CEO.Table – Ausgabe 73

Wie die USA durch KI ihren Wachstumsvorsprung zementieren + Deutsche Satelliten im All + Die Verlockung der Mehrwertsteuer

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Executive Summary

Wie die USA durch KI ihren Wachstumsvorsprung zementieren

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Nur wenn europäische Unternehmen künstliche Intelligenz stärker in den Arbeitsalltag integrieren, lässt sich der Rückstand zu den USA eingrenzen. Denn die USA dominieren nicht nur die Entwicklung großer Sprachmodelle. Auch beim Einsatz von KI in den Unternehmen liegen sie deutlich vor Europa. Ein aktuelles Paper des US-Thinktanks National Bureau of Economic Research (NBER) zeigt eine klare Lücke bei der Nutzung von KI am Arbeitsplatz. Anfang 2026 verwenden in den USA demnach rund 43 Prozent der Beschäftigten KI bei ihrer Arbeit. In europäischen Ländern liegt der Anteil dagegen nur bei etwa 32 Prozent.

Der Abstand wird noch deutlicher, wenn man die Intensität der Nutzung betrachtet. In den USA wird KI bereits in rund fünf Prozent der gesamten Arbeitszeit eingesetzt. In Ländern wie Großbritannien, Schweden und den Niederlanden ist es etwa halb so viel. In Deutschland, Frankreich und Italien liegt die Nutzung sogar nur bei unter einem Drittel des US-Niveaus.

Der Rückstand Europas liegt weniger am Zugang zur Technologie als an der Nutzung in den Unternehmen. „KI ist überall verfügbar. Der Unterschied entsteht im Management. In den USA werden Beschäftigte aktiv ermutigt, KI auszuprobieren und in ihre Arbeit zu integrieren, und genau diese Förderung erklärt nahezu den gesamten Adoptionsvorsprung“, erklärt Studienautorin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Nicola Fuchs-Schündeln, Table.Briefings.

Fuchs-Schündeln warnt, dass sich diese Unterschiede weiter verstärken könnten. „Die Entwicklung divergiert zunehmend, denn die Länder mit hoher Nutzung legen auch beim Wachstum zu. Wenn dieser Trend anhält, wird der Unterschied in den kommenden Jahren sogar noch größer.“

Der Einsatz von KI führt bereits zu messbaren Effizienzgewinnen. Generative KI lasse sich deutlich schneller in Arbeitsprozesse integrieren als frühere digitale Technologien. „Generative KI ist extrem niedrigschwellig: Sie ist kostengünstig, sofort nutzbar und entfaltet Produktivitätseffekte deutlich schneller als frühere Technologieschübe. Während es nach der Einführung des PCs Jahre brauchte, sehen wir bei KI schon nach 24 Monaten spürbare Effizienzgewinne“, sagt Fuchs-Schündeln. Laut Studie berichten aktive Nutzerinnen und Nutzer in den USA von rund fünf Prozent Zeitersparnis pro Woche. Auf alle Beschäftigten hochgerechnet ergibt sich daraus ein Produktivitätsgewinn von etwa zwei Prozent.

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Die wirtschaftlichen Folgen könnten langfristig erheblich sein. Bereits heute liegen die USA gemessen am BIP pro Kopf deutlich vor Europa (siehe Grafik). Auch beim Potenzialwachstum zeigt sich eine große Lücke. Während in Deutschland das Potenzialwachstum auf rund 0,4 Prozent geschätzt wird, liegt es in den USA bei etwa 2,5 Prozent. Zum Vergleich: Allein Investitionen in KI könnten dort zusätzlich rund 0,4 Prozentpunkte Wachstum pro Jahr bringen.

Dass die US-Wirtschaft seit Jahren stärker wächst als die Europäische Union, hat nach Einschätzung vieler Ökonomen strukturelle Gründe. Auf dem Zukunftsforum in Baden-Baden verwies der ehemalige Finanzminister Jörg Kukies darauf, dass in den USA deutlich mehr Risikokapital in Technologieunternehmen fließt. Während Venture-Capital-Investitionen in den USA laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds rund ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen, liegen sie in Europa nur bei etwa 0,2 bis 0,3 Prozent. Dieser Unterschied verstärke laut Kukies über längere Zeiträume den Wachstumsvorsprung zusätzlich, weil sich Innovation und Kapital über Jahre kumulieren.

Auch bei KI zeigt sich laut Kukies, der ab November das Deutschland- und Österreichgeschäft der US-Bank Morgan Stanley leiten wird, ein ähnliches Muster. Weltweit würden Investitionen von rund 2,5 Billionen US-Dollar in KI fließen, Europa ziehe jedoch nur einen einstelligen Prozentanteil davon an. Ein weiteres Problem sieht Kukies in der Regulierung. Selbst erfolgreiche europäische Unternehmen wie das französische KI-Start-up Mistral stießen trotz Milliardenbewertung und großer juristischer Ressourcen immer wieder auf regulatorische Hürden. Dadurch könnten neue Markteintrittsbarrieren entstehen, insbesondere für junge Technologieunternehmen.

Die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln sieht Europas wirtschaftliche Zukunft dennoch nicht allein von Regulierung abhängig. Europa brauche Wachstum sowohl aus ökonomischen als auch aus geopolitischen Gründen. Regulierung könne Vertrauen schaffen und Risiken begrenzen, reiche allein aber nicht aus. „Der entscheidende Hebel liegt bei den Unternehmen: Sie müssen KI in ihre Arbeitsprozesse integrieren und ihre Beschäftigten aktiv zur Nutzung ermutigen.“

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CEO.Talk

Water Ballheimer Gründer und CEO von Reflex Aerospace

100 Satelliten pro Jahr für Kunden aus unterschiedlichsten Branchen

12.900 aktive Satelliten kreisten nach Zählung der ESA Anfang 2026 um die Erde; täglich werden es mehr. Fast 10.000 davon gehören Elon Musk und geht es nach ihm, sollen bald 42.000 Starlink-Satelliten im LEO, dem Low Earth Orbit, schweben. Aber: Auch aus Berlin-Friedrichshain und aus Ottobrunn bei München kommen immer mehr kommerziell genutzte Satelliten. An beiden Orten hat Reflex Aerospace einen Sitz; es ist Deutschlands zweitgrößter Satellitenhersteller.

Der Markt für kleinere und mittelgroße Satelliten wächst signifikant. Deutschland liegt in Europa derzeit auf Platz 2 hinter Großbritannien und könnte 2026 laut einem Bericht von Fortune Business Insights 230 Millionen US-Dollar erreichen. Als Wendepunkt gilt, dass die Startkosten im Lauf von fünf Jahren rapide gesunken sind. „Das verändert den gesamten Markt“, sagt Walter Ballheimer, Gründer und CEO von Reflex Aerospace, im Gespräch mit Table.Briefings. „Es ist kein strategisches Alleinstellungsmerkmal mehr, etwas im Weltraum zu haben. Das kann jetzt fast jeder.“ Mehr noch – das muss jetzt jeder haben: „Ein weiser Mann hat mal gesagt: Wer in zehn Jahren den Weltraum nicht als Teil seines Geschäftsmodells ansieht, der hat kein Geschäftsmodell.“ Und er hat recht, glaubt Ballheimer.

Das Kundenspektrum von Reflex Aerospace ist entsprechend breit. Firmen, die mit seiner Hilfe ins All wollen beziehungsweise dort Daten für ihre Unternehmungen auf der Erde sammeln oder verarbeiten wollen, kämen aus den „unterschiedlichsten Ecken“, so der CEO: Es sind Unternehmen aus der Landwirtschaft oder dem Umweltschutz, für die Erdbeobachtung per Satellit relevant ist. Der Bereich Mobilität braucht Satelliten für Navigation und das Militär für Aufklärung. Auch Anfragen zu neuen Anwendungen wie Rechenzentren im All lägen bereits auf seinem Tisch, berichtet Ballheimer.

Reflex Aerospace liefert sogenannte „Satellite Busses“, das sind nur die Plattformen von Satelliten. Alles, was diese brauchen, um bestimmte Aufgaben im All zu erfüllen – etwa Kameras zur Erdbeobachtung oder Sender für die Kommunikation –, kommt von den Kunden. Hergestellt werden die Satellite Busses in der Münchner „Micro Factory“. Ende 2026 sollen dort 100 Satelliten jährlich produziert werden. Die Entwicklung von großen Satelliten durch etablierte Raumfahrtunternehmen passierte bislang in aufwendigen Einzelprojekten, die oft drei bis fünf Jahre dauerten.

Im vergangenen Jahr hat das Start-up eine Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro abgeschlossen. Neben Wagniskapitalgebern wie der US-amerikanische Venture Capital Fund „Human Element“ und Alpine Space Ventures beteiligten sich auch Bayern Kapital und der High-Tech Gründerfonds. Beide investieren zumindest zum Teil staatliches Geld. Ballheimer meint allerdings, dass der Staat eine noch bessere Rolle spielen könnte: als Ankerkunde. „Das ist der große Unterschied zwischen dem US-amerikanischen Markt und dem deutschen: Hier glaubt man noch an das Instrument der Förderung“, so der CEO. „In Amerika hat man verstanden, dass der Ankerauftrag das eigentliche Mittel der Wahl ist.“

Walter Ballheimer gründete gemeinsam mit Alexander Genzel Reflex Aerospace 2021. Beide haben Luft- und Raumfahrt studiert – Ballheimer an der Technischen Universität Berlin, Genzel als Offizier an der Bundeswehruniversität in München.

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Einladung: Klimaschutz und Nachhaltigkeit - Standortvorteil oder Wettbewerbsnachteil? 16. April 12:00-13:15 Uhr Table.Briefings Café & digital. Kostenlos anmelden

CEO.News

Chemiebranche: Vier Krisenjahre, ein Notfallplan

Den deutschen Chemieunternehmen droht das vierte Krisenjahr in Folge. Seit dem Rekordjahr 2022 ist der Umsatz der Branche um 22 Prozent eingebrochen, mehr als 13.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Allein 2025 sank der Umsatz um 2,9 Prozent, die Beschäftigung um zwei Prozent. Der Export schrumpfte um drei Prozent – während chinesische Hersteller ihre Lieferungen nach Europa um fast 23 Prozent steigerten, wie das Wirtschaftsprüfungsunternehmen EY analysiert hat. Das Handelsbilanzdefizit der EU mit China bei Chemieprodukten weitete sich von 9,2 auf 22,5 Milliarden Euro aus.

Die Zahlen dahinter sind drastisch: 45 Insolvenzverfahren gab es in der deutschen Chemieindustrie im vergangenen Jahr, 44 im Jahr davor, 48 im Jahr 2023 – die Pleitewelle hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Davor lag der Durchschnitt bei 30. Jeder einzelne Ausfall reißt Lücken in Lieferketten, die von der Automobil- bis zur Pharmaindustrie reichen.

Der Iran-Krieg verschärft die Lage und zwingt die Branche zu drastischen Preiserhöhungen. BASF erhöht die Preise für Standard-Amine um rund 30 Prozent, Lanxess verlangt für Flammschutzmittel bis zu 35 Prozent mehr, für Weichmacher-Additive sogar bis zu 50 Prozent. Auch Wacker Chemie, Covestro und Evonik haben Preise angehoben oder Erhöhungen angekündigt. Kurzfristig profitieren einige Hersteller, weil asiatische Wettbewerber stärker von den Lieferunterbrechungen am Golf betroffen sind.

Ende März hat die Bundesregierung gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften die „Chemieagenda 2045“ vorgelegt. Kernpunkte: ein staatlich subventionierter Industriestrompreis, eine Ausweitung der Strompreiskompensation und auf EU-Ebene eine längere Zuteilung kostenloser CO₂-Zertifikate an energieintensive Unternehmen. Zudem will sich die Regierung für Vereinfachungen im EU-Chemikalienrecht einsetzen. Um Erfolgreich zu sein, müssen die Maßnahmen schnell greifen. Alex Hofmann

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Hausgeräte: Industrie sieht sich in Brüssel ignoriert

Die EU-Kommission ignoriere die Probleme der Hausgeräteindustrie, beklagt Lars Schubert. Im Table.Briefings-Inteview sagte der COO des Hausgeräteherstellers BSH, dass vor allem der europäische CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der Branche Probleme bereite. Die Branche produziere in Europa, importiere aber einige der Rohmaterialien und zahle deshalb den CO₂-Grenzzoll. „Marktteilnehmer, die im Ausland gefertigte Hausgeräte rein importieren und keinen Produktionsstandort in Deutschland oder Europa haben, müssen keinen Grenzzoll zahlen, weil nur das Rohmaterial vom CBAM erfasst wird und das fertige Produkt zollbefreit ist.“ Dies sei ein großes Problem, werde aber von der EU-Kommission ignoriert, sagt Schubert.

Den CBAM abschaffen will die europäische Hausgeräteindustrie allerdings nicht. „Wir wollen nachhaltig handeln und gewisse Regelwerke reizen ja auch Innovationen an.“ Stattdessen soll CBAM auf weitere nachgelagerte Produkte ausgeweitet werden, drängt Schubert, sodass nicht nur Stahlimporte, sondern auch fertige Waschmaschinen von CBAM erfasst werden. „Es darf keinen Unterschied geben zwischen Importen und europäischer Produktion.“

Die Branche hat mehr als eine Million Beschäftigte in Europa. Die EU unterschätze sie jedoch, da sie schon lange existiere, glaubt Schubert, der auch Mitglied im Lenkungsausschuss des europäischen Hausgeräte-Dachverbands APPLiA. „Es ist keine aufkommende neue Kategorie – eher geübte Praxis.“ Er appelliert an die Kommission, mit der Branche über wettbewerbsrelevante Themen zu sprechen und gemeinsam einen EU-Aktionsplan für die Hausgeräteindustrie zu entwickeln. Lukas Knigge

Lesen Sie das ganze Interview hier.

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Umweltmister Schneider in China: Joint Ventures und Investitionen in Klimatechologie

Umweltminister Carsten Schneider war vergangene Woche zum Antrittsbesuch in Peking und Shanghai. Sein Fazit: „China verfolgt mit seinem Einsatz für erneuerbare Energien und Umwelttechnologien keinen Selbstzweck, sondern eine klare ökonomische Strategie.“ Grüne Technologien trugen 2025 rund ein Drittel zum Wachstum Chinas bei. In vielen Bereichen wie Solaranlagen, E-Autos und Batterien hat China eine große Dominanz aufgebaut.

Nun wirbt Schneider um Investitionen in Deutschland. Chinesische Unternehmen sollten etwa Joint Ventures mit deutschen Partnern eingehen. Beide Seiten könnten „gegenseitig viel voneinander lernen mit Blick auf neue Technologien“, so Schneider. Der China-Experte des Thinktanks Asia Society, Li Shuo, mahnt allerdings im Gespräch mit Table.Briefings, die Wettbewerbsvorteile Chinas würden weiterwachsen. Nicht nur dominiere China wichtige Märkte für Zukunftstechnologien wie Solarmodule, Windkraftanlagen, E-Autos und Batterien und die dafür benötigten Mineralien. Das Land treibe auch die „Elektrifizierung voran, auch das ein hilfreicher Faktor, um in Spitzentechnologien noch weiter voranzukommen“.

Li empfiehlt Handelsschutz und Investitionen in chinesische „Gewinner“. Deutsche Unternehmen mit „finanzieller Schlagkraft“ sollten „in großem Stil in die Gewinner“ der Transformation investieren, etwa in die chinesischen Elektroautohersteller, schlägt Li vor. „Wenn man selbst nicht zum Gewinner werden kann, kauft man Anteile am Gewinner.“ Im Umgang mit Chinas (Green-)Tech-Dominanz müsse Europa neue Wege gehen. Nico Beckert / Leonardo Pape

Lesen Sie das komplette Interview mit Li Shuo im China.Table.

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Autonomes Fahren: In China rollen Robotaxis in den Alltag.

In einigen chinesischen Großstädten kann man über Mini-Apps eines der sogenannten Robotaxis bestellen, die komplett autonom fahren. Die Fahrt verläuft ruhig, kein hektisches Bremsen, keine abrupten Manöver. Bis 2030 könnten in Chinas vier größten Städten rund 300.000 fahrerlose Taxis unterwegs sein. Gestärkt wird die Robotaxi-Branche auch mit Rückenwind aus Peking.

Doch ganz reibungslos läuft das Geschäft nicht. Unternehmen wie Pony.ai scheitern bisher an der Rentabilität, sie schreiben Verluste. Und in der zentralchinesischen Stadt Wuhan sind am Dienstag mindestens 100 Robotaxis des von Baidu betriebenen Dienstes Apollo Go plötzlich mitten auf der Straße einfach stehen geblieben - "Systemausfall", hieß es. Wie diese Zwischenfälle die Verwundbarkeit der Technologie zeigen, lesen Sie im China.Table. Julia Fiedler

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Katrin Göring-Eckardt über die „Ver-Östlichung“ Europas als Voraussetzung für Sicherheit, Freiheit und eine eigenständig handlungsfähige EU. Table Forum

CEO.Presseschau

tagesschau.de

SpaceX: Elon Musk plant wohl Rekord-Börsengang

Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX soll Berichten zufolge noch in diesem Sommer an die Börse gehen. Mit einer Bewertung von über 1,75 Billionen Dollar könnte es der größte Börsengang der Geschichte werden und mehr als 50 Milliarden Dollar einbringen. Ein vertraulicher Antrag bei der US-Börsenaufsicht wurde demnach bereits eingereicht. Der Börsengang soll im Juni stattfinden.
Handelsblatt

Bund beauftragt SAP und Telekom mit Bau der „Bürger-App“

Der Bund hat SAP und die Deutsche Telekom beauftragt, eine zentrale, KI-basierte Verwaltungsplattform umzusetzen. Die "Bürger-App" soll als Zugang zu staatlichen Leistungen wie Anträgen und Terminbuchungen dienen. Ein Prototyp soll im April vorliegen, erste Anwendungsfälle umfassen Kindergeldanträge und Wohnsitzanmeldungen, die in Pilotkommunen getestet werden.
Süddeutsche Zeitung

Bekommt die Lufthansa beim Verkauf von TAP Air Portugal den Zuschlag?

Die portugiesische Regierung will die staatliche Fluggesellschaft TAP Air Portugal privatisieren. Die Lufthansa Group, Air France-KLM und IAG (British Airways, Iberia) gelten als Interessenten. Für Lufthansa wäre die Übernahme strategisch wichtig, um ihre schwache Position im Südamerika-Geschäft, insbesondere nach Brasilien, auszubauen und den Partner in der Star Alliance zu sichern.
Spiegel Online

Spritpreise: EU ruft zum Sparen auf, Staaten setzen auf Steuersenkungen

Angesichts hoher Spritpreise ruft die EU-Kommission zum Sparen auf (Tempolimits, Homeoffice), während viele Mitgliedstaaten mit Steuersenkungen reagieren. Dies schafft ein Dilemma zwischen der Entlastung von Bürgern und dem Anreiz zur Energiewende. Wissenschaftler warnen, dass staatliche Eingriffe den Umstieg auf Alternativen verlangsamen und empfehlen stattdessen gezielte Transferzahlungen.
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CEO.Personnel

manager magazin

Jörg Kukies: Ex-Finanzminister von der SPD geht zur US-Großbank Morgan Stanley

Jörg Kukies, ehemaliger Staatssekretär und Finanzminister (SPD) unter Olaf Scholz, kehrt in die Finanzbranche zurück. Der frühere Co-Deutschlandchef von Goldman Sachs wechselt zur US-Großbank Morgan Stanley. Dort wird er das Geschäft in Deutschland und Österreich verantworten und CEO der kontinentaleuropäischen Einheit mit Sitz in Frankfurt.
WirtschaftsWoche

Telefónica Deutschland baut Vorstand um: Mehr Macht für den Chef

Telefónica Deutschland restrukturiert den Vorstand im Zuge eines Konzernumbaus. Vorstandschef Santiago Argelich Hesse übernimmt zusätzlich das Firmenkundengeschäft und bündelt damit alle kommerziellen Sparten. COO Mallik Rao leitet künftig auch Kundendienst und Vertrieb. Privatkundenvorstand Andreas Laukenmann verlässt das Unternehmen, wodurch der Vorstand von sieben auf sechs Mitglieder schrumpft.
Augsburger Allgemeine

Oettinger Brauerei: Thilo R. Pomykala wird neuer CEO

Thilo R. Pomykala wird zum 1. April neuer CEO von Oettinger Getränke. Der 55-Jährige folgt auf Stefan Blaschak und verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung sowie Logistik. Pomykala war zuvor Geschäftsführer bei der Hochwald Food GmbH. Mit ihm, Inhaberin Pia Kollmar und Dominika Steinberg ist die Geschäftsführung des Unternehmens wieder komplett.
Börsen-Zeitung

BayernLB wirbt Finanzvorstand von niederländischer Bank ab

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) engagiert André Haag von der niederländischen ASN Bank als neuen Finanzvorstand. Damit werden die Aufgaben des CEO und CFO wieder auf zwei Vorstände verteilt. Der bisherige CEO und CFO Stephan Winkelmeier kann sich dann auf seine Aufgaben als Vorstandschef konzentrieren.
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CEO.Finance

Die Verlockung der Mehrwertsteuer

Während höhere Sozialbeiträge politisch kaum durchsetzbar sind, rückt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer immer stärker in den Fokus. Doch sie lenkt von der eigentlichen Aufgabe ab – die Staatsausgaben zu begrenzen, meint unser Kolumnist.

Im Bundeshaushalt klafft ein 100-Milliarden-Euro-Loch – ohne Sondervermögen. Die Gemeinden stehen ratlos vor riesigen Finanzierungslücken. Das liegt an stark gewachsenen Sozialausgaben. Der Bundeszuschuss für die gesetzliche Rentenversicherung liegt bei rund 130 Milliarden, der zur gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,5 Milliarden Euro. Die Gemeinden ächzen unter dem Bundesteilhabegesetz. Da der Beitragssatz für die Sozialsysteme bei bis zu 42 Prozent des Bruttolohns liegt, ist eine weitere Erhöhung der Sozialbeiträge nur noch schwer zu vermitteln.

Da die Schuldenbremse noch nicht ganz abgeschafft ist, rücken Steuererhöhungen wieder ins Blickfeld der Politik. Die Lohnsteuer bringt dem deutschen Staat rund 260 Milliarden, sodass eine Erhöhung ergiebig wäre. Doch dann nimmt der Staat die bereits stark belasteten Leistungsträger noch stärker in die Pflicht. Vertreter der SPD wollen die Kapitalertragsteuer erhöhen. Doch damit werden bereits besteuerte Einkünfte noch stärker belastet. Noch mehr Reiche könnten das Land verlassen. Die Linke will eine höhere Körperschaftssteuer und Unternehmer mit einer hohen Erbschaftssteuer belegen. Doch das Wachstum ist schwach, die Investitionen stocken und die Abwanderung von Unternehmen droht.

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Wenn man die Ausgaben nicht kürzen will, bleibt also die Mehrwertsteuer, der sich die Menschen nur schwer entziehen können. Im Jahr 2025 hat sie mehr als 300 Milliarden Euro eingebracht. Der Ökonom Marcel Fratzscher hat aufgrund der großen Haushaltslöcher eine Mehrwertsteuererhöhung von 19 auf 21 Prozent als Prognose ins Spiel gebracht – auch wenn sie „sozial fatal“ sei. Moritz Schularick befürwortet eine Mehrwertsteuererhöhung, wenn gleichzeitig Steuern und Sozialabgaben gesenkt werden. So würden zugunsten der jungen Menschen wohlhabende Ältere belastet. Der Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn hat im Lichte von Klagen über hohe Lebensmittelpreise die Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel vorgeschlagen – aber nur, wenn die Mehrwertsteuer auf andere Güter steigt.

Alle drei Akteure stehen der Regierung nahe. Spahn ist CDU-Fraktionsvorsitzender. Fratzscher gilt als SPD-nah. Schularick leitet das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das wesentlich vom CDU-geführten Land Schleswig-Holstein und dem Bund finanziert wird. Gemeinsam bewirken sie einen Gewöhnungseffekt. Eine zunächst von vielen spontan abgelehnte Idee wird zunehmend als notwendige Option betrachtet. Die bittere Pille wird durch billigere Lebensmittel und mehr soziale Gerechtigkeit versüßt. Zuletzt haben Union und SPD 2007 die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte angehoben. Grob ein Prozentpunkt diente der Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, mit zwei Prozentpunkten wurden Haushaltslöcher gestopft.

Die Diskussion über die Mehrwertsteuer lenkt davon ab, dass der Staat eigentlich sparen sollte. Die Steuereinnahmen sind mit fast 1.000 Milliarden Euro so groß wie nie. Eine der höchsten Steuer- und Abgabenlasten zieht das Wachstum von Deutschland nach unten. Der private Konsum bleibt neben dem Staatskonsum die letzte wichtige Wachstumsstütze. Die Regierung sollte deshalb der Verlockung einer höheren Mehrwertsteuer widerstehen und lieber die Ausgaben kürzen. Nur Ausgabendisziplin kann perspektivisch auch die Steuerlast reduzieren. Das würde via mehr Wachstum die Steuereinnahmen auch ohne Steuererhöhungen stabilisieren.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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