Walther Pelzer: „Dieser Flug hat gezeigt, dass Europa und hier insbesondere Deutschland fest zur Mondfamilie gehören“

DLR‑Vorstand Walther Pelzer erklärt, warum Europas Servicemodul für die Artemis-Mission ein Vertrauensbeweis ist – und wann ein deutscher Astronaut realistisch zum Mond fliegen oder sogar landen könnte.

15. April 2026
alther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR
Die Artemis-Mission ein Meilenstein für Europas Rolle in der internationalen Raumfahrt: DLR-Vorstand Walther Pelzer. (picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Die Rückkehr der Menschheit zum Mond ist nicht nur ein technologisches Vorhaben, sondern auch ein Test internationaler Partnerschaften. Dass die Nasa bei Artemis 2 auf das Europäische Servicemodul setzte, wertet Walther Pelzer, Vorstand des DLR und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur, als strategischen Vertrauensbeweis für Europa – und insbesondere für die deutsche Industrie.

Mit dem Europäischen Servicemodul (ESM) habe Europa bei der NasaMission Artemis 2 erstmals Verantwortung für eine sicherheitskritische Kernkomponente einer astronautischen Mondmission übernommen. Für Walther Pelzer ist das ein Meilenstein für Europas Rolle in der internationalen Raumfahrt. „Das kann man gar nicht hoch genug bewerten“, sagt Pelzer. Die USA verließen sich bei der Rückkehr zum Mond auf ein missionskritisches System aus Europa. Der Begriff „Bauteil‘ sei dabei fast untertrieben: „Das ESM ist im Prinzip das halbe Orion‑Raumschiff.“

Der Schritt sei auch politisch alles andere als selbstverständlich gewesen. In einer Anhörung vor dem US‑Kongress habe Nasa‑Manager Bill Gerstenmaier erklären müssen, warum man sich bei einer so zentralen Mission auf Europa verlassen könne. Die Antwort sei eindeutig ausgefallen: „Die Europäer können es, sie sind zuverlässig – allen voran der deutsche Partner Airbus.“ Auch die Nasa habe wiederholt betont, dass die Servicemodule alle Anforderungen erfüllten. Die Artemis‑2‑Crew habe das Zusammenspiel von Orion und ESM ausdrücklich gelobt. „Vor allem die Präzision der Steuerdüsen habe sogar besser als im Simulator funktioniert“, sagt Pelzer. „Dieser Flug hat gezeigt, dass Europa und hier insbesondere Deutschland fest zur Mondfamilie gehören.“

Mit Blick auf eine deutsche Beteiligung an künftigen Mondflügen bleibt der Zeitplan jedoch offen. Die Vereinbarung zwischen Esa und Nasa sichere Europa weiterhin drei Flüge in den Mondorbit. „Wann diese Flüge beginnen werden, ist zurzeit unklar“, sagt Pelzer. Die finale Entscheidung liege bei der Nasa. Da Artemis 3 nun als Testflug in den niedrigen Erdorbit geplant sei, wäre Artemis 4 die erste realistische Gelegenheit für einen europäischen Mondflug. Die Nasa strebt hierfür das Jahr 2028 an. Dafür kämen „realistisch nur Alexander Gerst und Matthias Maurer infrage“, sagt Pelzer. Flugerfahrung und spezielle Pilotentrainings seien zwingend erforderlich. Beide Astronauten seien „hervorragend geeignet, den Mond zu umfliegen – oder noch besser auf der Mondoberfläche zu landen“.

Das deutsche Engagement könnte weitere Großprojekte nach sich ziehen. Pelzer berichtet von klaren Signalen aus den USA. Ende März habe er sich mit Nasa‑Administrator Jared Isaacman getroffen. Dieser habe angekündigt, dass sich die USA auf eine astronautische Mondlandung ab 2028 und den Aufbau einer permanenten Basis auf der Mondoberfläche konzentrieren wollen – eine Raumstation im Mondorbit sei vorerst nicht vorgesehen. „Bei unserem Treffen ging es auch um die Rolle Deutschlands und der Esa: Wo können wir mehr beitragen? Wie können wir den USA helfen, das Artemis‑Programm schneller und besser umzusetzen?“ Die Esa werde dazu konkrete Vorschläge erarbeiten. Ergänzend plant das DLR einen Mond‑ und Mars‑Workshop mit der deutschen Community, bei dem die Nasa ihre Pläne und Kooperationsmöglichkeiten vorstellen soll.

Rückenwind erhält die Raumfahrt durch die jüngste EsaMinisterratskonferenz. „Diese Bundesregierung belässt es nicht bei Lippenbekenntnissen“, sagt Pelzer. Mit 5,4 Milliarden Euro für Esa‑Programme habe Deutschland ein starkes Signal gesetzt – ausgehend von zuvor gut drei Milliarden Euro. Gleichzeitig warnt Pelzer vor strukturellen Lücken: Das Nationale Programm, aus dem industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Instrumente und ISS‑Experimente finanziert werden, sei im europäischen Vergleich unterausgestattet. „Wir riskieren durch fehlende finanzielle Möglichkeiten die notwendige Teilhabe an EU‑Programmen – finanziert mit deutschem Steuergeld.“ Auch der Zugang zu neuen Märkten in Afrika und Südostasien lasse sich derzeit kaum vorbereiten.

Welche politische Durchsetzung des ESM es in den USA gibt, wie die Chancen deutscher Astronauten auf einen Mondflug stehen, was die neuen Nasa‑Pläne für eine Mondbasis bedeuten und welche finanziellen Grenzen Walther Pelzer in der deutschen Raumfahrtpolitik sieht, lesen Sie hier.

Letzte Aktualisierung: 16. April 2026