Iran: Gaspreis-Rallye gefährdet Speicherbefüllung

Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran schließt ein Fünftel des weltweiten LNG-Angebots. Experten warnen vor Preissprüngen, die die Befüllung europäischer Gasspeicher gefährden.

03. März 2026
FILE - This April 4, 2009, file photo, shows a gas production facility at Ras Laffan, Qatar. The tiny, energy-rich Arab nation of Qatar announced on Monday, Dec. 3, 2018 it would withdraw from OPEC, mixing its aspirations to increase production outside of the cartel's constraints with the politics of slighting the Saudi-dominated group amid the kingdom's boycott of Doha. (AP Photos/Maneesh Bakshi, File)
Das Foto von 2009 zeigt Gas-Anlagen in Ras Laffan in Katar. (picture alliance/AP Photo | Maneesh Bakshi)
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Der Angriff auf den Iran hat große energiepolitische Folgen. Nachdem die iranische Regierung am Wochenende die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus blockiert hatte, gab QatarEnergy Montagmittag bekannt, das LNG-Exportterminal Ras Laffan zu schließen. Laut Bloomberg stellt es ein Fünftel des weltweiten Flüssiggas-Angebots. In der Folge bedrohen nun Preissprünge an den Energiemärkten die Befüllung der europäischen Gasspeicher für den kommenden Winter. Aus dem Europaparlament gibt es erste Rufe nach Krisenmaßnahmen der EU-Kommission. Die Megawattstunde Erdgas für April verteuerte sich am Montag um bis zu 56 Prozent, der Preis stieg zeitweise auf 48,85 Euro.

Krisenmaßnahmen schloss die Kommission Montagmittag zunächst aus. Für die Gasversorgungssicherheit gebe es keine unmittelbaren Sorgen, sagte eine Sprecherin. Europa habe seine Gasversorgung diversifiziert. Bis zum Abend sollten die 27 Mitgliedstaaten der Kommission allerdings eine Bewertung der energiepolitischen Lage schicken, spätestens Mittwoch wollen Experten der EU-Staaten über die Lage am Ölmarkt beraten. Für kommenden Freitag hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits eine Orientierungsdebatte zu den Energiepreisen angesetzt. Die Kommissare wollten ursprünglich über wettbewerbsfähige Strompreise beraten.

Die Strompreise zogen am Montag parallel zu den Gaspreisen stark an. Sogar für Juni stieg der Strompreis für Deutschland am Montag um über 20 Prozent auf bis zu 86,12 Euro pro Megawattstunde. Subventionen für Unternehmen wie der Industriestrompreis würden also deutlich teurer als geplant. Da auch der Ölpreis gestiegen ist, werde es die Industrie schwerer haben, Gas durch einen anderen Energieträger zu ersetzen, sagt Simone Tagliapietra vom Thinktank Bruegel. Als Folge werde wahrscheinlich wieder mehr Kohle verstromt und das Thema Energiesparen könne wieder auf die Tagesordnung kommen.

Viel hängt nun von der Dauer der Hormus-Blockade ab. Würde sie einen Monat lang anhalten, könnte der europäische Gaspreis am niederländischen Handelspunkt TTF auf 73 Euro pro Megawattstunde steigen, zitiert Bloomberg Berechnungen von Goldman Sachs vom Sonntag. Bei einem zweimonatigen Ausfall der Lieferungen könnte der Preis auch die 100-Euro-Marke übersteigen. Eine Studie des Oxford Institute for Energy Studies (OIES) von Juni 2025 sieht die langfristigen Preiseffekte etwas niedriger.

Derzeit erwartet Aurora allerdings nur eine kurzzeitige Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Meerenge von Hormus. Das sagte eine Sprecherin am Montag zu Table.Briefings. Das OIES erinnert außerdem daran, dass Europa seine Gastransportleitungen inzwischen ausgebaut habe, sodass mittel- und osteuropäische Staaten keine so hohen Aufschläge wie im Krisenjahr 2022 mehr zahlen müssten. Manuel Berkel

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026