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Wie China-Kompetenz den Wirtschaftsstandort Deutschland stärkt

von Thomas König

So schafft man China – Kompetenzaufbau als wirtschaftliche Notwendigkeit

Die wirtschaftspolitischen Herausforderungen, aber auch die Chancen in der Zusammenarbeit mit China stehen immer wieder im Fokus. Die Überlegungen über einen zukunftsfähigen Umgang mit einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands hat Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig ist die öffentliche Debatte über China zunehmend von geopolitischen Spannungen, wachsendem Wettbewerbsdruck und einer kritischeren Wahrnehmung geprägt. Laut einer Statista Umfrage von 2025 haben 67 Prozent der Befragten in Deutschland ein negatives China-Bild.

Hinzu kommt: China ist in aller Munde, aber Chinesisch kommt nicht aus den Mündern aller – das Mercator Institute for China Studies (MERICS) stellte bereits 2018 fest[2], dass nur circa 5000 Menschen in Deutschland Chinesisch lernen, in Frankreich waren es damals fast 40.000 – Tendenz steigend. Laut Zahlen des DAAD lernen weit über 10.000 Chinesen Deutsch – ebenfalls mit steigender Tendenz.

Dabei ist die Notwendigkeit von Sprachkompetenz ein Thema, das sich auch in der Unternehmenspraxis widerspiegelt: Zwischen 2011 und 2020 haben insgesamt 193 Investoren aus China in 243 Fällen deutsche Unternehmen mehrheitlich oder vollständig übernommen[4]; chinesische Mitarbeitende und Manager leben und arbeiten in Deutschland und bringen ein Stück chinesische Unternehmenskultur mit. In der Praxis zeigt sich, wie hilfreich es sein kann, wenn Mitarbeitende in Deutschland nicht nur im informellen Austausch, sondern auch bei komplexeren Abstimmungen – etwa bei Finanzplanungen – bestimmte Inhalte auf Chinesisch klären können, damit nonverbale Signale und inhaltliche Nuancen nicht verloren gehen.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht Chinakompetenz, um die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands besser zu fördern

Nach aktuellen Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln waren im Jahr 2025 knapp 700.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Endverbrauch in China abhängig. Die aktuelle Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern in China, der AHK Greater China Business Outlook 2025/2026, zeigt, dass chinesische Partner vermehrt zum Eckpfeiler deutscher Unternehmensstrategien fürs Chinageschäft werden: 60 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass chinesische Unternehmen bereits Innovationsführer in ihrer jeweiligen Branche sind oder sein werden; 56 Prozent der Unternehmen beabsichtigen eine engere Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern.[5]

Die wirtschaftlichen Indikatoren unterstreichen eine enge Verzahnung zwischen Deutschland und China. Hinzu kommt, dass es vielfach hervorgehoben wird, dass große globale Herausforderungen, wie der Klimawandel, ohne China kaum zu bewältigen sind. Chinakompetenz, die jenseits der sprachlichen Fähigkeiten auch Kenntnisse des chinesischen Wirtschaftssystems, des geopolitischen Weltverständnisses Chinas beinhalten sollte, sollte als zentraler Faktor betrachtet werden, der Deutschland dabei hilft, seine Interessen in internationalen Zusammenhängen wirksam zu vertreten. Die Berührungspunkte mit China nehmen weiter zu – neben diplomatischer Finesse ist Fachkompetenz zu China gefragt: Wie funktionieren die Fünfjahrespläne der chinesischen Zentralregierung und welche Konsequenzen haben sie für das Chinageschäft eines mittelständischen Unternehmens? Wie investiert man als deutsches Unternehmen auf dem chinesischen Markt? Welche kulturellen Hintergründe gibt es für regulatorischen Hindernisse in China, wie das Cybersecurity Law, welches deutsche Unternehmen vor datenschutzrechtliche Herausforderungen stellt?

Denn Chinakompetenz ist mehr als Sprachkompetenz – das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sieht auch das „Wissen um die Ziele des globalen Engagements Chinas“ und die „praktische Erfahrung in der bilateralen Zusammenarbeit im Kontext des chinesischen politischen Systems“[6] als Bestandteil einer unabhängigen Sachkenntnis zu China. Es handelt sich somit um ein breites Spektrum, das auch eine geopolitische und wirtschaftspolitische Dimension umfasst.

Die Beziehungen zu China sind komplexer geworden und aktuelle globale Entwicklungen deuten darauf hin, dass diese Komplexität nicht abnehmen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Qualifizierung junger Menschen sowie künftiger Wirtschaftsakteure ein zentraler Baustein für den kompetenten Umgang mit unserem größten Handelspartner. Der Aufbau von Chinakompetenz ist ein Teamsport: Wichtig ist ein koordiniertes Zusammenwirken von Bundesregierung, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft, um bestehende Defizite zu identifizieren, Kompetenzen gezielt zu fördern und den Umgang mit einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands – im Interesse des Wirtschaftsstandorts – weiterzuentwickeln.

Die Wirtschaftsbeziehungen zu China haben Zukunft – für die Ausgestaltung dieser Beziehungen wird der Bedarf an einem Verständnis von China mit all seinen Facetten weiter zunehmen.

Autor: Thomas König ist Referatsleiter China bei der DIHK und Senior Manager im Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA). Er ist Co-Autor der Bücher "So schafft man China" und "China: Business & Alltag meistern".

Ohne China-Kompetenz können viele Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kaum sinnvoll und vorausschauend getroffen werden. Doch wer kann Mandarin oder versteht zumindest Grundzüge des Denkens in China? Das Table.Forum China-Kompetenz will ermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, die China-Kompetenz zu steigern, schnell und langfristig. In diesem Table.Forum diskutieren deswegen nicht nur Ostasien-Fachleute.

Unser Partner: Verbund der Chinazentren an deutschen Hochschulen, gefördert von der VolkswagenStiftung

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