Kreislaufwirtschaft: China will auf ausländische Recyclingrohstoffe zugreifen

China plant im neuen Fünfjahresplan, Recyclingrohstoffe aus dem Ausland zu nutzen. Damit könnte das Land auch seine Marktmacht bei kritischen Rohstoffen stärken. Große Defizite für eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft gibt es auch in China.

12. März 2026
China könnte Mineralien, die heimische Firmen in Windturbinen und anderen Produkten verbaut haben, am Lebensende zurückhaben wollen. (picture alliance / Photoshot | -)
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Die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft ist für die chinesische Staatsführung ein wichtiger Teil ihrer Industriestrategie. Damit will sie vor allem die Unabhängigkeit des Landes bei der Versorgung mit Rohstoffen stärken. Noch ist China in einem ähnlichen Ausmaß wie die Europäische Union auf Rohstoffimporte angewiesen. Gleichzeitig verbraucht die chinesische Exportwirtschaft viele Ressourcen. Im 15. Fünfjahresplan steht daher das Recycling im Fokus. Der nationale Volkskongress hat den Plan für die Jahre 2026 bis 2030 am Donnerstag beschlossen.

China will demnach den Import und die Nutzung hochwertiger Recyclingrohstoffe aus Übersee fördern. Der Import von Feststoffabfällen hingegen soll vermieden werden. Das Land war lange der Abnehmer für solche Abfälle, auch aus Europa. Seit dem Jahr 2021 gilt dafür aber ein vollständiges Importverbot. Dass der Fünfjahresplan nun die Förderung von hochwertigen Recyclingrohstoffen aus dem Ausland als Ziel nennt, dürfte strategische Gründe haben. „Das könnte bedeuten, dass China in Zukunft Mineralien, die in chinesischen Produkten verbaut wurden, am Lebensende zurückhaben möchte – etwa aus Windturbinen oder Batterien“, sagt Johanna Krebs, Analystin des Mercator Institute for China Studies (MERICS), zu Table.Briefings.

China könnte seine Marktmacht bei kritischen Rohstoffen stärken. Das Ziel, den Import und die Nutzung von Recyclingrohstoffen aus dem Ausland zu fördern, sei „strategisch höchst bedeutsam“, sagt Raimund Bleischwitz, Professor für Globale Nachhaltige Ressourcen an der Universität Bremen. Ansatzpunkte dafür gebe es etwa in der Neuen Seidenstraße – im Rahmen dieser Initiative exportiere China Technologien für erneuerbare Energien, manage Verträge und stelle Arbeitskräfte für Wartungsarbeiten zur Verfügung. Es sei für das Land daher naheliegend, solche Anlagen als „Rohstoffquelle von morgen“ zu nutzen. Das Gleiche sei für chinesische Elektroautos denkbar. Durch diese „Internationalisierung der Kreislaufwirtschaft“ würde China seine Marktmacht bei kritischen Rohstoffen vergrößern. Schon heute verarbeitet das Land ungefähr 90 Prozent der weltweiten Seltenen Erden, die als kritische Rohstoffe gelten.

Für China sei zirkuläres Wirtschaften eine ökonomische Notwendigkeit, sagt die MERICS-Expertin Johanna Krebs. Langfristig sei es für die chinesische Exportwirtschaft mit ihrem hohen Ressourcenverbrauch überhaupt nicht tragbar, Mineralien und Rohstoffen nur einmal zu nutzen. Außerdem wolle die Zentralregierung die chinesische Wirtschaft widerstandsfähiger machen – wozu eine funktionierende Kreislaufwirtschaft durch einen geringeren Ressourcenverbrauch beitragen könne. Im Fünfjahresplan heißt es: Die Ausbeute wichtiger Ressourcen soll um 16 Prozent steigen. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Verwertung gebrauchter Elektrogeräte, Batterien, Wind- und Solaranlagen sowie Fahrzeuge. Höhere Recyclingquoten sollen auch helfen, die CO₂-Emissionen zu reduzieren.

Ob sich die Kreislaufwirtschaft ökonomisch rechnet, sei zunächst nicht wichtig. Die treibende Kraft beim Ausbau der Kreislaufwirtschaft in China sei wirtschaftliche Unabhängigkeit und erst danach kämen Umweltbedenken, sagt Krebs. Wie schon bei der Eroberung von Marktanteilen in anderen Industrien setzt China dabei auch beim Recycling auf große Unternehmen. So gründete man Ende 2024 ein staatliches Recyclingunternehmen mit einem Kapital von über einer Milliarde Euro. Es soll unter anderem eine nationale Plattform für die Wiederverwendung von Ressourcen schaffen. In den vergangenen Jahren hat China außerdem viel Geld in den Aufbau grüner Wertschöpfungsketten investiert – etwa für erneuerbare Energien. Dies mache das Land laut Krebs unabhängiger von Energieimporten und sei für einen Großteil seines Wirtschaftswachstums verantwortlich.

Zu einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft ist es aber auch in China noch ein langer Weg. Zwar setzt das Land schon mehr als zwei Jahrzehnte auf Kreislaufwirtschaft, doch vor allem in der Gesellschaft gibt es Krebs zufolge noch wenig Bewusstsein für Ressourcenschonung. „Es braucht ein langfristiges Umdenken in der Gesellschaft und Industrie, bevor China eine echte Kreislaufwirtschaft werden kann“, sagt sie. In einer Abkehr vom „Wegwerfkonsum“ sieht auch Wissenschaftler Bleischwitz eine zentrale Hürde. Im 15. Fünfjahresplan fehlten etwa Ausführungen zum Aufbau von Sekundärmärkten für langlebiges Plastik, zur Skalierung von biologisch abbaubaren Alternativen und zur Reduzierung von Verpackungen im Onlinehandel.

Standards, Märkte für Recyclingrohstoffe und die geografische Verbreitung von Zirkularität seien weitere Hürden. Um in China eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft aufzubauen, brauche es – wie auch in Europa – einheitliche Standards, sagt Krebs. Aktuell sei etwa das Recycling von Batterien schwierig, weil Vorgaben für deren Gestaltung bisher fehlten. Eine Herausforderung sei auch, funktionierende Märkte für Recyclingmaterial aus Stahl und Zement zu schaffen, weil in diesen Sektoren überproduziert wird, ergänzt Bleischwitz. Damit die zirkuläre Transformation in China zum Erfolg wird, müsste sich die Kreislaufwirtschaft darüber hinaus über die Hightech-Regionen an der Ostküste hinaus auf alle Provinzen in China ausdehnen.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026