CEO.Table – Ausgabe 83

Kann Industrielle KI der Wachstumsmotor sein? + Henkel-CEO bekennt sich zum Standort + Warum echte Konservative die Energiewende beschleunigen

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Executive.Summary

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Kann Industrielle KI der Wachstumsmotor sein?

Deutschland hat bei industrieller KI noch eine Chance, betont Siemens-CEO Roland Busch immer wieder. Zuletzt in dieser Woche auf dem CDU-Wirtschaftstag in Berlin. SAP-CEO Christian Klein sieht das ähnlich: „Industrielle KI wird zum Wettbewerbsfaktor, wenn sie direkt in der Wertschöpfung wirkt“, erklärte er in einerm aktuellen Papier der Initiative Made for Germany, welches auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Gemeint ist der Einsatz von KI direkt in Produktion, Lieferketten und industriellen Prozessen – also dort, wo reale Wertschöpfung entsteht. „Deutschland hat die industrielle Stärke und den Datenschatz, um hier führend zu sein“, sagt Klein. Für Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist KI gar „eine Überlebenschance“ für den Industriestandort Deutschland, sagte die CDU-Politikerin auf der Hannover Messe.

Der Datenschatz allein ist jedoch nicht die Lösung, wie die Praxis zeigt. Nur etwa fünf Prozent der Unternehmen setzen laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte fortgeschrittene, agentische KI ein, die Prozesse oder Geschäftsmodelle grundlegend verändert. Christian Guttmann, Managing Director und Head of AI Tech beim Wagniskapitalfonds EQT, erklärte deshalb im Gespräch mit Table.Briefings am Rande der Rise of AI Conference am Mittwoch in Berlin, dass er weniger ein Datenproblem als eine Frage der Umsetzung sieht: „Wir überschätzen Daten: In der Ära der Agentic AI sind sie längst nicht mehr so entscheidend wie noch vor fünf oder zehn Jahren.“ Entscheidend sei vielmehr die Nutzung: „Nur etwa ein Prozent der gesammelten Daten ist wirklich wertvoll.“

Zwar setzen laut einer aktuellen Cisco-Studie bereits 65 Prozent der deutschen Unternehmen KI in laufenden Industrieprozessen ein – die gesamtwirtschaftlichen Effekte bleiben jedoch begrenzt: Laut BDI könnte KI das Potenzialwachstum bis Ende des Jahrzehnts um rund 0,3 Prozentpunkte jährlich steigern. Auch im internationalen Vergleich fallen die Erwartungen hierzulande eher zurückhaltend aus: Der aktuelle Economic Expert Survey (EES) von EconPol und dem ifo Institut zeigt, dass deutsche Ökonominnen und Ökonomen mit einem Wachstumsbeitrag von insgesamt rund 1,5 Prozentpunkten in fünf Jahren rechnen – das entspricht etwa 0,3 Prozentpunkten pro Jahr. Zum Vergleich: In den USA und Europa liegen die Erwartungen der Befragten bei rund 2,5 Prozentpunkten in fünf Jahren.

Dass die Nutzung trotz wachsender Verbreitung oft noch begrenzt bleibt, zeigen Daten der Deutschen Bundesbank: Der Anteil der Unternehmen, die generative KI einsetzen oder dies planen, ist deutlich gestiegen – von 26 Prozent im Jahr 2024 auf 56 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig bleibt die Nutzungstiefe gering. Im Schnitt entfallen weniger als zehn Prozent der Arbeitszeit auf KI-Anwendungen – etwa eine Stunde pro Arbeitstag. Der Zuwachs entsteht vor allem dadurch, dass bestehende Anwender ihre Nutzung vertiefen, während neue Unternehmen zunächst zurückhaltend starten.

Die zentrale Herausforderung liegt in der Art der Nutzung. In vielen Unternehmen beschränkt sich der Einsatz von KI bislang auf einfache, unterstützende Anwendungen im Arbeitsalltag. Barbara Engels, Senior Economist für nachhaltige Digitalisierung und KI am IW Köln, beobachtet im Gespräch mit Table.Briefings, dass die Nutzung in vielen Unternehmen noch oberflächlich bleibt und Beschäftigte häufig auf private Schatten‑KI zurückgreifen – ohne offizielle Einführung oder klare Governance-Strukturen.

Auch die wirtschaftliche Wirkung ist schwer zu erfassen. „Produktivitätseffekte von KI sauber zu messen ist schwierig, beispielsweise die tatsächliche Zeitersparnis“, sagt Engels. Noch schwieriger sei es jedoch, qualitative Effekte zu messen. Viele Unternehmen berechneten solche Effekte gar nicht und hielten sich deshalb bei Investitionen zurück. Das spiegelt sich auch in den Zahlen: In über zwei Dritteln der Fälle wird der Return on Investment erst nach zwei oder mehr Jahren erreicht, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Gleichzeitig investieren viele Unternehmen weiterhin zurückhaltend: Während knapp ein Drittel mehr als 20 Prozent des IT‑Budgets in KI steckt, bleibt ein großer Teil unter zehn Prozent (siehe Grafik).

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Hightech-Agenda: Gute Pläne, aber eher wenig Geld für die Schlüsseltechnologie KI

Die Bundesregierung will Deutschland im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nach vorn bringen. Im Rahmen der Hightech-Agenda ist eine „KI-Offensive“ vorgesehen, um bis 2030 zehn Prozent der Wirtschaftsleistung KI-basiert zu erwirtschaften. Ein Vergleich der Publikationsleistungen zeigt jedoch, dass China und die USA weit voraus sind (siehe Grafik).

Die bisher angekündigten Maßnahmen der Hightech-Agenda finden in der Fach-Community Zustimmung. Die dafür hinterlegten Mittel sind allerdings nicht üppig. In der laufenden Legislaturperiode stellt das Bundesforschungsministerium für den Bereich KI rund 2,8 Milliarden Euro zur Verfügung, teilt es auf Anfrage von Table.Briefings mit. Zum Vergleich: Chinas KI-Strategie ist Medienberichten zufolge mit 100 Milliarden US-Dollar hinterlegt, in den USA fließen aus der Staatskasse jährlich rund elf Milliarden US-Dollar in KI. Was in dieser Hinsicht zu tun ist und wer die wichtigen Akteure hierzulande sind, lesen Sie im Hightech-Agenda-Check im Research.Table. Anne Brüning

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CEO.Talk

Investor Christian Miele in Gummistiefeln

„Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, werden wir uns wehren mit dem, was wir haben“

Christian Miele sieht die Zukunft der deutschen Wirtschaft da, wo der Mittelstand zuhause ist. Der werde, wenn er veränderungswillig ist und bereit, Allianzen mit der Tech-Welt einzugehen, den Industriestandort retten. Allerdings glaubt der Investor auch: „Wir werden noch tiefer sacken. Fabriken werden schließen, Arbeitsplätze werden verloren gehen.“ Wertschöpfung werde abwandern, Investoren sich zurückziehen und die Wachstumsprognosen würden weiter gesenkt.

„Bis wir so sehr mit dem Rücken zur Wand stehen, dass zwischen unserem Rücken und der Wand kein Platz mehr ist. Das ist der Moment, in dem wir anfangen uns zu wehren – und zwar mit dem, was wir haben: Ingenieurskunst, Maschinenbau, Präzisionsarbeit, unsere Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, in die Hände zu spucken.“ Oder anders gesagt: mit genau jenen Fähigkeiten und Tugenden, die nicht nur Miele dem deutschen Mittelstand zuschreibt.

Seit Wochen reist der Berliner Venture Capitalist voller Begeisterung durchs Hinterland. Orte wie Sindelfingen, Lingen, Winnenden und Kirchanschöring machen ihm Mut, sagt er. Miele, selbst Spross eines 100 Jahre alten Familienunternehmens und Neffe des Geschäftsführers des Haushaltsgeräteherstellers Miele, kommt aus einem kleinen Dorf. Er sei „mehr Gummistiefel als Anzug“. Mit den bodenständigen Menschen dort abends Pils zu trinken und Leberwurstbrote zu essen, sei für ihn wie eine „Frischlufttherapie, um aus dieser Berliner Blase rauszukommen.“ Aber nicht deswegen reist der General Partner der VC-Firma Headline so viel. Miele hat eine Mission: Er will den Mittelstand und die Tech- und Start-up-Welt zusammenbringen.

Diese Idee ist alt und war immer schon schwierig. In der Theorie ergibt es Sinn, dass gewachsene Unternehmen in wachsende investieren, ihre innovativen Technologien testen und nutzen oder die Start-ups kaufen und integrieren. In der Praxis hakt es allerdings an Budgetengpässen und Marktunsicherheiten, aber auch an Missverständnissen und Misstrauen zwischen zwei sehr unterschiedlichen Arbeitswelten. Laut dem aktuellen Start-up Monitor sank die Zahl der Start-ups, die mit Corporates und Mittelständlern zusammenarbeiten, von 71,8 Prozent (2020) auf 56 Prozent (2025). Nur elf Prozent der Start-ups werteten die Kooperationsbereitschaft der Großen als hoch.

Jetzt aber habe sich etwas verändert, behauptet Miele, es gäbe Konsens und einen Sinn für Dringlichkeit. Er erlebe flächendeckend die Erkenntnis, dass Deutschland strukturelle Probleme hat: der demografische Wandel oder ein Energiesystem, das nicht gemacht ist für die Zukunft. Und auch, dass Lösungen dafür aus der Tech-Welt kommen, leuchte inzwischen den meisten ein. Die Welt der Fabriken, Anlagen und Maschinen und die der Tech-Firmen müssten deshalb verschmelzen. „Das ist alternativlos“, sagt Miele. Ein Beispiel, bei dem ihm „die Tränen kommen vor Freude“, sei der EUV MK5, ein hochmodernes Gerät zur Chipherstellung. Die neueste Generation der EUV-Lithografie für die Chipproduktion wurde in einer Kooperation von ASML und den deutschen Mittelständlern Trumpf und Zeiss entwickelt.

Doch wie viele mittelständische Unternehmen qualifizieren sich wirklich für solche Hightech-Joint-Ventures? Wer kann etwas bieten, aus dem sich Zukunftstechnologie machen lässt, und wessen Produkte fallen aus der Zeit und aus dem Rennen? „Das sind die zentralen Fragen, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren in allen Inhaberfamilien diskutiert werden müssen“, sagt Miele. „Was machen wir denn jetzt?“ Dass jemand, der jetzt noch Autoteile fertigt, später Drohnenteile herstellen kann, sei naheliegend.

Andere werden länger nachdenken und verschiedenes ausprobieren müssen. Nokia habe mit Gummistiefeln angefangen, später Traktoren gebaut, dann Mobiltelefone. Und auch das Unternehmen seiner Familie fing mit Butterfässern an, erzählt Miele, baute zeitweise Autos und dann erst Waschmaschinen. Einige Firmen werden auch verschwinden, glaubt Miele. Doch mit genügend Bereitschaft zur Veränderung könne Deutschland ein Industriestandort bleiben. „Da ist wieder mein Argument: Erst wenn du komplett mit dem Rücken an der Wand stehst, musst und wirst du alles riskieren.“

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Philipp Amthor über eine wirkungsvolle Staatsmodernisierung durch Bürokratieabbau und Digitalisierung. Table.Forum

CEO.News

Henkel-CEO Knobel: Bekenntnis zum Standort Deutschland

Henkel-Chef Carsten Knobel bekennt sich trotz wachsender Herausforderungen klar zum Standort Deutschland. Mit Blick auf das 150‑jährige Jubiläum zeigte er sich überzeugt, dass Firmengründer Fritz Henkel auch heute wieder hierzulande gründen würde: „Ich denke, dass er das auf jeden Fall wieder machen würde.“ Deutschland verfüge über „sehr, sehr gute Arbeitskräfte“ und starke technologische Grundlagen. Diese Kombination bleibe ein zentraler Standortvorteil.

Zugleich verweist Knobel auf konkrete Investitionen in Deutschland. Henkel investiere jährlich rund 100 Millionen Euro in den Standort und habe in Düsseldorf ein großes Forschungszentrum für Klebstofftechnologien aufgebaut. Mehr als 150 Millionen Euro seien dort investiert worden, rund 600 Forschende arbeiten an neuen Anwendungen. Der Standort bleibe damit aus Unternehmenssicht relevant – auch für Innovation.

Gleichzeitig nennt Knobel klare Wettbewerbsnachteile. Vor allem Energiepolitik sowie Bürokratie und Regulierung in Europa bremsten Unternehmen im Vergleich zu den USA oder China. Die Diskussion über eine schleichende Deindustrialisierung sei „keine Propaganda“, sondern müsse „sehr, sehr ernst“ genommen werden. Hohe Energiekosten, zunehmende Regulierung und Wettbewerb aus Asien belasteten die Branche erheblich, einmal abgewanderte Investitionen kehrten meist nicht zurück.

Warum Henkel weniger stark unter hohen Energiekosten leidet, ob sich Kundinnen und Kunden auf steigende Preise einstellen müssen, wie Knobel die Performance der Bundesregierung bewertet und welche Angebote es zum Jubiläum für die Mitarbeitenden gibt, hören Sie im Podcast Table.Today. Michael Bröcker, Alexander Wiedmann

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Christian Sewing: „Wir müssen Investoren jetzt Projekte anbieten“

Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing drängt die Politik zu schnellen Verbesserungen der Investitionsbedingungen, um die aktuellen Chancen auf den Kapitalmärkten zu nutzen. Die Entwicklungen in den USA innerhalb der letzten zwölf Monate hätten dazu geführt, dass Investoren ihre Anlagen diversifizieren wollen, sagte Sewing am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Stromnetzbetreibers Tennet in Brunsbüttel. „Jetzt müssen wir Investoren Projekte anbieten. Wenn das nicht passiert, werden sie ihr Geld anders anlegen“, warnte der Deutsche-Bank-Chef.

Für Infrastrukturprojekte will Sewing schnellere Genehmigungsverfahren. „Wir sind zu langsam bei der Umsetzung von Investitionen. Das spürt man in Gesprächen mit ausländischen Geldgebern, die warten ungern lang.“ Als Bedingung für groß angelegte Investitionen sieht der Deutsche-Bank-Chef außerdem politische Veränderungen in Deutschland. Sewing erinnerte an Ankündigungen der branchenübergreifenden Initiative „Made for Germany“ vom vergangenen Sommer. „Die Unternehmen haben Zusagen für Investitionen von 800 Milliarden Euro gemacht. Gekoppelt waren sie aber daran, dass Reformen kommen müssen“. Was Sewing zur europäischen Bankenunion sagt und RWE-Chef Markus Krebber zu Investitionen in Batterien und Gaskraftwerke, lesen Sie im Europe.Table. Manuel Berkel

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Commerzbank wehrt sich mit Stellenabbau gegen Unicredit-Offerte

Der Übernahmekampf zwischen Commerzbank und der italienischen UniCredit spitzt sich weiter zu. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen setzt die Commerzbank dabei auf politische Unterstützung in Berlin. In dem Umfeld heißt es, solange die SPD an der Regierung beteiligt ist, sei dieser Rückhalt gesichert – auch wegen ihrer traditionell engen Verbindungen zu den Gewerkschaften.

Das Frankfurter Institut versucht zugleich, Investoren von seiner eigenständigen Zukunft zu überzeugen. Mit steigenden Gewinnen und einem weiteren Stellenabbau will die Bank ihre Unabhängigkeit unterstreichen und eine feindliche Übernahme abwehren. Bis 2030 sollen konzernweit rund 3.000 weitere Vollzeitstellen gestrichen werden.

Mit Blick auf das Übernahmeangebot der UniCredit argumentiert die Commerzbank, die Pläne der Italiener würden zu einem deutlich stärkeren Stellenabbau führen. Die UniCredit, die inzwischen knapp 30 Prozent der Anteile an der Commerzbank hält, hatte am Dienstag ein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Die Offerte von UniCredit-Chef Andrea Orcel ist als Aktientauschangebot strukturiert, bei dem die Gegenleistung ausschließlich in neu auszugebenden UniCredit-Aktien besteht. Die Annahmefrist läuft bis zum 16. Juni 2026. Die italienische Großbank strebt eine weitere Aufstockung ihrer Beteiligung an und hat für den Fall einer Übernahme einen Umbauplan vorgelegt. Der Aufsichtsrat der Commerzbank lässt sich beim öffentlichen Übernahmeangebot von der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz beraten. Alexander Wiedmann

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Rüstungsexporte: Vor allem US-Unternehmen liefern an Kriegsparteien

Zwischen 2017 und 2025 lieferten vor allem US-Firmen (223) Waffen für völkerrechtswidrige Kriege. Dahinter folgen Russland mit 120 Unternehmen, Großbritannien mit 117, China inklusive Hongkong mit 107, Deutschland (96), die Vereinigten Arabischen Emirate (78), die Türkei (70) und Frankreich (66). 57 Prozent der Unternehmen, denen entsprechende Rüstungsexporte nachgewiesen wurden, stammen aus diesen acht Ländern. Das geht aus der ExitArms Datenbank hervor, die die Nichtregierungsorganisation Facing Finance am Freitag aktualisiert hat. Von den 96 erfassten deutschen Unternehmen sind Airbus Defence and Space, die Rolls-Royce Tochter MTU Friedrichshafen, KNDS, Rheinmetall und Volkswagen am häufigsten vertreten. Oft auch über Tochterunternehmen.

Die NGO will mit ihrer Datenbank Finanzinstitute erreichen. Sie soll Basis für Kreditrichtlinien, Engagement oder Divestment sein. Rüstungsunternehmen bemühen sich verstärkt, in nachhaltige gelabelte Investmentfonds aufgenommen zu werden. „Die ExitArms-Datenbank zeigt, dass westliche Rüstungsunternehmen nicht nur EU-Armeen ausrüsten, sondern auch Waffen in Kriegsgebiete wie den Jemen, Syrien, Libyen, Sudan, Gaza und Myanmar exportieren“, sagt Frederike Potts, Geschäftsführerin von Facing Finance. Aus welchen Ländern Unternehmen weniger exportieren, lesen Sie im Security.Table. Gabriel Bub

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Fahrassistenten: So weit läuft Europa in China hinterher

In China haben sich fortgeschrittene Fahrerassistenzsysteme (L2+ und L2++) zu einem zentralen Verkaufsargument im Automarkt entwickelt. Laut einem Ranking der Beratung P3 liegen heimische Hersteller und Tesla dabei mehr als zwei Jahre vor europäischen Marken. Besonders Systeme von Huawei, Xpeng und Li Auto dominieren die Spitzenplätze. Getestet wurden sie auf einer komplexen Strecke in Peking mit Autobahnen, Stadtverkehr und Baustellen. Dabei zeigte sich, dass vor allem die nahtlose Integration verschiedener Funktionen - vom Fahren über Navigation bis zum Parken - den größten Kundennutzen liefert. Insgesamt sind die Unterschiede zwischen den führenden Systemen zwar nur noch gering, die Rangfolge kann sich durch schnelle Software-Updates jedoch innerhalb kurzer Zeit verschieben.

Der europäische Rückstand wird vor allem durch Faktoren wie Technologie, Datenverfügbarkeit, Regulierung und langsamere Entwicklungsgeschwindigkeit erklärt. China setzt starkt auf schnelle Iterationen, große Datenmengen und eine flexible Regulierung nach dem „Lessons learned“-Prinzip, während europäische Hersteller zunehmend auf Kooperationen mit chinesischen Tech-Unternehmen angewiesen sind.

Der Wettbewerbsvorsprung chinesischer Anbieter zeigt sich nur auf dem chinesischen Markt: In Europa schneiden die Systeme deutlich schlechter ab, unter anderem wegen älterer Softwarestände und strengerer Regeln. Experten erwarten in den kommenden Jahren jedoch eine schnelle Weiterentwicklung inklusive erster Level-3-Systeme. Mehr dazu lesen Sie im China.Table. Jörn Petring

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Beschaffung: Jungen Tech-Unternehmen wird der Zugang zur Bundeswehr erschwert

Vor allem Sicherheitsanforderungen verkomplizieren den Zugang zur Bundeswehr für Technologieunternehmen teils unangemessen, argumentieren Martin Conrads und Benjamin Wuebbelt, Anwälte der Kanzlei Bird & Bird. Viele Technologieunternehmen hätten längst, was die Bundeswehr sucht: Lösungen für Cybersicherheit, Sensorik oder KI-gestützte Aufklärung. Jedoch werden bei Ausschreibungen technische Anforderungen vollständig als Verschlusssache eingestuft. „In solchen Fällen erhalten ohne Not nur Bieter mit entsprechender Sicherheitsfreigabe Zugang zu den vollständigen Unterlagen”, meinen die Anwälte. Welche drei Strategien junge Unternehmen nutzen können, um die Hürden zu überwinden, lesen Sie im Gastbeitrag der Fachanwälte im Security.Table. Robert Wallenhauer

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CEO.Presseschau

Spiegel Online

Signal: Ist die App noch sicher? - Signal-Chefin Meredith Whittaker im Interview

Nach Phishing-Angriffen auf deutsche Politiker äußert sich Signal-Chefin Meredith Whittaker. Die App sei weiterhin sicher, da die Verschlüsselung robust sei. Die Schwachstelle sei der Mensch. Whittaker räumt Fehler im Krisenmanagement ein und kündigt als Reaktion zusätzliche Warnhinweise bei Nachrichten von unbekannten Kontakten an. Ein Verbot der App, wie von Politikern gefordert, sei keine Lösung.
tagesschau.de

Bundesrat stoppt Entlastungsprämie

Der Bundesrat hat die geplante steuer- und abgabenfreie 1.000-Euro-Entlastungsprämie für Arbeitnehmer gestoppt. Die Länder kritisierten, dass sie und die Kommunen fast zwei Drittel der Steuerausfälle von insgesamt 2,8 Milliarden Euro tragen müssten. Auch Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten Vorbehalte. Die Bundesregierung bedauert die Entscheidung und will über das weitere Vorgehen beraten.
Financial Times

Von Uber unterstütztes E-Bike-Start-up Lime beantragt Börsengang im Wert von 2 Mrd. Dollar

Das von Uber unterstützte E-Bike-Start-up Lime hat in den USA einen Börsengang beantragt und strebt eine Bewertung von rund 2 Mrd. Dollar an. Trotz wachsender Umsätze stiegen auch die Nettoverluste, obwohl der Cashflow seit drei Jahren positiv ist. Der Börsengang gilt als Test für den Mikromobilitätssektor nach der Insolvenz des Konkurrenten Bird.
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CEO.Personnel

Logistik Heute

Eva Büchel ist neue Director Operations bei Europcar Deutschland

Eva Büchel ist seit dem 1. Mai 2026 neue Director Operations bei der Europcar Mobility Group Germany. Sie verantwortet das operative Geschäft an allen Pkw- sowie Van & Truck-Standorten und tritt die Nachfolge von Michael Krikken an. Mit ihrer Branchenerfahrung soll sie die Servicequalität weiterentwickeln und stärken.
Energie & Management

BP-Managerin Emma Delaney als OMV-Chefin nominiert

Die BP-Managerin Emma Delaney wird voraussichtlich ab 1. September Generaldirektorin des österreichischen Konzerns OMV. Ein Nominierungsausschuss empfahl die Irin, die damit die erste Frau an der Spitze eines führenden österreichischen Energiekonzerns wäre. Sie folgt Alfred Stern nach. Die endgültige Bestellung durch den Aufsichtsrat und die Hauptversammlung gilt als Formalität.
manager magazin

Porsche verkleinert seinen Vorstand auf sieben Ressorts

Der Sportwagenbauer Porsche verkleinert seinen Vorstand von acht auf sieben Ressorts und löst die Abteilung Car-IT auf. Car-IT-Chef Sajjad Khan verlässt das Unternehmen, seine Aufgaben übernimmt Entwicklungschef Michael Steiner. Khan soll sein Know-how zukünftig über ein Software-Partnerschaftsmodell einbringen.
Handelsblatt

Jungheinrich-Finanzchefin hört nach wenigen Monaten auf

Heike Wulff, Finanzchefin des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich, verlässt das Unternehmen nach wenigen Monaten im Amt. Als Grund werden unterschiedliche Auffassungen über die Organisation des Finanzressorts genannt. Ihre Aufgaben übernimmt interimistisch CEO Lars Brzoska. Zuvor hatte das Unternehmen einen starken Gewinnrückgang gemeldet.
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CEO.Finance

Muss der US-Finanzminister den Yen retten?

Die Marke von 160 Yen pro Dollar gilt als Warnsignal. Nach einem mutmaßlichen Eingriff der Bank von Japan steht die Frage im Raum, ob Japan den weiteren Absturz seiner Währung aus eigener Kraft stoppen kann.

Nächste Woche wird der US-amerikanische Finanzminister Scott Bessent Tokio besuchen. Ein wichtiges Thema wird die anhaltende Schwäche des japanischen Yen sein, der von 76 Yen für einen US-Dollar im Februar 2012 auf heute 157 Yen abgewertet hat.

Am 30. April deutete ein großer Sprung des Yen gegenüber dem Dollar darauf hin, dass die Bank von Japan Yen gekauft hat, um die eigene Währung zu stützen. Auf den Finanzmärkten stellt man sich die Frage, ob Japan nur mithilfe der USA den weiteren Verfall seiner Währung stoppen kann. 160 Yen pro Dollar wird als psychologisch wichtige Marke gesehen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Währungen schwanken Yen, Dollar und Euro frei. Die Zentralbanken stabilisieren den Wechselkurs nicht. Dennoch will das japanische Finanzministerium von Zeit zu Zeit „exzessive Volatilität“ verhindern. Die Bank von Japan setzt dann die Interventionen um. Bloomberg schätzt das Volumen der Intervention vom 30. April auf etwa 5,4 Billionen Yen, was rund 33 Milliarden Euro entspricht.

In der Vergangenheit hat das Finanzministerium meist dann intervenieren lassen, wenn der Yen stark aufgewertet hat. Das sollte dem Export helfen, weil eine Aufwertung des Yen japanische Waren im Ausland teurer macht. Wenn an einem Tag interveniert wurde, gab es oft weitere Interventionen an den folgenden Tagen. So hat das Finanzministerium riesige Dollarreserven in Höhe von 1.160 Milliarden Dollar angehäuft. Weil dieses Mal die Abwertung importierte Waren wie das ohnehin wegen des Irank-Kiegs teure Rohöl noch teurer macht, sollen die Interventionen den Yen aufwerten. Pulver hat Japan wegen der hohen Devisenreserven genug.

Kurzfristig ist die Wirkung von Devisenmarktinterventionen evident. Da mit der Bank von Japan ein großer Akteur auf den Markt kommt, kommt es in der Regel zu Kurssprüngen. Das gilt insbesondere dann, wenn private Akteure „auf den Zug aufspringen“, um mit den Kursveränderungen Spekulationsgewinne zu machen. Die Zinseffekte der Intervention können die Wirkung dauerhaft verstärken. Mit dem Verkauf von Dollar und dem Ankauf von Yen nimmt die Bank von Japan Liquidität aus dem Markt, sodass der Zins steigen muss. Das zieht internationale Kapitalflüsse an, die den Aufwertungsdruck verstärken.

Doch bei einer moderaten Inflation von derzeit 1,5 Prozent, einer dauerhaft schwachen Konjunktur und einer riesigen Staatsverschuldung sind weitere Zinserhöhungen für Japan wenig vorteilhaft. Eine Aufwertung des Yen reduziert zudem den Wert der riesigen Dollarvermögen von Finanzministerium, Banken und Pensionskassen gerechnet in Yen.

Das deutet darauf hin, dass der japanische Staat auf Dauer gar keine Aufwertung des Yen bewirken will. Für eine dauerhafte Hochzinspolitik, die den Yen dauerhaft stärken könnte, fehlt dem überalterten Land einfach die Kraft. Deshalb wird man den US-Finanzminister auch nicht um Hilfe bitten.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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CEO.Standpunkt

Souveränität, Wohlstand, Stabilität: Warum echte Konservative die Energiewende beschleunigen

Für Thomas Heilmann ist eine Ideologie-getriebene Energiewende-Politik wirtschaftspolitisch falsch. In seinem Standpunkt legt der CDU-Politiker einen Befund vor, der in der eigenen Partei unbequem sein dürfte. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen sei kein grünes Dogma, sondern das Gebot marktwirtschaftlicher Vernunft und nationaler Souveränität. Wer das Gegenteil behaupte, schüre eine Illusion – und zementiere eine Abhängigkeit, die Europa jährlich fast 400 Milliarden Euro an Fossil-Importen koste.

Deutschland habe kein Strom-, sondern ein Gasproblem. Die Gaspreise lägen hierzulande fünfmal über dem US-Niveau – und weil das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Last noch gebraucht werde, den Preis für alle bestimme, treibe meist ein Gaskraftwerk die Börsenstrompreise nach oben, nicht die Erneuerbaren.

Heilmann seziert auch die Standardargumente gegen den Erneuerbaren-Ausbau. Bei den viel zitierten Redispatch-Kosten von rund drei Milliarden Euro jährlich etwa rechnet er vor, dass laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) Erneuerbare die Stromkosten um durchschnittlich 1,5 Cent pro Kilowattstunde senken – die Redispatch-Kosten dagegen mit 0,25 Cent pro Kilowattstunde zu Buche schlagen. Zudem, so Heilmann, betreffen rund 40 Prozent aller Redispatch-Maßnahmen fossile Kraftwerke.

Den Ruf nach neuen Kernkraftwerken lässt er an der Zeitachse scheitern. In Deutschland lägen die Bauzeiten bei 15 bis 20 Jahren, in der EU schwankten die jüngsten Bauzeiten sogar zwischen 17 und 39 Jahren. Und er verweist auf eine Umfrage, die in der Union selten laut zitiert wird: 80 Prozent der Deutschen befürworten den Ausbau der Erneuerbaren. Alex Hofmann

Die komplette Argumentation von Thomas Heilmann, CDU-Politiker und Vorsitzender der KlimaUnion, lesen Sie im ausführlichen Standpunkt hier.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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