BASF: Welche Strategie der Chemiegigant in Afrika verfolgt

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat mit einer neuen Investition sein Engagement in Afrika bekräftigt. Während es in der deutschen Chemieindustrie weiterhin kriselt, versucht sich BASF international strategisch neu aufzustellen.

JH
16. März 2026
BASFs Dispersionsproduktionsgebäude in Durban. (BASF)
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Der Chemiekonzern BASF hat seine Produktionskapazitäten für Dispersionen in seinem Werk im südafrikanischen Durban erweitert. Die Einweihung der erweiterten Anlage erfolgte Anfang März, zeitgleich mit dem 60-jährigen Jubiläum der BASF-Präsenz in Südafrika. Mit dem Investment will das Unternehmen sein „langjähriges Engagement auf dem Kontinent“ bekräftigen, wie BASF mitteilte. Beim Ludwigshafener Chemieriesen legt man viel Wert darauf, dass das Unternehmen der einzige multinationale Konzern in Südafrika ist, der eine eigene Dispersionsproduktionsanlage betreibt. Die in Durban produzierten Beschichtungen und Bindemittel werden unter anderem in der Bau- und der Papierindustrie eingesetzt. Mit dem Ausbau will BASF die Lieferkapazitäten in Ost-, West- und Südafrika ausweiten. Angesichts der angekündigten Sparprogramme und Stellenkürzungen in Deutschland scheint die Investition überraschend, passt allerdings in die mittelfristige Konsolidierungsstrategie des Unternehmens.

Bereits 2024 hatte BASF seine sogenannte „Winning-Ways“-Strategie vorgestellt, die unter anderem die Fokussierung auf die vier Kerngeschäftsbereiche Chemie, Materialien, Nutrition & Care sowie Industrielösungen vorsieht. Zu letzterem Bereich zählen die Dispersionen. Ziel der „Winning-Ways“-Strategie ist es, den Konzern bis 2028 zu konsolidieren. „Die strategische Fokussierung auf profitables Wachstum bedeutet auch, auf wachstums­starke Märkte zu setzen“, heißt es dabei in der BASF-Strategie.

Der unlängst veröffentlichte Geschäftsbericht für 2025 zeigt, dass BASF mit Umsatzrückgang und Kostendruck kämpft. Der Umsatz fiel 2025 um knapp drei Prozent auf 59,7 Milliarden Euro, während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 6,6 Milliarden Euro sank. Auch für 2026 erwartet BASF keine starke Erholung, prognostiziert aber immerhin eine Stabilisierung. Der Sparkurs wird die deutschen Standorte des Unternehmens jedoch auch 2026 weiter treffen. Unter anderem kündigte BASF an, Finanz- und Personaldienstleistungen teilweise von Deutschland nach Indien verlegen zu wollen. Unklar ist zudem, wie sich der Krieg im Iran auf die ohnehin schon hohen Kosten der Chemieindustrie in Deutschland auswirkt.

In Afrika hofft man, künftig von einer steigenden Nachfrage nach Chemieprodukten zu profitieren. „Afrika ist ein sich vielfältig entwickelnder Kontinent, der als Markt für BASF in Zukunft eine wachsende Rolle spielen wird“, teilte der Konzern auf Anfrage von Table.Briefings mit. Fragen zum Umfang der Investition und der Bedeutung des Marktes beantwortet der Konzern auf Anfrage von Table.Briefings nicht. Laut der Weltbank dürften die weltweiten Verkäufe von chemischen Produkten bis 2030 auf 7,3 Billionen US-Dollar steigen – von 4,3 Billionen im Jahr 2019. Getrieben werde das Wachstum in erster Linie durch die Nachfrage in den Entwicklungs- und Schwellenländern angesichts der wachsenden Mittelschicht.

Teil der BASF-Investition in Durban ist unter anderem ein neues Anwendungslabor, das technische Serviceleistungen und stärkere Zusammenarbeit mit den Kunden in der Region liefern soll. Die Investition in Durban steht damit beispielhaft für die Strategie von BASF auf dem Kontinent. Der Konzern setzt auf lokale Büros und Produktionskapazitäten, Partnerschaften mit regionalen Distributoren und die Nutzung lokaler Rohstoffe und Wertschöpfungsketten, erklärt Thomas Schulte-Vorwick, Analyst beim Metzler Capital Markets.

Trotz allem Potenzial bleiben die Hürden für BASF in Afrika groß. Aktuell ist die wirtschaftliche Bedeutung Afrikas für BASF noch vergleichsweise gering. In den Geschäftszahlen für 2025 verzeichnete der Konzern für die Geschäftsregion Südamerika, Afrika und Naher Osten einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro – rund zehn Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Konkrete Zahlen für das Afrika-Geschäft verrät BASF nicht. Michael Schäfer, BASF-Analyst bei Oddo BHF, schätzt allerdings, dass die Umsätze in Afrika maximal ein Drittel der Regionalumsätze, also circa zwei Milliarden Euro ausmachen dürften. Schulte-Vorwick schätzt den Umsatz auf 1,3 bis 2,6 Milliarden Euro.

Neue Markteintritte plant BASF auf dem Kontinent aktuell nicht. Das liegt an den Herausforderungen auf dem Kontinent, etwa „in den häufig kleinen und fragmentierten Märkten für unsere Produkte“, schreibt BASF auf Anfrage. Wie viele andere Konzerne wird der Chemiegigant durch die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen, begrenzten Skaleneffekten und die unterschiedlichen Währungen gehemmt. Strukturelle Herausforderungen sind oft groß, die industrielle Entwicklung oft noch nicht weit fortgeschritten. Die Nachfrage nach chemischen Vorprodukten ist in den afrikanischen Märkten deshalb noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen Weltregionen. „Für BASF bedeutet dies, dass Wachstum meist schrittweise über lokale Vertriebsstrukturen, Partnerschaften und kleinere Produktionsstandorte aufgebaut wird“, so Schulte-Vorwick. Mitarbeit: David Renke

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026