Lars Schubert: „Die EU-Kommission ignoriert uns“

Die Hausgeräteindustrie hat mehr als eine Million Beschäftigte in der EU. Dennoch beklagt sie, kaum Gehör von den europäischen Gesetzgebern zu erhalten. Dabei haben Sie drängende Anliegen, wie Lars Schubert, COO von BSH, im Interview berichtet.

02. April 2026
Lars Schubert ist als Chief Operating Officer Mitglied der Geschäftsführung bei der BSH Hausgeräte GmbH.
Lars Schubert ist als Chief Operating Officer Mitglied der Geschäftsführung bei der BSH Hausgeräte GmbH. (BSH Hausgeräte GmbH)

Herr Schubert, aus der Industrie kommen viele Stimmen, die die europäische CO₂-Bepreisung stark kritisieren. Aus Ihrer Branche aber nicht. Warum eigentlich?

Das Thema CO₂-Vermeidung ist uns wichtig. Wir wollen nachhaltig handeln und gewisse Regelwerke reizen ja auch Innovationen an. Insofern sind wir daran interessiert, dass wir innovative Regulierungen haben, die die Industrie weiterbringen. Hausgeräte verbrauchen in Summe nun mal viel Energie. Insofern ist das Thema Energieeinsparung mit CO₂-Einsparungen verbunden. Dem wollen wir uns auch nicht entziehen. Allerdings brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen in diesem Kontext.

Sie üben also doch Kritik?

Die CO₂-Bepreisung betrifft die europäische Hausgeräteindustrie besonders, weil wir in Europa produzieren, aber einige der Rohmaterialien importieren müssen und deshalb den CO₂-Grenzzoll CBAM zahlen. Marktteilnehmer, die im Ausland gefertigte Hausgeräte rein importieren und keinen Produktionsstandort in Deutschland oder Europa haben, müssen keinen Grenzzoll zahlen, weil nur das Rohmaterial vom CBAM erfasst wird und das fertige Produkt zollbefreit ist. Das ist für uns ein Riesenproblem, aber die EU-Kommission ignoriert uns da bislang.

Der CBAM verhindert ein Level Playing Field? Dabei wurde er ja geschaffen, um das Gegenteil zu bewirken …

Grob kostet eine europäische Waschmaschine aufgrund des EU-CO₂-Preises bis zu 12 Euro mehr gegenüber einem Import. Über die gesamte Industrie hinweg ist das etwa der Ertrag, der bei einer Maschine übrigbleibt, wenn sie in der EU gefertigt wurde – der ist dann weg. Es wird also auch für den Konsumenten teurer. Importeure haben das Problem nicht. Und damit verliert die EU letztlich Geschäft und Beschäftigung.

Sie wollen CBAM also nicht abschaffen, sondern ausweiten, sodass nicht nur Stahlimporte, sondern auch fertige Waschmaschinen durch CBAM verzollt werden?

Richtig! Es darf keinen Unterschied geben zwischen Importen und europäischer Produktion. Die EU-Kommission muss das Problem jetzt anerkennen und mit uns in einen Dialog gehen. Aktuell wirkt es wie gewürfelt, welche Produkte im CBAM sind und welche nicht. Wir brauchen da einen wissenschaftsbasierten Ansatz, der beispielsweise auch die Emissionen für die Logistik eines Imports berücksichtigt und einen Malus gegenüber europäischen Produkten erzeugt.

Mehr Produkte im CBAM zu erfassen, bedeutet aber auch eine noch kleinteiligere Regulierung – also das Gegenteil von Bürokratieabbau.

Diese Datenbanken und Algorithmen, die Importe erfassen, gibt es ja schon bei den Zollbehörden. Die könnte man problemlos erweitern. Gerade heutzutage mit KI-basierten Systemen darf das eigentlich kein größerer Aufwand sein. Man kann auch mit Mittelwerten rechnen – also nicht jedes Produkt einzeln, sondern mit einem CO₂-Wert pro Produktkategorie.

Sie sagen, die Politik ignoriere ihre Branche bislang. Warum glauben Sie, ist das so?

Die EU unterschätzt uns vermutlich, weil unsere Industrie schon lange existiert. Es ist keine aufkommende neue Kategorie – eher geübte Praxis. Hausgeräte gehören längst zur Selbstverständlichkeit. Dabei haben wir mehr als eine Million Beschäftigte in der EU und jeder Konsument braucht Hausgeräte. Es ist unsere Erwartung, mit der EU-Kommission über dieses und weitere wettbewerbsrelevante Themen zu sprechen und gemeinsam einen EU-Aktionsplan für die Hausgeräteindustrie zu entwickeln.

Lars Schubert ist als Chief Operating Officer Mitglied der Geschäftsführung bei der BSH Hausgeräte GmbH. Zu der 100-prozentigen Tochter der Bosch-Gruppe gehören Marken wie Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff. Zudem sitzt Schubert im Lenkungsausschuss des europäischen Hausgeräte-Dachverbandes APPLiA.

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Letzte Aktualisierung: 02. April 2026