CEO.Table – Ausgabe 66

5 Fragen und Antworten zum Ölmarkt + Wann kommen kommerzielle Quantencomputer? + So hilft KI im Tagesgeschäft

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Executive.Summary

Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Ölmarkt

Die Ölpreise schwanken stark, getrieben von geopolitischen Risiken. Gleichzeitig diskutiert die Politik über mögliche Maßnahmen zur Stabilisierung. Table.Briefings erklärt die Lage in fünf zentralen Fragen und Antworten.

  1. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen drohen bei einem hohen Ölpreis in Deutschland?

Der Ölanteil am industriellen Endenergieverbrauch ist laut Deutsche Bank Research über die Jahre gesunken und liegt inzwischen bei unter vier Prozent. Dennoch hätte ein dauerhaft hoher Ölpreis spürbare Folgen für die Wirtschaft. „Ölpreisschocks wirken über verschiedene Kanäle“, erklärt die Handelsexpertin Samina Sultan im ZDF. „Sie beeinflussen direkt und indirekt die Kaufkraft von Haushalten und Unternehmen, die dann ihre Konsum- und Investitionsausgaben einschränken.“

Bereits im Februar stieg die Inflationsrate im Euroraum um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent. Je nach Dauer des Konflikts könnten die Inflationsraten weiter zunehmen. Janek Steitz, Direktor des Climate and Energy Teams am wirtschaftspolitischen Institut Dezernat Zukunft in Berlin, hat verschiedene Szenarien berechnet. Er sagt: „Im extremsten Fall kann der Inflationsschock um bis zu drei Prozentpunkte steigen. Den Höhepunkt erreicht er nach etwa sechs Monaten, bevor er allmählich wieder abklingt.“ Das wird auch zur Belastungsprobe für die Volkswirtschaft: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft würde ein Ölpreis von 100 US‑Dollar pro Barrel das BIP bereits 2026 um 0,3 Prozent und 2027 um 0,6 Prozent belasten. Über zwei Jahre entspricht das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund 40 Milliarden Euro.

  1. Wie ist der aktuelle Ölpreis im historischen Kontext einzuordnen?

Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank nähern sich die Finanzmärkte einem Umfeld, in dem Anleger zunehmend Risiko meiden und verstärkt in sichere Anlagen umschichten („risk off“). Doch die typischen Voraussetzungen für einen klassischen Ölpreisschock sind derzeit noch nicht erfüllt. In früheren Ölkrisen, etwa in den 1970er-Jahren, während des Golfkriegs 1990 oder im Jahr 2022, kam es erst dann zu schweren Marktverwerfungen, wenn drei Faktoren gleichzeitig eintrafen: ein lang anhaltend hoher Ölpreis, eine harte geldpolitische Reaktion und wirtschaftliche Verschlechterungen, die direkt auf den Ölpreis zurückzuführen sind. Diese Kombination ist aktuell noch nicht gegeben (siehe Grafik).

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  1. Wie entsteht der Ölpreis?

Es gibt nicht den einen Ölpreis, sondern verschiedene Referenzsorten, die an Rohstoffbörsen gehandelt werden. Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA gelten als die beiden zentralen Referenzsorten für den globalen Ölmarkt. Der Preis entsteht im Kern durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Wichtig zu wissen ist, dass Rohöl überwiegend über Terminkontrakte (Futures) gehandelt wird. Die Lieferung erfolgt zeitversetzt, und die Kontrakte werden monatlich fällig. Oft werden sie jedoch vorher weiterverkauft, sodass häufig nur der Vertrag den Besitzer wechselt und nicht das physische Öl.

Ein weiterer zentraler Faktor ist die Handelswährung. Öl wird in der Regel in US-Dollar abgerechnet, wodurch Wechselkursbewegungen den Preis beeinflussen können.

  1. Warum ist der Ölpreis gerade so volatil?

Die Schwankungen speisen sich aus geopolitischen Risiken und abrupten Erwartungsänderungen am Markt. Rund 20 Millionen Barrel Öl fallen durch die Blockade der Straße vom Hormus täglich vom Weltmarkt weg. Als der Rohölpreis der Sorte Brent am Montag zeitweise um rund 30 Prozent bis knapp an 120 US‑Dollar stieg, lag das vor allem an veränderten Markterwartungen. Gunther Schnabl, Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute, sagt Table.Briefings: „Viele Akteure gingen plötzlich davon aus, dass der Konflikt länger andauern könnte als zunächst angenommen. Kurzfristig treibt das die Preise nach oben“. Nur 24 Stunden später fiel der Preis, nachdem Donald Trump in einem Interview des US-Senders „CBS News“ ankündigte, der Krieg sei so gut wie beendet, auf rund 90 US-Dollar.

  1. Wie schätzen Experten die weitere Entwicklung des Ölpreises ein?

Kurzfristig hängt viel davon ab, wie lange und wie intensiv der Konflikt anhält. Entsprechend halten viele Marktteilnehmer weitere Preisspitzen für möglich. Energieexperte Gerard Reid, der mit Händlern gesprochen hat, beschreibt die Stimmung so: „Je länger der Konflikt andauert, desto größer die Chance auf neue Rekordhöhen – einige Marktteilnehmer halten sogar 250 US‑Dollar je Barrel für möglich.“

Gleichzeitig rechnen die Märkte nicht damit, dass der Ölpreis dauerhaft so hoch bleibt. Ökonom Schnabl betont, dass sich der Preis mittel- bis langfristig wieder auf ein „moderates Niveau“ einpendeln dürfte. Er verweist dabei auf mehrere strukturelle Faktoren, insbesondere ein hohes Angebot sowie eine schwächere globale Konjunktur, die eher für sinkende Preise sprechen.

Wie Brüssel auf Europas Energiekrise reagiert und nach neuen Antworten auf bekannte Probleme sucht, lesen Sie im Europe.Table.

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Neustart Bahn. Mit drei Sofortprogrammen für spürbare Verbesserungen. Deutsche Bahn.

Weshalb China beim Ölschock in Asien nicht der größte Verlierer ist

China bezieht rund die Hälfte seiner Rohölimporte aus dem Nahen Osten. Dennoch könnte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt als relativer Gewinner aus dem regionalen Engpass hervorgehen. Zwar würde ein Energieschock auch China schwer treffen, doch im regionalen Wettbewerb könnte Peking sogar gestärkt hervorgehen – einfach deshalb, weil die Nachbarstaaten noch stärker abhängig sind und somit stärker unter den Preissprüngen leiden. Wie stark die Energieversorgung der Region von Lieferungen durch die Straße von Hormus abhängt, lesen Sie im China.Table. Jörn Petring

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Iran-Krieg: So profitiert die LNG-Industrie in den USA vom Preisschock

Der von Donald Trump initiierte Angriff auf den Iran lässt die Gaspreise massiv steigen. Das beschert der US‑amerikanischen LNG‑Industrie Milliardengewinne. Vor allem große Produzenten wie Venture Global oder Cheniere profitieren – ebenso Shell als weltweit größter Händler von LNG, gefolgt von Total Energies und Exxon Mobil. Auch der US‑Staat verdient mit, da höhere Unternehmensgewinne steigende Steuereinnahmen bedeuten. Analysten betonen, dass die USA ein kommerzielles Interesse daran haben, dass das Nadelöhr geschlossen bleibt. Welche weiteren kurz- und langfristigen Effekte zu erwarten sind, lesen Sie im Climate.Table. Kai Schöneberg

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CEO.Talk

Wann lassen sich Quantencomputer kommerziell nutzen – und wofür, Alexander Glätzle?

Kommerziell nutzbare Quantencomputer wird es bis Ende des Jahrzehnts geben – davon zeigt sich Alexander Glätzle, Gründer und CEO des Münchner Start-ups Planqc, überzeugt. Im Gespräch mit Table.Briefings skizziert er einen Markt, der sich gerade aus der Forschung in die Wirtschaft verschiebt. „Bis zum Ende dieses Jahrzehnts wollen wir kommerziell nutzbare Quantencomputer anbieten, bei denen die Entscheidung dann wirklich eine ökonomische ist“ – wo also wirtschaftlicher Mehrwert besteht (siehe Grafik). Das sei der springende Punkt für privatwirtschaftliche Kunden – und dafür sei die Verlässlichkeit der Ergebnisse maßgeblich, erst sie mache aus Laborgeräten industrietaugliche Maschinen. Aufgrund ihrer Funktionsweise liefern Qubits in Quantencomputern, anders als Bits in herkömmlichen Computern, keine deterministischen, sondern auf Wahrscheinlichkeiten basierende Ergebnisse.

Die möglichen Einsatzfelder reichen von der Pharmaforschung über Logistik bis zur Kryptografie. Alle großen Chemie- und Pharmakonzerne unterhalten bereits eigene Quantencomputing-Teams, um Molekülsimulationen vorzubereiten, die klassische Supercomputer überfordern. Planqc arbeitet zudem mit der Deutschen Bahn an Algorithmen für Fahrpläne und Störfallmanagement – mathematisch extrem harte Optimierungsprobleme, die mit der Zahl der Knotenpunkte exponentiell anwachsen. „Ob Quantencomputer hier einen Mehrwert bieten, ist noch vollkommen offen“, sagt Glätzle. „Aber wenn sich dort herauskristallisiert, dass sie das können, dann würde sich von einem Tag auf den anderen ein Milliardenmarkt eröffnen.“

Der Markt für Quantencomputing soll bis 2035 auf 11-15 Milliarden Dollar anwachsen. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Mindestens ebenso brisant ist die Kryptografie. Ein leistungsfähiger Quantencomputer könnte die heute gängigen Verschlüsselungen in Stunden brechen, wofür Supercomputer Jahrzehnte bräuchten. Insbesondere Geheimdienste beobachten die Entwicklung deshalb genau. „Den Impact kann man sich ein bisschen wie eine Atombombe vorstellen“, sagt Glätzle. Wenn eine einzelne Nation Verschlüsselungen knacken könne, entstehe eine enorme Asymmetrie im Informationsaustausch. Europa müsse deshalb ganz vorne mitspielen.

Planqc, 2022 als Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik entstanden, setzt auf Neutralatom-Technologie. Anders als die derzeit ausgereifteren supraleitenden Systeme von Google oder IBM funktioniert sie bei Raumtemperatur. Das senkt den Energiebedarf und erleichtert die Integration in bestehende Rechenzentren. Glätzle sieht seine Technologie „weltweit auf der Überholspur“: Neutralatom-Qubits halten ihren Quantenzustand sekundenlang stabil – supraleitende Systeme schaffen das nur für Bruchteile einer Millisekunde. Diese längere Stabilität gibt mehr Zeit zur Fehlerkorrektur. Glätzle räumt aber ein: „Das Rennen ist noch offen.“

Das eigentliche Problem sei das Kapital. Planqc hat bislang rund 50 Millionen Euro eingesammelt, dazu kommen öffentliche Aufträge vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) über 29 Millionen Euro und ein 20-Millionen-Projekt mit dem Leibniz-Rechenzentrum. US-Wettbewerber sammeln währenddessen Milliardensummen ein, gehen an die Börse und sichern sich Lieferketten. „Wenn Deutschland souveräne Quantencomputer made in Germany möchte, dann braucht es Kapitalsummen in einer ähnlichen Dimension“, sagt Glätzle. Der durch staatliche Aufträge geschaffene Markt sei für europäische Start-ups überlebenswichtig – einen nennenswerten kommerziellen Markt gebe es schlicht noch nicht.

Wie einzelne Atome mit Lasern eingefangen und zu Recheneinheiten werden, weshalb Quantencomputer auch für das Training Künstlicher Intelligenz relevant werden könnten und warum China im Quantenrennen einen ganz anderen Weg geht als Europa und die USA, erklärt Planqc-CEO Alexander Glätzle in der CEO-Edition des Podcasts Table Today.

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1,7 Bio. Euro adressierbares Marktpotential bis 2030. Welche Weichen müssen Sie heute stellen? BCG + Unternehmertum

CEO.News

VW-Konzern: Gewinn bricht um fast die Hälfte ein

Europas größter Autohersteller Volkswagen musste 2025 einen deutlichen Ergebniseinbruch verzeichnen. Das Konzernergebnis nach Steuern sank um rund 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag es noch bei 12,4 Milliarden Euro.

Belastet wurde das Ergebnis von VW vor allem durch Sondereffekte rund um die Neuausrichtung bei Porsche sowie durch US-Zölle, die allein mit rund 2,9 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Bereinigt um diese Einmaleffekte lag die operative Marge bei 4,6 Prozent. Finanzchef Arno Antlitz betonte jedoch: „Das aktuelle Ergebnisniveau von bereinigt 4,6 Prozent reicht langfristig nicht aus, um kraftvoll in die Zukunft investieren zu können.“
Die Zahlen im Überblick:

  • Der Umsatz ging leicht auf knapp 322 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis lag mit 8,9 Milliarden Euro rund 53 Prozent unter dem Vorjahreswert, die operative Marge bei 2,8 Prozent.

  • Bei den Auslieferungen gab es ein leichtes Minus von 0,5 Prozent: Weltweit lieferte der Konzern 8,98 Millionen Fahrzeuge aus. Zuwächse in Europa und Südamerika konnten Rückgänge in China und Nordamerika nicht ausgleichen. Die Auslieferungen von Elektrofahrzeugen stiegen um 32 Prozent.

  • Der Netto-Cashflow im Automobilbereich stieg auf 6,4 Milliarden Euro – besser als nach einer Prognosekorrektur im Herbst erwartet. Konzernchef Oliver Blume wertete dies als Zeichen intakter Substanz: „Mit einem starken finanziellen Momentum zum Jahresende haben wir die Basis für den nachhaltigen Erfolg unseres Unternehmens weiter gestärkt.“

Der erzielte Cashflow übertraf damit die Höchststufe im Bonussystem. Heißt: Konzernchef Blume erhält einen kurzfristigen Bonus von rund zwei Millionen Euro. Die übrigen Vorstandsmitglieder bekommen Jahresboni auf Vorjahresniveau. Insgesamt zahlt der Konzern seinen Topmanagern Boni in Höhe von rund 13,6 Millionen Euro aus.

Allerdings: VW werde nun „weiter konsequent unsere Kosten senken“, so Antlitz. Heißt: Es wird weitere Stellenkürzungen geben. „Insgesamt sollen bis 2030 rund 50.000 Stellen im gesamten Volkswagen-Konzern in Deutschland abgebaut werden“, schrieb Konzernvorstand Oliver Blume in einem Brief an die Aktionäre.

Damit soll der Ausblick etwas besser werden: Für 2026 erwartet der Konzern ein Umsatzplus von bis zu drei Prozent und eine operative Marge zwischen 4,0 und 5,5 Prozent. Die Dividende je Vorzugsaktie soll 5,26 Euro betragen. Das sind 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Nina Anika Klotz

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Reputation steuern. Auch in KI-Systemen. Klenk und Hoursch.

Autobranche: Spitzenreiter bei neuen Patenten

Top 10 Unternehmen bei Patentanmeldungen. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Die deutsche Automobilindustrie dominiert das Patentgeschehen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) wie keine andere Branche – und baut ihre Stellung weiter aus. Alle Top-10-Anmelder waren 2025 ausschließlich Automobilhersteller und Zulieferer; zusammen reichten sie rund 30 Prozent aller Patentanmeldungen ein. Bosch führt das Ranking mit 4.109 Anmeldungen an, gefolgt von Mercedes-Benz (2.726) und BMW (2.553). Insgesamt stiegen die Patentanmeldungen 2025 um 4,7 Prozent auf 62.050 – den höchsten Stand seit 2020.

Der Schwerpunkt der Innovation verschiebt sich. Das anmeldestärkste Technologiefeld „Transport“ wuchs 2025 getrieben von Elektromobilität und Infotainment. Anmeldungen für Batterien und Brennstoffzellen nahmen um 13,4 Prozent zu. Gleichzeitig drehte sich ein langjähriger Trend: Das Technologiefeld „Motoren, Pumpen, Turbinen“ legte nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder um 2,8 Prozent zu – allerdings nicht wegen deutscher Unternehmen, deren Anmeldungen weiter rückläufig waren, sondern durch steigende Einreichungen aus Japan und den USA. Größter Wachstumstreiber insgesamt war der Sektor „Elektrotechnik“ mit einem Plus von 9,1 Prozent – künstliche Intelligenz, 5G/6G-Technologien und Automatisierung standen hier im Fokus. Alex Hofmann

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Konsum-Studie: Deutsche sehen US‑Marken kritischer – Boykott bleibt selten

Die aktuelle US‑Politik verschlechtert das Image amerikanischer Marken in Deutschland, ohne jedoch eine breite Boykottbewegung auszulösen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) geben 35 Prozent der Befragten an, ihre Haltung gegenüber US‑Produkten habe sich zuletzt negativ verändert. Dennoch meiden nur 17 Prozent US‑Waren bewusst, weitere 16 Prozent würden ihren Konsum zwar gern reduzieren, tun es aber bislang nicht. 19 Prozent informieren sich inzwischen verstärkt über europäische Alternativen. Im Digitalbereich gelten vor allem die große US‑Techmarken wie Google, Amazon oder Microsoft als schwer ersetzbar.

Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Transparenz: 55 Prozent der Befragten fordern bei physischen Waren klarere Herkunftskennzeichnungen, idealerweise direkt auf der Verpackung oder am Regal. Studienautorin Dr. Katharina Gangl betont: „Die Politik der amerikanischen Regierung wirkt sich negativ auf die Wahrnehmung von US‑Marken aus. Für eine breite Boykottbewegung reicht das aber noch nicht aus.“ Europäische Anbieter hätten dort Chancen, wo US‑Marken als ersetzbar gelten – etwa im Fall von Tesla, das von vielen als austauschbar eingestuft wird. Alexander Wiedmann

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Überwasserdrohnen: Rheinmetall steigt in Drohnenproduktion ein

Das britische Unternehmen Kraken und die Naval-Systems-Sparte von Rheinmetall bauen in Hamburg künftig autonome Überwasserdrohnen namens „K3 Scout Medium“. Die beiden Unternehmen haben dafür ein Joint Venture gebildet. Kraken ermöglicht dies den Zugang zum europäischen Markt und vor allem die Möglichkeit, die Acht-Meter-langen Boote in größerem Stil herzustellen. Wenn der Bedarf da sei, könne man in der Blohm+Voss-Werft in Hamburg langfristig bis zu 1.000 Drohnen herstellen, sagte Tim Wagner, CEO der Marine-Sparte von Rheinmetall am Montag. Welche Ambitionen Rheinmetall noch im maritimen Bereich hat, lesen Sie im Security.Table. Lisa-Martina Klein

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Best of Table

Security.Table: Hensoldt und Dronamics wollen zivile Frachtdrohne für militärische Zwecke weiterentwickeln. Das deutsche Start-up Hensoldt und der bulgarische Partner Dronamics kündigen gemeinsam eine militärische Version der Frachtdrohne Black Swan an. Sie soll unter anderem bei der Aufklärung eingesetzt werden. Erste Tests für das Fluggerät sind Ende des Jahres geplant. Welche Eigenschaften die Drohne aufweisen soll, lesen Sie hier.

Space.Table: Gefahr für Satelliten schneller erkennen. Um Kollisionen zu vermeiden, müssen ihre Bahnen genau verfolgt werden. Neue Systeme können auch gezielte Annährungen erkennen. Warum dies ein wachsender Markt ist und wer profitiert, lesen Sie hier.

Europe.Table: EU-Parlament will Binnenmarkt für Verteidigungsgüter integrieren. Am Mittwoch stimmt das Parlament über einen Initiativbericht ab, der die Mitgliedstaaten zu mehr Integration drängen soll. Die hohe Fragmentierung führt zu bis zu 30 Prozent Mehrkosten. Welche konkreten Maßnahmen das Parlament vorschlägt, lesen Sie hier.

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CEO.Presseschau

FAZ

Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen Biontech

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Pharmaunternehmen spätestens Ende des Jahres, um ein neues Unternehmen zu gründen. Dieses soll sich auf die Entwicklung der nächsten Generation von mRNA-basierten Medikamenten konzentrieren. Sie bleiben Anteilseigner von Biontech. Biontech soll im Gegenzug für Rechte und Technologien eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma erhalten.
Handelsblatt

DIHK: US-Geschäft wird für deutsche Unternehmen zum Risikofaktor

Laut einer DIHK-Umfrage verunsichert die US-Wirtschaftspolitik unter Donald Trump deutsche Unternehmen. Der wichtigste Exportmarkt werde vom Stabilitätsanker zum Risikofaktor. Betriebe beklagen handelspolitische Unsicherheit, steigende Zollkosten und Bürokratie. In der Folge plant die Hälfte der Unternehmen, geplante Investitionen in den USA zu reduzieren oder zu verschieben.
manager magazin

AMI Labs: Ex-Meta-KI-Chef LeCun sammelt über eine Milliarde Dollar ein

Yann LeCun, ehemaliger KI-Chef von Meta, hat für sein neues Start-up AMI Labs über eine Milliarde Dollar in einer Rekord-Seedrunde eingesammelt. Investoren wie Bezos Expeditions und Nvidia bewerten die Firma mit 3,5 Milliarden Dollar. AMI Labs will sogenannte „World Models“ entwickeln, die aus Videos und räumlichen Daten lernen sollen, als Alternative zu rein textbasierten Systemen.
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Best Practice

Lennard Schmidt, Gründer von Langdock

KI im Unternehmen: Was wirklich funktioniert – und was nicht

KI hat in Unternehmen großes Potenzial – aber nur wenn der Einsatz gut durchdacht ist. 95 Prozent aller KI-Initiativen in Unternehmen scheitern laut einer MIT-Studie, weil generative KI keinen messbaren Mehrwert schafft. Der Gründer und CEO des Berliner Start-ups Langdock Lennard Schmidt relativiert die Zahl im Gespräch mit Table.Briefings: „Es ist extrem schwer, einen sinnvollen Business-Case für KI in Unternehmen zu rechnen.“ Das gelte generell für Software-Infrastruktur. „Wie sähe das für Outlook aus – wie groß ist der Gewinn daraus, dass Mitarbeiter E-Mails statt Faxe schicken?“

Zudem hänge der geschaffene Mehrwert einer Software oder KI stark davon ab, wie sie genutzt wird. „Mit Excel kann man komplexe Finanzanalysen erstellen – oder eine Einkaufsliste schreiben.“ Schmidts Firma Langdock hat eine „All-in-One-Plattform“ entwickelt, über die Firmen die gängigen LLMs (ChatGPT, Claude et cetera) regel- und DSGVO-konform nutzen können. Zu den Kunden zählen nach Angaben des Start-ups große Firmen wie der Pharmakonzern Merck, das Bauunternehmen Leonard Weiss, Personio oder der Spiegel-Verlag.

Programmierer und IT-Abteilungen profitieren deshalb am schnellsten vom Einsatz von KI, weil der Prozess sehr strukturiert ist. Das Schreiben und Revidieren von Code funktioniert gut, erklärt Schmidt, weil die Vorgaben dafür einfach und klar zu formulieren sind. Und Fehler sind sofort erkennbar: Funktioniert es oder nicht? „Coding ist ohne Frage aktuell der größte Use Case von KI in Unternehmen, mit dem sich am meisten Geld verdienen lässt“, sagt Schmidt.

Soll KI in anderen Abteilungen eingesetzt werden, ist entscheidend: Sind die Prozesse und zu erledigenden Aufgaben dort sauber dokumentiert? Findet die KI klare Anweisungen vor, kann sie gute Ergebnisse liefern. Sie kann etwa Wettbewerbsanalysen für das Marketing erstellen, SEO-optimierte Beiträge verfassen oder für den Kundenservice Texte in mehrere Sprachen übersetzen. Bei seinem Unternehmen, sagt der Langdock-Gründer, setzt das Sales-Team KI ein, um in Echtzeit Informationen zu potenziellen Kunden zu recherchieren. Noch während des Verkaufsgesprächs können Vertriebler mitlesen: Wie groß ist das Unternehmen, was ist für dessen Branche gerade relevant, was wird gerade über sie berichtet?

Den Unterschied macht allerdings nicht das Tool selbst, also die KI, sondern die Integration. „Die Nutzung von ChatGPT ist ein guter erster Schritt“, sagt Schmidt. „Aber wenn man KI wirklich in den Arbeitsalltag und in Unternehmen integrieren will, geht es um deutlich mehr.“ Integration von KI fängt an, wenn man die von KI übersetzte E-Mail nicht in Outlook kopieren muss, sondern direkt verfassen und übersetzen kann. Und sie geht weiter, wenn die KI, die E-Mails schreibt, Zugang zu Daten vom Sharepoint oder etwa den Kalender hat, erklärt Schmidt. Danach entsteht das Bedürfnis, sie Firmendaten verwenden zu lassen. Es geschieht Schritt für Schritt. Der Einsatz von KI könne nicht auf einen Schlag ganze Unternehmen automatisieren, sagt Schmidt. Aber generell gilt: Wo viel Text verarbeitet wird, ist der KI-Hebel am größten.

Was KI nicht kann: Unternehmen komplett automatisieren. „An uns werden oft Fälle herangetragen, die recht wenig mit KI zu tun haben“, berichtet Schmidt. „Da werden unter dem Deckmantel von KI Digitalisierungsprojekte forciert.“ Das ist dann zwar der falsche Name, aber nicht die verkehrte Sache: Damit KI überhaupt sinnvoll arbeiten kann, muss sie Zugriff auf relevante und strukturierte Daten haben. In Betrieben, in denen einzelne Mitarbeiter Excels von Hand pflegen und auf ihren lokalen Rechnern speichern, kann auch die beste KI kaum Mehrwert stiften. Da muss zunächst Grundlagenarbeit gemacht werden, erklärt Schmidt. Mehr zu dieser Vorarbeit lesen Sie auch in den CEO.Picks in diesem Briefing.

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CEO.Picks

Ohne Datenreife keine KI-Wertschöpfung

Der Nutzen von KI in Unternehmen wird regelmäßig hinterfragt. Dabei scheitert ihr Einsatz jedoch selten am Algorithmus, sondern daran, dass strukturelle Voraussetzungen fehlen. Ohne saubere Daten, moderne Systeme und organisatorische Verankerung bleiben Pilotprojekte isolierte Experimente, statt entlang der Wertschöpfungskette zu skalieren.

Einerseits ist Datenreife entscheidend. Daten müssen bereinigt, strukturiert und standardisiert werden. Inkonsistente oder fehlerhafte Daten sowie fragmentierte Systeme verhindern, dass Modelle zuverlässig eingesetzt und ausgeweitet werden können. Die Modernisierung von Legacy-Systemen, bessere Integration über Systemgrenzen hinweg sowie starkes Datenqualitätsmanagement mit klarer Verantwortung sind grundlegende Voraussetzungen.

KI ist zudem kein Nebenprojekt. Sie braucht eine klare Roadmap mit Führungssponsoring und verbindlichen Ressourcenzusagen. Und sie braucht Anreizstrukturen, die Mitarbeitende dazu ermutigen, mit KI gemeinsam zusammenzuarbeiten, statt sie als Bedrohung wahrzunehmen.

Führungskräfte sollten daher bedenken: Technologie allein transformiert keine Organisation. Datenqualität, Infrastruktur, Governance und Unternehmenskultur müssen parallel entwickelt werden. Nur dann können prädiktive und präskriptive Modelle nachhaltigen operativen Mehrwert schaffen und häufig bessere Ergebnisse ermöglichen als rein menschliche oder rein KI-basierte Entscheidungen.

Francis de Véricourt ist Professor of Management Science and Academic Director des DEEP – Institute for Deep Tech Innovation an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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