Volkswagen: Warum der Autobauer mit Schließung in Südafrika droht

Südafrikas Neuwagenmarkt wächst. Das ist jedoch wenig Grund zur Freude für lokale Hersteller, denn getrieben wird das Wachstum durch steigende Importe. VW macht nun Druck, um die Regierung zum Handeln zu bewegen und die eigene Industrie zu schützen.

26. Februar 2026
VW erhöht den Druck auf die Regierung in Südafrika. (IMAGO / Dean Pictures)
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Auf den ersten Blick lesen sich die Marktzahlen des Branchenverbands Naamsa zu den Autoverkaufszahlen in Südafrika im vergangenen Jahr positiv. Mit knapp 597.000 verkauften Neuwagen erreichte Südafrika laut dem Verband ein Verkaufsvolumen auf Vor-Corona-Level. Im Vergleich zu 2024 stiegen die Neuverkäufe um 15,7 Prozent. Auch bei den Autoexporten verzeichnete Südafrika demnach immerhin ein Plus von 4,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Dennoch ist die Stimmung in der Branche schlecht, denn für die Verkaufsrekorde sind immer weniger die lokalen Hersteller verantwortlich. Günstige Importe aus Asien zeigen, dass die südafrikanische Regierung ihrem eigenen Ziel, die lokale Autoindustrie zu stärken, zuletzt nicht entsprechen konnte. Volkswagen schlägt jetzt Alarm und droht mit Werksschließung.

Für Volkswagen geht es um langfristige Investitionsentscheidungen und die Frage, wie konkurrenzfähig Südafrika als Produktionsstandort auch in Zukunft ist: „Das, was der South African Automotive Masterplan mit Ziel 2035 verkündet hat, materialisiert sich leider nicht“, erklärte Martina Biene, Geschäftsführerin von Volkswagen Südafrika (VWSA), im Gespräch mit Table.Briefings. Diesen hatte die südafrikanische Regierung bereits 2018 herausgegeben und erklärt, die jährliche Produktion bis 2035 auf mindestens 1,4 Millionen Fahrzeuge zu steigern und sich somit ein Prozent der weltweiten Autoproduktion zu sichern. Der heimische Automobilmarkt soll demnach auf rund 1,1 Millionen verkaufte Autos steigen und der verbleibende Anteil exportiert werden. Zudem setzte die südafrikanische Regierung das Ziel, den Anteil lokaler Hersteller auf 60 Prozent zu steigern. 2015 lag die Quote bei 39 Prozent.

Laut Biene entwickelt sich die Quote jedoch in die entgegengesetzte Richtung: „Während früher zwei von drei Fahrzeugen von einem lokal ansässigen Hersteller im heimischen Markt verkauft wurden, sind es mittlerweile nur noch eins von drei.“ Die Markterholung komme also im Wesentlichen von Importmarken. Laut Naamsa stiegen die Importe im Zeitraum Januar bis Oktober 2025 um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Von der südafrikanischen Regierung verlangt Biene daher schnelles Handeln: „Man muss den Plan anschauen oder sogar überlegen, wie ein anderer Plan aussehen könnte und wie man lokale Fertigung schützen kann.“

Die Hersteller in Südafrika geraten aus verschiedenen Gründen unter Druck. Zum einen können sie mit den Preisen der Hersteller aus Indien oder China nicht konkurrieren. Denn die Kosten für Logistik oder Elektrizität sind in Südafrika deutlich höher. Zum anderen kritisieren die lokalen Hersteller laut einem Bericht der Wirtschaftsprüfer BDO, dass insbesondere chinesische Hersteller zusätzlich zu den heimischen Subventionen auch von südafrikanischen Handelserleichterungen profitierten, wenn sie auf Teilmontage in Südafrika setzten.

Pläne der Regierung, den eigenen Markt mittels massiver Zölle zu schützen, kamen in der Industrie allerdings nicht gut an. Die Verdopplung der Einfuhrzölle für Neuwagen – wie sie die Regierung erwägt, um Importe aus Indien und China zu erschweren – könnte sich auch negativ auf die eigene Produktion auswirken, warnt zum Beispiel die Gewerkschaft Solidarity, wenn dadurch das Auto allgemein als unerschwingliches Luxusgut wahrgenommen würde. Südafrikas BMW-Chef und Naamsa-Präsident Peter van Binsbergen plädiert statt eines „Zollhammers“ dafür, Anreize für die lokalen Hersteller zu schaffen.

Weitere Unsicherheit gebe es zudem durch Südafrikas E-Mobilitätsstrategie und der Transformation hin zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (NEV). „Die NEV-Politik ist zu eng auf batterieelektrische Fahrzeuge ausgerichtet, die lokal weitgehend unerschwinglich sind“, sagte Biene Anfang Februar bereits Business Insider. Dabei hat die südafrikanische Regierung 2023 eigentlich für einen technologieoffenen Ansatz in ihrem White Paper zur Transformation hin zu einer elektrischen Automobilindustrie entschieden. Darin heißt es, dass die Regierung neben batteriebetriebenen Fahrzeugen auch Plug-in-Hybride oder Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Autos, die mit grünen synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, durchaus als Teil der Mobilitätswende im Land sieht. Aus Volkswagen-Sicht gibt die Strategie allerdings batteriebetriebenen Autos den Vorzug und bietet kaum Planungssicherheit für andere Antriebsarten.

Das passt nicht in die Strategie in den exportorientierten Autobauer. Bereits 2023 schloss VW-Markenvorstand Thomas Schäfer bei seinem Besuch in Südafrika eine Umstellung der südafrikanischen Produktion auf Batteriefahrzeuge aus. Zum einen sei die Produktion von E-Autos für den Export etwa nach Europa nicht nachhaltig, zum anderen seien Batteriefahrzeuge für den südafrikanischen Markt nicht konkurrenzfähig. Derzeit produziert das VW-Werk in Kariega rund 157.000 Fahrzeuge und 27.000 Motoren. 2024 exportierte VW etwas mehr als 130.000 Polos von Südafrika in 38 Länder vor allem in Europa und Asien.

Kritisch ist die Situation für VW in Südafrika in diesem Jahr vor allem, da der Konzern in Wolfsburg in diesem Jahr seine Investitionsentscheidungen für den kommenden Investitionszyklus ab 2030 treffen will. Dafür brauche es aber ein klares Signal der südafrikanischen Wirtschaft, dass man den Standort für die Autobranche wettbewerbsfähig halten wolle, meint Biene. Deshalb hat die VWSA-Chefin im Dezember einen Brief an den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa geschrieben, um die Dringlichkeit für Reformen deutlich zu machen. Mittlerweile gebe es Rückmeldung aus dem Präsidentenbüro und man wolle sich in den kommenden Wochen mit dem Präsidenten treffen. Zudem wollen die sechs lokalen Hersteller in Südafrika (VW, Toyota, BMW, Mercedes, Ford und Isuzu) ein Positionspapier veröffentlichen. Darin will die Industrie Vorschläge formulieren, welche Reformen nun notwendig wären.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026