Präsidentenamt: Hertie School will Neuanfang mit Princeton-Professor Jan-Werner Müller

Der Akademische Senat der Hertie School hat den Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller als neuen Präsidenten empfohlen. Nach einem umstrittenen Auswahlverfahren steht die Hochschule vor einem personellen Neustart – der Aufsichtsrat muss nun den Vertrag aushandeln.

11. November 2025
Nach dem Willen des Akademischen Senats soll Jan-Werner Müller neuer Präsident der Hertie School werden. (Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)
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Die Hertie School ist einem Neustart und einer Neubesetzung auf der Position des Akademischen Geschäftsführers und Präsidenten der Hochschule einen weiteren Schritt nähergekommen. Nach Informationen von Table.Briefings hat der Akademische Senat der Hochschule am Freitag über den Vorschlag der Findungskommission zur Bestellung eines neuen Präsidenten der Hertie School abgestimmt.

Princeton-Professor Jan-Werner Müller soll die Hochschule künftig leiten. „Der Senat bestätigte den Vorschlag der Findungskommission und empfiehlt dem Aufsichtsrat, Jan-Werner Müller als neuen Präsidenten der Hertie School zu bestellen“, teilte ein Sprecher der Hochschule auf Anfrage von Table.Briefings mit. Das Verfahren, das eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit abläuft, hatte für Aufsehen gesorgt, weil eine Findungskommission unter der Leitung von Ex-Kanzleramtschef Helge Braun Präsidentin Cornelia Woll nicht zur Wiederwahl nominiert hatte.

Die Senatsmitglieder konnten letztlich nur für oder gegen Müller votieren. Die verbliebene Gegenkandidatin Müllers, die Hertie-Professorin Andrea Römmele, stand nach Rückmeldungen, die die Findungskommission von Interessengruppen der Hertie School eingeholt hatte, nicht auf der finalen Liste zur Senatsabstimmung. Das geht aus einer E-Mail hervor, die Helge Braun am Donnerstag an die Hertie-Community versendet hatte: „Das Bild war sehr eindeutig: Die überwältigende Mehrheit der Hertie-Community wünscht sich eine Nominierung, die ausschließlich Jan-Werner Müller umfasst“, schreibt Braun darin.

Die unterlegene Kandidatin Andrea Römmele hat keine Einwände. „Der Prozess war lupenrein und ich freue mich auf Jan-Werner Müller“, sagte Römmele auf Anfrage. Sie sehe keinen weiteren Gesprächsbedarf. Auch die noch amtierende Präsidentin Cornelia Woll wollte sich nicht noch einmal zu der Angelegenheit äußern. Woll hatte sich zu einem früheren Zeitpunkt überrascht darüber gezeigt, dass ihr Wahlkampf durch die Findungskommission „brutal“ beendet worden war. Daraufhin hatten auch Beschäftigte und Studierende ihren Unmut über den als intransparent wahrgenommenen Prozess kundgetan.

Wolls Vertrag läuft noch bis Mitte März. Ob sie ihre Amtszeit nach den jüngsten Ereignissen zu Ende führen will, ließ Woll offen: „Natürlich kann im Rahmen der Verhandlungen immer irgendeine davon abweichende sinnvolle Übergangslösung gefunden werden.“

Aufsichtsrat muss nun Arbeitsvertrag mit Müller aushandeln. „Der neue Präsident der Hertie School wird offiziell verkündet, sobald der Auswahlprozess mit Abschluss der Verhandlungen und der Bestellung des Präsidenten durch den Aufsichtsrat der Hertie School formal abgeschlossen ist“, teilte ein Sprecher der Hochschule mit.

Jan-Werner Müller ist Roger-Williams-Straus-Professor für Sozialwissenschaften und Professor für Politik an der Princeton University. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Demokratietheorie und politische Ideengeschichte. Anfang November hatte Müller mit anderen Wissenschaftlern eine Veranstaltung zum transatlantischen Verhältnis in Berlin organisiert. Tim Gabel

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026