Iran-Krieg: So profitiert die LNG-Industrie in den USA vom Preisschock

Der Krieg gegen den Iran spült Milliarden Dollar in die Kassen der LNG-Industrie in den USA. Je länger der Konflikt dauert, desto größer werden die Gewinne. Kurzfristig führt die Knappheit zum Einsatz von mehr Kohle, mittelfristig wahrscheinlich zu mehr Erneuerbaren.

06. März 2026
MARCH 5: Facilities of QatarEnergy are seen in the Mesaieed Industrial Area south of Doha, Qatar on March 5, 2026. QatarEnergy announced it had declared force majeure and suspended production of liquefied natural gas (LNG) and related products, informing its customers of the decision through a statement shared on the X platform.
Liefert nicht mehr: Der weltgrößte LNG-Terminal in Katar. (IMAGO / Anadolu Agency)
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Der von Donald Trump initiierte Waffengang gegen den Iran bringt der in den USA tätigen LNG-Industrie Milliardengewinne ein. Der Profit eines LNG-Tankers, der seine Ladung von den USA nach Europa bringt, habe sich durch die gestiegenen Gaspreise am Spotmarkt pro Fahrt von 25 auf 50 Millionen US-Dollar verdoppelt, schreibt das US-Fachportal Energyflux. Das spüle derzeit etwa 870 Millionen US-Dollar zusätzlich in die Kassen der Flüssiggaskonzerne – pro Woche. Wenn die Blockade der Straße von Hormus bis zum Sommer andauere, könnten sich die zusätzlichen LNG-Profite allein im US-Handel mit Europa auf 20 Milliarden Dollar pro Monat belaufen. Diese Schätzungen seien „plausibel“, sagt Martin Senior, LNG-Experte des Energie- und Rohstoffmarktbeobachters Argus Media, zu Table.Briefings.

Rund 20 Prozent des weltweiten LNG‑Handels passieren die Straße von Hormus. Für Europa sind es knapp acht Prozent. Am vorvergangenen Samstag hat der Iran die für den Handel so wichtige Meerenge geschlossen. Die USA, die inzwischen große Teile russischen Gases in Europa substituieren, können deshalb immer höhere Preise erzielen.

Die Gaspreise sind wegen des Iran-Konflikts enorm gestiegen. An der für Europa wichtigen Amsterdamer Börse verdoppelte sich der LNG-Preis am vergangenen Dienstag auf fast 66 Euro, an diesem Montag lag er noch bei über 60 Euro pro Megawattstunde (MWh). „Wie hoch der Preis steigen könnte, hängt davon ab, wie lange der Konflikt dauert“, sagt LNG-Analyst Senior. „Er könnte leicht auf über 100 Euro pro MWh klettern.“ Zum Vergleich: Der durchschnittliche Gas-Spotmarktpreis im Jahr 2022, dem Jahr der europäischen Energiekrise, lag bei 125 Euro pro MWh, in den Spitzen erreichte er damals 350 Euro pro MWh.

Für deutsche Verbraucher ist der Effekt vorerst wegen längerfristiger Lieferverträge überschaubar. Aber: Die aktuell niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher bedeuten einen höheren Einspeicherbedarf in den kommenden Monaten – zu mutmaßlich höheren Preisen. Außerdem konkurrieren asiatische jetzt mit europäischen Händlern um US-Gas. Das treibt die Profite jenseits des Atlantiks weiter. Anders beim Öl: Auch dort ist durch die Straße von Hormus der Export von etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion blockiert. Allerdings ist die Zahl der Lieferanten viel größer. Allein Deutschland bezieht Rohöl aus rund 30 Ländern.

Die USA sind zum weltweit größten LNG-Exporteur vor Australien und Katar aufgestiegen. Die Produktion boomt in Staaten wie Texas und Pennsylvania, gestützt von der US-Regierung unter Trump. Die Federal Energy Information Administration erwartet, dass sich die US-Exportkapazitäten bis 2031 im Vergleich zum Dezember 2025 weiter verdoppeln werden. Die neue Verflüssigungsanlage Golden Pass in Texas soll in diesem Monat ihren Betrieb aufnehmen.

Die Hauptbegünstigten des Booms: große Produzenten wie Venture Global oder Cheniere, das im vergangenen Jahrzehnt acht LNG-Terminals an den US-Küsten eröffnet hat. Ebenso Shell als weltweit größter Händler von LNG, gefolgt von Total Energies und Exxon Mobil. Experten halten die aktuell zusätzlich verfügbaren LNG-Kapazitäten in den USA für begrenzt, was zu weiteren Preissteigerungen führen dürfte.

Auch der US-Staat profitiert von den höheren Gewinnen der US-Gasindustrie über Steuern. Außerdem sichert die Branche Jobs in den republikanisch geprägten Südstaaten. Auch wenn Trump am Wochenende angekündigt hat, die Straße von Hormus notfalls mit Waffengewalt zu öffnen: Die USA haben ein kommerzielles Interesse daran, dass das Nadelöhr geschlossen bleibt, sagen Analysten.

Eine rasche Linderung ist nicht absehbar. Auch wenn die Straße von Hormus wieder geöffnet würde, ist die Wiederinbetriebnahme des LNG-Exportterminals in Katar, das mehr als doppelt so groß ist wie jedes andere Terminal weltweit, „keine einfache Aufgabe und wird wahrscheinlich Wochen, wenn nicht sogar über einen Monat dauern“, schätzt Argus Media-Analyst Senior.

Kurzfristiger Effekt der steigenden Gaspreise: „Insbesondere viele asiatische Käufer wenden sich bereits der Kohle zu, weil die LNG-Preise zu hoch sind“, sagt LNG-Experte Senior. Mittelfristig dürfte der Effekt jedoch genau gegenteilig sein: „Hohe Kraftstoffpreise dürften den Ausbau sauberer Energiealternativen vorantreiben“, heißt es in einer Analyse von Bloomberg. Solarenergie habe nach der europäischen Energiekrise 2022 „einen großen Schub“ erhalten. Eine anhaltende Störung der Versorgung könnte deshalb den Umstieg auf Solarenergie und Batterien fördern.

Der Bundesregierung ist die Abhängigkeitsproblematik seit Langem bewusst: Die Auswirkungen der Instabilität in Lieferregionen von fossilen Energieträgern auf hiesige Energiepreise und -sicherheit behandelte bereits 2002 eine Enquete-Kommission des Bundestags. Damals ging es vor allem um Öl, LNG war nicht relevant. Wenn die Straße von Hormus blockiert werde, betreffe dies 15 Millionen Barrel täglich, ein Drittel der damaligen globalen Ölliefermengen, heißt es im Endbericht. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl.

„Dann könnten alternative Transportwege kurz- und mittelfristig auch nicht ansatzweise die erforderlichen Kapazitäten bereitstellen“, schreibt die Enquete-Kommission. Auch wenn der Nahe Osten für die deutsche Energieversorgung keine Schlüsselrolle spiele, „hätten die mit der Verknappung der Öllieferungen aus dieser Region einhergehenden Preisturbulenzen auf den Weltölmärkten erhebliche Konsequenzen für die Energieversorgung in Deutschland und Europa“. Ähnliche „gravierende Probleme“ ergäben sich für Schifffahrtsrouten zur Versorgung des süd- und südostasiatischen Raums, etwa der Straße von Malakka mit einem Transportvolumen von über zehn Millionen Barrel pro Tag.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026