Amy Kirchhoff: „Wir brauchen mehr Resilienz im Schulalltag“

Die neue Copsy-Studie zeigt: Jeder vierte Jugendliche fühlt sich psychisch belastet. Die neue BSK-Vorsitzende Amy Kirchhoff fordert angesichts dessen, Bewältigungsstrategien stärker im Schulalltag zu verankern. Für ihre Amtszeit sieht sie darüber hinaus noch ein anderes Kernthema.

09. Dezember 2025
Amy Kirchhhoff: „Schülern geht es immer noch signifikant schlechter als vor Pandemiebeginn“. (Domenico Decker)
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Vor drei Wochen wurdest Du zur neuen Vorsitzenden der Bundesschülerkonferenz gewählt. Kam das überraschend?

Ja. Ich hatte das nicht groß geplant, weil ich gerade erst den Landesvorsitz in Sachsen verlassen habe und außerdem kurz vor dem Abitur stehe. Mich haben dann aber recht viele Leute gefragt, ob ich nicht kandidieren will. Dieser Rückhalt hat mich motiviert und ich freue mich jetzt auf die Amtszeit.

Ostdeutschland ist jetzt im BSK-Generalsekretariat stark vertreten. Soll dieser regionale Fokus ein Schwerpunkt Deiner Amtszeit werden?

Das ist wirklich besonders – das Sekretariat ist mit mir und meinen beiden Stellvertretern rein ostdeutsch besetzt. Lilli Berthold kommt aus Sachsen-Anhalt und Erik Sczygiol aus Thüringen. Der Ost-West-Vergleich wird aus westlicher Perspektive oft nicht so groß thematisiert. Wenn man aber aus dem Osten kommt, sieht man noch einmal ein bisschen deutlicher, wie viele Unterschiede es gibt. Das will ich auf jeden Fall nächstes Jahr in den Fokus rücken.

Ein Thema, das zunächst die ostdeutschen Schülervertretungen mit einem Positionspapier in den Vordergrund gerückt haben, ist der zunehmende Rechtsextremismus in den Schulen. Ist das etwas, was Dich weiter umtreibt?

Auf alle Fälle. Das Positionspapier ist inzwischen nicht mehr nur ostdeutsche, sondern gesamtdeutsche Position. Die Bundesschülerkonferenz hat das übernommen und erkennt an, dass das kein ostdeutsches Problem ist, sondern wir das überall sehen. Das Thema bleibt also weiter aktuell.

Ein anderer Schwerpunkt der BSK lag in den vergangenen Monaten auf mentaler Gesundheit. Die jüngste Copsy-Studie zeigt: Rund jeder vierte Jugendliche fühlt sich psychisch belastet. Werden Jugendliche ausreichend unterstützt?

Auf gar keinen Fall. Die Unterstützung reicht bei Weitem noch nicht. Wenn wir in die Schule gucken, sehen wir nach wie vor, dass allein der Personalmangel das verhindert. Es sind nicht genug Lehrkräfte da, es sind nicht genug Schulsozialarbeitende da und bei der Schulpsychologie brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Also ist es allein vom Personal nicht gegeben, dass Schüler aufgefangen werden können. Wir werden unsere Kampagne zu mentaler Gesundheit daher auch weiter fortsetzen.

Die Studie zeigt auch, dass Themen wie der Krieg in der Ukraine, wirtschaftliche Unsicherheit und die Klimakrise viele Jugendliche belasten. Die Autoren vermuten, dass der teils ungefilterte Social-Media-Konsum diese Sorgen verstärkt. Teilst Du diese Einschätzung?

Ich glaube, das kann durchaus zusammenfallen. Wenn man mit den sozialen Medien nicht gut umgehen kann, können sie sehr belastend sein. Aber genau da müssen wir ansetzen. Wir können die sozialen Medien nicht mehr aus dem Leben streichen. Die sind angekommen sowohl in den Elternhäusern als auch bei den Schülerinnen und Schülern und deswegen müssen wir bessere Medienkompetenz entwickeln.

Ein Social-Media-Verbot, wie es jetzt in Australien in Kraft tritt, siehst Du also nicht als Lösung?

Ich glaube, Verbote machen vieles oft reizvoller. Theoretisch gibt es außerdem schon ein Social-Media-Verbot für eine große Altersspanne. Instagram, Tiktok und Co. dürfen im Kindesalter eigentlich noch gar nicht benutzt werden. Insgesamt glaube ich aber, wenn wir einen angemessenen Umgang mit Social Media lernen und ausreichend frühe Ansätze für Medienkompetenz haben, brauchen wir nicht zwingend ein Verbot.

Nächste Woche darfst Du voraussichtlich auf der Bildungsministerkonferenz zum Thema Resilienz sprechen. Was willst Du den politisch Verantwortlichen mitgeben?

Wir brauchen auf alle Fälle mehr Resilienz im Schulalltag. Die Copsy-Studie zeigt, dass es Schülern immer noch signifikant schlechter geht als vor Pandemiebeginn. Am besten können wir vielen Schülerinnen und Schülern helfen, wenn wir ihnen Bewältigungsstrategien an die Hand geben. Wir sehen immer noch, dass es extrem schwierig ist, an Therapieplätze und Psychologen heranzukommen. Es ist daher wichtig, Menschen in der Schule resilient zu machen, damit es im besten Fall gar nicht erst zu einer psychischen Erkrankung oder zu einer depressiven Verstimmung kommt. Resilienz gehört daher in allen Bundesländern fest verankert in den Schulalltag und in die Lehrpläne.

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Letzte Aktualisierung: 27. März 2026