Alena Buyx: Was über die Plagiatsvorwürfe gegen die frühere Vorsitzende des Ethikrats bekannt ist

Der Plagiatsjäger Stefan Weber erhebt Vorwürfe gegen die frühere Ethikratsvorsitzende Alena Buyx. Die Universität Münster unterzieht deren Dissertation nun einer Vorprüfung.

25. Februar 2026
Alena Buyx
Alena Buyx ist Professorin für Medizinethik in München und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. (picture alliance / dts-Agentur)
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Alena Buyx sieht sich Plagiatsvorwürfen durch den Plagiatsjäger Stefan Weber ausgesetzt. Buyx ist Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München und war bis 2024 Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. In dieser Zeit äußerte sie sich zu teils umstrittenen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus.

Weber hat nun die Promotion der Medizinerin an der Universität Münster aus dem Jahr 2005 analysiert. Buyx habe darin die zitierten Originalpublikationen „wohl kaum jemals im Original aufgesucht“, schreibt Weber, sie habe Quellenangaben aus älteren Dissertationen abgeschrieben. Allerdings finden sich die Stellen fast ausschließlich in „Wissen reproduzierenden Passagen“, wie Weber selbst einräumt. Literaturarbeit habe in medizinischen Dissertationen „eine kaum oder nur untergeordnete Bedeutung“ im Vergleich zur empirischen Versuchsanordnung – ein tatsächlich grundsätzlich bekanntes Problem. Dennoch habe Buyx eine „unzulässige Abkürzung“ genommen. Zudem gebe es auch im Diskussionsteil zwei Textplagiate.

Universität Münster äußert sich erst nach Prüfung. Ob daraus tatsächlich ein „schwerwiegender Plagiatsverdacht“ entsteht, wie es der durchaus umstrittene Plagiatsjäger in seinem Blogbeitrag formuliert, untersucht nun in einer Vorprüfung der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Münster. Die Vorwürfe lägen seit Dienstag vor. Abhängig vom Ergebnis der Vorprüfung werde es gegebenenfalls „eine weitergehende, intensivere Prüfung“ geben, unter Umständen mit der Beauftragung von externen Gutachten. „Die Entscheidung darüber obliegt ebenfalls ausschließlich dem Dekan, dem die Prüfungstätigkeiten zugerechnet werden und der die entsprechende Verfahrenshoheit hat.“

Die Technische Universität München äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Auch Alena Buyx hat bisher nicht auf die Vorwürfe reagiert. Klaus Meier, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sagt der Süddeutschen Zeitung, dass sich auf Grundlage der Arbeit Webers nicht beurteilen lasse, ob tatsächlich eine Täuschung vorliegt. Grundsätzlich müsse man bewerten, ob in der Arbeit eine eigene wissenschaftliche Leistung erbracht wurde.

„Das ist der Gradmesser dafür, ob man einen Doktortitel vergibt oder anzweifelt“, sagt Meier der SZ. Plagiatsjäger könnten nicht den wissenschaftlichen Wert einer Arbeit bewerten, sondern eben Text- und Zitierfehler zählen. Ob diese Fehler so gravierend sind, dass der wissenschaftliche Wert einer Arbeit nicht mehr überwiegt, könne nur ein universitäres Gremium mit entsprechender Fachexpertise ausloten, erklärt Meier. Es sei daher falsch, aus einzelnen Fehlern auf Täuschungsabsicht zu schließen – und damit „sofort an die Öffentlichkeit“ zu gehen. Nicola Kuhrt

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026