Berlin.Table – Ausgabe 812

Merz und die Sozialpolitik + EU-Gipfel in Zypern + Schah-Sohn in Berlin

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Talk of the Town

Sozialpolitik: Warum der Kanzler sich schwertut und das Problem der Koalition tiefer liegt

Auf dem EU-Gipfel in Zypern ist Friedrich Merz in seinem Element. Bis Freitag will er mit seinen europäischen Partnern über den Krieg in der Ukraine, die Energiepreise und die Lage im Iran sprechen. Es sind eben diese globalen Krisen, derer sich der Kanzler annimmt, ohne zu zögern. Eine Bühne, die er gerne betritt, weil er sich auf ihr wohl fühlt. Anders wird es am Samstag sein. Da soll Merz auf dem Bundeskongress der CDA in Marburg sprechen – und beim Sozialflügel seiner Partei hat der Kanzler bislang nicht den Eindruck erweckt, dass er das Thema ebenso ernst nimmt wie die Außenpolitik. Zwar sollen der CDU-Chef und der CDA-Chef sich in dieser Woche zu einem Gespräch getroffen haben, das dem Vernehmen nach gut gelaufen ist. Doch wünscht sich mancher im Sozialflügel der Partei nach wie vor eine andere Tonalität des Kanzlers bei sozialen Themen.

Merz steckt in einem Dilemma. Er will an seiner außenpolitischen Performance gemessen werden. Tatsächlich wird er es aber an der wirtschaftlichen Lage Deutschlands und den notwendigen Sozialreformen, und bei beidem ist noch Luft nach oben. Aus dem Herbst der Reformen wurde ein Frühling der Reformen, nun hat man sich einen letzten Aufschub bis Sommer gegönnt. Merz weiß: Spätestens dann muss seine Regierung liefern. Und weil der erhoffte Durchbruch zuletzt beim Treffen der Koalitionsspitzen in der Berliner Villa Borsig zum Frust vieler Teilnehmer ausblieb, ist der Druck umso größer.

Doch die Lage ist verhakt – und das Misstrauen beim Koalitionspartner groß. In der SPD herrscht der Eindruck, Merz fehle nicht nur das Interesse, sondern auch das Gespür für sozialpolitische Themen. So polarisierte der Kanzler in dieser Woche mit der Prognose, die gesetzliche Rente sei künftig „allenfalls die Basisabsicherung im Alter“. Sofort folgte die Kritik vom Koalitionspartner, dass es eine Basisrente mit der SPD nicht geben werde – und die Sozialdemokraten fühlten sich einmal mehr in ihrer Skepsis bestätigt.

Am Donnerstag veröffentlichte der linke Flügel der SPD ein Papier, das als Gegenentwurf zu Merz’ politischer Agenda gelesen werden soll. In dem Papier der Parlamentarischen Linken (PL) heißt es, „für unsere Alternative zum Sparen mit dem Rotstift legen wir uns mit den oberen 5 Prozent an“. Das soll heißen: Lange genug haben die unteren bis mittleren Einkommensgruppen die Krise finanziert – jetzt sind die Reichen dran. Die PL, die das Verhalten des Kanzlers oftmals als Provokation empfindet, fordert eine einzige Anlaufstelle für soziale Leistungen, lehnt eine Mehrwertsteuererhöhung ab und will die „Zweiklassenmedizin beenden“. Das steht im diametralen Gegensatz zu Merz und seiner CDU. Carmen Wegge, Co-Sprecherin der PL, sagt: „In den nächsten Wochen muss eine klare Haltung erkennbar sein“. Das ist eine Nachricht, die nicht nur an Merz, sondern auch an den Vizekanzler Lars Klingbeil gerichtet sein dürfte.

Dabei hat der CDU-Chef weder von einer Rentenkürzung gesprochen, noch ist seine Haltung zu dem Thema neu. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag ein Drei-Säulen-Modell für die Rente vereinbart. Darin ist neben der gesetzlichen Rente klar die Rede von einer betrieblichen und einer private Altersvorsorge. Das Problem ist ein anderes. Merz fehlt das Gespür für das Gewicht und mögliche Interpretationen einer solchen Aussage in der Rentendebatte. Hinzu kommt, dass die Lebenswirklichkeit des Kanzlers eine andere ist als die der meisten Rentnerinnen und Rentner. Der Sauerländer ist privat versichert, eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ist für ihn kein Neuland, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Und so zeigt sich auch der Sozialflügel seiner eigenen Partei irritiert. „Wir müssen ein vernünftiges Gesamtkonzept finden und sollten den Menschen jetzt nicht mit Einzelvorschlägen Angst machen“, sagt CDA-Chef Dennis Radtke im Podcast Table.Today. Es müsse natürlich ein „großes und wuchtiges Paket“ geben, aber wenn vorher jedes einzelne Werkstück zerredet werde, helfe das nicht weiter. Radtke will auch nicht ausschließen, dass Maßnahmen beschlossen werden, die dem Arbeitnehmerflügel weh tun: die Abschaffung eines Feiertags etwa. „Im Rahmen der Debatte um das große Ganze wird man das nicht ausschließen können“, sagt Radtke. Außerdem fordert er, zur Finanzierung einer Steuersenkung die Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer für Vermögende zu schließen. „Da ist ein zweistelliger Milliardenbetrag drin.“

Das Podcast-Gespräch mit CDA-Chef Dennis Radtke hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Fast die Hälfte des Lohns für Steuern und Abgaben. Zeit zu wenden. Große Reformen jetzt. INSM

News

Straße von Hormus: Keine Klarheit über Rechtsgrundlage für Bundeswehreinsatz. Auf welcher völkerrechtlich belastbaren Grundlage eine Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus stehen könnte, ist unklar. Beratungen dazu liefen am Donnerstagabend in London weiter. Damit bleibe auch der Einsatz von Marineeinheiten zur Minenräumung im Persischen Golf im hypothetischen Bereich, sagte der Marineinspekteur Jan Christian Kaack.

Dennoch bereitet sich die Marine bereits vor – und stößt dabei an materielle Grenzen. Zwar gelten die deutschen Minenabwehrfähigkeiten international als leistungsfähig. Doch die vorhandenen Systeme sind nur bedingt geeignet, da sie für die Nord- und Ostsee ausgelegt sind. Hohe Temperaturen und ein hoher Salzgehalt des Wasser schwächen die Sonarleistung und Genauigkeit der Unterwasserdrohnen so stark, dass Minen am Meeresgrund schwer zu orten sind. Eine Nachrüstung der teils über 30 Jahre alten Schiffe mit moderner Sensorik ist erst ab 2027 geplant. Ein Flaschenhals ist außerdem die fehlende KI-Unterstützung zur Auswertung großer Datenmengen, die die Drohnen unter Wasser sammeln. Wie die Bundeswehr einen möglichen Einsatz angehen will, lesen Sie im Security.Table. Lisa-Martina Klein

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Gipfeltreffen in Zypern: Wie die EU die Ukraine unterstützen will. Zwar dürfte Präsident Wolodymyr Selenskyj beim informellen Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs erneut erfolglos bleiben, was einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine angeht. Er wird aber auch nicht leer ausgehen. Der 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine soll nun beschlossen werden, nachdem der ungarische Wahlverlierer Viktor Orbán seine Blockade aufgegeben hat. Und auch wenn es aus Regierungskreisen immer wieder heißt, dass ein EU-Beitritt der Ukraine derzeit unwahrscheinlich sei, sehen die Staats- und Regierungschefs noch andere Möglichkeiten, um die Beziehungen zu der Ukraine zu vertiefen. So sagte EU-Ratspräsident António Costa, es sei nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun und das erste Cluster bei den Beitrittsverhandlungen zu eröffnen.

Neben der Ukraine soll es am Freitag vor allem um die Auswirkungen der Lage im Iran auf die EU-Mitgliedsstaaten gehen. Dabei dürfte die Frage der Energieversorgung im Mittelpunkt stehen. Auch der EU-Haushalt wird Thema sein. Beschlüsse werden zwar nicht erwartet, allerdings hofft man, bei der Frage der Eigenmittel und dem Wettbewerbsfonds weiterzukommen. Mehr dazu lesen Sie im Europe.Table. Stephan Israel, Sara Sievert

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Hätten Sie’s gedacht? Über 60 Milliarden Euro haben die Privatversicherten bereits für den Pflegefall angespart. Monat für Monat wird dafür ein Teil ihrer Beiträge zurückgelegt. So reicht es am Ende für alle gesetzlichen Pflegeleistungen. Dieses Prinzip nennt man Kapitaldeckung. Und wir haben gute Ideen, wie die gesamte Pflegeversicherung davon profitieren könnte. (mehr auf pkv.de)

Besuch in Berlin: Schah-Sohn kritisiert die Bundesregierung. Reza Pahlavi hat es als „verpasste Gelegenheit“ bezeichnet, dass Friedrich Merz ihn nicht in Berlin empfangen hat. Der älteste Sohn des früheren iranischen Schahs zeigte sich verwundert, „jemanden nicht zu Wort kommen zu lassen, der für Millionen von Iranern spricht“. Er sei enttäuscht, weil Merz noch kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran Ende Februar „sehr entschlossen war, als er sagte, dass ein Regime, das diese Art von Gewalt gegen das Volk ausübt, seine Legitimität verloren hat“, sagte Pahlavi Table.Briefings. Der Bundesregierung, aber auch anderen europäischen Regierungen warf der bekannteste iranische Exiloppositionsführer „Appeasement“ vor. Wie in der Vergangenheit strebe die EU nicht an, das „Regime in Teheran zu beenden, sondern nur sein Verhalten“. Was Pahlavi von Deutschland fordert, lesen Sie im Security.Table. Ein Gespräch mit Pahlavi hören Sie im Podcast ab 5 Uhr hier. Markus Bickel

Table.Today. "Wie stabil ist das Mullah-Regime? Mit Reza Pahlavi."
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Marie-Florence von Montgelas über die Relevanz vertrauenswürdiger Leitmedien. Table.Forum

Sozialverwaltung: Regierung lehnt Reformvorschläge des Bundesrats ab. Die Koalition lehnt einen Gesetzentwurf zur Entlastung der Sozialverwaltung ab, der von 13 SPD- und unionsregierten Ländern unterstützt wurde. Die Verwaltung solle nicht „mit zwei nahezu zeitgleich in Kraft tretenden Sozialrechtsreformen belastet werden“, heißt es in der vom Kabinett verabschiedeten Stellungnahme. Auch einem laufenden Dialogprozess zu Anpassungen bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung wolle man nicht vorgreifen. Es werde aber geprüft, ob die Vorschläge Eingang in die Umsetzung des Berichts der Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR) finden können. Ein knappes Jahr vor deren Start hatte die Arbeits- und Sozialministerkonferenz eine eigene „Zukunftsinitiative“ beschlossen. Manche der Vorschläge, die sich zum Beispiel auf die Pauschalierung von Leistungen beziehen, wurden bereits im KSR-Bericht aufgegriffen. Okan Bellikli

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Entlastung der Kommunen: Bund sieht wegen Schuldenbremse keinen Spielraum. Gemäß Grundgesetz liege die Verantwortung für die Kommunen bei den Ländern, die sich „in einer relativ besseren Finanzlage befinden als der Bund“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Wegen der Schuldenbremse seien derzeit keine Spielräume vorhanden für „weitere umfangreiche Entlastungsleistungen“. „Die Bundesregierung kapituliert“, sagte die Grünen-Abgeordnete Karoline Otte Table.Briefings. Sie ziehe sich darauf zurück, den Sozialstaat zu „schreddern“ und behaupte, damit die Kommunen zu entlasten. Okan Bellikli

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Künstlicher Stützpunkt: Wie Peking seine Kontrolle im Südchinesischen Meer ausbaut. Peking baut mithilfe von 22 Baggerschiffen auf dem Antelope-Riff einen künstlichen Stützpunkt mit Hafen, Zementwerk und Landebahn. Laut der Asia Maritime Transparency Initiative könnte daraus die größte chinesische Anlage im Südchinesischen Meer werden, einem für die Weltwirtschaft äußerst wichtigen Handelskorridor. Die Lage nahe der Marinebasis Yulin auf der chinesischen Insel Hainan macht das Projekt militärisch besonders relevant und verschärft die Spannungen in der Region. Völkerrechtlich schafft die Aufschüttung zur Insel keine neuen Ansprüche, faktisch verändert sie jedoch die Kontrolle vor Ort. Wie Nachbarstaaten reagieren, lesen Sie im China.Table. Andreas Landwehr

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Standpunkt: Russische Beteiligung an Atomfabrik in Lingen wäre großes Sicherheitsrisiko. Vor dem 40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl an diesem Sonntag warnt Vladimir Slivyak, Mitgründer der russischen Umweltorganisation Ecodefence und Träger des alternativen Nobelpreises, eindringlich vor einer Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom in der Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen. Der französische Betreiber Framatome möchte dort eine Kooperation mit einem Rosatom-Tochterunternehmen eingehen, um Brennelemente für AKWs russischer Bauart zu fertigen. Das würde nicht nur die Abhängigkeit von Russland verstärken, sondern wäre auch ein massives Sicherheitsrisiko, warnt Slivyak. „Wer dies zulässt, öffnet dem russischen Geheimdienst FSB die Tür zu hochkritischer Infrastruktur.“

Zuständig für die Genehmigung ist formal das niedersächsische Umweltministerium. Doch faktisch spielt durch die atomrechtliche Aufsicht und Weisungsbefugnis auch das Bundesumweltministerium eine wichtige Rolle bei der Entscheidung. Die Politik dürfe den Einstieg keineswegs erlauben, fordert Slivyak – und verweist auf Fehler der Vergangenheit: „Das Projekt erinnert fatal an den Umgang Deutschlands mit Nord Stream I und II oder den Verkauf der deutschen Gasspeicher an Gazprom.“ Auch diese Kooperationsprojekte, die sich spätestens mit Russlands Invasion in der Ukraine als weitreichende politische Fehlentscheidungen herausstellten, hätten vermeintlich harmlos angefangen. Warum die Gefahr bei Rosatom nach Ansicht von Slivyak noch größer ist, lesen Sie in seinem Standpunkt. Malte Kreutzfeldt

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Naturschutz: Was die Bauern an den Plänen des Umweltministers stört. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied fürchtet eine Verknappung landwirtschaftlicher Flächen zugunsten von Naturschutzmaßnahmen. Anlass ist das von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) geplante Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur. Das Vorhaben befeuere in Kombination mit der nationalen Umsetzung der EU-Naturwiederherstellungsverordnung den „Kampf um die Fläche“, sagt Rukwied. Eine Priorisierung von Natur- und Klimaschutz zulasten der Land- und Ernährungswirtschaft sei inakzeptabel. Wie BMUKN-Staatssekretär Jochen Flasbarth die Bedenken kontert, lesen Sie im Agrifood.Table. Henrike Schirmacher

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Kreislaufwirtschaft: Finanzierungslücke in der EU von über einer Billion Euro bis 2040. Laut Berechnungen von EU-Kommission und Europäischer Investitionsbank (EIB) müssen bis 2040 jährlich 82 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden, damit die EU ihre Ziele in der Kreislaufwirtschaft erreicht. Allein im Bausektor fehlten 18 Milliarden Euro pro Jahr. Für Batterien und Fahrzeugen seien 10 Milliarden Euro mehr an Finanzierung notwendig. Der Grund dafür ist laut Fachleuten, dass die Wirtschaft nicht darauf ausgerichtet ist, den Wert von Produkten und Materialien zu erhalten. Wie die Politik reagieren sollte, lesen Sie im ESG.Table. Nicolas Heronymus

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Korrektur: In der Mittwoch-Ausgabe hieß es, das Angehörigen-Entlastungsgesetz beziehe sich auf Kinder und Eltern von Pflegebedürftigen. Richtig ist: Es geht um Kinder von Pflegebedürftigen sowie um Eltern von Kindern mit Behinderung. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Table.Today Podcast am Samstag

Table.Today. "Wie geht effektive Entwicklungszusammenarbeit? Mit Reem Alabali Radovan."
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Table.Documents

Stellungnahme zum Gesetzentwurf des Bundesrats zur Sozialstaatsreform

Studie von ZEW und KfW zur Digitalisierung im Mittelstand

Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Wählerschaft des BSW

Antwort auf Kleine Anfrage zu Kommunalfinanzen

Schreiben von mehr als 50 Kommunalverantwortlichen an Friedrich Merz

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Heads

Daniela Schwarzer soll neue Präsidentin der Hertie School werden. Die 53-jährige Politikwissenschaftlerin war zuletzt Vorständin der Bertelsmann Stiftung, Honorarprofessorin an der FU Berlin und beriet die deutsche sowie die französische Regierung. Die Anhörung vor der Fakultät soll am kommenden Montag stattfinden. Sie ist die einzige Kandidatin. Die Auswahlentscheidung soll im Laufe der Woche erfolgen. Der bereits designierte Präsident Jan-Werner Müller hatte im März kurzfristig abgesagt, weil seine Partnerin – eine Princeton-Professorin – keine Anstellung in Deutschland gefunden hatte. Wer die Hochschule zuletzt übergangsweise leitete, lesen Sie im Research.Table. Helene Bubrowski, Leonard Schulz

Andreas Görgen, bis zum vergangenen Sommer Amtschef der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, wird ab Mitte Mai neuer Chief Operations Officer (COO) beim Schiffs- und U-Boot-Bauer TKMS. Dort soll er das operative Geschäft optimieren. Der promovierte Jurist arbeitet seit vielen Jahren an den Schnittstellen zwischen Industrie, Verwaltung und Politik. Im Auswärtigen Amt befasste er sich mit Industrie- und Kulturpolitik, er arbeitete bei Siemens Energy und bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Welche Aufgaben auf Görgen bei TKMS warten, lesen Sie im Security.Table. Viktor Funk

Marie-Christine von Hahn, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), verstärkt ab sofort den Aufsichtsrat der Messe Berlin GmbH. Mit der Messe ist von Hahn eng verbunden: Regelmäßig veranstaltet der BDLI hier die internationale Luft- und Raumfahrtmesse ILA Berlin. Wie Franziska Giffey zur Ernennung des neuen Aufsichtsratsmitgliedes steht, lesen Sie im Security.Table. Maria Mitrov

Katrin Habenschaden, Leiterin Nachhaltigkeit und Umwelt der Deutschen Bahn, verlässt das Unternehmen. Wie der Konzern bestätigte, trenne man sich zum 1. Mai „im gegenseitigen Einvernehmen“. Habenschaden hatte den Posten im Dezember 2023 übernommen. Davor war sie als Grünen-Politikerin dreieinhalb Jahre Zweite Bürgermeisterin Münchens. Wie sie in sozialen Medien mitteilte, wolle sie jetzt eine Auszeit nehmen, der Nachhaltigkeitsbranche künftig aber „ganz sicher auf die ein oder andere Art und Weise verbunden“ bleiben. Die Deutsche Bahn hat noch keinen Nachfolger gefunden, so eine Sprecherin. Die Suche laufe. Marc Winkelmann

Julia Knopf ist Vorstandsmitglied des Didacta Verbands, der größten Interessenvertretung der Bildungswirtschaft in Deutschland. Die 45-Jährige ist aber weit mehr als das: Seit 2012 ist die studierte Lehrerin an der Universität des Saarlandes Professorin für Deutsch in der Grundschule. Nebenbei gründete sie das Forschungsinstitut Bildung Digital und das Unternehmen Didactic Innovations, das Software für die schulische und berufliche Bildung entwickelt. Was Knopf antreibt und was das mit einer fränkischen Brauerei zu tun hat, lesen Sie im Bildung.Table. Malte Neumann

Roelf Meyer wird neuer Botschafter Südafrikas in den USA. Der Posten in Washington war seit mehr als einem Jahr vakant, nachdem die US-Regierung Botschafter Ebrahim Rasool im März 2025 des Landes verwiesen hatte. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bezeichnete den 78-jährigen Geschäftsmann Meyer als „sehr loyalen und patriotischen Südafrikaner". Warum seine Ernennung kontrovers diskutiert wird, lesen Sie im Africa.Table. Andreas Sieren

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Best of Table

Agrifood.Table: Bundesverwaltungsgericht stärkt Tierschutz für Puten. Die Auflagen für Putenhalter in Deutschland könnten sich wesentlich verschärfen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte ein Urteil der Vorinstanz. Danach muss Baden-Württemberg Tierschutzauflagen für einen Putenhalter prüfen, obwohl sein Betrieb den Branchenstandards genügt. Wie sich die Putenhaltung verändern könnte, lesen Sie hier.

Bildung.Table: Grundschüler mit Leseproblemen. Jeder vierte Grundschüler hat Schwierigkeiten mit dem Lesen und Verstehen von einfachen Texten. Um die Lesekompetenz zu steigern, setzen immer mehr Bundesländer auf mehr verbindliche Lesezeit. Was das bringt, lesen Sie hier.

Europe.Table: Wie die Reaktionen auf den Energieplan aussehen. Nachdem die EU-Kommission ihren AccelerateEU-Plan für niedrigere Energiepreise vorgelegt hat, gibt es Lob, aber auch umfangreiche Kritik. Wovor Verbände warnen, lesen Sie hier.

Europe.Table: Schlag gegen Technik aus China. Die Europäische Investitionsbank und andere EU-Institute dürfen ab Mai keine Wechselrichter für Solarparks aus China mehr fördern. Warum Brüssel konkrete Risiken für die Stromversorgung sieht, lesen Sie hier.

Europe.Table: ZVEI-Präsident drängt auf industrie­freundliche KIWende. Gunther Kegel fordert in seinem Gastbeitrag einen ordnungspolitischen Neustart und warnt vor Placebopolitik und Überregulierung. Warum industrielle KI für ihn die zweite Chance für den Standort Deutschland ist und welche Rolle die EU‑Entscheidungen zum KI-Omnibus spielen, lesen Sie hier.

ESG.Table: Lederindustrie fordert Ausnahme von der Entwaldungsverordnung. Sie argumentiert, dass strenge Sorgfaltspflichten dem europäischen Standort schaden. Warum NGOs vermuten, dass Lederimporte in die EU weiter aus illegal entwaldeten Gebieten in Südamerika stammen, lesen Sie hier.

Security.Table: Stark Defence und Inleap Photonics kooperieren bei Drohnenabwehr. Ziel der beiden Start-ups ist es, das laserbasierte Drohnenabwehrsystem von Inleap in den Drohnen von Stark zu verbauen. Welche weiteren Pläne die beiden Unternehmen am Donnerstag bekannt gaben, lesen Sie hier.

Africa.Table: Der Rohölboom und die nigerianische Währung. Der Naira durchläuft eine Phase beispielloser Stabilität. Das weckt die Hoffnung in Nigeria, dass es mit der jahrzehntelangen ölpreisgetriebenen Volatilität vorbei sein könnte. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, lesen Sie hier.

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Time.Table

24. April

KI-Pakt mit Kanada: Karsten Wildberger, Evan Solomon, Kanadas Minister für künstliche Intelligenz und digitale Innovation, Aidan Gomez, Co-Founder und CEO von Cohere, Samuel Weinbach, Co-Founder von Aleph Alpha und Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, sprechen in der Bundespressekonferenz über die deutsch-kanadische Partnerschaft für souveräne KI. Zuletzt war bekannt geworden, dass die beiden KI-Unternehmen fusionieren könnten. Im Anschluss findet die Regierungspressekonferenz statt. Berlin, 11:00 Uhr

EU: Informelles Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten. Nikosia, 8 Uhr. Weitere Informationen

Außenpolitik: Frank-Walter Steinmeier empfängt UN-Flüchtlingskommissar Barham Salih. Berlin, 10 Uhr

Wirtschaft I: Bundestag und Bundesrat stimmen über Energiesteuersenkungsgesetz und Entlastungsprämie ab. Mit Statement von Lars Klingbeil (10:45 Uhr). Berlin, ab 9 Uhr

Wirtschaft II: Beginn einer der weltweit größten Automessen, „Auto China 2026“ in Peking. Weitere Informationen

25. April

Soziales: Beginn der zweitägigen CDA-Bundestagung unter dem Motto “80 Jahre CDA - 80 Jahre soziale Marktwirtschaft” in Marburg. Mit Dennis Radtke, Friedrich Merz und Boris Rhein. Marburg, 25. bis 26. April

26. April

Bildung: Thüringens Bildungsminister Christian Tischner reist nach Kanada und trifft seinen kanadischen Kollegen aus Alberta, Demetrios Nicolaides.

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Must-Reads

Zeit: Wie die Wal-Verschwörer die Politik in Bedrängnis bringen. Seit letzter Woche ist eine private Initiative aus dem Milieu der Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Rechtspopulisten für die Rettung des seit über drei Wochen in der Ostsee gestrandeten Wal verantwortlich – offiziell von MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) geduldet. Über die dubiosen Hintergründe der Gruppe und ihre dilettantischen, von Experten „als reine Tierquälerei“ kritisierten Rettungsversuche, berichten Tom Kroll und Christoph Heinemann. („Die absurde Timmy-Verschwörung“)

New York Times: Deutsche Unterstützung Israels beginnt zu bröckeln. Zwar sei die Regierung in Berlin noch nicht davon abgerückt, Israel als historisch engen Partner zu sehen. Doch rhetorisch sei längst an vielen Stellen großer Frust über Israel zu spüren, schreibt Christopher F. Schuetze. Das liege an der Einführung einer ausschließlich für Palästinenser anwendbare Todesstrafe, den Angriffen auf den Libanon und der Siedlungspolitik in der Westbank. („Germany, a Steadfast Ally of Israel, Now Voices Some Frustration“)

Taz: Demokratieschutz in Sachsen-Anhalt. Der Landtag von Sachsen‑Anhalt hat eine Parlamentsreform beschlossen, um mögliche Blockaden und Machtmissbrauch zu verhindern. Kernpunkte sind neue Regeln zur Wahl des Landtagspräsidiums, sodass auch andere Fraktionen Kandidaten vorschlagen können, falls die größte Fraktion scheitert. Zudem werden Überkreuzbeschäftigungen von Verwandten verboten und die Zahl der Mitarbeiter pro Abgeordneten begrenzt – auch als Reaktion auf Vorwürfe gegen die AfD. Hintergrund sind Umfragen, die der AfD vor der Landtagswahl im September rund 40 Prozent bescheinigen. („Landtag von Sachsen-Anhalt wappnet sich gegen die AfD“)

Nicht überlesen!

Spiegel: Hacker-Attacke auf deutsche Politiker. Mehrere Hundert Personen, darunter Politiker, Beamte und Journalisten seien Opfer von Phishing-Angriffen auf den Messengerdienst Signal geworden. Die prominenteste Betroffene ist Julia Klöckner. Der Verfassungsschutz habe den Kanzler persönlich aufgesucht und sein Telefon geprüft, dort aber nichts Auffälliges entdeckt. („Bundestagspräsidentin Klöckner ist Opfer des Signal-Hacks“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Maybrit Illner, 22:15 Uhr: Reza Pahlavi, Thorsten Frei, Felix Banaszak, Isabella M. Weber, Moritz Schularick, Table.Briefings-Chefredakteurin Helene Bubrowski

Markus Lanz, 23:15 Uhr: Anke Rehlinger, Gerrit Huy, Daniel Friedrich Sturm, Marcus Bensmann

phoenix runde, 0 Uhr: Gerhard Mangott, Almut Möller, Sina-Maria Schweikle, Daniel Goffart

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Parsa Marvi, SPD-Finanzpolitiker: Steuervorschläge aus der Union

7:15 Uhr: Abir Ali, Botschafterin Libanons in Berlin: Irankrieg

8:10 Uhr: Peter Dabrock, Ethiker an der Uni Erlangen: Leihmutterschaft

ARD

8:10 Uhr: Verena Hubertz, Bundesbauministerin (SPD): Wann wird Wohnraum wieder bezahlbar?

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts: Senkung der Energiepreise – Debatte im Bundestag

7:25 Uhr: Christian Klöppelt, Fraunhofer-Institut: Tschernobyl – Gedankenexperiment Wiedereinstieg Atomkraft in Deutschland

9.05 Uhr: René Repasi, Vorsitzender der SPD-Abgeordneten im Europa-Parlament: EU-Gipfel

RTL/ntv

7:30 Uhr: Mario Voigt, Thüringens Ministerpräsident (CDU): Tankrabatt, Entlastungen und Rente

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Geburtstage

24. April

Günter Baumgartner, MdB (CSU), 51

Sascha Müller, MdB (Grüne), 56

25. April

Julia-Christina Stange, MdB (Linke), 48

26. April

Arved Fuchs, Polarforscher, 73

Dietmar Hopp, Mitbegründer SAP, 86

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu einer unbequemen Wahrheit. Was, wenn J.D. Vance einen Punkt hatte, als er bei der MSC 2025 kritisierte, dass in Deutschland die Meinungsfreiheit abnehme? Der SZ-Journalist und Jurist Ronen Steinke befindet in seinem neuen Buch: Der deutsche Strafverfolgungsapparat sei bei der Bekämpfung von Hasskriminalität „weit über sein Ziel hinausgeschossen“. Was noch vor zehn Jahren unter die Meinungsfreiheit gefallen sei, sei nun immer häufiger strafbar – durch schärfer ausgelegte oder neue Paragrafen. Selbst wenn das Ziel mitunter ein hehres sei, etwa wenn es um den Minderheitsschutz geht, fordert Steinke: Wir müssen mehr Meinungsfreiheit wagen, denn man überzeuge Menschen nicht, indem man ihnen den Mund verbiete. Das Buch ist nominiert für den Sachbuchpreis 2026. Leonard Schulz

Ronen Steinke: „Meinungsfreiheit“ | Berlin Verlag

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Michael Bröcker, Helene Bubrowski, Damir Fras, Daniel Friesen, Viktor Funk, Nicolas Heronymus, Stephan Israel, Lisa-Martina Klein, Malte Kreutzfeldt, Andreas Landwehr, Vincent Mikoteit, Maria Mitrov, Malte Neumann, Henrike Schirmacher, Leonard Schulz, Sven Siebert, Andreas Sieren, Sara Sievert, Britta Weppner und Marc Winkelmann mitgewirkt.

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