Berlin.Table – Ausgabe 783

Jens Stoltenberg im Interview + Gedenkfeier für Guido Westerwelle + Unruhe im Wirtschaftsministerium

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Talk of the Town

Merz besucht Norwegen: Wie man die USA in der Nato hält und trotzdem mehr Eigenverantwortung übernimmt

Am Donnerstag ist Friedrich Merz zu seinem Antrittsbesuch nach Norwegen gereist – ein Land, das zu einem immer wichtigeren Partner für Deutschland wird: Weil es mit einem Anteil von rund 45 Prozent der wichtigste Erdgas-Lieferant ist und weil es die nördliche Grenze der Nato zu Russland absichert. Und so werden sich Merz’ Gespräche mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre vor allem um eine Frage drehen: Wenn die Partnerschaft mit den USA unter Donald Trump nicht mehr so verlässlich ist wie früher, wie kann dann Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen?

Am Ende dürfte es ein Balance-Akt werden, bei dem die USA um jeden Preis in der Nato gehalten werden und gleichzeitig mehr in die eigene Sicherheit investiert wird. So plädiert der ehemalige Nato-Generalsekretär und heutige norwegische Finanzminister Jens Stoltenberg im Podcast Table.Today dafür, dass die europäischen Verbündeten in Zukunft „mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit“ übernehmen. „Deutschland geht mit der Zeitenwende und den verstärkten Anstrengungen und Investitionen in die Verteidigung mit gutem Beispiel voran“, sagt Stoltenberg. Er betont aber auch, dass Europa alles tun müsse, „damit die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika in der Nato bestehen bleibt“. Die Hauptaufgabe für Deutschland, Norwegen „und alle anderen ist es, diese Differenzen zu überwinden und sicherzustellen, dass die USA der Nato und der transatlantischen Sicherheit verpflichtet bleiben“.

Man müsse den USA klarmachen, dass die Nato auch in ihrem Interesse ist. „Eine starke Nato ist gut für Europa, da wir ohne die USA und Kanada weniger sicher wären. Aber die Botschaft ist auch: Eine starke Nato ist gut für die Vereinigten Staaten“, so Stoltenberg. Die USA seien groß und machten 25 Prozent des weltweiten BIP aus. „Aber zusammen mit den europäischen Verbündeten und Kanada stellen wir 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft und 50 Prozent der militärischen Macht dar.“ Merz will sich am Freitag zusammen mit dem norwegischen Regierungschef und dem kanadischen Premier Mark Carney ein Bild von einer Nato-Militärübung in Nordnorwegen machen, an der auch Bundeswehrsoldaten beteiligt sind.

Die Kritik des US-Präsidenten nimmt Stoltenberg ernst und zieht Schlüsse für die europäischen Partner daraus. „Sein Hauptvorwurf richtet sich nicht primär gegen die Nato oder die Idee des Zusammenhalts. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen Nato-Partner, die nicht genug bezahlen“, so der norwegische Finanzminister. Es sei deshalb gut, dass die Partner jetzt finanziell nachlegen. Gemeint ist die Vereinbarung der Nato-Mitglieder, das Ausgabenziel auf fünf Prozent des BIP anzuheben. Das sei bei dem Nato-Gipfel in Den Haag klar als gemeinsames Ziel anerkannt worden. Stoltenberg geht noch weiter: „Ich erwarte, dass dieses Ziel auf dem Gipfel in Ankara bekräftigt wird.“ Auch, wenn es keine Garantien gebe, müsse das Risiko eines schlechten Ausgangs minimiert werden. „Mehr investieren: Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die USA engagiert bleiben.“ Sollte dennoch der Fall eintreten, dass Trump sich zurückzieht, sei es umso wichtiger, „dass wir selbst investiert“ haben.

Stoltenberg bedauert zwar die finanzielle Belastung durch hohe Verteidigungsausgaben, er sieht aber auch eine Chance in den Investitionen. „Es kann ein Wachstumsmotor sein, da öffentliche Investitionen in die Privatindustrie die Nachfrage steigern und neue Technologien entwickeln“, so der Finanzminister. Allerdings sei auch klar, dass jede Milliarde, die für Waffen ausgegeben werde, für Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur fehle. „Aber wir leben in einer gefährlicheren Welt mit einem aggressiveren Russland. Deshalb müssen wir Prioritäten setzen.“ Das Interview mit Jens Stoltenberg hören Sie im Podcast Table.Today ab 5 Uhr hier.

Table.Today. "Schafft Europa das Comeback? Mit Jens Stoltenberg und Thorsten Frei."
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News

10. Todestag von Guido Westerwelle: In schweren Zeiten kommen Liberale und Weggefährten zusammen. Ausgerechnet jetzt, da die FDP ums politische Überleben kämpft, treffen sich am kommenden Mittwoch, 18. März, in Berlin zahlreiche ehemalige FDP-Politiker und einstige Weggefährten, um dem vor zehn Jahren verstorbenen Guido Westerwelle zu gedenken. Auch die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel wird an der Gedenkfeier teilnehmen, wie ihr Büro auf Anfrage von Table.Briefings bestätigte.

Merkel und Westerwelle hatten trotz der Schwierigkeiten in der schwarz-gelben Koalition von 2009 bis 2013 ein gutes, fast freundschaftliches Verhältnis. Merkel hatte nach Westerwelles Tod gesagt, sie habe ihn „als empfindsamen und nachdenklichen Menschen“ gekannt, als einen verlässlichen und einen treuen Menschen. Sie habe mit ihm gemeinsam lachen können. Er habe es aber auch problemlos geschafft, sie „zur Weißglut zu bringen“.

Der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler hat sich ebenso angekündigt wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Auch Außenminister Johann Wadephul und enge frühere Mitarbeiter Westerwelles, unter ihnen der aktuelle Vorsitzende Christian Dürr, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Cornelia Schmalz-Jacobsen, Steffen Saebisch und Marco Buschmann wollen kommen. Bemerkenswert ist auch, wer laut Organisatoren abgesagt hat: darunter Christian Lindner und Rainer Brüderle.

Der zehnte Todestag Westerwelles fällt zusammen mit der jüngsten Wahlniederlage in Baden-Württemberg. Entsprechend dürfte auch die Frage heftig diskutiert werden, ob die FDP überhaupt noch eine Zukunft hat. Zumal kein Geringerer als Bundeskanzler Friedrich Merz die Partei einen Tag nach der Wahl im Südwesten schon für politisch tot erklärt hat. Dass Merkel nun öffentlich bei der Gedenkfeier auftritt, dürfte auch ein Zeichen dafür sein, dass sie das anders sieht.

Der frühere Justizminister Marco Buschmann hat seit seinem politischen Ausscheiden geschwiegen. Er hatte sich auferlegt, nicht aus dem Off Kommentare zu geben. Nun aber sagte er Table.Briefings zur Lage des Liberalismus im Land: „Deutschland braucht drei Dinge: mehr wirtschaftliche Dynamik, mehr technologische Innovation und vor allem mehr Toleranz.“ Er meine eine Toleranz, „die es ermöglicht, öffentlich konstruktiv über die Lösung der vielen Probleme im Land diskutieren zu können, statt sich nur gegenseitig anzuschreien oder zu bezichtigen“. Sein Appell: „Deutschland braucht dringend mehr Freiheit und Liberalität. Wenn es der FDP gelingt, die Faszination dieser Ideen wieder zum Strahlen zu bringen und ihren Nutzen für das Gemeinwohl zu verdeutlichen, wird sie auch eine Zukunft haben.“ Das klingt wie ein Grußwort und eine Mahnung an alle, die sich am Mittwoch treffen werden. Stefan Braun, Michael Bröcker

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Es ist Zeit, dass sich Innovationen in Europa lohnen. vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen.

Denn: Innovationen sind Europas beste Antwort.
Wir brauchen einen schnellen, einheitlichen und regelbasierten Marktzugang in Europa. Mit einem zukunftsfähigen AMNOG wird Deutschland Vorreiter sein. Machen wir uns bereit – am Pharmastandort EU und Deutschland.
Mehr beim vfa erfahren.

- Sponsor: Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.
- Im Zusammenhang mit: EU Pharmapaket (COM 2023/193), BIOTECH (COM 2025/1022), Pharma- und Medizintechnik-Dialog; EU / Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

Koalitionsausschuss: Kanzleramts-Chef sieht Parität bei Wahlrechtsreform skeptisch. Thorsten Frei sieht die von der SPD geforderte Geschlechterparität bei einer Wahlrechtsreform skeptisch. „Wir sind für eine verfassungskonforme Lösung. Wir haben in der Vergangenheit schon Entscheidungen der Landesverfassungsgerichte gesehen, die die Verfassungsmäßigkeit solcher paritätischen Listen nicht gesehen haben“, sagte Frei im Podcast Table.Today. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass man die Parität ohne eine Änderung des Grundgesetzes verfassungskonform machen könne. Die Priorität der Union liege bei den Direktkandidaten. „Wir haben den Wunsch, das Wahlrecht so zu ändern, dass jeder, der seinen Wahlkreis gewinnt, auch tatsächlich in den Bundestag einzieht.“

Die Stimmung in der Koalition sei intakt, sagte Frei. Der Koalitionsausschuss am Mittwoch sei in guter Atmosphäre verlaufen. „Wir treffen uns nicht nur dann, wenn es größere Probleme zu lösen gibt, sondern wir machen das kontinuierlich. Manchmal führt es zu konkreten Entscheidungen, manchmal geht es aber auch nur darum, die großen Themen weiterzutreiben.“ Im Kern gehe es der Koalition um die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, dazu werde die Koalition vor der Sommerpause auch noch Reformen beschließen. Das Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker

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PKV-Mehrumsatz: Jährlich rund 82.000 Euro je Arztpraxis. Mehrumsätze entstehen, weil es für die Behandlung von Privatpatienten weniger Beschränkungen und meist höhere Honorare gibt. Die Bedeutung der Privatpatienten zeigt sich auch darin, dass auf sie fast 22 Prozent aller Praxiseinnahmen entfallen – bei einem PKV-Versichertenanteil von nur 10,5 Prozent. (mehr auf pkv.de)

Baden-Württemberg: Konträre Wahrnehmungen, Verletzungen und das Ringen um einen Zeitplan. In Baden-Württemberg erschweren unterschiedliche Wahrnehmungen des Wahlergebnisses und gegenseitige Verletzungen aktuell eine erste Annäherung. Obwohl die Spitzen beider Parteien wissen, dass sie angesichts der politischen Lage kompromissbereit zueinander finden sollten, bestimmen Ärger und Abgrenzungen die Lage. Ganz gleich, ob man mit Grünen oder Christdemokraten spricht – stets ist es der andere, der erstmal zur Vernunft kommen müsse.

Erstes Hindernis: die Verletzungen aus den letzten Wahlkämpfen. Auf Seiten der CDU beherrscht immer noch der Ärger über Verunglimpfungen und persönliche Attacken gegen Manuel Hagel die Stimmung. Hintergrund sind Instagram-Posts, in denen eine Grünen-Bundestagsabgeordnete Eltern aufrief, ihre Kinder vor Hagel zu schützen. Christdemokraten lesen das als inakzeptable Form der Attacke. Spricht man mit Vertretern der Grünen, dann halten sie den Post für falsch, aber erinnern ihrerseits daran, wie sehr führende Unionisten im Bundestagswahlkampf Robert Habeck und Co. als dumm, unfähig und Bedrohung fürs Land attackiert hatten. Noch dominiert der Ärger, noch fehlen Annäherungen.

Hinzu kommt, dass beide sich nach dem Sonntag als Sieger sehen und den anderen als Verlierer. Bei den Grünen heißt es, die CDU habe eine schwere Niederlage erlitten und müssten sich erstmal sammeln. Was verständnisvoll klingt, aber zeigt, dass die Grünen sich als großer Sieger empfinden, der jetzt eben ein bisschen Geduld mit dem Verlierer haben müsse. Bei der CDU löst dieses Verhalten neuen Ärger aus, weil sie zwar den Rückstand erkennt, aber auch sieht, dass im Landtag beide Seiten gleichstark sind. Ihre Lesart: Eigentlich verbietet das jede Arroganz gegenüber dem knapp unterlegenen Konkurrenten und wahrscheinlichen Partner. Ergebnis: Bisher hat es noch keine vernünftige Annäherung gegeben. Bis zum Donnerstagabend gab es keine Einladung der Grünen an die CDU. Stefan Braun

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Unruhe im Wirtschaftsministerium: Kommunikationschefin geht von Bord. Die internen Querelen im Wirtschaftsministerium gehen weiter. Erst vier Monate nach ihrem Antritt steht Kommunikationschefin Birgit Korte vor dem Aus. Das Verhältnis von Ministerin Katherina Reiche zu ihrer Pressesprecherin sei in den vergangenen Wochen immer schwieriger geworden, heißt es im Ministerium. Die Ablösung Kortes sei entschieden. Der Spiegel hatte zuerst über die Personalie berichtet.

Das Vertrauensverhältnis galt schon länger als belastet. So hatte Reiche mit Korte etwa den kürzlich erfolgten Wechsel in der Leitungsabteilung nicht besprochen, auch sei Reiche mit der negativen Presseberichterstattung über sie und den an die Öffentlichkeit geratenen Interna unzufrieden gewesen. Die frühere Phoenix-Journalistin Korte war erst im Oktober aus der NRW-Staatskanzlei nach Berlin gekommen und hatte dort als Leiterin der Pressestelle Korbinian Wagner abgelöst, mit dem Reiche nicht klarkam. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Korte steht offenbar noch nicht fest. Michael Bröcker

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Außenminister baut sein Ministerium um: AA soll krisenfester werden. Außenminister Johann Wadephul hat in einem Brief an die Mitarbeiter des Auswärtigen Amts den Umbau des Hauses mit veränderten „außen- und sicherheitspolitischen Interessen und Zielen Deutschlands“ begründet. Deswegen würden parallele Länderstrukturen aufgelöst und Länderreferate und Regionalabteilungen gestärkt, wie es in dem Brief heißt, der Table.Briefings vorliegt. Künftig sollen elf Abteilungen und eine neu gegründete Inspektion das Auswärtige Amt stärker fokussieren. So sollen in der Sicherheitspolitik die Europapolitik und die Geoökonomie stärker zusammengedacht werden und die multilateralen Instrumente Stabilisierung und Internationale Ordnung zusammengelegt werden. Michael Bröcker

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Fachkräftegewinnung: Alabali Radovan sieht jahrzehntelange Versäumnisse. BMZ-Ministerin Reem Alabali Radovan wies beim Start der „Allianz für Fachkräftegewinnung“ darauf hin, dass jährlich mindestens 400.000 Fachkräfte einwandern müssen, um ausscheidende Arbeitnehmer zu ersetzen. „Da hätte in den letzten zehn bis zwanzig Jahren schon viel mehr passieren müssen“, räumte die SPD-Ministerin ein. An die 20 Millionen Menschen gingen in den nächsten zehn Jahren in Rente, „der demografische Wandel war vorherzusehen“. Nun müsse man das Thema „mit Hochdruck“ vorantreiben.

Am Donnerstag begegnete Alabali Radovan viel Kritik. Vertreter von Unternehmen, Handelskammern, Agenturen, aber auch Fachkräfte aus den Ländern des Südens beklagten schwerfällige und bürokratische Verfahren an den deutschen Vertretungen im Ausland, aber auch bei der Agentur für Arbeit und den Ausländerbehörden im Inland. Auch die Ministerin stellte klar, dass die Fachkräftezuwanderung keine temporäre Angelegenheit sei: „Die Menschen kommen, um zu bleiben.“ Wie die neue Fachkräfte-Allianz funktionieren soll, lesen Sie im Africa.Table. Horand Knaup

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Wahlkampf in Rheinland-Pfalz: Übereinstimmungen von CDU und SPD bei der Bildung. Eine Analyse der Wahlprogramme der Parteien zeigt: Beide wollen, dass Kitas beitragsfrei werden und ein kostenfreies Mittagessen ausgeben. Beide fordern, das Gehalt von Grundschullehrkräften auf A13 aufzustocken. Für künftige Koalitionsverhandlungen könnte das von Vorteil sein, denn eine große Koalition scheint mit Blick auf die aktuellen Umfragewerte als das wahrscheinlichste Szenario.

Die oppositionelle CDU ist das SPD-geführte Bildungsministerium in den vergangenen Monaten allerdings immer wieder hart angegangen. Bildung ist seit mehreren Monaten Wahlkampfthema Nummer eins in Rheinland-Pfalz. Besonders im Fokus: Schülerleistungen und Gewalt durch Schüler. Wo sich die Vorstellungen von CDU und SPD unterscheiden und was AfD, Grüne, Linke und Freie Wähler fordern, lesen Sie im Bildung.Table. Malte Neumann

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Handelsdeal: EU verspricht „entschlossene“ Reaktion auf Verstöße durch die USA. Die EU-Kommission hat angekündigt, auf jeden Verstoß der USA gegen den Handelsdeal mit der EU „entschlossen und angemessen“ zu reagieren. Brüssel verlangt Klarheit, nachdem das Weiße Haus eine neue Untersuchung gegen Handelspartner einschließlich der EU eingeleitet hat, sagte Kommissionssprecher Olof Gill am Donnerstag. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hatte erklärt, unfaire Handelspraktiken gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes könnten bis zum Sommer zu neuen Zöllen führen. Was die neue Untersuchung für die EU bedeuten könnte, lesen Sie im Europe.Table. Antonia Zimmermann

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Kritische Rohstoffe: China will mehr globalen Zugriff. Die chinesische Staatsführung gibt im neuen Fünfjahresplan das Ziel aus, den Import von Recycling-Rohstoffen aus dem Ausland zu fördern. So würde das Land seine Marktmacht bei kritischen Rohstoffen, die etwa für die Dekarbonisierung wichtig sind, ausbauen. Das Ziel dürfte strategische Gründe haben. China könnte künftig Materialien aus eigenen Produkten zurückholen, um seine ressourcenintensive Exportwirtschaft am Laufen zu halten, sagen Fachleute. Welche Hebel China hat, um Recycling-Rohstoffe zu importieren, lesen Sie im ESG.Table. Nicolas Heronymus

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Iran-Krieg: Rumänien stellt USA Luftwaffenbasis zur Verfügung. Unmittelbar vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Bukarest hat das rumänische Parlament der Entsendung von bis zu 500 US-Soldaten auf den Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu zugestimmt. Präsident Nicușor Dan versicherte, die Ausrüstung sei rein defensiv und diene vor allem der Betankung von Flugzeugen sowie der Überwachung im Zusammenhang mit dem Schutzschild Deveselu. Er bezeichnete die Systeme als „nicht kinetisch“ und versicherte, dass Rumänien dadurch sicherer werde.

Noch 2025 hatten die USA ihre Präsenz in Rumänien reduziert. Damals hatte US-Präsident Donald Trump den Abzug damit begründet, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen müsse. Nun sollen neben Hunderten Soldaten auch Überwachungs- und Kommunikationssysteme auf der nahe dem Schwarzmeerhafen Konstanza gelegenen Luftwaffenbasis stationiert werden. Weshalb Dan glaubt, dass die Präsenz von US-Militär Rumänien nicht zum iranischen Angriffsziel mache, sondern sein Land sicherer, lesen Sie im Security.Table. Frank Stier

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Ernährungssicherheit: Iran-Krieg erhöht Düngerpreise. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus sorgt für steigende Preise nicht nur auf dem Energiemarkt, sondern auch bei Düngemitteln. Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI) werden 20 bis 30 Prozent der weltweiten Düngerexporte durch die Meerenge transportiert. Die höheren Preise dürften vor allem Länder mit niedrigem Einkommen treffen und könnten dort sogar die Ernährungssicherheit gefährden. Welche Länder besonders hart getroffen werden, und welche Produzenten profitieren könnten, lesen Sie im Africa.Table. Arne Schütte

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Gudrun Winner-Athens, geschäftsführende Gesellschafterin der Winner Spedition, über die Folgen der Generalsanierung der Schieneninfrastruktur. Table.Forum

Table.Documents

Heads

Pauline Seewald berät Kommunen auf dem Weg zur Digitalisierung ihrer Schulen. Als Organisationsentwicklerin von „PD – Berater der öffentlichen Hand“ weiß die 39-Jährige, dass es um weit mehr geht als Technik. Der Einsatz von IT muss strategisch an Zielen ausgerichtet werden, es braucht Supportstrukturen und nachhaltige Gerätekonzepte. Als größte Herausforderung sieht Seewald nach wie vor die Strukturen. Fragmentierte Zuständigkeiten, parallellaufende Programme von Bund und Ländern und das Fehlen einer Gesamtstrategie führten unter Schulträgern und in der Verwaltung zu Unsicherheit. Wie Seewald Kommunen mit einer Plattform unterstützt, lesen Sie im Bildung.Table. Anna Parrisius

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Best of Table

Security.Table: Unsicherheit als Standortfaktor. Geopolitische Krisen zeigen, wie schnell Risiken wirtschaftliche Realität werden. Für Unternehmen überlappen sich unterschiedliche Risikotypen zunehmend zu einer dauerhaften Unsicherheitslage. Was der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft dazu sagt, lesen Sie hier.

Bildung.Table: Soziale Herkunft entscheidet über Bildungserfolg in Deutschland. Eine am Mittwoch veröffentlichte Analyse des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe zeigt erstmals genauer, wie und wann das Elternhaus die Bildungsbiografie stark beeinflusst. Ob Ganztagsangebote helfen können, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Europas Agrarpolitik bremst Innovationen. Die EU riskiert, Innovationsführerschaft durch regulatorische Trägheit und eine auf traditionelle Lieferketten ausgerichtete Subventionspolitik zu verspielen, sagt der Hamburger Investor Felix Leonhardt. Welche Weichen die EU zur Förderung von Innovationen stellen sollte, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Warum nur wenige Landwirte ihren Milchpreis absichern. Die Milchbauern leiden unter dem jüngsten Preiseinbruch. Die Auswirkungen wären weniger gravierend, wenn mehr Erzeuger zumindest einen Teil ihrer Lieferungen preislich absichern würden. Warum entsprechende Angebote trotzdem kaum nachgefragt werden, lesen Sie hier.

Europe.Table: Kommunalwahlen als Generalprobe für Präsidentschaftswahl. Am 15. und 22. März finden in Frankreich die letzten Kommunalwahlen vor der Präsidentschaftswahl 2027 statt. Warum die lokalen Wahlen einen entscheidenden Einfluss auf die politische Landschaft haben werden, lesen Sie hier.

Europe.Table: Entlastung von Energiepreisen. EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera hat in Berlin angedeutet, welche zusätzlichen Beihilfen für die Energiepreise ihre Behörde prüft. Was die Neuerung gegenüber dem bisherigen Beihilferahmen wäre, lesen Sie hier.

China.Table: China startet den nächsten Technologiesprung. Der Volkskongress hat das Zukunftsprogramm für Chinas Wirtschaft bis 2030 verabschiedet. International wird der Plan als Verschärfung des technologischen Wettstreits interpretiert. Welche Ziele und Wege das Dokument diktiert, lesen Sie hier.

China.Table: Ein Foto, das Peking schockte. Historische Fotos und alte Bildpostkarten sind zur neuen Sammelleidenschaft mancher Chinesen geworden. Die Dokumente geben unverfälscht Zeugnis, wie es einst in China ausgesehen hat. Über welche Bilder sich die Partei empört, lesen Sie hier.

Africa.Table: Commonwealth prüft Suspendierung von Tansania und Uganda. Angesichts zunehmender Repressionen nach den Wahlen in den ostafrikanischen Ländern prüft das Commonwealth eine Suspendierung von Uganda und Tansania. Warum diese mehr als nur symbolischen Charakter für die Länder hätte, lesen Sie hier.

ESG.Table: Aktionäre drohen BP mit Klage. Aktionäre hatten bei der Hauptversammlung das Unternehmen aufgefordert, seine Strategien zur Schaffung von Shareholder Value unter den Bedingungen einer sinkenden Öl- und Gasnachfrage offenzulegen. Der Energiekonzern ließ den Antrag nicht zu. Welche grundsätzliche Bedeutung eine Klage dagegen hat, lesen Sie hier.

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Time.Table

13. März

Außenpolitik I: Friedrich Merz ist in Norwegen. Vormittags besucht er zusammen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre den Andoya Space Port, nachmittags zusammen mit Støre und dem kanadischen Regierungschef Mark Carney die Nato-Übung Cold Response.

Außenpolitik II: Karin Prien ist in Washington, führt politische Gespräche und besucht die German International School.

Gesundheit: Nina Warken besucht das Uniklinikum Dresden. 12 Uhr Weitere Informationen

Soziales: Patrick Schnieder und die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, besuchen im Kontext der Initiative „Stärkung Sozialraum Bahnhof“ den Haltepunkt Trier-West und ein Übernachtungsheim für Wohnungslose. Trier, 15 Uhr

14. März

Außenpolitik: Karin Prien besucht das U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington.

Umwelt: Carsten Schneider stellt die Klimabilanz 2025 gemeinsam mit UBA-Präsident Dirk Messner vor. BMUKN, Berlin, 12 Uhr

15. März

Parteien: Heidi Reichinnek beim Abschluss des Linken-Landesparteitags Niedersachsen. Hannover, 10 Uhr

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Must-Reads

Handelsblatt: Union schließt Anhebung des Spitzensteuersatzes nicht mehr aus. Die Maßnahme müsse Teil einer grundlegenden Reform mit kräftigen Entlastungen der meisten Steuerzahler werden, heißt es unter Berufung auf Fraktions- und Parteikreise. In der Koalition werde auf ein Konzept des Steuerexperten Stefan Bach vom DIW verwiesen. Darin wird der starke Belastungsanstieg für mittlere Einkommen abgeflacht. Der Solidaritätszuschlag soll komplett wegfallen, der Spitzensteuersatz für Jahreseinkommen über 90.000 Euro von 42 auf 49 Prozent steigen. („Bewegung im Steuerstreit“)

Taz: Bundesregierung will die biometrische Fotofahndung erlauben. Der Abgleich eines Fahndungsfotos mit bis zu einer Billion Bildern im Netz soll für die Strafverfolgung und für die präventive Bekämpfung des internationalen Terrorismus genutzt werden. Stefanie Hubig und Alexander Dobrindt haben entsprechende Gesetzentwürfe vorgelegt. Nach dem Abgleich müssen alle Fotos und alle Templates wieder gelöscht werden. Journalisten hätten mit dieser Methode die RAF-Terroristin Daniela Klette aufgespürt. Der Polizei ist das bisher verboten. („Finde das Gesicht!“)

FT: Einsatz neuester generativer KI-Modelle auf dem Schlachtfeld Iran. KI verändere die Art und Weise, wie das US-Militär Entscheidungen im Krieg trifft. Das beispiellose Tempo der gezielten Angriffe im Iran sei zum Teil durch KI-Systeme vorangetrieben worden, die die Flut von Geheimdienstdaten aus Drohnen, Satelliten und anderen Sensoren filtern und weitaus schneller als herkömmliche, von Menschen geleitete Planungen Angriffsoptionen generieren. („The AI-driven ,kill chain‘ transforming how the US wages war“)

FAZ: Kriegsbefürwortung ist oft Folge bestimmter Männlichkeitsvorstellungen. Der Leipziger Soziologe Alexander Yendell hat untersucht, welche psychologischen Faktoren dazu beitragen, dass Menschen Kriege befürworten. Der stärkste Prädiktor für Kriegsbefürwortung seien gewaltbezogene Männlichkeitsnormen. Dahinter stehe die Vorstellung, dass ein „richtiger Mann“ Stärke durch Härte, Dominanz und notfalls Gewalt zeigen muss. Danach folge autoritäre Unterwerfung, die Bereitschaft, sich starken Führern unterzuordnen. Bei Donald Trump und Wladimir Putin finde sich „vieles von dem, was in unserer Studie steht“, sagt Yendell.(„Haben gekränkte Männer eine besondere Lust am Krieg?“)

SZ: Justizministerin Hubig will Gerichtsverfahren kindergerechter machen. Familienrichter Andreas Frank befürwortet den Vorschlag von Stefanie Hubig und weist auf schwierige Situationen mit Kindern im Gerichtssaal hin. Es habe sich im Vergleich zu den Nullerjahren viel getan, dennoch gäbe es vor Gericht noch viele belastende Momente für Kinder und Jugendliche. Videovernehmungen wären ein Weg, Kindern mehr Sicherheit zu bieten. („Das können wir Kindern nicht ersparen“)

Nicht überlesen!

FAZ: „Ich wünschte, die US-Regierung hätte das alles besser durchdacht“. Der Schifffahrtsexperte Sal Mercogliano beklagt unüberlegtes Handeln der USA im Krieg gegen den Iran. Die US-Marine habe nicht genug Schiffe, um eine Eskortmission umzusetzen. Das Versicherungsrisiko für die Schifffahrt im Persischen Golf sei nicht berücksichtigt worden. 20 Milliarden Dollar für Rückversicherungen, wie von Donald Trump angekündigt, seien wahrscheinlich zu wenig. Die Ausweitung der Kriegszone in den Indischen Ozean treibe die Prämien weiter in die Höhe. („Die Iraner können praktisch jedes Schiff im Persischen Golf treffen“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Maybrit Illner, 22:20 Uhr: John Bolton, Armin Laschet, Michel Abdollahi, Stormy-Annika Mildner, Hans-Jakob Schindler, Katrin Eigendorf

Markus Lanz, 23:20 Uhr: Reiner Haseloff, Anne Hähnig, Ulrike Herrmann

phoenix runde, 0 Uhr: Simon Schütz, Beatrix Keim, Felix Lee, Sebastian Puschner

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Bettina Iseli, Welthungerhilfe: Lage im Libanon

7:15 Uhr: Lamya Kaddor, Mitglied der Parlamentariergruppe Naher Osten (Grüne): Lage im Libanon

8:10 Uhr: Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen (CDU): Energiepreise

ARD

7:15 Uhr: Clemens Fuest, Präsident ifo-Institut für Wirtschaftsforschung: Iran-Krieg und wirtschaftliche Folgen für Deutschland

8:15 Uhr: Christian Mölling, Politikwissenschaftler: Iran-Krieg und Folgen für die Ukraine

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Roderich Kiesewetter, Obmann im Auswärtigen Ausschuss (CDU): Iran-Krieg und Folgen für die Ukraine

7:25 Uhr: Kurt Fischer, Generalsekretär der SPD Brandenburg: Stimmt der SPD-Landesverband dem Koalitions-Vertrag zu?

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Geburtstage von morgen

13. März

Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, 53

Karl Bär, MdB (Grüne), 41

Friedo Sielemann, Botschafter in El Salvador, 65

14. März

Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister (SPD), 66

Florian Hahn, AA-Staatsminister (CSU), 52

Aaron Valent, MdB (Linke), 29

15. März

Thorsten Rudolph, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, 52

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute ins Herz der Berliner Blase. Wolfgang Ainetter, ehemaliger Sprecher von Verkehrsminister Andreas Scheuer, hat noch einmal ein Buch geschrieben. Diesmal erfolgt ein Doppelmord bei Glitzer und Glamour: dem Bundespresseball. Die Opfer: der Kanzler und sein Finanzminister. Das Mordwerkzeug: Froschgift im Champagnerglas. Alle bekommen etwas ab, ein Bundespräsident, der in 80 Phrasen um die Welt jettet, und eine Innenministerin, die erst mal zwei Staatssekretäre und sechs Abteilungsleiter feuert. Geschont wird niemand, und manche Zuschreibungen erscheinen realitätsnäher als den Betroffenen lieb sein kann. Über sein Verhältnis zu Fiktion und Realität schreibt der Autor: „Diese Geschichte ist ebenso wahr wie die Wahlversprechen von Friedrich Merz.“ Horand Knaup

Wolfgang Ainetter: Einigkeit und Recht und Rache. Ein Kanzleramtskrimi | Haymon

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Michael Bröcker, Caspar Dohmen, Damir Fras, Franziska Klemenz, Lukas Knigge, Elián Libera, Vincent Mikoteit, Malte Neumann, Leonard Schulz und Sara Sievert mitgewirkt.

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