Was muss die Rentenkommission liefern? Mit Walter Riester
Dauer: 27:06

Was muss die Rentenkommission liefern? Mit Walter Riester

Im Bundestag diskutiert der Finanzausschuss über eine Reform der privaten Altersvorsorge, parallel tagt die Rentenkommission zur Kapitaldeckung. Ex-Arbeitsminister Riester verteidigt sein Modell und bedauert, dass Deutschland nie eine Pflicht-Zusatzrente einführte: Statt 15 Millionen hätte man heute „zwischen 50 und 60 Millionen" Sparverträge.

[15:54]


Seit zweieinhalb Wochen bombardieren Israel und die USA iranische Raketenstellungen – doch Teheran feuert weiterhin. Security-Table-Leiter Markus Bickel beschreibt die Lage: Irans Fähigkeiten seien „bei Weitem nicht so beschädigt worden, wie Trump das behauptet." 

[06:51]


In Los Angeles sind die Oscars verliehen worden. Es gab auch politische Äußerungen - unter anderem von Late-Night-Host Jimmy Kimmel.

[01:19]


Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table


Table Briefings - For better informed decisions.


Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen. 


Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen


Hier geht es zu unseren Werbepartnern


Impressum: https://table.media/impressum

Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung


Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es sieht alles danach aus, dass der Iran-Krieg weiter eskaliert. Aber Donald Trump bleibt dabei, er geht bald zu Ende. Was stimmt denn nun? Das wollen wir heute versuchen zu klären. Und über die Fähigkeiten der iranischen Armee und die Reaktion Israels sprechen wir heute mit Markus Bickel, dem Redaktionsleiter unserer Security Table.

Sprecher 3: An der Zukunft der Rente wird gebastelt. Heute im Finanzausschuss des Bundestags kommen wieder einmal die Experten zusammen, um über die private Altersvorsorge zu reden. Und die Rentenkommission tagt auch zum Thema Kapitaldeckung in der Altersvorsorge. Guter Zeitpunkt also, um mit dem Mann zu reden, der das alles mal irgendwie erfunden hat und seinen Namen dafür hergegeben hat, nämlich mit Walter Riester.

Sprecher 2: Ja, die Große Koalition, die muss jetzt liefern. Und dazu ist natürlich auch interessant, mal nach Hessen zu schauen, wo gestern Kommunalwahl war. Wir geben Ihnen ein Update über das Stimmungsbild und schauen außerdem am Schluss noch auf den Plastikmüll, der ja bekanntermaßen die Weltmeere verseucht. Dort könnte es nun eine Lösung geben. Eine gute Nachricht also an diesem Montag, den 16. März. Schön, dass Sie dabei sind.

Sprecher 4: Den Anfang aber machen wir mit Hollywood, wo bis vor wenigen Minuten die Oscars vergeben wurden. One Battle After Another hat den Preis für den besten Film bekommen. Aber das ist vielleicht gar nicht mehr das Entscheidendste der Oscar-Verleihung, also die Frage, wer welchen Preis bekommt, sondern es geht mindestens genauso um die Frage, wie viel Politik bei der live übertragenen Show im amerikanischen Fernsehen dabei ist. Moderiert wurde die Verleihung von Con O'Brien, einem Talkmaster und Comedian. Und am Ende seines Eröffnungsmonologs hat er eine Spitze gesetzt, ohne jemanden direkt zu nennen, aber es war doch ziemlich klar, was er meinte.

Sprecher 5: Everyone watching right now around the world is all too aware that these are very chaotic, frightening times. It's at moments like these that I believe that the Oscars are particularly resonant. We pay tribute tonight not just to film, but to the ideals of global artistry,

Sprecher 4: Das Schlüsselwort ist Resilienz, also Widerstandsfähigkeit. Nicht später war es dann Jimmy Kimmel, der auf der Bühne in früheren Jahren die Oscar-Verleihung moderiert hatte. Und Trump hat Kimmel persönlich als den schlechtesten Moderator aller Zeiten bezeichnet. Und im amerikanischen Showbusiness ist Kimmel damit längst zur Gallionsfigur des Widerstands geworden. Er war auf der Bühne, um den Preis für den besten Dokumentarfilm zu vergeben und nutzte diesen Moment für eine Anspielung auf die Einschränkung der freien Rede. Dafür macht sich Trump ja angeblich stark, genauso wie J.D. Vance, aber wie das dann im Konkreten bedeutet, das haben Leute wie Jimmy Kimmel, aber auch der Sender CBS erfahren, auf den die Trump-Administration nämlich ziemlichen Druck ausgeübt hat. CBS hat im Format 60 Minutes einen kritischen Bericht kurzzeitig abgesetzt, mutmaßlich, weil er der Trump-Administration nicht gefallen hat. CBS ist auch der Sender, der die Late-Night-Show mit Stephen Colbert gezwungen hat, ein Interview mit einem demokratischen Kandidaten aus Texas nicht auszustrahlen. Ganz offensichtlich, um diesen Demokraten keine Plattform zu geben. Und auch daraus hat Jimmy Kimmel angesprochen.

Sprecher 6: Wir hören viel über Mut und Mut bei Shows wie diesem, aber die Geschichte, die dich für Mut töten könnte, ist real Mut. Wie du weißt, gibt es einige Länder, die nicht frei sprechen. Ich bin nicht frei, zu sagen, welche.

Sprecher 4: Und dann gibt es noch einen Seitenhof auf der Doku über Melania Trump, die von Amazon produziert worden ist. Und eine anbiedernde Lobhudelei auf die First Lady geworden ist. Kimmel hat es so formuliert, wie man es heutzutage im freien Amerika wohl nur noch live sagen kann. Damit es eben nicht zensiert wird.

Sprecher 6: Fortunately for all of us, there is an international community of filmmakers dedicated to telling the truth, oftentimes at great risk to make films that teach us, that call out injustice, that inspire us to take action. And there are also documentaries where you walk around the White House trying on shoes. Oh man, is he going to be mad his wife wasn't nominated for this?

Sprecher 7: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.

Sprecher 8: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt.

Sprecher 4: So viel zum glamourösen Amerika, zu den goldenen Oscars. Auch in Deutschland war es eine politische Nacht, allerdings weniger glitzernd, sondern handfester. Die Kommunalwahl in Hessen. Die Auszählung hat ganz schön gedauert. Das hessische Wahlsystem ist kompliziert und es ist wie immer bei den Bürgermeistern gibt es dann noch eine Stichwahl in zwei Wochen, wenn es nicht ganz klare Ergebnisse gibt. Aber zumindest ein Trend, den kann man schon erkennen und der... Bedeutet jedenfalls in gewisser Hinsicht eine Stabilisierung von Schwarz-Rot. Die CDU liegt vorne. Die SPD hat ein bisschen verloren, aber ist auf Platz zwei und hat zum Beispiel in Hanau und Offenbach. Gute Chancen, den Oberbürgermeister zu stellen. Auch für die Grünen war es kein ganz schlechter Abend. In Darmstadt liegen sie vorne und auch in Kassel. Die AfD, die hat auch in Hessen dazugewonnen, insbesondere in Nordhessen, wo einst die SPD auch so stark war. Also strukturell etwa wie im Norden von Nordrhein-Westfalen. Und für die FDP gibt es auch nicht viel gute Nachrichten. Die Comeback-Story der Partei startet jedenfalls auch nicht über die K.

Sprecher 2: Kommunen in Hessen.

Sprecher 9: We've already won in many ways, but we haven't won enough. Our military is unbelievable, the job they're doing. I would say, to put it mildly, way ahead of schedule. Operation Epic Fury! Is that a great name? Well, it's only good if you win, you know. You can only do... And we've won. Let me tell you, we've won. You know, you never like to say too early you won. We won. We won the bet. In the first hour, it was over.

Sprecher 10: Werden wir bald aktiver Teil dieser Auseinandersetzung? Nein. Hierzu hat die Bundesregierung eine ganz klare Auffassung. Die hat der Bundesverteidigungsminister deutlich gemacht. Die hat der Bundeskanzler deutlich gemacht. Sicherheit. Für die Straße von Hormuz, genauso wie für das Rote Meer, werden wir nur bekommen, wenn es eine Verhandlungslösung gibt und wenn man dann auch mit den Iranern darüber spricht.

Sprecher 2: Seit zweieinhalb Wochen tobt der Krieg. Iran und Israel beschießen sich gegenseitig und das gesamte Umfeld. Die Golfstaaten Irak, Libanon, alle sind involviert. Die Sorge geht um, dass es einen Flächenbrand gibt.

Sprecher 3: Jetzt liegen auch die ersten Zahlen vor, wie viele eigentlich bisher in diesem zweiwöchigen Krieg schon gestorben sind. 850 sollen es im Libanon gewesen sein und mehr als 1300 im Iran durch die verschiedenen Militäranschläge und die Antworten darauf aus dem Iran. Wie gesagt, Donald Trump glaubt, nur noch ein paar Wochen werde es dauern und dann werde man auch die Straße von Hormuz wieder geöffnet. Das ist sein Versprechen. Andere sind da skeptischer.

Sprecher 2: Chaos, wir haben den Durchblick nicht und holen uns deswegen Hilfe von Markus Bickel. Er ist der Redaktionsleiter unseres Security Table und ein Kenner der ganzen Region. Schön, Markus, dass du da bist. Hallo.

Sprecher 11: Hallo Helena.

Sprecher 2: Markus, wir müssen uns über die Fähigkeiten des Iran unterhalten. Donald Trump hat ja suggeriert, dass da nicht mehr viel Waffen vorhanden wären, dass also der Krieg schon deshalb ein Ende findet. Wie ist deine Einschätzung?

Sprecher 11: Nach 14 Tagen massiver israelischer und US-amerikanischer Luftschläge gegen das iranische Raketenprogramm ist Iran weiterhin in der Lage, täglich Drohnen und Raketen in seine Nachbarstaaten zu schießen, am Persischen Golf, im Oman im Süden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und das zeigt, dass die Fähigkeiten bei weitem nicht so beschädigt worden sind, wie Trump das behauptet. Das sieht man ja auch gerade in der Straße von Hormuz, wo die Weltwirtschaft abgewürgt wird.

Sprecher 2: Welche Rolle spielen denn die Unterstützer und Verbündeten eigentlich noch? Also einerseits die Hisbollah im Libanon, aber dann auch die Houthis. Im Jemen, über die man ja wenig hört dieser Tage, obwohl sie doch damals nach dem 7. Oktober diejenigen waren, die die Handelsschifffahrt am Roten Meer so gefährdet haben. Wie ist es heute?

Sprecher 11: Vielleicht angefangen im Libanon. Dort hat die Hisbollah... vor einer Woche begonnen, auch sich an diesem Krieg zu beteiligen, mit Angriffen vor allem auf den Norden Israels. Da gab es auch schon gemeinsamen Beschuss von Iran und Hezbollah, was auf eine weiterhin bestehende Koordinierung zwischen Teheran und der Hezbollah hinweist. Das heißt, da ist einer der großen Akteure aus der zwar sehr geschwächten Achse des Widerstands, also diesem Milizenbündnis in Nahost von Teheran unterstützt, zu sehen. Was die Houthis anbelangt, ist interessant zu sehen, dass sie tatsächlich bislang nicht eingegriffen haben, obwohl sie genau diejenigen waren, die ja schon 2023 und 2024 die Schifffahrt im Roten Meer in der Straße von Hormuz sehr eingeschränkt haben. Also da hat wiederum Teheran eine Karte in der Hand, die sie noch ausspielen kann, um den Westen weiter zu schaden. Und was wir jetzt in den vergangenen Tagen, gerade am Wochenende verstärkt sehen, sind die schiitischen Milizen im Irak, die auch zu der Achse des Widerstands gehören. Die 100 Drohnenangriffe schon auf US-Ziele ausgeführt haben, die aber auch französische und italienische Kontingente des Anti-IS-Bündnisses angegriffen haben. Italien hat jetzt schon angekündigt, sich zurückzuziehen. Auch da sieht man, Teheran hat im Irak Möglichkeiten, auch den Irak in diesen Krieg hineinzuziehen, die die USA offenbar so nicht beachten. Und jetzt hat die US-Regierung Amerikaner im Irak, aber auch im Oman aufgefordert, das Land zu verlassen. Und das halt 14 Tage nach Kriegsbeginn und nicht zu Kriegsbeginn, was wiederum zeigt, dass nicht alles so nach Plan läuft, wie Trump es behauptet.

Sprecher 2: Ja, die Ausweitung der Kampfzone, zumal es ja im Irak dann wiederum auch die kurdischen Milizen gibt, von denen man ja meinte, sie könnten möglicherweise im direkten oder indirekten Auftrag der Amerikaner dann eine Bodentruppe sein. Wird das noch passieren?

Sprecher 11: Die kurdischen Milizen aus dem Irak und auch aus Syrien haben darauf sehr zurückhaltend reagiert, aus historischer Erfahrung. 1991, als George Bush, der Ältere, den Irakkrieg begann, war ja auch das Versprechen an die Kurden, wenn ihr als Bodentruppen euch beteiligt, dann werdet ihr mit Autonomie belohnt. Soweit ist es nie gekommen und dieser Versuch da irakische... Syrische Kurdenmilizen in den Iran zu schicken, ist, glaube ich, gescheitert. Und das war auch eine frühe Auffallung von Trump, zu glauben, die Drecksarbeit am Boden könnten andere für ihn übernehmen. Da sind die Kurden sehr viel reservierter und bislang sieht man ja auch keine Hinweise darauf, dass es passiert ist.

Sprecher 2: Ja, apropos Trump, der hat jetzt ja auf Truth Social eine Aufforderung an viele Staaten dieser Welt geschickt, nicht Deutschland, ist jedenfalls sich namentlich genannt. sondern China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien. Die sollen Schiffe schicken, um die Straße von Hormuz frei zu bekommen, frei, offen und sicher zu halten, so hat Trump es formuliert. Gibt es einen gewissen Willen, da mitzumachen oder doch mit großer Zurückhaltung?

Sprecher 11: Südkorea hat da Bereitschaft signalisiert, sich daran zu beteiligen. Das große Hindernis an einer solchen Mission ist, dass sie extrem gefährlich, wenn nicht fast undurchführbar ist, weil die Revolutionsgarden im Iran mittlerweile über hunderte kleine Boote verfügen, die nicht alle attackiert werden können, die aber weiterhin auch solche Schiffe angreifen können. Die Straße ist mittlerweile vermint. Die USA haben wiederum... Manche dieser Minenverlegungsboote ausgeschaltet, aber das wird nicht zu bewerkstelligen sein, die Straße von Hormuz nur durch Begleitschiffe zu sichern. Im Grunde braucht es Bodentruppen im Iran und auf der anderen Seite im Oman, die von Land her diese Straße sichern. Aber das sind... Ausmaße einer Invasion, die Trump gar nicht durchkalkuliert hat. Die US-Militärs haben da schon vor Jahren Szenarien durchgespielt, die das sehr, sehr unwahrscheinlich machen, dass es jemals dazu kommt.

Sprecher 2: In der Tat viele Fragen, was die Planung im Weißen Haus angeht. Fakten hat Donald Trump jetzt aber geschaffen, indem er die Sanktionen auf russisches Öl gelockert hat. Bis Mitte April können jetzt die mit russischem Öl beladenen Schiffe ausliefern. Also es gibt keine Secondary Sanctions mehr von Seiten der Amerikaner. Deine Einschätzung, was das bedeutet für die Ukraine?

Sprecher 11: Das bedeutet auf jeden Fall, dass Russland ein Profiteur dieses Iran-Krieges ist. Es bedeutet, dass der Schulterschluss zwischen Trump und Putin im Hinblick auf die Ukraine weiter wächst und dass die Kriegskasse Putins gefüllt wird. Und Merz hat das kritisiert, andere europäische Staats- und Regierungschefs haben das auch kritisiert. Aber es zeigt, dass Trump... Nicht die Ukraine verteidigen will, sondern dass er mit anderen Autokraten zusammen Bündnisse eingeht und in diesem Fall auf wirtschaftlichem Gebiet, die ihm nutzen, die in dem Fall aber auch Putin nutzen, die aber sicherlich nicht der Ukraine nutzen. Und wie lange dieses Spiel aufgeht, das sei dahingestellt. Es ist auf jeden Fall kein Anzeichen dafür, dass diese... Iran-Militär-Operation von langer Hand geplant war, wenn nach 14 Tagen schon so viele Probleme auftreten.

Sprecher 2: Ja und vom Bundeskanzler, der sich ja sonst mit Kritik an den USA zurückgehalten hat, in diesem Punkt also die US-Sanktion auf russisches Öl in der Tat sehr klare Worte. Markus, vielen Dank. Deine Einschätzung, auch wenn sie uns mit keinem guten Gefühl in diese neue Woche bringt. Danke dir. Danke dir, Helena.

Sprecher 3: Heute tagt sie wieder einmal die Rentenkommission der Schwarz-Roten Koalition, eines der Gremien, auf das ziemlich viele in diesem Land warten, unter dem Vorsitz von Frank-Jürgen Weise. Auf der Tagesordnung steht offiziell die Finanzierbarkeit der Alterssicherung, aber es geht gerade heute und auch schon vergangene Woche um die kapitalmarktgedeckten Elemente. Also, wie viel sollen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über die Finanzmärkte, über die Kapitalmärkte eigentlich noch dazu holen zur Rente? Denn, wie wir alle wissen, die erste Säule, die gesetzliche Rentenversicherung, sie wird nicht mehr reichen. Also, was geht am besten über die Kapitalmärkte? Wie lässt es sich organisieren? Und da gab es ja schon mal einen, der das versucht hat, nämlich Gerhard Schröders, Rentenminister Walter Riester. Er wollte die private Altersvorsorge stärken und hat eine staatliche Unterstützung ausgelobt. Doch das Versprechen, mehr oder weniger das eingezahlte Geld auch irgendwann wiederzubekommen, aber dazwischen sehr viel Bürokratie und hohe Kosten zu haben, irgendwie war es nicht so attraktiv. Zumindest ist die Kritik bis heute groß an den Riester-Verträgen und an der Riester-Rente. Die Verwaltungsgebühren für die Fonds sind zu hoch. Sie fressen einen Teil der Rendite eben wieder auf. Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD möchte den alten SPD-Rentenminister neu auflegen und hat eine Reform vorgeschlagen, bei der... die Kosten auf 1,5 Prozent gedeckelt werden soll. Über diesen Vorschlag wird heute Nachmittag auch im Bundestag, im Finanzausschuss diskutiert. Es ist also viel Bewegung drin beim Thema Rentenreform. Und wir haben gedacht, dann fragen wir auch am besten mal den Mann, der das Ganze erfunden hat damals, nämlich Walter Riester. Okan Billigli von unserem Berlin Table hat mit ihm gesprochen.

Sprecher 12: Hallo Herr Riester.

Sprecher 13: Ja, Herr Benigni, wie geht es Ihnen?

Sprecher 12: Die Rentenkommission soll bis Ende Juni ein Gesamtversorgungsniveau sich ausdenken. Was sollte da aus Ihrer Sicht idealerweise rauskommen?

Sprecher 13: Na, idealerweise wäre es natürlich, wenn es eine lebensstandardsichernde Funktion hätte, Mit dem ist die Rentenversicherung ja mal angetreten, hat es aber nie einlösen können. Das liegt aber nicht an der Rentenversicherung, sondern liegt daran, dass viel zu wenig an Rücklagen von den Menschen gebildet worden ist. Wenn wir uns mal überlegen, was ist denn der Lebensstandard, dann verändert sich der auch ständig. Wir haben heute eine Verdoppelung der Zeitdauer der Rente und wir haben eine deutliche Erhöhung des Bedarfs. Schon allein deswegen, weil durch die längere Lebensarbeitszeit die Gesundheit auch belastet wird. Pflege kommt, also all das kommt hinzu. Insofern ist das ein wichtiger Punkt, den Sie angesprochen haben, über den man nachdenken muss.

Sprecher 12: Wie würde es aus Ihrer Sicht idealerweise aussehen? Also Gesamtversorgungsniveau heißt ja gesetzliche Rente plus betriebliche Vorsorge plus private Vorsorge. Was sollte da idealerweise die Aufteilung sein?

Sprecher 13: Also ich sage eigentlich immer, dass der Ursprung, den man gewählt hat, bei den Ruhegehältern der Beamten. Von der Versorgung her nicht schlecht ist. Der liegt etwa bei 72 Prozent, früher war er bei 75 Prozent. Das ist aber ganz entscheidend. Vom letzten Einkommen. Also so wie er auch das Ausgleiten aus der Erwerbsarbeit erlebt hat. Das ist ja in der Rentenversicherung nicht der Fall, sondern da gibt es ein ziemlich kompliziertes, kaum nachzuvollziehendes Durchschnittsberechnungen über den ganzen Lebensverlauf. Und im Ergebnis liegt es deutlich darunter.

Sprecher 12: Aber das Ruhegehalt für Beamte, für alle, das wäre doch unbezahlbar, oder?

Sprecher 13: Das kann ich damit nicht sagen. Das ist enorm hoch. Aber ich sage nur, wenn der Anspruch wäre, tatsächlich den Lebensstandard abzusichern, und zwar aus Ruhegehältern, dann müsste er auf dieser Ebene etwa liegen. Aber da sind wir weit davon entfernt. Und ich mache dafür nicht die Rentenversicherung schuldig, sondern die Rentenversicherung kann natürlich auch nicht mehr an Leistung ausweisen, wie tatsächlich auch eingezahlt worden ist.

Sprecher 12: Sie wollten damals als Minister ja auch eine verpflichtende Zusatzrente, gab da ein Schlagzeilen-Riester-Plan-Zwangsrente. Jetzt haben ja diverse andere Länder sowas ähnliches in der Richtung. Es sagen ja auch diverse Fachleute, dass das sinnvoll wäre. Gibt es da Chancen, dass in Deutschland man sowas noch einführt irgendwann?

Sprecher 13: Leider sehe ich keine Chancen in Deutschland, was ich sehr bedauere. Ich will Ihnen mal sagen, als ich damals mit der Sache angetreten bin und es war für mich... Die wichtigste Sache. Ich habe damals im Kabinett gesagt, Leute, versetzt euch mal in die Menschen rein. Wenn sie rückladend bilden, konkurriert es immer mit Ausgabenwünschen oder Ausgabeverpflichtungen. Und deswegen ist die Freiwilligkeit in der Frage der völlig falsche Weg. Deswegen haben wir auch bei der Rentenversicherungspflicht, ich betone Pflicht, der Sozialversicherungspflichtigen, den anderen Weg gewählt. Aber die Kampagne, die in Deutschland gelaufen ist und immer noch läuft, man könne das nicht durchsetzen, die wird wahrscheinlich auch dazu führen, dass die Empfehlungen auch von der Kommission nicht kommen. Hätten wir sie, dann hätten wir jetzt nicht 15 Millionen Sparverträge, sondern zwischen 50 bis 60 Millionen. Und es wäre auch schon weiterentwickelt von der EU.

Sprecher 12: Jetzt gibt es ja auch die Überlegung, dass man einen Staatsfonds machen könnte, staatlich organisiert, aber privatwirtschaftlich geführt, also als Standardprodukt sozusagen, wo man auch Geringverdienende gezielt unterstützen könnte. Was halten Sie von so einer Idee?

Sprecher 13: Da konkurrieren unterschiedliche Finanzgruppen gegeneinander. Einerseits die Versicherungswirtschaft, andererseits die Banken und zum dritten die Voranbieter. Die Voranbieter und die Banken gehen zuerst einmal nicht davon aus, dass sie eine lebenslange... Dauerhafte Zahlung machen müssen. Die müssen am Schluss dann mit Versicherungen den Restlebensbereich von 85 bis zum Tod als Versicherungslösung machen. Das nimmt viel aus dem Sparen raus. Also da gibt es unterschiedliche Auffassungen dazu. Die neuen Überlegungen sind so angelegt, dass es ein Wahlrecht des Sparers gibt, das zu machen. Wir werden sehen, was sich dort durchsetzt.

Sprecher 12: Bei den Pensionen, sollte man da was kürzen aus Ihrer Sicht? Und was kann man da vielleicht kürzen?

Sprecher 13: Sprechen Sie jetzt wieder mit dem, der das das erste Mal gemacht hat. Bis ich in die Rentenreform reingegangen bin, war das Versorgungsniveau bei 75 Prozent. Und wir haben dann die Riester-Rente auch für die Beamten eingeführt. Und haben dann das Versorgungsniveau auf 71,75 abgesenkt. Gleich ist nicht schwer, aber wir haben diesen Schritt damals gemacht. Man könnte weitere Schritte machen, aber das hätte man alles machen können, machen müssen. Man hat dumm geredet die ganze Zeit und hat sich aneinander hochgearbeitet. Sie merken, bei mir liegt da auch viel Emotion drin. Und man hat es nicht gemacht. Jetzt warten wir mal, was die Rentenkommission vorschlägt.

Sprecher 12: Vielen Dank, Herr Riester, für den Moment, weil die Themen gehen nicht weg. Und die sind wirklich sehr relevant für sehr viele Menschen. Danke Ihnen.

Sprecher 13: Bitte. Tschüss.

Sprecher 2: Mein lieber Mick war noch was.

Sprecher 3: Es gibt Schätzungen, Helene, dass 2050, also quasi übermorgen, mehr Plastikmüll in den Meeren schwimmt als Fische. Und bis sich dieser Müll im Wasser zersetzt, dauert es noch mehrere hundert Jahre. Also wir werden reine Ozeane gar nicht mehr erleben. Wie traurig ist das denn?

Sprecher 2: Ja, es ist traurig und es ist auch wirklich gefährlich, nicht nur für die Fische, die sich verfangen in diesen Plastikwüsten, die sich bilden, sondern auch das Mikroplastik, das nun überall schwimmt, das die Fische in sich aufnehmen und das so auch zu uns gelangt und wirklich alles andere als gesund ist für unsere Körper.

Sprecher 3: Man muss ja sagen, die EU wird ja viel beschimpft für ihre Idee, den Getränkehalter nicht mehr abnehmbar zu machen bei den PET-Flaschen. Aber selbst solche kleinen Innovationen sind wahrscheinlich durchaus gut geeignet. Denn es ist ja eigentlich verrückt, dass wir ständig irgendwelche Kunststoffflaschen irgendwo hinschmeißen und so viel Plastik am Ende dort landet, wo es nicht sein soll. Jetzt allerdings gibt es kleine Hoffnungsschimmer, Helena. Nämlich Forscher aus Japan haben einen neuen Kunststoff entwickelt, der genauso stabil sein soll wie der berühmte Plastik. Aber nur solange er nicht mit Salz in Berührung kommt. Und das wäre natürlich herrlich, denn ich habe ja gerade eben noch mit meiner Tochter gelernt, dass 71 Prozent der Erdoberfläche ja Wasser ist und davon wiederum nur wenige Prozentpunkte Süßwasser. Das heißt, das Salzwasser dominiert diesen Planeten. Wie gut, dass wir jetzt... einen Plastikentwickler haben, wenn der nämlich im Meer landet, dann soll er sich innerhalb weniger Stunden sogar komplett zersetzen und keinerlei Rückstände hinterlassen. Das wäre doch eine tolle Innovation.

Sprecher 2: Alternative Idee, ein Pfandsystem einzuführen, das sich wirklich richtig lohnt. Denn wir sehen ja schon und hören das von den Getränkehändlern, dass die Plastikflaschen in Deutschland zurückgebracht werden. Da ist die Disziplin ziemlich hoch für 25 Cent. Lohnt sich das, während Bierflaschen 8 Cent oft irgendwo landen, abgestellt werden oder einfach im Flaschenmüll landen, weil sich das anscheinend dann nicht lohnt. Also diese 18 Cent Unterschied haben einen Einfluss auf das Verhalten der Leute. Auch ganz interessant, wenn man jetzt sagen würde, ein Euro. Pro Plastikflasche hätten wir vielleicht auch ein anderes Spiel. Allerdings natürlich auch eine ganze Menge Bürokratie.

Sprecher 3: Jedenfalls lohnt dann erst recht wieder der Blick auf diesen wunderbaren Ozean. Und wie du weißt, bin ich ja ein Mann, nicht nur nah am Wasser gebaut, sondern vor allem immer gerne nah am Wasser. Und deswegen freuen wir uns, wenn diese Innovation den gesamten Planeten erobert und schauen dann erst recht wieder gerne aufs Meer. Bis dahin, morgen wieder Table Today am Dienstag mit spannenden Interviews. Bis dahin, ciao, ciao.

Sprecher 2: Tschüss.

Sprecher 14: They are the sea somewhere waiting for me.

Sprecher 15: My lover stands on golden sand and watches the ships that go sailing. Somewhere on the sea, she's there watching for me. If I could fly like birds on high, then straight to her arms. On the star it's near. We'll kiss you just as before. Beyond the sea. And never again I'll go sailing. Solo en silencio.