Berlin.Table – Ausgabe 785

Trump strapaziert Berlins Geduldsfaden + Felbermayr fordert Nachdenken über Kernenergie + EU-Kommission zu Energiepreisen

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Talk of the Town

Trumps Druck und Berlins Reaktion: Irgendwann ist dann mal Schluss

Irgendwann kommt auch die Geduld von Friedrich Merz zu einem Ende. Und dieses Ende rückt im Verhältnis zu Donald Trump immer näher. Nichts zeigt das so sehr wie die aktuelle Reaktion Berlins auf Trumps Forderung, die Partner sollten jetzt beim Schutz der Straße von Hormus helfen. Der Kanzler und sein Kabinett haben sich entschieden, einen Bundeswehreinsatz am Golf hart abzulehnen. Am Nachmittag sagte Merz: „Es stellt sich nicht die Frage, ob wir uns beteiligen. Wir werden es nicht tun.“

Auch auf Trumps Drohung Richtung Nato ging Merz direkt ein. „Zu jedem Zeitpunkt war klar: Dieser Krieg ist nicht Angelegenheit der Nato.“ Die USA und Israel hätten Berlin und ihre Partner weder vorher konsultiert noch später gefragt. Die Nato sei ein Verteidigungsbündnis, kein Interventionsbündnis. Deshalb erwarte er auch einen angemessenen „Respekt untereinander“. Merz ließ keine Zweifel daran, wie skeptisch er den Krieg sieht. „Die Risiken dieses Krieges sind groß, sehr groß“, so der Kanzler. Man teile zwar das Ziel, das Nuklear- und das Raketenprogramm zu beenden. „Aber das herbeizubomben, wird aller Voraussicht nach nicht gelingen.“ Gerade deshalb sei Außenminister Johann Wadephul zuletzt in der Region gewesen, um mögliche Gesprächsfäden auszuloten.

Die Distanz zur Trump-Administration wird von Woche zu Woche größer. In informellen Gesprächen mit Regierungsvertretern zeigt sich, wie groß der Ärger über die jüngsten Volten des US-Präsidenten ist. Dass er zunächst erklärte, die europäischen Nato-Partner seien ohnehin für kaum etwas zu gebrauchen, um jetzt ebendiese Nato-Partner zu einem Einsatz zwingen zu wollen, hat in Berlin und anderen EU-Hauptstädten zu immenser Verärgerung geführt. Mit der aktuellen Erklärung trägt die Regierung außerdem der Tatsache Rechnung, dass sie überall spürt, wie groß auch in der Bevölkerung inzwischen die Distanz zum kriegsführenden US-Präsidenten geworden ist. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem wir einfach nicht mehr mitgehen können“, sagte ein hoher Regierungsvertreter Table.Briefings.

Hinzu kommen rechtliche und technische Gründe, sich auf so einen Einsatz nicht einzulassen. So heißt es in der Regierung, für einen Einsatz fehle jegliches rechtliche Mandat, insbesondere eines durch die Vereinten Nationen. Und ohne dieses fehle auch jede Grundlage, um im Bundestag ein Mandat für einen entsprechenden Einsatz zu erhalten. Außerdem verweisen Sicherheitsexperten der Regierung auf Gefahren, die ob der Situation am Persischen Golf nicht ausgeschlossen werden könnten. Schon mit einfachen Granaten von Land aus oder mit Fassbomben und schlichten Schiffsminen könne der Iran schwersten Schaden anrichten und Marineeinheiten in einen offenen Krieg ziehen. Das will Berlin auf keinen Fall.

Zumal Experten einen Erfolg für sehr unwahrscheinlich halten. Ein Geleitschutz durch die Straße von Hormus ist hoch riskant. Neben der Minenbedrohung verfüge Europa nur über rund 15 Fregatten, die sich für die Luftverteidigung eigneten, schätzt Holger Schlüter, Experte am Deutschen Maritimen Institut. Nur ein Drittel ist einsatzbereit, der Rest befindet sich in Werften oder Ausbildung. Für einen Konvoi wären mehrere Fregatten nötig. Zugleich sind Fregatten selbst attraktive Ziele. Zudem, da es dem Iran bisher gelingt, mit wenig Mitteln für große Unsicherheit zu sorgen. „Es reichen wenige koordinierte Schnellboote, die einen Tanker einkreisen und für massive Nervosität sorgen – ohne einen einzigen Schuss abzugeben”, sagt Schlüter.

Beim Außenrat fielen die Reaktionen auf Donald Trumps Forderung durchgehend negativ aus. Dies sei nicht Europas Krieg, niemand wolle aktiv eingreifen, sagte die Außenbeauftragte Kaja Kallas nach dem Treffen. Es gebe derzeit auch keine Bereitschaft der Mitgliedstaaten, das Mandat der EU-Marineoperation Aspides vom Roten Meer auf die Straße von Hormus auszuweiten. Der Schutz der Schifffahrt im Roten Meer bleibe von entscheidender Bedeutung. Das Risiko von Angriffen durch die Huthis bleibe sehr hoch, weshalb die EU wachsam bleiben müsse. Die Außenminister hätten deshalb diskutiert, wie Aspides mit mehr Schiffen gestärkt werden könne. „Wir wollen zuerst erfahren, wann Israel und die USA ihre militärischen Ziele erreicht haben wollen“, sagte Außenminister Johann Wadephul. In einer zweiten Phase könne man dann über eine Sicherheitsarchitektur für die Region reden.

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- Im Zusammenhang mit: Parlamentarische Initiativen zum EEG, Drucksache 21/4457; "Die Sonne ihren Job machen lassen – Für ein zukunftsfestes Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz"; Deutschland, national

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News

Iran-Krieg und die Folgen: Wirtschaftsweiser Felbermayr fordert neues Nachdenken über Kernkraft in Deutschland. Vor dem Hintergrund der steigenden Öl- und Gaspreise hat der Wiener Ökonom Gabriel Felbermayr, neues Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ein Umdenken bei der Kernenergie in Deutschland gefordert. „Wir werden alle Register ziehen müssen, um uns unabhängig zu machen von den volatilen fossilen Energieformen. Anderswo setzt man in Europa auf die Kernenergie”, sagte Felbermayr im Podcast Table.Today.

Die Bundesregierung sollte darüber nachdenken, die neuen Kernkraftwerktechnologien, die so genannten Small Modular Reactors, zu erforschen und möglicherweise zuzulassen. „Es ist jetzt deutlich, dass der Ausstieg aus der Kernenergie ein Fehler war. Man hat sichere Reaktoren abgeschaltet, anderswo in Europa werden weniger gute Reaktoren länger gefahren. Dass einzugestehen, wäre der erste Akt”, sagte Felbermayr. Der zweite Akt wäre, dass die deutsche Forschungsexpertise bei der Kernkraft für Europa nutzbar gemacht würde.

Der Wirtschaftsweise ergänzte, dass die Politik sich für möglicherweise weiter steigende Benzinpreise von bis zu 2,50 Euro pro Liter Maßnahmen überlegen sollte. „Märkte, die so explodieren, die funktionieren nicht mehr. Da braucht es Instrumente, um dem zu entgegnen. Die Politik muss da ein klares Signal setzen.” Im aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Kraftstoffpreisanpassungsgesetz werden Tankstellen mehrere Preiserhöhungen pro Tag verboten. Laut dem Entwurf, der Table.Briefings vorliegt, dürfen die Tankstellen um 12 Uhr mittags nur einmal die Preise anheben, wer dies dennoch tut, kann mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro belegt werden. Das ganze Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker

Table.Today. "Brauchen wir ein Comeback der Kernenergie? Mit Gabriel Felbermayr."
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Energiepreise: Von der Leyen kündigt neue Maßnahmen an. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Staats- und Regierungschefs der EU in einem am Montag verschickten Brief mitgeteilt, wie die Kommission die Strompreise senken will. Darin spricht sich die CDU-Politikerin auch gegen die vorzeitige Stilllegung von Atomkraftwerken aus. Von der Leyen will aber auch den Ausbau erneuerbarer Energien und Netze beschleunigen, den Emissionshandel reformieren und die Beihilferegeln anpassen. Welche Maßnahmen genau geplant sind, lesen Sie im Europe.Table. Manuel Berkel

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Zuckersteuer: Kein Heilmittel für die GKV-Finanzen. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Softdrink-Konsum. Doch die Wirksamkeit einer Steuer darauf ist umstritten. Eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigt außerdem: Als Finanzierungsinstrument für die Gesetzliche Krankenversicherung wäre eine Zuckersteuer gänzlich ungeeignet. (mehr auf pkv.de)

Krieg im Iran: Welche Auswirkungen der Konflikt auf das Klima hat. Nicht die militärischen Operationen, sondern die Wiederaufbauarbeiten nach dem Krieg werden das Gros der Treibhausgasemissionen freisetzen. Das legt eine aktuelle Studie über „die versteckten Klimakosten des Israel-Gaza-Krieges“ nahe. Danach haben die direkten kriegerischen Auseinandersetzungen 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente verursacht. Der Bau von Verteidigungstunneln oder -mauern, aber vor allem der Wiederaufbau nach dem Krieg erhöhe die Emissionen um ein Vielfaches auf 33,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, zeigt eine Untersuchung unter Federführung der Queen Mary University of London. Da militärische Emissionen in Verträgen wie dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht auftauchen, gebe es diesbezüglich eine „erhebliche Berichterstattungslücke“, kritisieren die Forscher. Mit welcher Begründung die Militärs ihre Treibhausgasemissionen verschweigen wollen, lesen Sie im Climate Table. Kai Schöneberg

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Rüstungsstandort Bayern: Wie die DIHK auf die neue Start-up-Szene schaut. Die IHK München und Oberbayern hat zusammen mit dem Startup-Verband den „Bayern Startup & Scaleup Monitor 2026” erstellt. Der Bericht gilt als erstmalige Datengrundlage für den Rüstungsstandort München, der in Europa vor Berlin, London und Helsinki führt. Hier sitzen auch die bestfinanzierten Defense Scale-ups des Freistaates – Helsing, Quantum Systems und Arx Robotics. Welche Faktoren den wachsenden Boom des Standorts begünstigen, lesen Sie im Security.Table. Katharina Horban

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Bürgergeld: Bundesregierung will Inflationsanpassung abschwächen. Die Regelsätze in der Grundsicherung sollen langsamer an die Inflation angepasst werden. Diese Ankündigung aus dem Koalitionsvertrag will die Regierung im Sommer im Rahmen des sogenannten Regelbedarfsermittlungsgesetzes umsetzen. Das geht aus der Antwort auf eine Frage des Grünen-Politikers Timon Dzienus hervor. Hintergrund des Gesetzes ist die alle fünf Jahre durchgeführte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts. Auf Basis von Sonderauswertungen wird dabei der Regelsatz neu berechnet und dann jährlich fortgeschrieben – die Methode ist aber umstritten. Mit der Einführung des Bürgergelds 2023 wurde eine „ergänzende Fortschreibung" eingeführt, um die Inflation, die 2022 hoch war, schneller zu berücksichtigen.

Dies soll nun zurückgenommen werden. Dzienus kritisiert das, da der Iran-Krieg und mit ihm die gestiegenen Preise für Öl „die nächste Welle der Inflation" schon ankündigen würden. An den Tankstellen würden die Leute das bereits merken. Die Lehren aus der letzten Preiskrise wieder zu verwerfen, „verschärft die Existenzängste von Millionen von Menschen", so der Abgeordnete. Wenn die Lebenshaltungskosten weiter steigen, müsse die Regierung den Regelsatz außerplanmäßig erhöhen. Okan Bellikli

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Hebammenhilfevertrag: Kassen einigen sich mit Verbänden auf Änderungen. Vorgesehen ist etwa eine Eins-zu-eins-Zulage bei schnellen Geburten und bei Schichtwechseln. Das geht aus einer Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbands hervor, die Table.Briefings vorab vorliegt. Durch den Vertrag wird demnach die Vergütung pro Stunde für die Eins-zu-eins-Betreuung einer Geburt mehr als verdoppelt. Zudem können nun Leistungen im Bereich der ambulanten Abklärung eines akuten Behandlungsbedarfs der Schwangeren abgerechnet werden. Außerdem wurden Formulare zur Leistungsdokumentation überarbeitet: Dokumentationspflichten bei telefonischen Beratungen entfallen. Die Anpassungen des Vertrags sollen ab 01. April dieses Jahres gelten. Magdalena Latz

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Kommunalwahl in Hessen: CDU laut vorläufigen Zahlen stärkste Kraft. Die Christdemokraten kommen nach Angaben des Statistischen Landesamtes auf 29,7 Prozent. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent im Vergleich zur Kommunalwahl 2021. Ihr bestes Ergebnis erzielte die CDU den vorläufigen Zahlen zufolge im Kreis Fulda mit 42,8 Prozent und im Hochtaunuskreis, wo sie auf 36,8 Prozent kommt. Die SPD erreicht 20,2 Prozent der Stimmen, 3,8 Prozentpunkte weniger als bei der vorangegangenen Wahl. Besonders stark sind die Sozialdemokraten in der Stadt Offenbach mit 33,3 Prozent und im Kreis Kassel mit 31,9.

Die AfD konnte ihr Ergebnis aus dem Jahr 2021 mehr als verdoppeln und holt nach aktuellem Stand 15,9 Prozent. Die Grünen landen mit 14,4 Prozent auf Platz vier, die Linke kommt auf 5,8 Prozent. Die FDP erreicht 3,7 Prozent kann aber in Rosenthal die Gemeinderatswahl mit 40 Prozent für sich entscheiden. Am Montag waren jedoch hunderttausende Stimmzettel noch nicht ausgezählt. Bei dem Trendergebnis in Hessen handelt es sich um ein reines Abstimmungsergebnis ohne Kumulieren und Panaschieren. Die einzelnen Ergebnisse in den Gemeinderäten können noch abweichen. Magdalena Latz

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SPD-Wirtschaftsforum: Vorstand fordert konsequente Umsetzung des Koalitionsvertrages. Eine Korrektur des Koalitionsvertrages, wie sie Katherina Reiche zuletzt gefordert hatte, lehnt das Forum ab. Stattdessen solle der Koalitionsvertrag konsequent umgesetzt werden. Es gebe kein Defizit an Vorhaben, Zielen oder Initiativen in der Bundesregierung, sagt Ines Zenke, Vorsitzende des Wirtschaftsforums. Aber es fehle an „Entschlossenheit, einer klaren Positionierung und einer integrierten Strategie für Wachstum und Innovation“, so Zenke. „Wir brauchen keine Debatte um einen neuen Koalitionsvertrag.“ In dem Papier, das Table.Briefings vorliegt, beschreibt das Forum auf sechs Seiten, welche Problemfelder die Bundesregierung dringend angehen müsse.

Deutschland brauche jetzt wettbewerbsfähige Energiepreise und keine punktuellen Entlastungen, heißt es in dem Papier. Damit bezieht sich das Forum auf den Industriestrompreis. Dieser wurde zwar beschlossen, aber bisher noch nicht umgesetzt. Ein weiteres Thema ist der Bürokratieabbau. Viele der beschlossenen Maßnahmen – wie weniger Dokumentationspflichten oder geringere Berichtslasten – befänden sich noch immer in Gesetzgebungsprozessen. Unternehmen würden weiterhin über komplexe Verfahren berichten. Zudem brauche es einen Kulturwandel, der das Mindset aller Beteiligten konsequent auf „Veränderungsbereitschaft, Verantwortungsübernahme und kooperative Lösungsfindung ausrichtet“, sagt Zenke Table.Briefings. „Bitte nicht mehr sagen, was nicht geht, sondern sich auf die Suche danach machen, was möglich ist.“ Laura Block

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AfD-Strategie: Über den ländlichen Raum an die Macht. Die AfD will bei der nächsten Bundestagswahl mehr als die Hälfte aller Direktwahlkreise erobern. Das will sie über die Fläche erreichen. Die AfD soll „die Partei des ländlichen Raums“ werden, schreibt Fraktionsvize Sebastian Münzenmaier in einem Strategiepapier. „Raus aufs Land“ fordert er darin. Über den Plan, eigene Kneipen zu etablieren, berichtete Table.Briefings bereits. „Keine sterilen Büros, sondern multifunktionale Zentren in ehemaligen Gaststätten, Discos oder Weingütern“, formuliert Münzenmaier aus. Sein Papier bezieht sich zwar auf Rheinland-Pfalz, doch die Strategie könnte deutschlandweit Anklang finden.

Die AfD will dort ansetzen, wo andere Parteien „aufgegeben“ hätten. Münzenmaier empfiehlt ein ganz konkretes Vorgehen: Leerstehende Objekte identifizieren, Mandate nutzen, Eröffnung durch prominente Gäste für die Presse interessant machen. Danach mit niedrigschwelligem Angebot locken, mit dem „Vorfeld“ kooperieren – das ist für die AfD etwa die Identitäre Bewegung – und die Presse „nutzen“. In einer dritten Stufe geht es darum, dauerhaft die eigenen Punkte einsickern zu lassen: Die AfD als die Partei, die konkrete Probleme der Menschen wie Spritkosten im Auge hat. „Machen wir den ländlichen Raum zum Machtfaktor“, fordert Münzenmaier. Franziska Klemenz

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Innovation in der Landwirtschaft: Neues Zentrum soll Transformation antreiben. Klimaresilienz im Acker- und Weinbau, die Nutzung nasser Moore oder nachhaltige Tierhaltung: Die Landwirtschaft muss an vielen Stellen zukunftsfähiger werden. Praktiker, Wissenschaftler und andere Akteure haben dafür viele Ideen. Doch Erkenntnisse aus Forschungsprojekten schaffen es häufig nicht oder nur langsam in die landwirtschaftliche Praxis. Das Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) geht künftig der Frage nach, wie Innovationen schneller ablaufen können. Das IAT wird an diesem Dienstag eröffnet. Wie Co-Leiterin Bettina Matzdorf Forschung und Praxis zusammenbringen will, lesen Sie im Agrifood.Table. Cornelia Meyer

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In unserem gestrigen Text zu den Energiepreisen hat sich leider eine falsche Zahl zu den freigegebenen Ölreserven eingeschlichen. Es handelt sich nicht – wie von uns geschrieben - um 20 Millionen Tonnen, sondern um etwa 20 Millionen Barrel, was 2,6 Millionen Tonnen entspricht. Wir bitten um Entschuldigung.

Über die Höhe der Ölreserven in Deutschland dagegen besteht offenbar Unklarheit zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Internationalen Energieagentur (IEA). Während diese in ihren Statistiken meldet, in Deutschland lagerten 34,3 Millionen Tonnen Öl (was wir geschrieben hatten), erklärt das BMWE auf Nachfrage, die strategische Reserve enthalte nur 19,5 Millionen Tonnen. Sobald diese Unterscheidung aufzuklären und relevant ist, werden wir uns melden.

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Table.Documents

Entwurf zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von Kraftstoffpreisen

Brief der EU-Kommission zu Energiepreisen

Brief der Energieminister an Katherina Reiche

Positionspapier des SPD-Wirtschaftsforums

Antwort auf Kleine Anfrage zu Rüstungsexport-Genehmigungen

Entwurf des Regierungsprogramms der CDU Sachsen-Anhalt

AfD-Strategiepapier „Verankerung in der Fläche – Die AfD erobert die Dörfer“

Pressemitteilung zu Änderungen am Hebammenhilfevertrag

Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zu ökonomischen Effekten von Unternehmensmitbestimmung

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Iris Schöberl über die Effzienzwende in der Immobilienbranche. Table.Forum

Heads

Robin Mesarosch, 34, vor einem Jahr aus dem Bundestag ausgeschiedener MdB aus dem Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen, will für den SPD-Landesvorsitz in Baden-Württemberg kandidieren. Am Montag warf er via Social-Media-Post als Erster seinen Hut in den Ring. Weitere Bewerbungen werden wohl folgen. Inhaltlich will sich Mesarosch insbesondere dem Klimaschutz, Gerechtigkeitsfragen und dem Kampf gegen die AfD widmen. Seine Kernkritik: „Wir erreichen viel zu wenig Leute – und überzeugen noch weniger.“ Ganz überraschend kommt die Kandidatur nicht: In den vergangenen zwei Wochen hatte er sich wiederholt kritisch über die Lage der Partei in Land und Bund geäußert. Nach dem Rücktritt von Andreas Stoch noch am Abend der Baden-Württemberg-Wahl am vorvergangenen Sonntag soll ein außerordentlicher Parteitag am 20. Juni einen neuen Parteivorsitzenden küren. Horand Knaup

Axel Baisch, Andrea Römmele, Mark Hallerberg und Thurid Hustedt haben die kommissarische Leitung der Hertie School in Berlin übernommen. Baisch ist Geschäftsführer der privaten Hochschule, Römmele, Hallerberg und Hustedt sind Dekane. Die Amtszeit der bisherigen Präsidentin Cornelia Woll endete am Wochenende. Nach der Absage des designierten Präsidenten Jan-Werner Müller muss die Findungskommission um Ex-Kanzleramtschef Helge Braun, Präsident der Universität Lübeck, nun einen neuen Vorschlag unterbreiten. Wie das Misstrauensvotum gegen die Studierendenvertretung der Hochschule ausgegangen ist, lesen Sie hier. Anne Brüning, Tim Gabel

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Best of Table

Research.Table: Am Dienstag erscheint der Academic Freedom Index 2026. Mehr als 2.000 Länderexperten haben die Wissenschaftsfreiheit weltweit beurteilt. Wo sich die Lage zuspitzt und wie Deutschland abschneidet, lesen Sie morgen früh ab 5 Uhr hier.

Research.Table: Wissenschaftliche Politikberatung muss unabhängig sein. Experten dürfen nicht zum Spielball politischer Interessen werden, mahnt Akademien-Manager Rudolf Hielscher in einem Standpunkt. Was sich seiner Meinung nach ändern sollte, lesen Sie hier.

Security.Table: Wie die Hisbollah ums Überleben kämpft. Mehr als 900 Tote und ein möglicherweise langer Bodenkrieg gegen israelische Einheiten – die von Teheran gesteuerte Hisbollah weitet durch ihr Eingreifen in den Iran-Krieg das Leiden im Libanon aus. Wie sie damit auch ihre eigene Existenz aufs Spiel setzt, lesen Sie hier.

Europe.Table: Warum Bürokratieabbau nicht den erhofften Aufschwung bringen wird. In Brüssel und bei den Arbeitgeberverbänden gilt Deregulierung derzeit als wichtigste Antwort auf Europas wirtschaftliche Probleme. Entscheidend wird jedoch sein, ob die EU ausreichend in ihre Zukunft investiert. Welches Risiko die Erzählung vom „Regulierungswahn“ mit sich bringen könnte, lesen Sie hier.

Climate.Table: Welche Rolle die Türkei im Kampf gegen den Klimawandel spielt. Die Türkei, Gastgeber der COP31 im November, will den internationalen Ausstieg aus den fossilen Energien zwar unterstützen. Unklar bleibt allerdings, wie aktiv sie das Thema auf der Klimakonferenz vorantreiben wird. Warum auch die nationale Energiepolitik im Widerspruch zum Klimaschutz steht, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Mehr Kooperation mit Südafrika. Vor Ort warb Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zuletzt für den Abbau von Handelshemmnissen. Welches Signal Wirtschaftsvertreter in der Reise sehen, lesen Sie hier.

Africa.Table: Warum BASF in Südafrika investiert. Trotz der Krise der Chemieindustrie in Deutschland, hat BASF im März sein Dispersionen-Werk in Südafrika erweitert. Gleichzeitig feiert der Konzern sein 60-jähriges Jubiläum im Land am Kap. Warum die Investition in die mehrjährige Konsolidierungsstrategie des Unternehmens passt, lesen Sie hier.

China.Table: Warum Indien bessere Chancen als andere Schwellenländer hat. Bis 2047, zum hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeit, soll Indien eine hoch entwickelte Volkswirtschaft sein. Das klinge ambitioniert, sei aber durchaus möglich, schreibt der Ökonom Arvind Panagariya in seinem Gastbeitrag. Was dafür notwendig ist, lesen Sie hier.

China.Table: Joybuy drängt in deutschen Online-Handel. Der Onlineshop Joybuy des Handelsriesen JD.com ist bereits der fünfte große chinesische Player auf dem deutschen Markt. Joybuy verspricht wie in China Lieferungen noch am selben Tag. Welche tiefgreifenden Veränderungen Branchenkenner dadurch hierzulande erwarten, lesen Sie hier.

Africa.Table: Milch und Fleisch statt Öl – Nigerias Pläne fürs Wirtschaftswachstum. Nigeria hat sich das Ziel gesetzt, seinen Viehwirtschaftssektor bis 2035 zu einer 74-Milliarden-Dollar-Industrie auszubauen. Statt dem „schwarzen Gold“, dem Öl, soll künftig auf das „weiße Gold“, also Milch und Fleisch gesetzt werden. Wie das der Bevölkerung auf dem Land helfen soll, lesen Sie hier.

Europe.Table: 50 Jahre Unternehmensmitbestimmung stehen auf dem Spiel. Zum Jubiläum des Mitbestimmungsgesetzes hat die Hans-Böckler-Stiftung seine ökonomischen Wirkungen analysiert. Warum sie in diesem Kontext eine Unternehmensrechtsreform der EU kritisch sieht, lesen Sie hier

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Time.Table

17. März 2026

Europa: Die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola hält auf der Konferenz „Europe 2026“ die Eröffnungsrede (9:55 Uhr). Später trifft sie Stefanie Hubig (10:35 Uhr) und Julia Klöckner (11:30 Uhr) zum Gespräch. Um 13:30 Uhr empfängt Friedrich Merz Metsola im Bundeskanzleramt. Am Nachmittag nimmt sie an einer Townhall-Diskussion an der Hertie School teil (15:45 Uhr).

Außenpolitik: Frank-Walter Steinmeier setzt seine Lateinamerika-Reise fort. In Guatemala trifft er Präsident César Bernardo Arévalo de León, besucht das Unternehmen Kaeser Compresores und tauscht sich mit Vertretern indigener Gemeinschaften aus.

Justiz: Der EuGH urteilt im Fall einer Mitarbeiterin einer katholischen Stelle für Schwangerschaftsberatung, die eine Kündigung erhielt, weil sie aus der katholischen Kirche ausgetreten ist.

Bundestag I: Sitzungen der Fraktionen und Statements der Fraktionsspitzen: Katharina Dröge, Grüne, 12:30 Uhr. Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, Linke, 13:45 Uhr. AfD-Fraktionsspitze, 14:30 Uhr. Matthias Miersch und Armand Zorn, SPD, 14:30 Uhr. Jens Spahn und Alexander Hoffmann, Union, 14:45 Uhr.

Bundestag II: Empfang der SPD-Fraktion zum Internationalen Frauentag mit Matthias Miersch und Bärbel Bas, 18 Uhr

18. März 2026

Journalismus: Beim Medienkongress SOURCE II diskutieren führende Vertreterinnen und Vertreter aus Medien, Politik und Wissenschaft, wie eine europäische Medienplattform aufgebaut und hochwertige journalistische Inhalte langfristig gesichert werden können. Auf dem Panel sprechen unter anderem Helene Bubrowski, Günther Oettinger, Rudi Hoogvliet und Markus Beckedahl. Landesvertretung Baden-Württemberg, Berlin, 13:30 Uhr bis 18 Uhr

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Must-Reads

SZ: Springer-Chef nach Orbán-Gastbeitrag in der Kritik. Nachdem die Welt bereits einen Gastbeitrag von Elon Musk mit Sympathien für die AfD veröffentlicht hatte, druckte die Welt am Sonntag nun einen Gastbeitrag von Viktor Orbán. Darin verbreitet der ungarische Ministerpräsident Narrative der russischen Propaganda und kritisiert die Ukraine sowie Wolodymyr Selenskyj scharf. Kritiker sehen darin indirekte Wahlkampfhilfe für Orbán, der vor der Parlamentswahl in Ungarn unter Druck steht. („Ein Text, der klingt, als sei er vom Kreml selbst verfasst worden“)

Stuttgarter Nachrichten: Boris Palmer will kein Minister unter Özdemir werden. Der Tübinger Oberbürgermeister will in seinem Amt bleiben und keinen Ministerposten in der Landeshauptstadt antreten. Dies teilte Cem Özdemir auf einer Sitzung des Grünen-Landesverbandes mit. Der parteilose OB hatte Özdemir im Wahlkampf unterstützt und bis zuletzt offengelassen, ob er in das Kabinett Özdemirs eintreten würde. („Palmer sagt Özdemir ab“)

Taz: Rassemblement National könnte ins Marseiller Rathaus einziehen. In den meisten der rund 35.000 französischen Kommunen sind die Bürgermeister bei den Kommunalwahlen direkt gewählt worden, in den Großstädten kommt es zu Stichwahlen. In Paris gewann der linke Politiker Emmanuel Grégoire mit einem unerwarteten Vorsprung, könnte aber durch ein Bündnis der Konservativen mit den Rechten und Rechtsextremen Probleme in der Stichwahl bekommen. In Marseille liegt der Kandidat einer linken Liste Kopf an Kopf mit dem des Rassemblement National. Bis Dienstagabend können Parteien Bündnisse für die Stichwahl bilden. („Keine Skrupel, wenn's um Paris geht”)

Taz: Linke nach Austritt von Antisemitismus-Beauftragten um Schadensbegrenzung bemüht. Wer Israel pauschal als „genozidalen Staat“ diffamiere, übernehme Narrative moderner antisemitischer Ideologie, begründet der Brandenburger Antisemitismusbeauftragte Andreas Büttner seinen Austritt aus der Linken. Er bezieht sich auf einen Parteitagsbeschluss der niedersächsischen Linken, in dem Israel mehrfach des Genozids bezichtigt wird, aber der 7. Oktober keine Erwähnung findet. Jan van Aken bedauerte den Austritt. „Vielleicht gibt es Einzelpersonen, die ein Antisemitismusproblem haben“, räumt er – laut Pascal Beucker relativierend – ein. („Ein folgenschwerer Linken-Beschluss“)

SZ: Oscar-Verleihung so unpolitisch wie lange nicht. Obwohl die beiden großen Gewinner „Blood & Sinners“ und „One Battle After Another“ politisch provokante Filme sind, sei die in den vergangenen Jahren oft politisch aufgeladene Preisverleihung angesichts der Trump-Eskalationen und ICE-Razzien erstaunlich gemäßigt gewesen, schreibt Kathleen Hildebrand. Lediglich der Dokumentarfilmgewinner David Borenstein sagte in seiner Rede: „Man verliert sein Land durch viele kleine Akte der Beihilfe.“ („Geht in Hollywood die Angst um?“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

unter den linden, 22:15 Uhr: Mathias Middelberg, Dietmar Bartsch

Maischberger, 22:50 Uhr: Jan van Aken, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Franz Müntefering, Jörg Pilawa, Christoph Schwennicke, Victoria Reichelt

Blome & Pfeffer, 23:30 Uhr: Jens Spahn, Heidi Reichinnek

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Daniel Gerlach, Nahostexperte: Lage im Libanon

7:15 Uhr: Armand Zorn, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion: Taskforce zur Senkung der Spritpreise

8:10 Uhr: Jean-Claude Juncker, ehemaliger EU-Kommissionspräsident: Brandmauer-Debatte

ZDF

6:40 Uhr: Lisa Paus, amtierende Vorsitzende des Haushaltsausschusses (Grüne): Jahrestag Sondervermögen

7:05 Uhr: Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion (CDU): Auswärtiger Ausschuss zu Iran-Krieg

8:05 Uhr: Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration (ÖVP): aktuelle Fluchtbewegungen

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: Taskforce zur Senkung der Spritpreise

7:45 Uhr: Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit: Straße von Hormus

9:05 Uhr: Antje Wurz, Stiftung Naturlandschaften Brandenburg: CO₂-Zertifikate für Brandenburgs Wälder

phoenix

9:05 Uhr: Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland: Iran-Krieg

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Geburtstage von morgen

Wiebke Winter, Mitglied des CDU-Präsidiums, 30

Christian Görke, MdB (Linke), 64

Roland Theis, MdB (CDU), 46

Thomas Strobl, Innenminister von Baden-Württemberg (CDU), 66

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute in die Kommunalpolitik. Nach den Wahlen in Bayern und Hessen stehen zwei weitere an: in Niedersachsen sowie in Berlin, wo neben dem Abgeordnetenhaus die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt werden. Vielerorts sind die Probleme ähnlich – dennoch gebe es „Inseln des Gelingens“, schreibt der Ökonom Uwe Schneidewind. Der frühere Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie war bis 2025 fünf Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt. In seinem Buch beschreibt er das „alltägliche Systemversagen“, aber auch Erfolge und Wege, wie die verschiedenen Teile einer Stadt besser zusammenarbeiten können. Zudem skizziert er eine „kommunale Staatsreform“, es brauche etwa mehr Ermessensspiel- und Experimentierräume vor Ort. Okan Bellikli

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Anne Brüning, Damir Fras, Daniel Friesen, Lisa-Martina Klein, Franziska Klemenz, Lukas Knigge, Vincent Mikoteit, Bernhard Pötter, Leonard Schulz, Sven Siebert und Sara Sievert mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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