Hertie School: Wer sie übergangsweise führt – und wie die Studierenden zur BDS-Resolution stehen

Nach der Absage des designierten Präsidenten Jan-Werner Müller gibt es eine kommissarische Inhouse-Lösung. Im Streit über eine Pro-BDS-Resolution wurde die Studierendenvertretung abgewählt. Die Ergebnisse zeigen eine Spaltung in dieser Frage.

16. März 2026
Gebäude der Hertie School in der Friedrichstrasse von Berlin.
Die Hertie School in Berlin: Übergangsweise wird die private Hochschule von einem vierköpfigen Gremium geleitet. (picture alliance / ZB | Sascha Steinach)
Das Briefing Nr. 1 für Wissenschaftspolitik. Jetzt Research.Table 30 Tage kostenlos testen!

Nach der Absage von Jan-Werner Müller für das Präsidentenamt der Hertie School wird die Hochschule nun übergangsweise von einem Quartett geführt: Der Geschäftsführer Axel Baisch übernimmt gemeinsam mit den Dekanen Andrea Römmele, Mark Hallerberg und Thurid Hustedt die kommissarische Leitung. Die vier Führungskräfte haben am 15. März die Verantwortung für die Hochschule übernommen, während die Amtszeit von Ex-Präsidentin Cornelia Woll am Samstag endete. Das geht aus einer Antwort der Hertie School auf eine Anfrage von Table.Briefings hervor.

Fest steht inzwischen, dass die Hertie-Stiftung in jedem Fall eine Übergangsphase erwartet hatte. Darauf wies auch Jan-Werner Müller noch einmal hin. In einer kurzen Mitteilung schrieb der Princeton-Professor, dass er sich „nicht öffentlich zu dem bedauerlichen Scheitern der Verhandlungen äußern möchte“. Da das akademische Jahr in den USA aber erst am 30. Juni ende, wäre ein Amtsantritt für ihn ohnehin frühestens zum 1. Juli möglich gewesen, betonte Müller. Es sei dementsprechend keine „last minute“-Absage gewesen.

Auch der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, Helge Braun, bestätigte nun auf Anfrage, dass man von einer Interimsphase ausgegangen sei. In der Satzung der Hochschule gebe es klare Regeln für diese Zeit. Daher sei „zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass es eine funktionierende Hochschulleitung gibt“, betonte Braun, der auch die Findungskommission für die neue Präsidentschaft leitet.

Die kommissarische Hochschulleitung begleitet bereits die Neuwahl der Studierendenvertretung, die vom 23. bis 30. März läuft. Im Streit über die Pro-BDS-Resolution der Hertie Student Representation (HSR) ist das amtierende Gremium Ende vergangener Woche abgewählt worden. Das knappe Ergebnis zeigt, dass die Studierendenschaft in der Frage gespalten ist: Von den 855 immatrikulierten Studierenden stimmten 312 (52 Prozent) für die Abwahl, 278 (47 Prozent) dagegen. „Wir hoffen nun auf eine hohe Wahlbeteiligung bei den Neuwahlen. In den vergangenen Tagen wurde auf unserem Campus nach universitärem und demokratischem Leitbild intensiv diskutiert“, heißt es vonseiten der Hochschulleitung.

Derweil erhalten die abgewählten Studierendenvertreter Unterstützung für ihr Agieren. In einem offenen Brief (als PDF hier) an die Hochschulleitung und die Vorstandsvorsitzende der Hertie-Stiftung, Annette Schavan, äußern sie sich mit Blick auf die Wissenschaftsfreiheit besorgt über die jüngsten Entwicklungen an der Hertie School. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient, die Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft (KriSol) und der Verein Palästinensischer und Jüdischer Akademiker*innen kritisieren die „angekündigten und implizierten Konsequenzen seitens der Universitätsleitung sowie der Hertie-Stiftung, die eine direkte oder indirekte Sanktionierung in Form von Disziplinarmaßnahmen der studentischen Repräsentant:innen in Aussicht stellen“.

Appell an Meinungsfreiheit und Autonomie. „Die Resolution der Studierendenvertretung bewegt sich inhaltlich – unabhängig davon, ob man deren Positionen teilt – klar im Rahmen der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit“, heißt es in dem Brief. Die darin formulierten Forderungen stützten sich zum Großteil auf die Stellungnahme des Internationalen Gerichtshofs vom Juli 2024. Darüber hinaus falle die Verabschiedung einer solchen Resolution in die Autonomie der studentischen Selbstverwaltung. Anne Brüning und Tim Gabel

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026