Schlachthöfe: Tönnies will Kapazitäten in Weißenfels erweitern

Dem Perleberger Schlachthof droht die Schließung. Damit gäbe es in Nordostdeutschland keinen größeren Schlachtbetrieb mehr. Tönnies will die Lücke schließen. Doch die Bio-Branche sieht auch andere Potenziale.

04. November 2025
Schweinen in Ostdeutschland stehen künftig längere Transporte bevor. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt)
Das Politik-Briefing für Agrar & Ernährung. Jetzt Agrifood.Table 30 Tage kostenlos testen!

Vor dem Hintergrund der drohenden Schließung des Schlachthofs in Perleberg erwägt Tönnies eine Erhöhung seiner Produktion. „Tönnies Lebensmittel wird alles dafür tun, einen drohenden Schweinestau zu verhindern“, teilt das Unternehmen auf Anfrage von Table.Briefings mit. „Der Schlüssel dafür ist die Erhöhung der Schlachtkapazitäten an unserem Standort Weißenfels in Sachsen-Anhalt.“ Das Unternehmen stehe bereits im Austausch mit den Behörden, um zusätzliche Schichten an dem nahe Leipzig gelegenen Schlachthof einzusetzen. Diese Maßnahme sei kurzfristig umsetzbar.

Die Geschäftsführung des Fleischcenters Perleberg im nordwestlichen Brandenburg hatte in der vorigen Woche den Betriebsrat über die bevorstehende Schließung informiert. Der Betrieb ist der einzige verbliebene größere Schlachthof in Nordostdeutschland. Zerlegung fand dort aber schon seit Längerem nicht mehr statt. „Mit einer möglichen Schließung steigen nicht nur die Transportwege und -kosten für die Tierhalter, sondern es ist auch damit zu rechnen, dass ein weiteres Verlagern von Wertschöpfung in Brandenburg in ferne Regionen stattfindet“, sagt der Präsident des Landesbauernverbands, Hendrik Wendorff. Außer nach Weißenfels können Erzeuger aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf den Tönnies-Betrieb in Kellinghusen (Schleswig-Holstein) oder nach Polen ausweichen.

Auch die Bio-Branche steht mit der drohenden Schließung vor einem Problem. „Mit der Schließung würde ein zentrales Element der hiesigen Wertschöpfungskette wegbrechen“, sagt Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Es sei zu befürchten, dass sich der Rückgang der Schweinebestände in der Region weiter verschärfe. Schon jetzt deckten Brandenburg und Berlin nur einen kleinen Teil ihres Bedarfs an Schweinefleisch.

Allerdings vergrößerten sich die Chancen für hofnahe Schlachtungen. Der Druck steige, dass auf diesem Gebiet etwas passiert, sagt Wimmer. „Die Betriebe sind bereit, aber die bürokratischen Hürden sind erheblich – was auch einen Teil der Mehrkosten einer Schlachtung ohne Tiertransporte erklärt.“ Bundes- und Landespolitik seien am Zug, bessere Voraussetzungen zu schaffen. Frederik Bombosch

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026