Berlin.Table – Ausgabe 828

Merz und der Bundesrat + SPD-Wahlkämpfer und das Elterngeld + Reiche und der NKR

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Talk of the Town

Resilienz der Demokratie: Warum der Kanzler einen völlig anderen Umgang mit dem Bundesrat braucht

Das politische Ende der 1.000-Euro-Prämie ist nicht nur eine Niederlage der Regierung, die man in der Koalition am liebsten vergessen würde. Ihr Scheitern steht inzwischen als Sinnbild dafür, dass Friedrich Merz und seine Regierung nicht verstehen wollen (oder noch nicht verstanden haben), welche Rolle den Ländern in schwierigen Zeiten auch für einen Erfolg der Berliner Koalition zukommen kann – und warum dem Bundesrat schon bald eine neue Bedeutung für die Resilienz der Demokratie zufallen könnte. Spricht man in diesen Tagen mit Vertretern verschiedener Länder, wollen diese keine öffentliche Kritik äußern. Aber sie verbergen nicht, dass sie die Merz’sche Ignoranz für grundfalsch halten. Auch mit Blick auf mögliche AfD-Wahlerfolge in den Ländern.

Zustimmungswerte für die Koalition auf historischem Tief

Mit Erstaunen nehmen sie zur Kenntnis, wie Merz und Co den einst besonders wichtigen B-Kamin der Unions-MPs vernachlässigen. Unionspolitiker, die über viele Jahre qua Amt mittendrin waren, können ausführlich erzählen, wie Angela Merkel und ihre engsten Vertrauten diese Treffen oft bis tief in die Nacht hinein nutzten, um nicht nur die Bundesratsratssitzung am nächsten Tag zu besprechen, sondern sich in einem umfassenden „politischen socializing“ mit den MPs auszutauschen. Und das nicht, weil Merkel die damaligen MPs besonders gemocht hätte. Sie habe nur verstanden, wie zentral dieser Austausch gewesen sei, heißt es.

„Keine Runde war so vertraut und so wichtig, wie diese“, erzählt einer, der viele Jahre dabei war, Table.Briefings. „Wir haben die Lage durchgekaut, wir haben erzählt, wo es gerade schwer ist, und am Ende haben wir uns Tipps für wichtige Personalien gegeben.“ Heute sei das ganz anders. Fraktionschef Jens Spahn lade zwar wie gewohnt dazu ein. Und Merz komme auch für eine Weile. Aber der Austausch bleibe dünn, sein Interesse gering. Und dabei, auch das berichtet einer, der regelmäßig anwesend ist, strahle der Kanzler nach wie vor den Gestus aus, dass die Länder jetzt gefälligst mitmachen müssten, wenn die Regierung wichtige Dinge entschieden habe: „Er integriert nicht; er will halt immer noch, dass man ihm folgt.“ Das sei das eigentliche Problem, das bei der Abstimmung zur Prämie endgültig zutage getreten sei.

Das Problem reicht indes tiefer. In seiner Abschiedsrede am 8. Mai hat Winfried Kretschmann beschrieben, warum er das Verhalten des Bundes für hochproblematisch hält. Er verwies darauf, dass der Föderalismus kein mühseliges Anhängsel sei, sondern zur Abwehr „zentralistischer Allmachtsfantasien“ eine Ewigkeitsgarantie genieße. „Der Föderalismus kann nicht verboten werden. Aber er kann verbogen werden“, so Kretschmann. Und das geschehe seit Jahren. Der Bund drücke bei eigenen Gesetzen immer mehr aufs Tempo und ignoriere zugleich die meisten Initiativen aus der Länderkammer. In der letzten Legislatur hätten es genau zwei von 49 Bundesratsgesetzentwürfen in den Bundestag geschafft. „Das ist nicht nur respektlos gegenüber der Länderkammer, es ist respektlos gegenüber dem Grundgesetz.“

Für den Ex-MP ist eine dramatische Schieflage entstanden. Und die wird verstärkt durch die in Berlin befeuerte Behauptung, die Länder seien vor allem anstrengend und egoistisch. Der Chef einer größeren Staatskanzlei hält dem entgegen, gerade Merz und seiner Koalition würde es helfen, wenn nach Entscheidungen der Regierung aus den Landeshauptstädten breite Unterstützung signalisiert würde. „Ich kann nicht verstehen, warum der Kanzler das nicht als zwingende Voraussetzung für eine bessere Stimmung im Land erkennt“, sagte er Table.Briefings. Voraussetzung dafür sei, dass Merz die Länder in die Entscheidungen einbinde, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das sei aufwendig und anstrengend. Aber wenn man danach an einem Strang ziehe, schaffe man ein ungleich größeres Vertrauen in die Beschlüsse.

Noch einen Schritt weiter gehen Thomas de Maizière und Peer Steinbrück. In ihrem Reformvorschlag für Deutschland haben die beiden auch die Idee eingearbeitet, dass die Länder den Bundesrat nutzen könnten, um sich vermehrt gemeinsam verbindliche Regeln zu geben, und zwar überall dort, wo sie eine eigene Kompetenz haben. Für manche klang das zunächst ein bisschen theorielastig. Aber seit die Gefahr real ist, dass in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern AfD-Regierungsbeteiligungen entstehen, könnte ausgerechnet dies ein Weg sein, um den Einfluss der Rechstextremen zu begrenzen. „Der Bund könnte das nicht, die Länder schon“, heißt es aus einer Staatskanzlei.

Die Idee findet in vielen Ländern Unterstützung. Voraussetzung wäre dafür eine Verfassungsänderung – und ein einmaliger einstimmiger Beschluss des Bundesrates, um anschließend Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit möglich zu machen. Bayern allerdings stellt sich dem bislang entgegen, aus Furcht, seine absolute Unabhängigkeit zu verlieren. Andere Länder verweisen nun darauf, dass auch die vom Bundesrat unabhängige MPK eine Geschäftsordnung hat, in der bei Beschlüssen nicht zwingend von einer Einstimmigkeit die Rede ist, sondern von einer qualifizierten Mehrheit 13 zu 3. Kaum jemand weiß das; aber es könnte bald relevant werden. Ausgerechnet Sachsen-Anhalt wird kurz nach der dortigen Landtagswahl den Vorsitz in der MPK übernehmen. Immer mehr Länder wollen dafür gewappnet sein.

Viele Landesregierungen sind deutlich beliebter als die Bundesregierung.
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Kürzungen beim Elterngeld? SPD-Wahlkämpfer rebellieren. Mit 7,5 Milliarden Euro ist das Elterngeld mit Abstand der größte Posten im Etat des Familienministeriums. Auf Wunsch des Finanzministers musste jedes Haus Sparvorschläge vorlegen – das Haus von Karin Prien plant nun, den Rotstift beim Elterngeld anzusetzen. 350 Millionen Euro sollen bereits im kommenden Jahr eingespart werden. Doch in den Ländern regt sich Widerstand. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagt Table.Briefings: „Familien dürfen nicht das Sparschwein der Nation sein.“

Gerade für die Wahlkämpfer wäre eine Kürzung fatal. Angesichts der aktuellen Unbeliebtheit der Bundesregierung sei es sowieso schon sehr schwer, Wahlkampf zu machen, beschweren sich manche SPD-Politiker. Besonders bitter wäre es für Krach und Jochen Ott aus NRW. Beide werben in ihrem Wahlkampf damit, das familienfreundlichste Bundesland werden zu wollen. Krach sagt, erst wolle die Bundesregierung den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende kürzen, und jetzt will Frau Prien an das Elterngeld ran. „Unsere Familien brauchen Planungssicherheit und keine weitere Verunsicherung durch die Bundesregierung.“ Laura Block

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News

Zukunft der Altersvorsorge: Betriebsrente rückt in den Fokus. Während bisher die gesetzliche und private Altersvorsorge die Rentendebatte dominieren, gewinnt nun die betriebliche Altersvorsorge (bAV) an Bedeutung. Derzeit verfügt nur rund die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über eine bAV. Vor allem Menschen mit wenig Einkommen sind unterrepräsentiert, zudem gibt es deutliche Geschlechterunterschiede. Für ein gutes „Gesamtversorgungsniveau“, wie es die Regierung plant, könnte eine verpflichtende Zusatzrente helfen. Das plante – bei der privaten Vorsorge – ursprünglich auch Walter Riester, wie er im Podcast Table.Today erzählte. Was damals nicht kam, könnte jetzt bei der bAV Wirklichkeit werden.

Der zuständige Fachverband, in dem Unternehmen und Pensionskassen organisiert sind, bleibt skeptisch. Im bestehenden System gebe es Fehlanreize, sagt Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) Table.Briefings. Beseitigt man sie, könne man entsprechende Angebote ohne Pflicht in die Breite bringen. Der Jurist ist Vorstandsvorsitzender des Dachverbands PensionsEurope und war Mitglied der Fokusgruppe private Altersvorsorge des BMF. Bevor man eine Pflicht einführt, müsste man ihm zufolge wichtige Fragen klären. So würden 57 Prozent aller Arbeitgeber bisher gar keine bAV anbieten. Wenn die „auf einmal verpflichtet wären, ihre Lohnzusatzkosten zu erhöhen, könnte sie das in Schwierigkeiten bringen“, so Stiefermann.

Große Akteure bringen sich in Stellung. Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) fordert eine automatische Einbeziehung von Beschäftigten, sollten diese nicht im Rahmen eines Opt-Outs widersprechen. Das könne dazu beitragen, die Grundsicherung zu entlasten und die Leistungsfähigkeit des Drei-Säulen-Systems zu stärken, schrieb der GDV der Rentenkommission. Beim DIW beauftragte er ein Gutachten zum Gesamtversorgungsniveau. Wie ein solches Niveau aussehen könnte, ist am Montag Thema in der Kommission. Worauf es aus Stiefermanns Sicht bei Reformen ankommt, lesen Sie im Interview. Okan Bellikli

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Subventionen und Steuervergünstigungen: Neue BMF-Arbeitsgruppe nimmt am Dienstag Arbeit auf. Es geht um milliardenschwere Kürzungen bei Steuervergünstigungen und Subventionen. Eine neue Arbeitsgruppe bestehend aus Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg (CDU), Fraktionsgeschäftsführer Reinhard Brandl (CSU) und SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar nimmt an diesem Dienstag im BMF ihre Arbeit auf. Ziel ist es, der Koalitionsführung eine abgestimmte Liste an Subventionskürzungen und Streichungen von Steuervergünstigungen vorzulegen, die mindestens fünf Milliarden Euro pro Jahr als teilweise Finanzierung der Steuerreform bringt. Im Koalitionsausschuss in der Villa Borsig vor einigen Wochen hatte Lars Klingbeil bereits eine Liste vorgelegt, aber keine Einigung erzielen können.

Im Gespräch sind im Ministerium etwa Kürzungen bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen. Sie würden rund 1,5 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen pro Jahr nur beim Bund bringen. Weitere Optionen: Kürzungen bei haushaltsnahen Dienstleistungen und bei der Steuerfreiheit bei Immobilienverkäufen. Die Union dringt auf pauschale Kürzungen über alle Bereiche. Ende Juni will die Koalition eine Steuerreform mit einem Entlastungsvolumen von mindestens zehn Milliarden Euro verabschieden. Michael Bröcker

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5 gute Gründe gegen die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze. Nummer 4: Die damit einhergehende Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze belastet Wirtschaft und Arbeitsmarkt enorm. Bundesweit sind 6,3 Millionen Beschäftigte und ihre Arbeitgeber betroffen – und die gemeinsame, zusätzliche Belastung beläuft sich auf rund 4,5 Milliarden Euro jährlich. (mehr auf pkv.de)

Nuctech wird zum Zankapfel: China stellt EU-Ermittlungen infrage. China und die EU geraten im Streit um neue Subventions- und Handelsregeln zunehmend aneinander. Innerhalb von zwei Tagen haben sowohl das chinesische Handels- als auch das Justizministerium die europäische Foreign Subsidies Regulation (FSR) scharf kritisiert und der EU „unzulässige extraterritoriale Jurisdiktion“ vorgeworfen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein Verfahren gegen den chinesischen Sicherheitstechnikkonzern Nuctech. Brüssel verteidigt die Ermittlungen als normales Wettbewerbsverfahren und betont, die Regel unterscheide nicht nach Nationalität oder Eigentümerstruktur.

Peking wiederum wirft der EU vor, im Rahmen der Untersuchungen umfangreiche und aus chinesischer Sicht nicht notwendige Daten anzufordern, auch von Banken und Unternehmen innerhalb Chinas. Der Konflikt wird durch die Sensibilität chinesischer Datengesetze zusätzlich verschärft, die den Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen strikt regeln. Während China die Maßnahmen als diskriminierend darstellt, sieht die EU darin ein legitimes Instrument zum Schutz des Binnenmarkts vor verzerrenden Subventionen. Parallel verschärft Brüssel seine handelspolitische Linie gegenüber China weiter und arbeitet an neuen Instrumenten für mögliche Schutzzölle und eine Ausweitung bestehender Safeguards. Amelie Richter

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Moritz Möller ber das Paradox der Leitmedien. Table.Forum

Normenkontrollrat: Scharfe Kritik auch an Reiches Versorgungssicherheitsgesetz. Der Entwurf für das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz aus dem von Katherina Reiche geführten BMWE, den das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch verabschiedet hat, ist beim Normenkontrollrat (NKR) auf scharfe Kritik gestoßen. Die darin enthaltenen Aussagen zu den Kosten der geplanten Ausschreibungen neuer Gaskraftwerke seien „weder nachvollziehbar noch methodengerecht“, heißt es in der Stellungnahme des Rats, die Table.Briefings vorliegt. So sei der Erfüllungsaufwand „nicht vollständig dargestellt“, und die Auswirkungen auf die Strompreise würden nicht angegeben. Zudem bemängelt der NKR die kurze Frist für die Stellungnahme. Diese entspreche „in keiner Weise den verbindlichen Vorgaben“ und habe das Gremium „an der Wahrnehmung seines gesetzlichen Mandats gehindert“. Kurz zuvor hatte der NKR bereits den ebenfalls vom BMWE verantworteten Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz als handwerklich schlecht und praxisfern kritisiert. Malte Kreutzfeldt

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Emissionshandel: Vage Aussicht auf Entlastung für Düngemittelindustrie. Ein aktueller Entwurf des „Düngemittel-Aktionsplans“ stellt nach Informationen von Table.Briefings mögliche Entlastungen für die Düngemittelindustrie beim Emissionshandel in Aussicht. Demnach kann sich die Düngebranche Hoffnungen auf Sonderregelungen bei der CO₂-Bepreisung machen. In dem Papier, das die Kommission am Dienstag vorstellen will, wird erwogen, die kostenlosen Emissionsrechte für die Düngemittelindustrie langsamer abzuschmelzen als bisher geplant. Dies hätte auch Anpassungen beim CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM zur Folge. Eine mögliche Erleichterung will die Kommission an Bedingungen knüpfen. Welche das sind und wie der EU-Bauernverband reagiert, lesen Sie hier. Julia Dahm, Lukas Knigge

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Deep Strike-Waffen: Südkoreanisches Rüstungsunternehmen hofft auf Aufträge. Der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha Group will Deep-Precision-Strike-Systeme nach Europa liefern. Alex Wong, Global Chief Strategy Officer (CSO) des südkoreanischen Unternehmens, wirbt im Gespräch mit Table.Briefings für eine „umfassende sicherheitspolitische Partnerschaft“ zwischen Südkorea und Deutschland. Der Krieg in der Ukraine zeige, dass Staaten unter anderem über Deep-Strike-Fähigkeiten sowie Raketenabwehr verfügen und die Produktion von Abfangraketen und Munition dauerhaft aufrechterhalten müssen, sobald die entsprechenden Plattformen vorhanden sind. „Das ist ein Bereich, an dem wir derzeit sehr großes Interesse sehen“, sagt Wong.

Die USA hatten jüngst die Stationierung weitreichender Waffen und Marschflugkörper in Deutschland infrage gestellt. Das Verteidigungsministerium sondiert derzeit Alternativen, um die Lücke anderweitig zu schließen. Es werden dabei alle nationalen und internationalen Optionen „umfassend“ bewertet, sagt eine Sprecherin des Ministeriums Table.Briefings. Für Reichweiten von über 2.000 Kilometern hätte Hanwha eine theoretische Alternative. Die Systeme mit kürzerer Reichweite müssten allerdings gegen ein System von Rheinmetall und gegen das Raketenartilleriesystem Europuls konkurrieren. Was Hanwha tut, um in Deutschland Fuß zu fassen, lesen Sie hier. Wilhelmine Stenglin, Robert Wallenhauer

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Staatliche Förderung: Bundesregierung räumt Mangel an Informationen ein. Der Bund kann nicht genau sagen, für welche öffentlichen und privaten Stellen seit 2020 Gelder geflossen sind. Weil der Aufwand zu groß sei, könnten bestimmte Auskünfte ausnahmsweise nicht gegeben werden, heißt es in der Antwort des BMF auf eine Kleine Anfrage der AfD. Es gehe demnach um mehr als 40.000 Zuwendungen mit jeweils mehreren Bescheiden. Man müsste demnach in verschiedenen Listen, Datenbanken und Papierakten recherchieren.

Die AfD wollte unter anderem wissen, welche Erst-, Zwischen- und Letztempfänger es gab. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob zunächst regionale Projekte Mittel bekommen und diese dann an einzelne Initiativen weitergeben. Auch nach der Verwendung des Haber-Verfahrens, also der Überprüfung durch den Verfassungsschutz, fragte die Partei. Das BKM nutzte es seit 2020 sechsmal, andere Ministerien eigenen Angaben zufolge gar nicht. Okan Bellikli

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Regierungskrise in Großbritannien. Mit Annette Dittert."

Die politische Linke in Großbritannien versinkt im Chaos. Premierminister Keir Starmer droht das Aus. Der Labour-Chef wird inzwischen von einem Großteil seiner eigenen Partei zum Rücktritt aufgefordert. Mindestens zwei Kandidaten, Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting und der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, stehen bereit, um sein Erbe anzutreten, zugleich steht die „Reform UK“-Partei des Rechtsaußen Nigel Farage in den Umfragen bei 30 Prozent und damit vor allen anderen Parteien. Großbritannien leidet unter einer Wirtschaftsflaute, Inflation und nationalistische Bestrebungen. Die langjährige ARD-Korrespondentin Annette Dittert analysiert die Lage des Landes und erklärt, was der Niedergang der Labour-Partei mit dem Brexit zu tun hat. Das Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker

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Table.Documents

Heads

FC Bundestag ist Europameister. Obwohl sie nicht mit allzu großen Erwartungen nach Lübeck gefahren sind, haben die Kicker um Kapitän Fritz Güntzler am Wochenende den Titel geholt. Nach einem 2:0 gegen Finnland und einem 1:0 gegen die Schweiz reichte ein allerdings schwer erkämpftes 0:0 gegen Österreich, um Europameister zu werden. Im traditionsreichen Stadion am Buniamshof Lübeck stand die deutsche Mannschaft, wie Güntzler anaschließend berichtete, über weite Strecken tief in der eigenen Hälfte und verteidigte leidenschaftlich gegen anrennende Österreicher. Besonders in der Schlussphase wurde es offenbar dramatisch: Ein Schuss der Gäste krachte an den Pfosten, der Nachschuss strich nur knapp vorbei. Für einen kurzen Moment schien der Traum vom Titel im eigenen Land zu wackeln.

Verzichten musste das Team am Finaltag auf seinen prominenten Trainer Felix Magath, der gleichzeitig beim Saisonfinale von Viktoria Aschaffenburg weilte. Seit 1971 treffen sich Parlamentsmannschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Finnland jährlich am Christi-Himmelfahrts-Wochenende zum sportlichen Wettstreit. Die Delegation wurde geleitet von Kapitän Fritz Güntzler (CDU). Zudem standen folgende Abgeordnete im Kader: Daniel Baldy (Vizekapitän), Florian Bilic, Hendrik Bollmann, Felix Döring, Bastian Ernst, Johannes Fechner, Wilhelm Gebhard, Tim Klüssendorf, Johannes Schätzl, Carsten Schneider, Michael Schrodi, Maja Wallstein und Tina Winkelmann. Unterstützt wurde das Team von einigen Ehemaligen: Dieter Janecek, Philipp Hartewig, Patrick Kurth, Erik von Malottki und Bernd Reuther.

Kerry Hoppe wechselt zum Drohnen-Start-up Tytan. Hoppe, Jahrgang 2001, wird dort Business Development & Government Affairs Manager. Sie ist Leutnant der Reserve, FDP-Mitglied und eine gefragte Stimme in der Debatte um die Wiedereinführung des Wehrdienstes. Sie ist Mitgründerin der Initiative Vote16, die sich für eine Herabsenkung des Wahlalters in Bayern auf 16 Jahre einsetzt hat. Bislang war Hoppe zudem Host beim Munich Security Breakfast. Tytan hatte zuletzt angekündigt, seine Lobbybemühungen verstärken zu wollen. In den kommenden Monaten will das Münchner Unternehmen offiziell ein Berliner Büro eröffnen. Gabriel Bub

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Best of Table

Asia.Table: Manila als Stresstest. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen gilt in Brüssel als Schlüsselprojekt der Indo-Pazifikstrategie. Ausgerechnet zum Start der nächsten Verhandlungsrunde in Manila eskaliert dort nun die Krise um Vizepräsidentin Sara Duterte. Warum das Abkommen weit über Zollfragen hinausreicht, lesen Sie hier.

China.Table: Wenn Taiwan wankt, wankt die KI-Welt. Taiwan ist längst der neuralgische Punkt der globalen KI-Wirtschaft. Während Xi Jinping vor Konflikten warnt und Donald Trump mit Tech-Eliten nach Peking reist, verschiebt sich die Machtfrage der Zukunft. Welche unterschätzten Gefahren KI-Investor und Gründer Fabian Westerheide dabei für Europa sieht, lesen Sie hier.

Security.Table: Wie umgehen mit Trumps Rüstungspolitik? Mit den Zweifeln an der US-amerikanischen Verlässlichkeit unter Donald Trump geraten die Rüstungsbeziehungen in den Fokus, schreibt Dominik Tolksdorf von der DGAP in einem Standpunkt. Was droht, wenn die Bundesregierung das bei Beschaffungsentscheidungen nicht berücksichtigt, lesen Sie hier.

Europe.Table: Digital Fairness Act zwischen Verbraucherschutz und Bürokratie. Die EU-Kommission bereitet den Digital Fairness Act vor. Verbraucherschützer sehen darin einen wichtigen Schritt, um Schutzregeln an die digitale Welt anzupassen. Unternehmensvertreter fürchten zusätzliche Bürokratie. Die Argumente beider Seiten lesen Sie hier.

Europe.Table: Riskante Missverständnisse beim EU-Beitritt der Ukraine. In Kyjiw und Brüssel differieren die Vorstellungen zu Ausgestaltung und Bedeutung des Integrationsprozesses. Davor warnt Stefan Meister, Leiter des Zentrums für Ordnung und Governance in Osteuropa, Russland und Zentralasien bei der DGAP. Welche Missverständnisse er sieht, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights der Woche

Am Dienstag lädt die Metropolregion Rheinland zum Parlamentarischen Abend in die Landesvertretung NRW in Berlin ein. Thema werden Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau sein. Berlin, 18 Uhr

Am Mittwoch kommt aller Voraussicht nach das Digitale-Identitäten-Gesetz ins Kabinett. Es bildet die rechtliche Grundlage für die EUDI-Wallet, die Anfang 2027 ausgerollt werden soll. Aufgrund des Zeitdrucks hatte es eine verkürzte Verbändeanhörung gegeben, dennoch scheint nun alles geeint zu sein. Das Gesetz dürfte auch auf der re:publica eine Rolle spielen.

Von Montag bis Mittwoch findet die re:publica unter dem Motto „Never Gonna Give You Up“ statt, das Hoffnung in schweren Zeiten machen soll. Neben Politikerinnen und Politikern wie Angela Merkel, Karsten Wildberger, Heidi Reichinnek, Kevin Kühnert, Reem Alabali Radovan, Markus Blume und Omid Nouripour sind unzählige Digital-Experten wie Carole Cadwalladr, die den Cambridge-Analytica Skanda aufdeckte, Künstlerin Hito Steyerl oder Karen Hao, Autorin des Buches „Empire of AI“, zu Gast.

Am Mittwoch findet das Auftakttreffen des Expertengremiums Digitalisierung zur Umsetzung der Sozialstaatsreform statt. Es soll innerhalb eines halben Jahrs eine „Roadmap“ für konkrete Schritte vorlegen. Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände sind mit jeweils drei Personen vertreten, auch die Bundesagentur für Arbeit ist dabei. Eine Übersicht der Pläne finden Sie hier.

Am Donnerstag findet das IMK Forum 2026 statt zum Thema Sondervermögen und Verteidigungsausnahme: Wachstumsbooster oder Verschiebebahnhof? Die Keynote hält BMF-Staatssekretär Steffen Meyer. Inputs gibt es unter anderem von Yasmin Fahimi (Was schafft wirklich Wachstum? – Unsere Ansprüche an eine progressive Finanzpolitik) und Monika Schnitzer (Lektionen für die Reform der Schuldenbremse). Weitere Informationen

Am Donnerstag und Freitag findet die Jahreskonferenz des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen in der Landesvertretung Baden-Württemberg statt. Schwerpunkte sind Digitalisierung und Staatsmodernisierung sowie Sicherheit und Resilienz. Dabei sind unter anderem Generalmajor Wolf-Jürgen Stahl, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev und Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär im BMI. Weitere Informationen

Von Freitag bis Montag trifft sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft zu ihrem Jahrestreffen erstmals in Tschechien. In Prag stößt das auf Widerstand, vor allem im rechten Spektrum, wo der Ortswechsel teils als Infragestellung der Nachkriegsordnung und der Beneš-Dekrete gedeutet wird. Das Parlament reagierte mit einer symbolischen Entschließung. Zugleich politisieren rechte Akteure auf beiden Seiten das Thema. Die Teilnahme von Markus Söder erhöht die politische Aufmerksamkeit. (Spiegel)

18. Mai

Soziales: Bärbel Bas, begleitet unter anderem durch den Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel, spricht mit behinderten Aktivistinnen und Aktivisten zur geplanten Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes. Berlin

Wirtschaft I: Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte und Nobelpreis-Träger Joseph Stiglitz sprechen über die Folgen globaler Ungleichheit und was man dagegen tun kann. Landesvertretung Bremen, 17:30 Uhr. Anmeldung

Wirtschaft II: Beginn des Finanzminister-Treffens der G7 in Paris, mit Vertretern der Zentralbanken der Mitgliedstaaten. Deutschland wird von Lars Klingbeil vertreten. Paris, 18. bis 19. Mai

Außenpolitik I: Boris Pistorius empfängt Amtskolleginnen und -kollegen. Klaudia Tanner, aus der Schweiz Martin Pfister und aus Luxemburg Yuriko Backes. Berlin, 11:45 Uhr

Außenpolitik II: Johann Wadephul empfängt seinen türkischen Amtskollegen Hakan Fidan im Auswärtigen Amt.

Parteien: CDU-Präsidiumssitzung (9 Uhr), anschließend Pressekonferenz mit Carsten Linnemann und Johann Wadephul (13:30 Uhr). Grünen-Bundesvorstand (9:30 Uhr) und Pressekonferenz mit Franziska Brantner (14 Uhr). Sitzung des SPD-Parteivorstands und Pressekonferenz mit Tim Klüssendorf und Steffen Krach, unter anderem zu Bauen und Mieten (13:45 Uhr)

Umwelt: Der Expertenrat für Klimafragen veröffentlicht seinen Prüfbericht zu Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 und zu Projektionsdaten 2026. Haus der BPK, 10 Uhr

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Must-Reads

FT: Geburtenraten brachen nach Smartphone-Verbreitung ein. In den letzten 15 Jahren ist die Rate in einem Land nach dem anderen eingebrochen, nachdem das Smartphone kam. Das gelte für die USA und UK ebenso wie für Senegal, Iran oder Ägypten. Wissenschaftler vertreten die These, der entscheidende Faktor sei, dass überall die Zeit für persönliche soziale Kontakte zurückgegangen ist. („Why birth rates are falling everywhere all at once“)

Handelsblatt: Innenminister warnen vor Gefahr durch AfD. Innenminister wie Georg Maier aus Thüringen fordern, dass die IMK Mitte Juni berät, welche Risiken eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt bedeuten würde und was sich entgegensetzen lässt. Die Umbaupläne der AfD trügen „Züge eines Staatsstreichs“, so Maier. Geheiminformationen könnten etwa nach Russland fließen. („Innenminister warnen vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt“)

FAZ: Klimaunion hat Bedenken beim Heizungsgesetz. In der CDU-nahen Organisation gibt es Bedenken gegen das neue Heizungsgesetz von Katherina Reiche. Die Klimaunion hält den Entwurf laut einem Gutachten für verfassungsrechtlich problematisch. Kritisiert wird vor allem, dass bestehende fossile Heizungen auch über das Zieljahr 2045 hinaus weiterbetrieben werden könnten. Das Gutachten sieht einen möglichen Konflikt mit den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur Klimaneutralität. („Verstößt das neue Heizungsgesetz gegen die Verfassung?“)

Nicht überlesen!

Ärzteblatt: Übergriffiges Verhalten auf Ärztetag. Medizinstudentinnen prangerten auf dem Ärztetag an, sie hätten Kommentare über ihre Ausschnitte, Hände auf Rücken und Po oder Einladungen auf Hotelzimmer ertragen müssen. Der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhard bezeichnete das als „zutiefst verstörend“. Er versprach Schutzkonzepte und andere Maßnahmen. („Deutscher Ärztetag: Medizinstudentinnen berichten von Übergriffen“)

LTO: Kritik an den Antworten auf kleine Anfragen. Der Staatsrechtler Sebastian Roßner üb rechtlich und stilistisch Kritik am Verhalten der Regierung beim Beantworten von Kleinen Anfragen. Sie sei grundsätzlich zur Auskunft verpflichtet; deshalb sei es stets angemessen, auf Fragen konkret zu antworten, statt immer wieder auf vergangene Antworten zu verweisen. Roßner hatte sich Fragen und Antworten der Linkspartei zum Asylrecht genauer angesehen. („Komplizierte Antworten auf Kleine Anfragen“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Markus Söder, Melanie Baum, Gordon Repinski

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Maximilian Gertler, Charité: Ebola in DR Kongo und Uganda

7:15 Uhr: Norbert Röttgen, Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion: Trumps turbulente Außenpolitik

8:10 Uhr: Georg Maier, Innenminister Thüringen (SPD): Umgang mit der AfD

ARD

8:15 Uhr: Michael Hüther, Direktor Institut der deutschen Wirtschaft: Debatte um Wochenarbeitszeit

Welt

7:15 Uhr: Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender: Höhenflug der AfD und Vertrauensschmelze der SPD

8 Uhr: Andreas Rödder, Universität Mainz: Höhenflug der AfD

13:15 Uhr: Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im BMLEH (CDU): Deutschland unter Reformdruck

15 Uhr: Linda Teuteberg, ehemalige Generalsekretärin der FDP: Selbstbestimmungsrecht am Beispiel Marla-Svenja Liebich

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Geburtstage von morgen

Thomas Gottschalk, Fernsehmoderator, 76

Frank Plasberg, ehemaliger Moderator der Talkshow Hart aber Fair, 69

Björn Simon, MdB (CDU), 45

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu einem Jahrhundertprozess. Die jahrelange Massenvergewaltigung an Gisèle Pelicot durch ihren Ex-Mann und mehr als 80 weitere Täter warf elementare Fragen über männliche Gewalt auf. Die Philosophin Manon Garcia beobachtete den Prozess in Avignon und analysiert in ihrem aktuellen Buch ausgehend von ihren Erkenntnissen etwa das Sexualitätsverständnis von Männern und Männlichkeit, Machverhältnisse, Geschlechterbeziehungen oder die Rolle der Justiz. Das alles gelingt der Professorin der Berliner FU, ohne zu Vereinfachungen zu greifen oder ins allzu Anklagende zu verfallen. Leonard Schulz

„Mit Männern leben“ von Manon Garcia | Suhrkamp

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Marion Bergermann, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Helene Bubrowski, Christian Domke Seidel, Alexandra Endres, Daniel Friesen, Tim Gabel, Markus Grabitz, Lisa-Martina Klein, Franziska Klemenz, Malte Kreutzfeldt, Chiara Rautenberg, David Renke, Arne Schütte, Leonard Schulz, Sven Siebert, und Britta Weppner mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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