Mike Fincke: Medizinische Versorgung auf der ISS ist limitiert

Wegen des US-Astronauten wurde eine Crew vorzeitig zurück auf die Erde geholt – zum ersten Mal in der Geschichte der Internationalen Raumstation. Die Möglichkeiten an Bord der Station sind beschränkt, sagt die Weltraummedizinerin Bimba Hoyer.

Ralf Nestler, Redakteur Space.Table
04. März 2026
Nasa-Astronaut Mike Fincke verlässt die Raumkapsel, die ihn und weitere Raumfahrer im Januar vorzeitig von der ISS zurückgebracht hatten.
Nasa-Astronaut Mike Fincke verlässt die Raumkapsel, die ihn und weitere Raumfahrer im Januar vorzeitig von der ISS zurückgebracht hatten. (Nasa)
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Im Januar musste eine vierköpfige Crew die Internationale Raumstation vorzeitig verlassen – wegen eines medizinischen Problems bei einem der Raumfahrer. Mike Fincke hat nun mit einem Statement öffentlich gemacht, dass dies seinetwegen geschah. Am 7. Januar habe er einen medizinischen Notfall erlitten, „der die sofortige Hilfe meiner großartigen Crewmitglieder erforderte“. Dank ihres schnellen Eingreifens und der Anleitung von Nasa-Ärzten habe sich sein Zustand rasch stabilisiert.

Die Nasa entschied: Fincke soll zurückkehren, um weitere Diagnostik zu ermöglichen. Das bedeutete, dass auch die übrigen drei Crew-Mitglieder Zena Cardman, Kimiya Yui und Oleg Platonow die Dragon-Kapsel besteigen mussten. Am 15. Januar landeten sie im Pazifik, einen Monat früher als ursprünglich vorgesehen. „Da nun das gesamte Spektrum aus Bildgebung und Diagnostik – Möglichkeiten, die nur hier auf der Erde verfügbar sind – abgeschlossen ist, bin ich dankbar, mitteilen zu können, dass die Ergebnisse sehr beruhigend sind und ich auf dem Weg zur vollständigen Genesung bin“, schreibt der 58-Jährige auf LinkedIn. Näheres gibt er aber nicht bekannt.

Es war das erste Mal in der Geschichte der ISS, dass aus medizinischen Gründen ein vorzeitiger Heimflug angesetzt wurde. Diesen Schritt will man möglichst vermeiden, daher werde bereits bei der Auswahl der Astronauten genau auf die gesundheitliche Verfassung geachtet, sagt Bimba Hoyer, Weltraummedizinerin beim DLR und der Esa, zu Table.Briefings. „Der Aufenthalt in der Schwerelosigkeit ist körperlich anstrengend; je fitter jemand aufbricht, umso größer ist die Chance, dass er oder sie die Mission gut übersteht.“ Wobei die besten Werte während der Auswahl zu erwarten seien, sagt sie. „Es gilt: einmal Astronaut, immer Astronaut – mit den Lebensjahren kommen oft einige gesundheitliche Baustellen hinzu.“ Sofern sie kein hartes Ausschlusskriterium beträfen, könnten sie eventuell weiter mit dem Einsatz im Weltall zu vereinbaren sein.

Grundsätzlich müssen Raumfahrer fit sein, ehe sie starten. Gerade zu Beginn einer Weltraummission drohen typische Symptome wie Space Motion Sickness, Rückenschmerzen, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Blasen- und Darmprobleme wegen der ungewohnten Schwerelosigkeit, berichtet Hoyer, die aktuell die französische Esa-Astronautin Sophie Adenot während ihres Aufenthalts auf der ISS betreut. Die ersten fünf Tage gibt es täglich eine medizinische Konsultation. Da sich der Körper an die neue Situation gewöhnt, genüge es, später eine wöchentliche Konsultation vorzusehen. „Ich bin außerdem rund um die Uhr telefonisch für sie erreichbar.“

Die Astronauten erlernen grundlegende Medizinkenntnisse. Sie können Blut abnehmen für Analysen an Bord, einen venösen Zugang legen, Zähne ziehen und Füllungen machen, reanimieren – wobei das in der Schwerelosigkeit etwas schwieriger ist, wie Hoyer sagt. Zudem gibt es eine ISS-Apotheke mit Pflaster, Schmerzmitteln und Antibiotika. Die Bildgebung beschränkt sich auf ein Ultraschallgerät, auch ein EKG kann geschrieben werden. „Es geht nur darum, eine Erstversorgung vorzunehmen“, sagt die Medizinerin. „Wenn eine weitergehende Behandlung benötigt wird, sorgt man dafür, dass die Person relativ schnell auf die Erde zurückkommt.“ Ralf Nestler

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026