ein Preisniveau.ab dem man politisch nervös werden wird und auch durchaus werden darf. Ich glaube, das ist noch nicht erreicht, aber irgendwann, sagen wir mal, ab 2,50 für den Liter Diesel oder Benzin an der Zapfsäule wird es einfach politisch nicht mehr durchhaltbar zu sagen, man macht nichts. Und daher sollte man jetzt sich überlegen, welche Maßnahmen man ergreift. Übrigens hat die Staatengemeinschaft ja jetzt schon einen Markteingriff inszeniert oder ist im Gange, den durchzusetzen. Das ist die Freigabe von Ölreserven. Das ist ja schon eine Art Markteingriff. Und man muss sich wirklich fragen, wie man verhindern will, dass es zu spekulativen Übertreibungen kommt, wie das im Sommer 2022 der Fall war. Da hatten wir Gaspreise von 300 Euro pro Jägertstunde kurzfristig. Da sind wir noch sehr weit davon entfernt. Aber das darf einfach nicht wieder passieren. Märkte, die so explodieren, wo sich auch die Preise auf den Märkten so weit entfernen von den Fundamentaldaten, die funktionieren dann nicht mehr. Da bräuchte man vorbeugend Instrumente, um dem entgegentreten zu können. Auf einem Aktienmarkt würde man solche massiven Preisauslege, wie wir es im Sommer 2022 hatten, damit beantworten, indem man das Trading aussetzt. Also jedenfalls muss die Politik, glaube ich, klar das Signal senden, ein Replay von dem, was wir im Sommer 2022 hatten, wird es nicht mehr geben. In Österreich gibt es ja bereits die Maßnahme, die jetzt das deutsche Bundeskabinett beschlossen hat, nämlich dass Tankstellen nur noch einmal am Tag Preise überhaupt verändern dürfen. Hat das was gebracht bei Ihnen?Das ist umstritten. Was es sicherlich gebracht hat, ist ein Stück weit Transparenz. Was es auch gebracht hat, ist, dass die Autofahrer, wenn sie am Wochenende sehen, dass sich etwas zuspitzt auf den Ölmärkten, schnell noch Montagvormittag zur Tankstelle fahren. Also das hat das Verhalten sicherlich verändert, mit der Konsequenz, dass man am Montag dann eher Schlangen an den Zapfsäulen gesehen hat, weil ja ab Montagmittag dann ein höherer Preis abgerufen wurde. Ob aber diese Maßnahme den Durchschnittspreis über die Woche hinweg und über alle Tankstellen hinweg in Österreich gesenkt hat, das ist umstritten. Ich würde meinen, da gab es keine wirklich messbaren Effekte erster Ordnung. Gibt es Möglichkeiten, gerade in Deutschland die staatlichen Gebühren und Aufschläge herunterzufahren oder sorgt man am Ende dann nur dafür, dass die Mineralölkonzerne ihre Renditen nach oben treiben? Ich glaube schon, dass es ein Nachdenken darüber geben sollte, wie man es schafft, dass der Staat nicht zum Krisengewinner wird. Erst ist es ja so, dass wenn die Produktpreise steigen für Diesel und Benzin, ganz automatisch der Staat durch die Mehrwertsteuer mitverdient. Und das muss nicht sein. Man könnte versuchen, die Energiesteuer atmet zu machen, sodass die immer, wenn die Produktpreise sehr hoch sind und der Staat mehr Mehrwertsteuereinnahmen hat, dass dann in diesem Ausmaß die Energiesteuer abgesenkt wird. Sodass der Staat zwar kein Geld herschenkt, aber nicht zum Krisengewinner wird. Das ist etwas, das man verwaltungsarm umsetzen müsste. Das geht sicherlich von einem Tag zum anderen. Aber sich jetzt darauf vorzubereiten, so etwas zu tun,zu tun, falls die Preise noch deutlich weiter steigen. Das wäre schon gut. Eine andere Maßnahme, die wirklich auch wirkt am Ende, gibt es glaube ich nicht. Also das Regulieren von Markups, wie das Kroatien macht, also Preisabschläge, wie das Kroatien macht oder gar der Preistekel aller Ungarn. All das hat Nebenwirkungen. Deswegen würde ich mir diese Maßnahmen eher ablehnen. Am Ende ist es eine steuerliche Veränderung, die man machen könnte. Die sollte aber so sein, dass sie über den Preiszyklus hinweg den Staat kein Geld kostet, sondern nur die Preisspitzen herausnimmt. Dass immer dann, wenn die Produktepreise davonlaufen, nicht auch gleich der Staat durch höhere Mehrwertsteuer noch eine drauflegt. Herr Felbermayr, Sie sind ja auch deswegen in die Wirtschaftsweisen berufen worden von der Union, weil Sie ein Experte für internationale Handelsfragen sind und na klar ein Verfechter des Freihandels. Wir wissen seit spätestens Ricardo, dass sich das immer lohnt für Länder, selbst wenn sie nur komparative Kostenvorteile haben, Handel zu treiben. Jetzt hat man das Gefühl, Abschottung, Isolation, Zölle ist die neue Machtpolitik. Ist diese Freihandelstheorie jetzt vorbei oder müssen wir neue Bündnisse schließen? Nein, die Freihandelstheorie ist überhaupt nicht vorbei. Was Ricardo vor mehr als 200 Jahren aufgeschrieben hat, das sind sozusagen ewige Wahrheiten. Gleichzeitig ist es aber natürlich auch so, dass Abhängigkeiten politisch missbraucht werden können. Und das war in der Geschichte immer wieder so und jetzt haben wir diese Sorge eben wieder. Das heißt, es geht darum, dass wir dort Freihandel haben, wo wir können, in möglichst vielen Regionen mit möglichst vielen Handelspartnern.dass wir aber versuchen, aktiv unsere Handelsstrukturen zu diversifizieren. Das bedeutet eben nicht ein Abgesang auf den Freihandel, sondern eine Anpassung einer freihandelsorientierten Politik an die neuen Realitäten. Kurz gesagt, Freihandelsabkommen, Kooperationsabkommen mit möglichst vielen Ländern, einerseits, andererseits aber eine... Robuste Politik gegenüber den Ländern, von denen wir erwarten müssen, dass sie Abhängigkeiten ausnutzen. Da kann man die USA nennen, da kann man auch China nennen. Die beiden sind zwar groß, machen aber bei Weitem nicht den gesamten Welthandel aus. Deswegen so viel Freiheit auf dem Welthandel wie möglich weiterhin. Das sollte das Motto sein. Und gibt es eine smarte Reaktion auf Donald Trumps 15% auf alles Zolltheorie? Naja, das Problem ist, dass die Amerikaner sehr starkes Drohpotenzial haben. Das ist wohl auch im Juli letzten Jahres gezogen worden in dem Turnberry-Deal, als wir die 15 Prozent bekommen haben. Da ist das Druckpotenzial eben in der Sicherheitspolitik gewesen. Und solange man das hat, wird man sich mit den Amerikanern schwer tun und bleibt man erpressbar. Deswegen ist neben dem Ausbau der Erneuerbaren, was die Abhängigkeit von Fossilen angeht, die zweite ganz zentrale langfristige Aufgabe, sich sicherheitspolitisch autonomer zu machen. Dann ist man auch in Fragen des Außenhandels weniger erpressbar. Das wäre die smarte Antwort auf diese immer wiederkehrenden Drohungen aus den USA. Die teilweise Jahre dauern kann. Das ist eine langfristige Geschichte, absolut. Herr Philbert, meine letzte Frage. Ihre Rolle im Rat der Sachverständigen.Ist natürlich interessant. Sie sind von der Union nominiert. Wir haben selbstverständlich mitbekommen, dass es da durchaus Friktionen zwischen einzelnen Mitgliedern gibt. Man hat das Gefühl, dass die politischen Ideen zum Comeback der deutschen Wirtschaft immer wieder auch im Sachverständigenrat fundamental aufeinanderprallen, so wie in der schwarz-roten Regierung auch. Haben wir überhaupt Zeit für diese politischen Ränke spielen? Nein, ich glaube nicht, dass man Zeit hat dafür. Ich glaube auch nicht, dass der Sachverständigenrat so zerstritten ist, wie das immer dargestellt wird. Ich glaube, zu 80 Prozent der Themen gibt es da durchaus ein gemeinsames Verständnis. Das stärker vorzustellen, auch der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist sicherlich eine kommunikationspolitische Aufgabe. Da will ich mich gerne in den Dienst der Sache stellen. Es sind viel mehr Dinge außer Streit als Dinge, die im Streit stehen. Und wenn man nur diese 80 Prozent dann auch in die Umsetzung brächte, wäre Deutschland und Europa schon sehr geholfen. Ihre ökonomische Expertise ist allen bekannt. Jetzt sind wir gespannt, wie Ihre Politikberatung aussehen wird. Vielen Dank, lieber Herr Professor Völbermeier, für dieses Gespräch. Sehr gerne.Helene, war noch was? Michael, am Wochenende bin ich mal wieder Bahn gefahren und musste mich mal wieder über die Unkündlichkeit ärgern. Aber immerhin ist es ja leichter geworden, Entschädigung zu beantragen. Man muss nicht mehr ein Papierformular ausfüllen, mehrere Seiten und persönlich bei der Bahn abgeben oder per Briefmarke einsenden, sondern man kann das jetzt online erledigen. Und für die Bahn ist das ganz schön teuer. Auch diese Umstellung, diese Vereinfachung. 156 Millionen Euro an Entschädigungen hat sie im letzten Jahr bezahlt. Ja, man würde ja gerne gar kein Geld zurückbekommen, sondern einfach schlicht pünktlich ankommen. Im Februar lag die Pünktlichkeitsquote übrigens im Fernverkehr bei 59,4 Prozent. Das ist ein ganz, ganz bisschen mehr als Ende vergangenen Jahres, aber natürlich noch dramatisch unter den Zielen, die eigentlich mal die Bahn sich gesteckt hat, bei 80 Prozent plus. Also einfach mal ankommen und dann müssen wir auch keine Entschädigung ausgezahlt bekommen. Das wäre doch der einzige Wunsch, den wir haben. Wir jedenfalls sind morgen wieder pünktlich für Sie da. Das können wir versprechen und freuen uns schon drauf. Bis dahin. Tschüss. Ciao, ciao.That ain't working, that's the way you do it You play the guitar on the MTV That ain't working, that's the way you do it Money for nothing and your chicks for free Money for nothing