Statt regulärer Pension: Immer mehr Lehrkräfte quittieren vorzeitig den Schuldienst

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Lehrkräfte, die den Schuldienst vorzeitig verlassen, dramatisch gestiegen. Eine neue Studie gibt aber auch Aufschlüsse darüber, wie attraktiv die Bundesländer jeweils für Lehrer sind.

18. Oktober 2024
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Berufsunfähig oder schulmüde – Lehrkräfte scheiden immer seltener altersbedingt aus dem Schuldienst aus. Vor zehn Jahren ging noch knapp die Hälfte (46 Prozent) aller Lehrerinnen und Lehrer regulär in Pension. Im Schuljahr 2023/24 waren es nur noch 28 Prozent. Fast drei Viertel aller Abgänge (72%) hatte andere Gründe. Das zeigen neue Berechnungen des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), die Table.Briefings exklusiv vorliegen (zum Download).

„Mit Blick auf die Altersstruktur müsste der Anteil an Lehrern, die altersbedingt in Pension gehen, deutlich höher sein“, sagt Studienautor Dieter Dohmen zu Table.Briefings. Es sind daher vermehrt andere Gründe, die Lehrkräfte dazu bewegen, der Schule den Rücken zu kehren. Für das Schuljahr 2023/24 heißt das: 1,4 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland haben aus Altersgründen und 3,6 Prozent aus anderen Gründen aufgehört. Bereits im Frühjahr zeigte das FiBS, dass sich die Zahl der ausscheidenden Lehrer stark auf die Bedarfsprognosen auswirkt (wir berichteten).

Unterschiedliche Datenerhebung in den Ländern

Zwischen den Ländern gibt es jedoch enorme Unterschiede, sowohl bei der Zahl als auch den Gründen ausscheidender Lehrer. Während in Mecklenburg-Vorpommern lediglich sechs Prozent der Lehrkräfte aus Altersgründen ausscheiden, sind es in Hessen und Hamburg knapp 45 Prozent. Bildungsforscher Dohmen zufolge liegt das wahrscheinlich in erster Linie daran, dass die Länder unterschiedliche Methoden zur Erfassung verwenden.

Zahlen aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fehlen seit dem Schuljahr 2014/15 in der Statistik des Statistischen Bundesamts. Eine aktuelle Anfrage der bayerischen SPD-Fraktion zeigt aber ähnliche Entwicklungen für Bayern. Während laut Antwort des Kultusministeriums vor zehn Jahren noch 61 Prozent der Lehrer bis zur regulären Altersgrenze oder darüber hinaus arbeiteten, waren es im Schuljahr 2022/23 nur noch 18 Prozent. Mehr als 82 Prozent aller Lehrkräfte seien dagegen schon vor der Altersgrenze in den Ruhestand gewechselt.

Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) sieht dafür einen einfachen Grund: Die Belastung des Lehrerberufs sei zur Überlastung geworden. Grund- und Mittelschullehrer scheiden in Bayern besonders häufig früher aus. „Die Lehrkräfte können einfach nicht mehr", schreibt BLLV-Dienstrechts-Experte Hans Rottbauer. Daher würden viele auch finanzielle Einbußen in der Altersversorgung in Kauf nehmen.

Ein Blick in die Statistiken der Länder verrät aber nicht nur etwas über die Zahl dauerhaft ausscheidender Lehrkräfte, sondern auch über Zu- und Abwanderung. Denn hier werden auch „Abgänge“ aufgeführt von Lehrern, die in ein anderes Bundesland wechseln. Die meisten Lehrkräfte sind demnach nach Brandenburg, Sachsen und Schleswig-Holstein zugewandert. Hamburg hat dagegen die meisten Lehrkräfte an andere Bundesländer verloren. Vera Kraft

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026