CEO.Table Executive Summary

Wie sieht die Zukunft der Commerzbank aus, Frau Orlopp?

Der Bundesfinanzminister hat eine mögliche Commerzbank-Übernahme durch Unicredit zuletzt weniger deutlich kritisiert als zuvor. Dennoch sieht die Commerzbank-Chefin weiter Rückhalt aus Berlin für die Eigenständigkeit der Bank.

03. März 2026
Strategiefindung unter Druck: Commerzbank-CEO Bettina Orlopp punktet mit Umsatzrekorden. (Commerzbank)

Das seit eineinhalb Jahren laufende Übernahmedrama um die Commerzbank hat eine neue Qualität: Unicredit kann seit Ende Februar Anteile am Frankfurter Institut auch mit eigenen Aktien bezahlen. Das macht eine feindliche Übernahme für die italienische Großbank deutlich günstiger. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zeigt sich im Gespräch mit Table.Briefings dennoch gelassen: „Wir haben gezeigt, dass wir eigenständig profitabel wachsen können.“ Der operative Gewinn von 4,5 Milliarden Euro (plus 18 Prozent) und der Nettogewinn von 2,63 Milliarden Euro spiegeln sich im Aktienkurs wider (siehe Grafik). Ein möglicher Deal wird damit deutlich teurer für Unicredit.

Unicredit hält derzeit rund 29 Prozent. Die Bank hat die 30-Prozent-Schwelle bisher bewusst nicht überschritten – dann müsste das Institut ein konkretes Übernahmeangebot aussprechen. Durch die Aktienrückkäufe rutscht die Unicredit-Beteiligung immer näher an die Grenze heran, da sich die Gesamtzahl der Aktien im freien Umlauf reduziert. „Wir sind bei diesem Thema nicht der Treiber. Das heißt, wir sind einfach nur vorbereitet“, sagt Orlopp.

Insgesamt schüttet die Bank 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und über Rückkäufe aus, was den Kurs zusätzlich stützt. Das ist mehr als der gesamte Jahresgewinn 2025. „Beim derzeitigen Bewertungslevel ist eine Übernahme wirtschaftlich nicht attraktiv“, sagt Orlopp. Mit dem reinen Geldgewinn könne der italienische Investor aber zufrieden sein: „Unicredit hat zu einem günstigen Zeitpunkt Aktien der Commerzbank gekauft, was die bisherige Beteiligung angesichts der Kursentwicklung zu einem guten Investment gemacht hat.“

Orlopp sieht weiter politischen Rückhalt für eine Eigenständigkeit. Dabei hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zuletzt weniger deutliche Worte gegen eine mögliche Übernahme gefunden als noch im Sommer. „Der Bund hat sich erneut für eine starke und eigenständige Commerzbank und gegen ein feindliches Übernahmevorgehen ausgesprochen. Ich fand, das war dieselbe Linie wie seit Anbeginn“, hält Orlopp entgegen. Zuletzt hatte Klingbeil nur gesagt, ihm missfalle die Art des Vorgehens von Unicredit-Chef Andrea Orcel. Im Sommer 2025 hatte er ihn noch unmissverständlich aufgefordert, die Übernahme aufzugeben. Der Bund hält rund zwölf Prozent am Frankfurter Institut.

Synergien bei einem möglichen Zusammenschluss mit Unicredit stellt Orlopp infrage. „Auf der Ertragsseite wären die Synergieeffekte aufgrund von Überlappungen im Kundenstamm sicherlich negativ.“ Stattdessen sieht sie die eigene Strategie in den Geschäftsergebnissen bestätigt – und setzt sie bis 2028 fort. „Wir wollen dann eine Nettoeigenkapitalrendite von mindestens 15 Prozent, eine Cost-Income-Ratio von 50 Prozent, eine harte Kernkapitalquote von 13,5 Prozent sowie ein Nettoergebnis in Höhe von 4,2 Milliarden Euro erreichen.“

Auch mit Blick auf einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt sieht sie aktuell keine Vorteile einer Übernahme. „Eine solche Übernahme hätte vielleicht eine Signalwirkung“, sagt Orlopp. Aber wenn eine Transaktion in der aktuellen Situation keinen Wert schaffe, sei sie keine gute Transaktion. „Eine Bankenfusion allein wird keine politischen Blockaden bei der Bankenunion lösen. Umgekehrt ergibt es Sinn: erst Bankenunion, dann Bankenfusionen.“ Gerade im jetzigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld brauche es starke Banken. Generell spricht sich die Commerzbank-CEO für einen EU-Kapitalmarkt aus. „Die Kapitalmarktunion sollte es geben. Und idealerweise auch die Bankenunion – aber beides ist noch ein Stück weit entfernt.“

Bei allen Unicredit-Einflüssen sieht Orlopp ihren Hauptfokus in der langfristigen Entwicklung der Bank. „Die eigene Geschäftsstrategie ist das, was mich am meisten beschäftigt.“ Diese unter dem Druck einer feindlichen Übernahme zu entwickeln, sei zwar eine Herausforderung – Auseinandersetzung mit Unicredit, eigener Strategieplan, Tagesgeschäft. „Aber man ist ja nicht allein, sondern es gibt ein ganzes Team auf der Vorstandsebene und darunter.“ Kern dabei seien insbesondere klare Verantwortlichkeiten. „Wichtig ist zu wissen, was gerade Priorität hat – das kann mal die Bilanzpressekonferenz sein, ein anderes Mal ein Kundentermin oder eine Townhall mit den Mitarbeitenden.“

Aktuell werden weitere Wachstumsmöglichkeiten evaluiert. „Unser Fokus liegt weiterhin auf nachhaltigem Wachstum – insbesondere wollen wir den Provisionsüberschuss deutlich steigern.“ Zugleich bleibe Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen entscheidend. Bei allem sei Künstliche Intelligenz sehr wichtig. „Hier werden wir eine führende Rolle spielen“, sagt Orlopp mit Blick auf die Kundenseite und interne Prozesse. Statt eines Top-down-Ansatzes setzt Orlopp auf die Mitarbeit der Angestellten. Der erste Schritt sei, möglichst vielen die Instrumente in die Hand zu geben und herauszufinden, wie sich KI effizient in den unterschiedlichen Bereichen einsetzen lasse. Bis 2028 sollen rund 3.900 Vollzeitstellen abgebaut werden, davon 3.300 in Deutschland – vor allem in der Zentrale und im Backoffice. Gleichzeitig entstehen neue Stellen bei der polnischen mBank und in Asien. Der Gesamtbestand soll bei 36.700 stabil bleiben.

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Letzte Aktualisierung: 04. März 2026