Space Economy: Darum brauchen Unternehmen jetzt eine Weltraumstrategie

Sinkende Transportkosten machen den Weltraum für Unternehmen attraktiv. Die Raumfahrtwirtschaft wächst und bietet neue Geschäftsmodelle – besonders für deutsche Unternehmen im Maschinenbau.

31. März 2026
Die Wertschöpfungskette der Space Economy. Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Im All entsteht ein neuer Wirtschaftsraum, denn Launch-Kosten sinken rapide, es wird immer billiger, dorthin zu kommen. 2020 lag der Preis pro Kilo für den Transport von Gütern in den Low Earth Orbit (LEO) mit einer Ariane 5 Rakete bei 18.500 US-Dollar. Im SpaceX Falcon 9 kostet das Kilo 2026 bei optimaler Auslastung nur noch 1.500 US-Dollar. „Anfang der 2030er-Jahre dürften die Kosten bei 200 bis 300 Dollar liegen“, sagt Manfred Hader, Partner bei Roland Berger, Leiter des Teams Luft- und Raumfahrt & Verteidigung. „Wenn wir das erreicht haben, macht es wirtschaftlich Sinn, Material da hochzubringen. Dann werden quasi täglich neue Business-Modelle möglich.“

2024 hatte die globale Raumfahrtwirtschaft ein Volumen von 613 Milliarden US-Dollar, 2035 könnten es mehr als 1,8 Billionen US-Dollar sein. Das geht aus Daten der Space Foundation und einem Bericht des World Economic Forum hervor. Vorausschauende CEOs sollten sich laut Hader jetzt überlegen: Kann man sich bei anfangs noch limitierten Kapazitäten für Dienstleistungen im All jetzt schon in Stellung bringen? Und, noch wichtiger: Wie kann das, was man hier auf der Erde macht, weltraumfähig werden? „Ich denke da insbesondere an den deutschen Maschinenbau“, so Hader. „Man wird Anlagenbau und Robotik brauchen.“ Noch gäbe es niemanden, der sagt: Hier ist mein Konzept, Fabriken im All zu bauen. „Dabei ist das eigentlich das Feld für die deutsche Wirtschaft. Gute deutsche Mechatronik, mit der man jetzt punkten kann.“

So wächst der globale Weltraummarkt. Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Die Orbitalökonomie erstreckt sich über vier Ebenen. Die Wertschöpfung läuft zunächst „upstream“, von der Erde ins All über die Produktion von Hardware für den Weltraum, von Startrampen über Raketen zu Satelliten und (perspektivisch) Raumstationen. Der „downstream“-Markt besteht aus Anbietern, die mit Daten aus dem All Navigation, Erdbeobachtung, Kommunikation möglich machen. Mit rund 408 Milliarden Euro Marktvolumen war der Downstream-Markt laut einer Roland-Berger-Studie im Jahr 2024 bereits deutlich größer als der Upstream-Markt (63 Milliarden). Bei einer prognostizierten Wachstumsrate von 9,3 Prozent könnte Upstream 2024 bei 264 Milliarden Euro, Downstream bei 1,7 Billionen Euro liegen.

  • Ground Economy
    Die Wertschöpfung der Raumfahrt beginnt auf der Erde und kommt hierher zurück, durch Zulieferer (Hard- und Software, Chips, Bodeninfrastruktur wie Launchpads und Spaceports) und über Datenverarbeitung und Anwendungen.

  • Launch Economy
    Raketen ermöglichen den Zugang zum All. 2024 gingen weltweit 295 Trägerraketen an den Start, 2025 schon 324 – allerdings nur acht aus Europa. „Wir haben nach wie vor eine Launcher-Krise“, urteilt Matthias Spott, Luft- und Raumfahrtingenieur, Unternehmer und New-Space-Investor. Europäische Firmen in diesem Segment seien den USA um zehn bis 15 Jahre hinterher. „Eine Aufholjagd, die kommerziell nur schwer zu gewinnen ist“, so der Experte. Wer in die Orbitalökonomie einsteigen will, wird nicht-europäisch dorthin reisen. Aber: „Aus Souveränitätsgründen brauchen wir eigene Launcher.“

  • Orbital Infrastructure
    Im LEO entsteht eine Infrastruktur aus Satelliten, Raumstationen und Servicing-Systemen, die Kommunikation, Daten und operative Dienste bereitstellen. Aktuell kreisen mehr als 10.000 Satelliten um die Erde, 2030 könnten es mehr als 100.000 sein. Monetarisiert wird über Daten, Zugang zu Infrastruktur sowie Wartung und Verlängerung von Satellitenlebenszyklen. Perspektivisch ist auch Datenspeicherung in Rechenzentren im All denkbar. „Bis 2030 werden wir die erste Generation kommerzieller Raumstationen hier sehen“, prognostiziert Spott.

  • In-Space Manufacturing
    Die Mikrogravitation eröffnet industrielle Möglichkeiten, die auf der Erde nicht existieren, von der Herstellung ultrapräziser Halbleiter bis zu neuartigen Medikamenten. Laut der Studie von Roland Berger könnten ab 2035 aus Laboren erste Fabriken werden. Auch das Thema Energiegewinnung im All ist eines der Zukunft, ebenso wie „Spacemining“ (Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden oder dem Mond).

New Space habe in Europa bei Europas Top-Venture-Capital-Firmen hohe Priorität, sagt Peter Specht, Partner bei Creandum. Letzte Woche hat die schwedische Venture Capital Firma 40 Millionen US-Dollar in das Schweizer Start-up Pave Space investiert, das Fluggeräte baut, die Satelliten im All bewegen. Im Bereich orbitale Infrastruktur sehe er immense Opportunitäten, mehr als bei den Raketen-Launchern, so Specht. Aber auch der „Application Layer“, also Anwendungen für Daten und Erkenntnisse aus dem All in Kommunikation, Pharma oder Intelligence, sei für Investoren hoch spannend.

Die wichtigste Botschaft an Investoren, viel mehr aber noch an Unternehmer auf der Erde, ist: Nehmt das Thema ernst! Wer „weltraumfit“ werden will, muss bestimmte Prozesse beherrschen und braucht künftig wohl bestimmte Zertifizierungen. „Aber es beginnt damit, dass man sich diesem Thema gedanklich öffnet und es als einen der Märkte anerkenne, die es zu entwickeln gilt“, so der New-Space-Experte Spott. Auch Hubertus Bardt vom IW Köln mahnt: Hier geht es um reales Geschäft, das sind keine Science-Fiction-Geschichten. Wir müssen das ernst nehmen, infrastrukturell, politisch und wirtschaftlich.“ Und womöglich steckt im Weltraum ein Silberstreifen für die deutsche Wirtschaft: „Wir brauchen ja nicht nur echte Reformen und echte Verbesserung, sondern manchmal auch Dinge, auf die man schaut und sagt: ‚Das funktioniert ja.‘“ Das Aufkeimen der Space Economy sei eins davon.

Nach dem LEO geht es dann übrigens auf dem Mond. Im Table Space.Briefing erfahren Sie aktuell mehr über Nuklearstrom auf dem Mond. Um genug Energie für den Betrieb künftiger Stationen zu haben, setzen mehrere Raumfahrtakteure auf Atomtechnik. Warum die Reaktoren im Design Pilzen ähneln könnten, lesen Sie hier.

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Letzte Aktualisierung: 31. März 2026