Chinas neuer Masterplan
Dauer: 28:45

Chinas neuer Masterplan

Angela Köckritz und Marcel Grzanna vom China.Table diskutieren Chinas 15. Fünfjahresplan.


Der Nationale Volkskongress hat den Plan mit breiter Mehrheit verabschiedet. Leitgedanke: Technologische Innovation soll gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Probleme lösen. KI erscheint mehr als 50 Mal im Dokument.


Robotik ist eine wesentliche Technik für die chinesische Führung — auch um dem Demografie-Kollaps entgegenzuwirken. Bis 2050 kommen auf jeden Pensionär nur noch 1,6 Erwerbstätige. Chinas Antwort: Roboter in Fabriken und Haushalten — mit dem bekannten Pragmatismus: scheitern, lernen, weitermachen.


Ein weiteres Feld mit globalem Wettbewerb: Bio-Manufacturing — ein Bereich, in dem Europa noch führt, aber sich gegen China behaupten muss.


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Transkript

Sprecher 1: Hallo, herzlich willkommen zu unserem Podcast, der heute von China Table bespielt wird. Mein Name ist Angela Köckritz.

Sprecher 2: Mein Name ist Masek Shana. Hallo.

Sprecher 1: Am Donnerstag hat der Nationale Volkskongress in Peking geendet. Das ist das große jährliche Politik-Spektakel. 3000 Delegierte aus allen Landesteilen sind angereist. Und hier hört man, wie Xi Jinping bei der Öffnung einmarschiert und die Delegierten dazu klatschen. Der Volkskongress ist jetzt nicht der Ort für große kontroverse Diskussionen. Es geht eher darum, Eliten einzubinden. Und zum Fünf-Jahres-Plan, dem wichtigsten Dokument, da gab es nur eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen.

Sprecher 2: Ja, ist interessant. Ich frage mich auch immer, wer sich dann da traut, eine Gegenstimme abzugeben bzw. Sich zu enthalten. Da frage ich mich, ob das orchestriert ist oder ob es tatsächlich jemanden gibt, der sagt, nö, ich mache da nicht mit, weil der dann sicherlich das letzte Mal bei diesem Volkskongress als Delegierter anwesend war.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Um das mal kurz einzuordnen, Fünf-Jahres-Plan, die Leute früh abholen. Das ist ja ein Instrument, das einen politischen Rahmen setzt, in dem Ziele formuliert werden und die Regierung sozusagen die Wegbeschreibung auch vorgibt, wie man diese Ziele erreicht. Das hat eine Tradition in China. Das ist jetzt der 15. Fünf-Jahres-Plan seit 1953. Gibt es die, sie ist abgekupfert von den Sowjets aus den 20er Jahren. Bis heute werden diese Fünf-Jahres-Pläne also formuliert und umgesetzt. Früher war es ein bisschen mehr Produktionsvorgaben oder klassische Produktionsvorgaben für Industrien, für Landwirtschaft. Heute... Keine Produktionsvorgaben mehr in dem Sinne, sondern das ist heute einfach eine strategische Leitlinie, die der Industrie und der Gesellschaft vorgegeben wird.

Sprecher 1: Und in diesem Fünf-Jahres-Plan, der dreht sich ganz um Tech. Und dahinter steckt eben ein sehr techno-solutionistischer Mindset, das ist ein bisschen kompliziertes Wort. Das bedeutet den Glauben daran, dass man komplexe gesellschaftliche, wirtschaftliche, ökologische Probleme primär oder ausschließlich durch technologische Innovationen lösen kann. Also ganz egal, ob es sich jetzt um Altenpflege handelt, um medizinische Versorgung, um Verteidigung oder eben zu gewährleisten, dass die Herrschaft auch in der Hand der Partei bleibt. Vor allem aber soll Technologie auch das Großmachtrennen entscheiden. Und da ist Xi Jinping sehr klar. Er sagte nämlich, die wissenschaftlich... Technische Revolution ist eng mit dem Großmächtewettbewerb verknüpft. Der Hightech-Sektor hat sich zum zentralen Schlachtfeld des internationalen Wettbewerbs entwickelt. Und dazu passt ein Song, den erst kürzlich die chinesische Botschaft in den USA auf ihrem X-Account gepostet hat.

Sprecher 4: Oh no, it's happening again. China builds something great, my friend. Grab your news, Mike, you the drama talk. Breaking news, another China shock. EV, solar, future tech. Greater ideas until China jacks. When we lead, it's progress. Wow, when China leads, it's overcapacity now. Built it better, built it cheaper, built it fast. That's the part we can't get past. We preach fair play, open the gate. Feels fair till China's moving too great.

Sprecher 1: Er feiert eben die chinesischen Erfolge bei EV, Solar, Technologie. Und der amerikanische Adler singt China Shock. We panic every time they reach the top. The real China Shock can't stand them rise.

Sprecher 2: Das ist fast schon ein bisschen, also einmal die Wortwahl von Xi, wenn er sagt Schlachtfeld und dann auch The Rise of China und all diese, es klingt alles ein bisschen martialisch. Was ist so deiner Ansicht nach dieses Mindset, was dahinter steckt?

Sprecher 1: Naja, also das eine ist natürlich das Großmächterin, die Frage, die nationale Verjüngung Chinas, wie es ja ausgedrückt wird offiziell, das ist das eine. Und das andere, das ist eben dieser technologische Mindset und dazu hat der kanadisch-chinesische Autor Dan Wang im vergangenen Jahr ein sehr aufsehenerregendes Buch geschrieben, das heißt Breakneck. Und dieses Buch stellt dem Ingenieurstaat chinesischer Prägung so die Anwaltsgesellschaft im Westen entgegen, wo eben die meisten politischen Entscheidungsträger Jura studiert haben. Und nach der Kulturrevolution, als Deng Xiaoping und Mao tot war und Deng Xiaoping an die Macht kam, hat er ganz viele Ingenieure an die Schaltstellen der Macht gehoben. Auch Xi Jinping selber hat chemische Ingenieurswissenschaft studiert. Und Ingenieure sind ja für vieles sehr gut und das sieht man ja auch zum Beispiel bei den Erfolgen. Chinas Infrastruktur, Produktion, Industrieproduktion. Das Problem ist, dass sie das eben auch auf gesellschaftliche Bereiche ausgeweitet haben. Also zum Beispiel der Architekt der Ein-Kind-Politik, der war eigentlich ein Raketenexperte. Also es geht um Social Engineering. Und das hat natürlich auch sehr viele negative Konsequenzen. Was sich daran aber widerspiegelt, ist so eine ganz große Zukunftsvision, der unbedingte Glaube an die Technologie und immer der große Wille und die Mittel, um eine sehr entschiedene Industrie- und Technologiepolitik zu betreiben.

Sprecher 2: Ja, absolut. Da ist China sicherlich... sehr, sehr konsequent. Also Technologie und Fortschritt sind elementare Bestandteile chinesischer Industriepolitik. Ich glaube, auch da sollten wir mal versuchen, nochmal den Kontext herzustellen. Man muss sich vorstellen, dass die chinesische Wirtschaft ein ganz, ganz großes Problem hat und das ist der schwache Binnenkonsum. Das heißt, die Leute müssen eigentlich mehr Geld ausgeben, damit diese... Konjunktur langfristig in der Lage ist, Wohlstand zu generieren. Und das ist die große Aufgabe eben dieser Regierung. Und das soll unter anderem dadurch geschehen, dass man besser bezahlte Berufe kreiert. Also, dass die Leute mehr Geld verdienen. Wer mehr Geld verdient und dann mehr Anteil konsumieren kann, der wird das dann auch tun. Also brauchen wir qualitativ höhere Industrien, sagt die chinesische Regierung. Um eben halt dieses Wachstum zu generieren und Binnenkonsum zu fördern. Es gibt aber zwei andere Punkte auch, die ganz wichtig sind. Also das ist der innenpolitische Bereich, dass man einfach sagt, wir müssen wachsen, um einfach Wohlstand zu generieren und letzten Endes damit auch dann die Machtbasis der Kommunistischen Partei zu wahren. Es geht aber auch um Geopolitik dabei, technologische Souveränität, aber auch Standards und Normen. Technologie im Ausland als Exporte, die schaffen natürlich auch Einfluss im Ausland. Damit kann China schon auch eine Karte ausspielen, um dann in eigenen Interessen im Ausland eben halt auch Fuß zu fassen. Ein weiterer Punkt, ganz wichtig auch, strategische Resilienz. Das bedeutet im Grunde, im Krisenfall in der Lage zu sein, sich selber zu versorgen. Also gerade bei Lieferketten, dass man eben halt nicht darauf angewiesen ist, wie wir jetzt gerade in Europa auf seltene Erden, die beispielsweise in China, zurückgehalten werden, sondern dass die Chinesen in der Lage sind, ihre Lieferketten selber resilient zu gestalten und eben sich darauf verlassen zu können, dass sie im Krisenfall aktiv bleiben, dass sie fähig bleiben zu handeln. Deswegen liegt diese Planung so sehr auf diese Schlüsseltechnologien, also Halbleiter, Robotik, Biomanufacturing. Chips, die ins Hirn gepflanzt werden, das sind alles so Begriffe, die man schon mal gehört hat. Die werden jetzt mit diesem 15. Fünfjahresplan eben richtig mit Substanz gefüllt und die beginnen halt auch zunehmend, auch unseren Alltag hier in Europa zunehmend zu beeinflussen.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 1: Am prominentesten aber fällt ja im Fünfjahresplan der Begriff künstliche Intelligenz, nämlich mehr als 50 Mal.

Sprecher 2: Ja, genau. Schön mitgezählt. Das hat ja so ein bisschen Tradition in der Berichterstattung über China, weil das Problem ist ja, dass wir immer so ein bisschen die chinesische Innenpolitik oder auch im Grunde genommen alles, was... Generiert wird aus der chinesischen Politik, so eine schwarze Box ist. Das gilt für internationale Medien genauso für die chinesischen Medien. Und deswegen zählt man eben halt dann die Begrifflichkeiten, um zu sehen, welche Bedeutung haben die denn. Und da steht tatsächlich dann ganz vorne mit dabei jetzt die KI. Das ist eben halt dann ein gutes Signal dafür, dass für die KP die KI eben halt elementar wichtig ist und auch mit keinem anderen Sektor zu vergleichen ist. Sie ist also ein Leitmotiv im 15. Fünfjahresplan. Man muss sich das so vorstellen, dass die KI so ein Bindemittel ist. Also unter KI, das haben wir jetzt alles schon mal gehört, Stellen wir uns vor, Computer, die in der Lage sind, Dinge auszuspucken, die wir uns in der Kürze der Zeit gar nicht ausdenken können. Und die KI ist in China dafür da, ganz viele Bereiche miteinander zu verbinden. Industrie, Wissenschaft, Technologie, Verteidigung natürlich ganz wichtig, Innovation. Das geht aber auch dann bis hin in den Bereich von Bildungspolitik und auch Datengenerierung im Allgemeinen in anderen Bereichen. Damit soll es gelingen, die Industrieproduktion in China zu revolutionieren. Es soll aber auch dafür sorgen, Sorgen, die Kriegsführung möglicherweise neu zu definieren, indem man im KI einsetzt bei der Kriegsführung. Und ein ganz wichtiger Teil ist eben halt auch wieder der Binnenkonsum. Der muss eben halt auch durchdrungen werden, beziehungsweise der muss angekurbelt werden. Und das soll gelingen, indem man den Dienstleistungssektor mit KI durchdringt. Also beispielsweise, was kann man machen, um den Dienstleistungssektor mit KI aufzufüllen? Man kann den Konsum personalisieren, also Werbung, Preise, Produktempfehlungen. Das wird also alles noch viel schärfer auf den einzelnen Konsumenten ausgerichtet. Dienstleistungen werden automatisiert, also die KI ersetzt. Oder ergänzt Personal bei Kundenservice, in der Finanzberatung. Telemedizin ist so ein Thema, also quasi Diagnosen über den Computer, Beratung über den Computer. Dienstleistungen sollen dann auch günstiger werden und in der Breite dann eben halt noch weiter angenommen werden und die Konsumlaune dadurch eben befeuert werden. Es gibt eine effizientere Logistik und Gastronomie, sodass die Anbieter auch entsprechend reinvestieren können, weil große Margen übrig bleiben oder größere Margen übrig bleiben. Und schließlich und endlich auch Kredite. Also du kannst, wenn du KI vernünftig einsetzt, kannst du sehr schnell einen Kredit vermitteln über Bonitätsanalysen oder... Einfach auch da auch wieder die personalisierte Werbung und schmackhaft machen. Und so bildet sich also ein Gesamtbild, wie diese KI in verschiedene Bereiche der der Gesellschaft eindringen soll.

Sprecher 1: Also Roboter ist ein Riesenthema. Das sah man zum Beispiel auch auf der CCTV-Neujahrsskala jetzt zum Jahr des Pferdes. Die Neujahrsskala wird so als die Show angesehen, die weltweit am allermeisten Zuschauer hat. Und in diesem Jahr wurde die zu einer Feier der Robotik und KI. Da sah man extrem geschmeidige Roboter bei der Kampfkunst, die kicken, schlagen Saltos, wirbeln durch die Luft. Und was China damit ganz stark zeigen will, ist, wir sind weg vom Image des Billiglohnlanders. Also man bekommt zum Beispiel als Journalist auch sehr oft Einladungen zu Touren, um sich Robotik anzuschauen. Jetzt war hier gerade Friedrich Merz. In China und hat sich dort auch Roboterhersteller angeschaut. Es gibt ganz viele Einladungen an Influencer. Manchmal werden die eingeladen von der chinesischen Regierung, manchmal nicht. Und die zeichnen dann eben dieses Bild von China als Land der Zukunft. Roboter, autonomes Fahren, Super-EVs.

Sprecher 2: Und weißt du, was ich da noch für einen Eindruck hatte? Ich weiß nicht, ob du die CCTV-Neujahrsskala gesehen hast. Ich habe sie hier über einen Livestream mit einem Auge verfolgt. Und da gab es so eine Szene, da war eine Großmutter mit ihrem Enkel und Roboter spielten in diesem familiären oder heimischen Setting eine große Rolle. Unabhängig von dem, was da jetzt genau besprochen wird, da ging es... das Verhältnis zwischen Enkel und Großmutter. Aber im Prinzip war mein Eindruck, dass vermittelt werden soll, dass man als älterer Mensch wahnsinnig viel Spaß haben kann mit so einem Haufen Roboter in der eigenen Wohnung. Und ich glaube, das ist meine Theorie, dass die junge Generation ein bisschen dazu bewegt werden soll in China, die Sorge zu verlieren, die Großeltern in der Zukunft nicht zu versorgen. Das ist ja ganz tief verankert in der DNA der Chinesen, dass man sich um die Alten kümmert. Also ganz anders als bei uns in Deutschland, wo man üblicherweise ältere Menschen in Pflegeheime gibt oder in Altenheime. Das ist in China noch nicht so. Und deswegen diese Werbung für den Roboter als Sparringspartner für ältere Menschen, damit jüngere Menschen beispielsweise mehr arbeiten gehen können, überhaupt arbeiten können, mobiler werden, einfach nicht so abhängig sind. Und damit einfach für dieses ganze Wirtschaftsmodell besser zur... Verfügung stehen. Auf jeden Fall sind Roboter aber auch natürlich in der Industrie, in der Produktion definitiv in der Zukunft zunehmend präsent. Beispiel jetzt Xiaomi, die haben ja mal angefangen als Handyhersteller, die machen ja mittlerweile, produzieren die ja sogar Autos. Da gab es neulich jetzt einen Begriff, dass die in ihrer Produktion, in der Automobilproduktion, also ganz verstärkt auf humanoide Roboter setzen. Und dass sie da eben mit Vorreiter sein wollen in China. Und da können sie jetzt eben halt auch durch diesen 15-5-Jahresplan sicher sein, dass sie also eine politische Unterstützung kriegen. dass das auch entsprechend dann finanziert wird, beziehungsweise dass die keine Probleme haben, als Unternehmen das zu finanzieren.

Sprecher 1: Also das ist natürlich für die industrielle Produktion von enormer Bedeutung. China hat ja ein wahnsinniges Demografieproblem, eben aufgrund der Ein-Kind-Politik. Bis Ende des Jahrhunderts wird sich die Bevölkerung voraussichtlich halbieren. Das muss man sich mal vorstellen. Das ist der größte Bevölkerungsschwund in der Geschichte der Menschheit. Und 2050 werden auf jeden Pensionär nur noch 1,6 Personen im arbeitsfähigen Alter kommen. Also das muss man sich auch mal vorstellen, was das zum einen für die Zukunft bedeutet, aber auch für Pflege. Und wer wird also in den Fabriken stehen müssen? Roboter. Und das ist so wichtig, weil die Führung, obgleich sie ja inzwischen China total im Hightech-Bereich unterwegs ist, trotzdem die niedrigen Fertigungsketten nicht aufgeben wollen. Also die stellen Hightech her, aber eben auch Regenschirme und Feuerzeuge. Und das ist ein wahnsinniges Problem, gerade auch für die Länder im globalen Süden, als der Sprecher sich ja China ganz stark sieht und auch inszeniert. Und die dann sehen, wow, wie kommen wir dann eigentlich in die industrielle Produktion? Und was ich mich sowieso generell frage, Marcel, und du schreibst ja viel über Wirtschaft, schon jetzt ist China für 30 Prozent des industriellen Outputs weltweit verantwortlich. Was bedeutet das für die Zukunft? Wird der Anteil steigen?

Sprecher 2: Das ist jetzt auch wieder ein Blick in die Blackbox. Also ganz sicher ist das das Ziel. Also ohne jeden Zweifel will China den Anteil da steigern. Aber das liegt natürlich auch ein bisschen an den Europäern und den Amerikanern, ob man dem was und was man dem dann wie intensiv entgegensetzen möchte. Die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende geschrieben. Von chinesischer Seite hört man natürlich diese großen Ankündigungen und diese Entschlossenheit. Das ist so ein bisschen so eine auch chinesische Taktik, dass man so Narrative schreut, dass China so gewaltig kommt, dass eine Gegenwehr gar nicht mehr nötig ist, weil man sowieso verloren hat. Da gibt es zum Beispiel jetzt, ich erinnere mich an ein Interview, was wir mal hatten, da hat ein chinesischer Wissenschaftler gesagt, machen wir uns nichts vor, der Technologiestandort Deutschland ist sowieso am Ende. Ich finde, das sind so gute Beispiele dafür, dass uns ein bisschen durch die Blume vermittelt werden soll, dass es gar keinen Sinn mehr hat, sich sozusagen einem Wettbewerb mit China zu stellen, sondern dass wir uns nur noch so gefügig als Partner und als Steigbügelhalter inszenieren sollen. Wie soll denn jetzt der industrielle Output Chinas erhöht werden? Und das ist schon auch wirklich spannend, weil das geht schon auch in so Bereiche Science Fiction, weil man muss sich vorstellen, dass so eine Fertigung, ich meine, die war immer noch früher von Menschen oder ist ja bis heute noch von Menschen auch diktiert oder bestimmt, das soll komplett autonom werden. Also diese Produktionssysteme sollen in der Lage sein, autonom wahrzunehmen, Prozesse. Schwierigkeiten. Sie sollen selber Entscheidungen treffen. Also die optimieren sich selber, die sollen die Planung umstellen, wenn es nötig ist. Das ist ein Gesamtpaket, ein Miteinander spielen, wo eben... Automatische Qualitätskontrolle dann durch eine Bilderkennung dann funktioniert. Maschinen sind in der Lage, sozusagen festzustellen, wann sie verschleißen. Sie warten sich selber und die Produktionslinien sind dann in der Lage, die Geschwindigkeiten anzupassen, Materialeinsatz umzustellen, falls nötig, bis ins Detail. Wird dann sowas dann funktionalisiert, diese KI, und soll in der Lage sein, den Mensch da komplett zu ersetzen. Und das ist schon, also das klingt Science-Fiction-mäßig, vorstellen kann ich mir das mittlerweile, aber vor 20 Jahren völlig undenkbar.

Sprecher 1: Ja, und das finde ich eben immer wieder das Erstaunliche, wenn man sich viel damit beschäftigt, wie stark da in die Zukunft gesehen wird oder geplant wird. Das wird ja nicht gesehen, das wird ja richtig geplant. Und wie ganzheitlich das Ganze ist. Also das ist wirklich... Die große Utopie und das machen wir uns, glaube ich, in Europa noch gar nicht so wirklich klar, wo wir oft auch gar nicht so sehr in die Zukunft schauen, sondern sehr mit dem Hier und Jetzt beschäftigt sind, gerade im Moment. Und du hast es vorhin schon erwähnt, im Bereich Rüstung setzt die Führung auch sehr auf KI und sie glauben nämlich, dass KI zu einer Revolution des Militärs führen wird, ähnlich wie die Mechanisierung im Zweiten Weltkrieg die Kriegsführung total verändert hat. Und man sieht schon jetzt, Gewaltige Fortschritte bei der militärischen Integration, also jetzt zum Beispiel vergangenes Jahr bei der großen Militärparade in Peking. Da geht es nicht nur um unbemannte Kampffahrzeuge, um Roboterhunde, humanoide Roboter. Es geht vor allem auch darum, dass man mithilfe von KI und massiver Datensammlung bessere taktische und strategische Entscheidungen treffen kann. Und es ist vor allem auch deshalb sehr wichtig, weil, wie wir jetzt in letzter Zeit gesehen haben, die Führung ihrer Volksbefreiungsarmee selbst nicht so traut. Denn da gab es einige Säuberungen in letzter Zeit.

Sprecher 2: Ja, das ist ein guter Punkt. Also gerade jetzt in den letzten vier, fünf Jahren haben sich die Korruptionsermittlungen da in der chinesischen Armee massiv erhöht. Das trifft natürlich dann viele Bereiche. Die Raketenstreitkräfte sind besonders betroffen. Ich glaube, seit 2022 redet man von mehr als 100 Offizieren, die da zumindest in den Fokus geraten sind. Ein großer Teil von denen entlassen. Prominente Namen, auch Verteidigungsminister, da macht das auch nicht Halt vor. Also Li Shangfu beispielsweise, Verteidigungsminister, ist entlassen worden. Generäle, die hochrangig sind. Zuletzt der Fall Zhang Youxia. Das war im Januar. Auch nochmal sehr markant vor dem Nationalen Volkskongress vor ein paar Tagen. Das war der Vize-Vorsitzende der Zentralen Militärkommission. Zur Erinnerung, der Vorsitzende ist niemand Geringeres als Xi Jinping, also der Staatschef, der Partei-Staats- und Parteichef. Dieser Zhang Youxia, der galt schon als ein persönlicher Verbündeter von Xi. Eigentlich hatte man gedacht, der Mann... ist sozusagen auch ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Modernisierung des chinesischen Militärs. Ja, und den hat es jetzt auch erwischt. Und wie du sagst, ich glaube, dass sich daraus tatsächlich dann die Konsequenz ergibt, dass man in China sagt, naja, also wenn wir das menschliche Know-how nicht mehr haben, dann ersetzen wir das durch KI. Oder andersrum, die Überzeugung, dass KI den Mensch ersetzen wird, auch bei der Entscheidungsfindung im Militär, bei der Kriegsführung, erleichtert es natürlich dann eben dann auch entsprechend aufzuräumen. Tatsache ist, dass die Volksbefragungsarmee schon eine Weile experimentiert mit KI-Technologien und eine Vielzahl von Anwendungen da. Geltend macht. Das gilt sowohl für die Kommandoorganisation, Kommunikation, Cyber und Computing. Aufklärung ist ein ganz wichtiger Punkt. Überwachung, Spionage, Zielerfassung. Also da spielt KI mittlerweile schon eine ganz große Rolle. Es gab Studien, die festgestellt haben, also Studien von internationalen Instituten, die festgestellt haben, dass es tatsächlich seitens des Militärs um die 9000 öffentliche Angebotsanfragen gegeben hat, wo man also versucht hat, oder nicht versucht, sondern konkret angefragt hat, zivile Firmen aus der KI dazu zu gewinnen, für das Militär zu arbeiten. Das zeigt eben die Dimension, in dem das Militär da diese KI mittlerweile integriert.

Sprecher 5: Ja, also das ist...

Sprecher 1: sehr viel, was da gerade passiert. Und die Frage ist ja vor allem auch, was bedeutet das für uns, für Europa? Und da finde ich einen Bereich total interessant und auch so ein bisschen emblematisch, der für China als Zukunftstechnologie eine ganz große Bedeutung hat, aber in dem wir eigentlich auch sehr gut sind, ohne dass uns das allen relativ... Bewusst ist oder überhaupt bewusst ist und das ist Biomanufacturing.

Sprecher 2: Ja, das habe ich ja mitbekommen, dass du dich damit beschäftigst und da bin ich sehr beeindruckt, weil ich davon überhaupt keine Ahnung habe. Bring mich mal auf den Stand. Wie würdest du mir jetzt als Laien da wirklich erklären, was ist Biomanufacturing eigentlich?

Sprecher 1: Also das fand ich eben total interessant, weil das wissen die meisten nicht, denen ich davon erzähle. Ich selber wusste es auch nicht. Es ist aber super spannend. Also je mehr ich mich da rein arbeite, desto mehr fasziniert es mich. Es geht um die industrielle Herstellung von biologischen Produkten unter Verwendung lebender Organismen. Also zum Beispiel Bakterien, Hefe oder Säugetierzellen. Da geht es dann zum Beispiel darum, dass man... Spinnenseide gewinnt durch Fermentierung. Und Spinnenseide ist ja ein wahnsinnig tolles Material. Das ist sehr leicht, aber auch sehr reißfest. Und wenn man das erstmal gewonnen hat, dann kann man da wirklich sehr viel mit anfangen. Also zum Beispiel ganz tolle reißfeste Klamotten damit herstellen. Man kann aber auch zum Beispiel Treibstoffe herstellen. Man kann durch Fermentierung Fleisch herstellen, das genauso schmeckt wie herkömmliches. Dieses Biomanufacturing, das hat tatsächlich... Es gibt wahnsinnig viele Anwirkungen. Also zum Beispiel die Covid-Impfstoffe waren Biomanufacturing oder Biotechnologie. Es gibt Lebensmittel, Materialien, Treibstoffe. Man kann es für die Verteidigung nutzen. Und es gibt vor allem für die Zukunft auch total abgefahrene Funktionen. Und zwar arbeitet man am 3D-Bioprinting. Und das könnte mal dazu führen, dass man zum Beispiel Organe herstellen kann, was ja für die Organverpflanzung total spannend wäre.

Sprecher 2: Faziliert. Also das heißt, wir kopieren sozusagen das Beste, was die Natur zu bieten hat.

Sprecher 1: Und das Abgefahrene ist, dass Europa in diesem Bereich, von dem wir alle nicht sehr viel wissen, sehr, sehr gut dasteht. Also wir haben sehr viele Patente, wir haben tolle Firmen. Laut einer OECD-Studie hat Europa 47 Prozent der weltweiten Kapazitäten. Also man fragt sich, wow, warum sieht man nicht den Kanzler und die Wirtschaftsministerin permanent in solchen... Unternehmen stehen und sagen, wow, was wir hier alles Tolles haben. Und das Tolle ist ja auch, das bringt Industriearbeitsplätze. Denn es gibt die sozusagen grünen Blue-Collar-Jobs, also man nennt die dann türkise Jobs, Industriearbeitsplätze. Denn in so einem Biomanufacturing-Unternehmen, da sieht es eigentlich fast so ein bisschen aus wie in so einem Chemieunternehmen. Und es sind gerade in China, die gehen nämlich diesen Bereich ganz krass strategisch an. Und darüber habe ich mich auch mit Janke Oertel, Distinguished Fellow vom European Council, und Foreign Relations unterhalten. Und die sagt uns ganz kurz was zu Biomanufacturing und wie sich Europa überhaupt mit dieser Technologieoffensive Chinas auseinandersetzen kann oder wie Europa auf diese Technologieoffensive reagieren kann.

Sprecher 6: In Europa ist das Thema Biomanufacturing immer noch nicht ganz oben auf der Agenda angekommen. In China sieht das ganz anders aus, da es ist sicherlich inzwischen eine der Top-Prioritäten, wie man im neuen Fünf-Jahres-Plan sehen kann. In Europa sind wir eigentlich ziemlich gut in diesem Bereich. Wir führen bei Patenten, wir führen bei vielen der Innovationen und Ideen, die im Raum sind. Aber in der Skalierung, wie in vielen anderen Fällen, sind wir noch nicht stark genug. Für Europa wäre es sicherlich sehr, sehr sinnvoll, sich auf diesen Bereich zu fokussieren und die Chancen, die sich bieten, in einer Bio-Economy der Zukunft auszuloten. Europa muss auf Chinas Technologiepolitik mit einer konzertierten Antwort kommen. Denn sonst riskiert es, den Anschluss vollständig zu verlieren. Der erste Schritt dafür ist, zu verstehen, was auf chinesischer Seite passiert. Der zweite Schritt ist, zu verstehen, worin wir überall gut sind und wo unsere Chancen liegen. Und das dritte Schritt wäre, ganz klar zu priorisieren. Und der vierte, möglichst schnell und möglichst zahlreich das Geld und die Prozesse dafür, das Geld bereitzustellen und die Prozesse zu vereinfachen, in denen dann eine angemessene europäische Technologiepolitik, die angemessen ist für die Herausforderungen, vor denen wir stehen, möglich machen zu können.

Sprecher 1: Was lernen wir daraus, Marcel?

Sprecher 2: Das ist eine ganze Menge, glaube ich. Also die Frage ist natürlich jetzt nicht nur spezifisch technischer Natur, sondern die ist auch prinzipiell philosophischer Natur, glaube ich. Also wenn die Frage ist, was können wir von China lernen, die wird ja häufig so in den Raum gestellt, dann würde ich sagen, also das allererste, wir sollten mal keine Angst vor Veränderungen haben. Wenn die Chinesen in irgendwas gut sind, dann eben halt darin, Neues anzunehmen und zu akzeptieren. Und du hast gerade gesagt, warum ist denn nicht die Politik ständig in solchen Unternehmen und jubelt und sagt, hey, guck mal hier. Das ist ein guter Punkt. Bock auf die Zukunft haben. Also das muss die Politik ja auch in der Bevölkerung schüren. Und das kann sie auch nur mit einer gewissen Präsenz. Und das muss entsprechend auch sich widerspiegeln. Und dann bekommen die Leute, glaube ich, auch mehr Lust und auch weniger Angst davor. Trial and Error, ganz wichtig, ausprobieren, keine Angst haben vor Fehlern. Die Chinesen machen einfach, habe ich immer bewundert, die machen einfach, fahren gegen die Wand und sagen, ja, machen wir nochmal, egal. Das ist, glaube ich, ein Punkt. Und was wir noch müssen, ist, wir müssen ein bisschen egoistischer sein, wenn es um unsere Industriepolitik geht. Das macht China genauso. Und wir erstarren dann immer wie das Kaninchen vor der Schlange und haben Angst vor Chinas Zorn und so. Das ist aber eigentlich genau das Mittel, was China ganz gut versteht. Stärke. China respektiert Stärke. Und wenn man dann zeigt, wir trumpfen stark auf, dann kriegt man auch von China, was man möchte. Natürlich in einem Geben und Nehmen, aber man muss dann nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren.

Sprecher 1: Ja, ganz lieben Dank. Wir sind auch schon am Ende. Wir haben jetzt ganz viel über Technologie gesprochen und jetzt zum Abschluss soll es um die Seele gehen. Und zwar haben wir Seoul aus Kunming. Das ist eine Stadt im Südwesten von Dietzelka. Und das ist der, ein Kollege von mir sagt, der Bruno Mars Kinas. Ganz lieben Dank, dass Sie hier reingehört haben und bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Sprecher 7: 手不见爱定走 来来去去一场空是一场空我无云开我无云开太阳还是不在 入了黑白的世界不经意就被困在里面 是是非非引起远远别忘了爱总是可生开 爱总是可生开 爱总是可生开

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.